Und dann kommt ein vereinzelter Professor an und behauptet, es sei (zumindest auf lokaler Ebene) pleite.
Davor warnt sogar schon die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission, das höchste Wirtschaftsplanungsorgan Chinas.
Hier ein älterer Artikel auf einer Parteitreuen Website:
http://german.china.org.cn/fokus/2010-07/05/content_20424782.htm
Inzwischen hat sich die Problematik verschärft und wird mehr oder weniger totgeschwiegen.
Ein Vergleich der Zinsen und der Inflationsraten zeigt, dass in China weitaus schlimmere Kapitalknappheit herrscht als in Europa.
Was ist aber der Unterschied zwischen China und der EU? Warum gehen EU-Staaten pleite, während China weiterhin Prestigeprojekte bauen kann?
In China hat der Staat absolute Macht, in der EU ist die Wirtschaft unabhängig. Mit anderen Worten: in China gehören die Banken dem Staat und müssen die Regierung finanzieren, wenn diese es verlangt. Die Privaten stehen hinten an und müssen sich das übrige Kapital aufteilen, was zu enormen Zinsen für sie führt und verhindert, dass chinesische Privatfirmen mit der westlichen Konkurrenz ohne Regierungshilfe auch nur entfernt mithalten können.
Am Ende bezahlt dies die Bevölkerung mit tiefen Reallöhnen, der Staat lebt weiterhin gut. Das funktioniert solange, bis die Wirtschaft kollabiert, weil sie nicht mehr investieren kann - mit anderen Worten, bis kein neues Kapital aus dem Ausland (wo die Zinsen tief sind) zufliesst. Daher ist China abhängig vom Ausland.
Da aber China weiterhin offen ist und mit den höheren Zinsen und stets tiefen Löhnen umgekehrt auch höhere Ertragschancen bietet, wird es nicht so rasch kollabieren. Solange die Wirtschaft schneller wächst als die Enteignung der Leute voranschreitet, ist alles im grünen Bereich.
Wenn aber das Wirtschaftswachstum einmal zum Erliegen kommt, haben wir eine neue Finanzkrise - und eine Hungersnot in China.
Vor diesem Hintergrund ist auch das gigantische Konjunkturpaket der chinesischen Regierung zu sehen: die Investitionen und die Nachfrage aus dem Ausland brachen ein, die Sache drohte zu kippen. Das Wachstum musste unter allen Umständen aufrechterhalten werden, selbst zum Preis einer feurigen Inflation. Die Stabilität wurde also mit der Entwertung der Ersparnisse der Bevölkerung erkauft.
China hat inzwischen das Problem erkannt und möchte unter dem 12. Fünfjahresplan von einer "Exportgetriebenen" zu einer "Konsumgetriebenen" Wirtschaft werden. Doch das würde bedeuten, dass die ganzen Funktionäre die Gürtel enger schnallen und müssen und ihre Investitionen am Markt gemessen würden. Ob Beijing das durchsetzen kann, bleibt abzuwarten.
Die derzeitige Strategie erscheint mir allerdings vielversprechend:
-> Die Immobilienblase wird gekühlt (schafft Nachhaltigkeit, dämpft Inflation und sorgt für freies Kapital).
-> Die Lokalregierungen dürfen eigene Bonds ausgeben (=müssen sich am Finanzmarkt finanzieren, nicht mehr über die Freunde bei der Bank), haben aber noch Rückendeckung aus Beijing (=es wird kein zweites Griechenland in China geben).
-> Der Yuan wird langsam internationalisiert, womit mehr Kapital aus dem Ausland geholt werden kann.
Ob das klappen wird, bleibt abzuwarten. Es besteht das Risiko, dass plötzlich alle ihre Wohnungen verkaufen, da sie keine Verluste mehr hinnehmen wollen. Dann platzt die Immobilienblase. Und dann haben wir den Salat.
Das Problem mit China ist: man hat keine brauchbaren Daten. Die BIP-Angaben sind fragwürdig, die Arbeitslosenzahlen allein wegen mangelnder Arbeitslosengelder und Hukousystem inkorrekt und selbst die Import-/Exportstatistiken verzerrt, während die Immopreise sowieso chronisch geschönt werden. Somit ist es extrem schwierig zu merken, wenn es wirklich los geht. Daher ist China für mich weiterhin ein Exportland, wo man billig produzieren kann - aber keine Konsumnation.