Seite 9 von 9

Re: Hinrichtungen in China

Verfasst: 23.01.2009, 19:56
von Philipp
mistervac hat geschrieben: Ich fühle mich persönlich beleidigt, wenn man mir meine Postings dahingehend auslegt, ich würde Staatsverbrechen , und ein solches ist jede Form der Hinrichtung selbstredend, rechtfertigen oder schönreden.


Worum gehts denn sonst bei deinem Kulturrelativismus. Das ist Propaganda irgendwelcher Staatsführer die ihre Unrechtsherrschaft mit angeblichen kulturellen Eigenschaften der von ihnen Beherrschten rechtfertigen wollen.

Re: Hinrichtungen in China

Verfasst: 23.01.2009, 20:04
von Philipp
ingo_001 hat geschrieben:Ich habe mich während meiner China-Aufenthalte u. a. auch über das Thema Todestrafe sowohl mit meiner Schwiegerfamilie als auch mit chinesischen Freunden unterhalten.
Dabei stellte sich heraus, dass sie neben dem Argument "Auge um Auge - Zahn um Zahn" noch ein Weiteres für die Todesstrafe genannt hatten: Die manchmal gegen null tendierende gelebte Bildung.

Es gäbe trotz der allgemeinen Schulpflicht gerade in ländlichen Gebieten mitunter recht krude Vorstellungen über den Wert/Umgang mit seinen Mitmenschen.

Es ist ja allgemein bekannt, dass Chinesen häufig voller Vorurteile über Menschen aus anderen Landesteilen sind, die gleichen Vorurteile gibt es auch von Städtern den Bauern gegenüber, bis hin zu den Schauermärchen deiner Bekannten über Bauern die kleine Kinder fressen.


ingo_001 hat geschrieben: Fazit meiner Gesprächspartner: Solange es nicht wenigstens ein in ALLEN Schichten akzeptierten und GELEBTEN Grundkonsenz in elementaren Verhaltensweisen gibt - ist es SCHLICHT NÖTIG die Todestrafe beizubehalten.

Es soll da auch so eine Schicht geben die sich bevorzugt in schwarzen Mercedes-Limousinen durch die Hauptstadt fahren lässt, parasitär von Steuergeldern lebt und reichlich viele Menschenleben auf ihrem (nicht sehr ausgeprägten) Gewissen hat, wie wäre es in dieser Schicht mal mit der Todesstrafe anzufangen?

Re: Hinrichtungen in China

Verfasst: 23.01.2009, 20:33
von ingo_001
Philipp hat geschrieben:
ingo_001 hat geschrieben:Ich habe mich während meiner China-Aufenthalte u. a. auch über das Thema Todestrafe sowohl mit meiner Schwiegerfamilie als auch mit chinesischen Freunden unterhalten.
Dabei stellte sich heraus, dass sie neben dem Argument "Auge um Auge - Zahn um Zahn" noch ein Weiteres für die Todesstrafe genannt hatten: Die manchmal gegen null tendierende gelebte Bildung.

Es gäbe trotz der allgemeinen Schulpflicht gerade in ländlichen Gebieten mitunter recht krude Vorstellungen über den Wert/Umgang mit seinen Mitmenschen.

Es ist ja allgemein bekannt, dass Chinesen häufig voller Vorurteile über Menschen aus anderen Landesteilen sind, die gleichen Vorurteile gibt es auch von Städtern den Bauern gegenüber, bis hin zu den Schauermärchen deiner Bekannten über Bauern die kleine Kinder fressen.


ingo_001 hat geschrieben: Fazit meiner Gesprächspartner: Solange es nicht wenigstens ein in ALLEN Schichten akzeptierten und GELEBTEN Grundkonsenz in elementaren Verhaltensweisen gibt - ist es SCHLICHT NÖTIG die Todestrafe beizubehalten.

Es soll da auch so eine Schicht geben die sich bevorzugt in schwarzen Mercedes-Limousinen durch die Hauptstadt fahren lässt, parasitär von Steuergeldern lebt und reichlich viele Menschenleben auf ihrem (nicht sehr ausgeprägten) Gewissen hat, wie wäre es in dieser Schicht mal mit der Todesstrafe anzufangen?
Ich habe ja auch nur eine Facette etwas detailierter dargestellt.

Die Täter in Nadelstreifen endschuldigt das natürlich in keiner Weise.
Aber an die kommt man ungleich schwerer.
Dieser Punkt trifft übrigens auf jedes andere Land auch zu - nur dass es nicht überall die Todesstrafe gibt.

Re: Hinrichtungen in China

Verfasst: 23.01.2009, 20:33
von mistervac
Philipp hat geschrieben:
mistervac hat geschrieben: Ich fühle mich persönlich beleidigt, wenn man mir meine Postings dahingehend auslegt, ich würde Staatsverbrechen , und ein solches ist jede Form der Hinrichtung selbstredend, rechtfertigen oder schönreden.


Worum gehts denn sonst bei deinem Kulturrelativismus. Das ist Propaganda irgendwelcher Staatsführer die ihre Unrechtsherrschaft mit angeblichen kulturellen Eigenschaften der von ihnen Beherrschten rechtfertigen wollen.
@ Philip :

Denkst Du, die Welt kann per Dekret gerecht werden ??

Es gibt keinen praktikablem Weg, die Menschen zum Gutsein zu bekehren.

Obwohl ich wahrscheinlich in diesem Punkt Deine Wertvorstellungen teile, finde ich Deine Lösungsansätze etwas weltfremd, mein Guter.

Streng mal Deinen Denkmuskel an und erzähle uns bitte, wie Du alle Bösen bekehren bzw umpolen willst.

Re: Hinrichtungen in China

Verfasst: 23.01.2009, 20:58
von Bernhard
ingo_001 hat geschrieben: Fazit meiner Gesprächspartner: Solange es nicht wenigstens ein in ALLEN Schichten akzeptierten und GELEBTEN Grundkonsenz in elementaren Verhaltensweisen gibt - ist es SCHLICHT NÖTIG die Todestrafe beizubehalten.
Diese Argumentationsweise geht von der abschreckenden Wirkung der Todesstrafe aus, die nicht ganz sicher ist.
Ich weiß auch nicht, ob die Verdächtigungen gegen "ungebildete Dorfbewohner" nicht auf Vorurteilen beruhen. Aber selbst wenn nicht: Wenn mangelndes moralisches Bewusstsein flächendeckend verbreitet ist, bis hin zu den Dorfpolizisten, dann wird es immer Unrecht geben, mit oder ohne Todesstrafe. Nach dem Motto: Wo kein Kläger, da kein Richter.

Re: Hinrichtungen in China

Verfasst: 23.01.2009, 21:31
von Wang
Dieses Argument mit dem Abschreckungseffekt ist eh totaler Blödsinn. Ein Verbrecher wird, wenn er eine Tat plant und durchführt, immer denken, dass er eh viel zu intelligent für die Polizei und Behörden ist ---> nicht gefasst wird.

Da hat die Möglichkeit einer Hinrichtung keinen Einfluss drauf. Denn eine lebenslange Haftstrafe müsste dann genauso Abschreckung sein, also zumindest in einem Land, wo lebenslang auch wirklich lebenslang heißt (in Deutschland ja 15 Jahre..., wenn man nicht schon vorher wegen guter Führung rauskommt).

Der Punkt ist also einfach, dass man nicht davon ausgeht, gepackt zu werden. Also Käse mit Abschreckungseffekt, für mich wäre es kein allzu (!) großer Unterschied, bis ans Lebensende in einer Zelle zu hocken oder vorher schon vom Staat umgebracht zu werden. Natürlich schon ein Unterschied, aber für mich wäre lebenslang eigentlich genauso schlimm.

Re: Hinrichtungen in China

Verfasst: 23.01.2009, 21:59
von Philipp
Wang hat geschrieben:Dieses Argument mit dem Abschreckungseffekt ist eh totaler Blödsinn. Ein Verbrecher wird, wenn er eine Tat plant und durchführt, immer denken, dass er eh viel zu intelligent für die Polizei und Behörden ist ---> nicht gefasst wird.

Da hat die Möglichkeit einer Hinrichtung keinen Einfluss drauf. Denn eine lebenslange Haftstrafe müsste dann genauso Abschreckung sein, also zumindest in einem Land, wo lebenslang auch wirklich lebenslang heißt (in Deutschland ja 15 Jahre..., wenn man nicht schon vorher wegen guter Führung rauskommt).

Der Punkt ist also einfach, dass man nicht davon ausgeht, gepackt zu werden. Also Käse mit Abschreckungseffekt, für mich wäre es kein allzu (!) großer Unterschied, bis ans Lebensende in einer Zelle zu hocken oder vorher schon vom Staat umgebracht zu werden. Natürlich schon ein Unterschied, aber für mich wäre lebenslang eigentlich genauso schlimm.

Ein Argument für die Todesstrafe ist vielleicht auch, dass es zumindest in einem Land wie Deutschland sehr viel kostet einen Gefangenen einzusperren, d.h. neben den Schäden für die Menschen die der Verbrecher ohnehin schon durch die Straftaten bewirkt hat können anschließend die Steuerzahler noch für seine Versorgung aufkommen, werden also nochmal bestraft.

Könnte man natürlich humaner regeln, indem die Gefangenen arbeiten müssten, während sie im Knast sind.

Re: Hinrichtungen in China

Verfasst: 23.01.2009, 22:06
von Wang
Philipp hat geschrieben:
Ein Argument für die Todesstrafe ist vielleicht auch, dass es zumindest in einem Land wie Deutschland sehr viel kostet einen Gefangenen einzusperren, d.h. neben den Schäden für die Menschen die der Verbrecher ohnehin schon durch die Straftaten bewirkt hat können anschließend die Steuerzahler noch für seine Versorgung aufkommen, werden also nochmal bestraft.
Gegner der Todesstrafe behaupten meistens, dass es genau umgekehrt sei: Dass eine Hinrichtung weitaus teurer sei als eine lebenslange Haftstrafe. Das finde ich allerdings selber ein bisschen fragwürdig.

Ich könnte mir es nur so erklären: In den USA sitzen viele Gefangene auch teilweise 20 Jahre in Haft vor ihrer Hinrichtung und durchlaufen teilweise mehrere Revisionsprozesse. Ich denke, dass diese wohl das Hauptproblem darstellen, immer wieder Gerichtskosten, die vom Staat getragen werden müssen.
Ansonsten wüsste ich nicht, wie eine Hinrichtung teurer sein sollte als eine lebenslange Haftstrafe.

Re: Hinrichtungen in China

Verfasst: 23.01.2009, 22:30
von ingo_001
Wang hat geschrieben:
Philipp hat geschrieben:
Ein Argument für die Todesstrafe ist vielleicht auch, dass es zumindest in einem Land wie Deutschland sehr viel kostet einen Gefangenen einzusperren, d.h. neben den Schäden für die Menschen die der Verbrecher ohnehin schon durch die Straftaten bewirkt hat können anschließend die Steuerzahler noch für seine Versorgung aufkommen, werden also nochmal bestraft.
Gegner der Todesstrafe behaupten meistens, dass es genau umgekehrt sei: Dass eine Hinrichtung weitaus teurer sei als eine lebenslange Haftstrafe. Das finde ich allerdings selber ein bisschen fragwürdig.
Um mal wieder auf China zurückzukommen:
Wenn man nur die Kostenfrage betrachtet, dann ist die Hinrichtung billiger - zumal die Patrone, die den Deliquenten ins Jenseits befördert, ja wohl auch dessen Familie in Rechnung gestellt wird - falls sich da zwischenzeitlich nichts dran geändert hat.

Aber das Kostenargument kann doch nicht wirklich als "echtes" Pro zählen ...
Eine Hinrichtung ist IMMER billiger als eine langjährige oder gar lebenslängliche Inhaftierung.
Dann müsste ja der Täter aus besagtem "Grund" schon wegen Bagatellstraftaten zur Hinrichtung "gebeten" werden :shock:

Andererseits: Bei nur einer Strafe - der kostengünstigsten (Todesstrafe) würde es wohl allgemein weniger Straftaten geben.
Aber diese Radikal-Variante hat selbst in China keine "Chance" Realität zu werden.

Re: Hinrichtungen in China

Verfasst: 23.01.2009, 22:36
von Philipp
ingo_001 hat geschrieben: Wenn man nur die Kostenfrage betrachtet, dann ist die Hinrichtung billiger - zumal die Patrone, die den Deliquenten ins Jenseits befördert, ja wohl auch dessen Familie in Rechnung gestellt wird - falls sich da zwischenzeitlich nichts dran geändert hat.

Aber das Kostenargument kann doch nicht wirklich als "echtes" Pro zählen ...
Eine Hinrichtung ist IMMER billiger als eine langjährige oder gar lebenslängliche Inhaftierung.
Dann müsste ja der Täter aus besagtem "Grund" schon wegen Bagatellstraftaten zur Hinrichtung "gebeten" werden :shock:

Es fordert ja sowohl hier wie auch in China niemand die Todesstrafe für Bagatelldelikte. Aber wenn jemand einen Mord begangen hat und man ihn ohnehin lebenslänglich einsperrt, wäre die Todesstrafe kostengünstiger und anders als bei Bagatelldelikten auch nicht unverhältnissmäßig zur Straftat.

Mir kommt es bei der jetzigen Todesstrafe aber auch so vor, als ob Verbrecher (chinesische Richter und Politiker die sie kommandieren) über andere Verbrecher Todesurteile fällen.

Re: Hinrichtungen in China

Verfasst: 23.01.2009, 23:04
von ingo_001
ingo_001 hat geschrieben: Wenn man nur die Kostenfrage betrachtet, dann ist die Hinrichtung billiger - zumal die Patrone, die den Deliquenten ins Jenseits befördert, ja wohl auch dessen Familie in Rechnung gestellt wird - falls sich da zwischenzeitlich nichts dran geändert hat.

Aber das Kostenargument kann doch nicht wirklich als "echtes" Pro zählen ...
Eine Hinrichtung ist IMMER billiger als eine langjährige oder gar lebenslängliche Inhaftierung.
Dann müsste ja der Täter aus besagtem "Grund" schon wegen Bagatellstraftaten zur Hinrichtung "gebeten" werden :shock:
Philipp hat geschrieben: Es fordert ja sowohl hier wie auch in China niemand die Todesstrafe für Bagatelldelikte. Aber wenn jemand einen Mord begangen hat und man ihn ohnehin lebenslänglich einsperrt, wäre die Todesstrafe kostengünstiger und anders als bei Bagatelldelikten auch nicht unverhältnissmäßig zur Straftat."
ingo_001 hat geschrieben:Deswegen war von mir ja auch AUSSCHLIESSLICH das Kosten"argument" - unabhängig von der Verhältnismässigkeit der Straftat - genannt.
Philipp hat geschrieben:Mir kommt es bei der jetzigen Todesstrafe aber auch so vor, als ob Verbrecher (chinesische Richter und Politiker die sie kommandieren) über andere Verbrecher Todesurteile fällen.
Sicher nicht alle - aber doch zuviele.