Gavin Menzies: 1434 - The year a magnificent chinese fleet sailed to Italy and ignited the Renaissance
(noch keine deutsche Übersetzung)
HarperCollinsPublishers, London, 2008
Es waren nicht die Schweizer. Es waren die Chinesen. Die Chinesen haben's erfunden. Sie sind an allem schuld. Zum Beispiel auch an der Renaissance.
Gavin Menzies versucht zu beweisen, dass Teile von Zheng Hes letzter Schatzflotte um 1434 über das Rote Meer, den Nilkanal und die Adria den Hof des Papstes erreichten. Dass neue Ideen von diesem Besuch ausgingen. Was wir von Kopernikus, Regiomontanus und da Vinci kennen, das könnte auf Anregungen aus China zurückzuführen sein.
Bei Leonardos Zeichnungen scheint das relativ schlüssig. Er soll massenhaft abgeschrieben haben. Seine Quellen waren Zeitgenossen der chinesischen Delegation. Und die hatte Bücher dabei. Leider ist das auf keiner Abbildung direkt nachvollziehbar: Immer sind Zahnräder um 90 Grad gedreht, es werden andere Tiere zum Antrieb eingesetzt oder ein Bild wurde schematisiert oder ausgeschmückt.
Der plötzliche wirtschaftliche Aufschwung (Seidenproduktion und Reisanbau in Norditalien) soll auch erst durch die fremden Ratgeber möglich geworden sein. Damit wurde nach 1434 der Wohlstand der Städte und der Kaufmannsfamilien möglich. Nun wurden finanzielle Mittel für Kunst und Wissenschaft frei. Voraussetzungen für die Renaissance.
Auch in der Mathematik, Astronomie und Navigation gab es in dieser Zeit große Veränderungen. Magellan und Kolumbus wussten, was sie erwartet. Weil sie Karten hatten, die auf chinesische Vorbilder zurückgingen.
Die letzten beiden Kapitel sind vom Rest völlig unabhängig. Es geht um mögliche chinesische Schiffswracks an mehreren Pazifikküsten, die auf eine einzelne Flutwelle im behandelten Zeitraum zurückzuführen sein könnten. Und um die Gegend in Spanien, die die meisten Konquistadoren hervorgebracht hat. Sozusagen als ergänzendes Zeitbild.
Die Ideen in diesem Buch haben was. Leider werden chinesische Quellen immer auf Umwegen interpretiert. Der Autor muss vieles glauben. Im Zweifel nimmt er an, dass es ins Konzept passt. Eigene Sprachkenntnisse scheint er nicht zu haben. Er nennt zum Beispiel die drei wichtigsten chinesischen Flüsse: Yangtze, Huang He und Gelber Fluss.
Wenn es spannend wird, dann verweist er auf seine Internetseiten. Dort wären Belege zu finden. Die sind aber umstritten. Weil die Idee so unkonventionell ist? Oder weil er Kritik nicht wahrhaben will? Die Beweise sind DNS-Analysen, Zeichnungen, die "eindeutig" Chinesen (oder Mongolen?) zeigen, (zufällige) Zeitgleichheit. Nach Bedarf. Man muss zugeben, dass diese Theorie im plausiblen Bereich liegen könnte. Oder eine andere. Darauf muss man erst einmal kommen. Respekt!
Schon "1421" war nicht sehr konkret. Im Zweifel war ein Fund an der nordamerikanischen Ostküste eben chinesisch. Und die Zeit war 1421. Was denn sonst? Andere Interpretationen waren nicht denkbar. "1434" ist etwas besser gemacht. Obwohl Menzies ab und zu abschweift. Schwafelt. Von persönlichen Erlebnissen erzählt. Was man etwa beim Besuch eines Restaurants zu erwarten hat. Was er als Kommandant eines U-Boots in den 60ern getan hätte. Usw.




früher mal gelesen: 1421 - The year China discovered America / 1421 - Als China die Welt entdeckte (2003)
Die Webseiten dazu. Mit der Möglichkeit, neueste Erkenntnisse zu lesen. Und zu melden:
http://www.1421.tv/" target="_blank
http://www.1434.tv/" target="_blank