wuseltiger hat geschrieben:wuseltiger,
Den deutschen Hang zur Schulmeisterei hast Du treffend beschrieben. Ich stimme Dir zu, dass der nicht rassistisch ist, sondern eine Obsession, die Deutsche auch untereinander austoben. Leider denke ich aber schon, dass es in Deutschland Rassismus gegenüber Migranten gibt.
Klar gibt es Rassismus. In allen Facetten, vom unterschwelligen (oft selbst nicht bewussten) bis hin zur (eher seltenen) offenen Ablehnung. Jeder hat seine Vorurteile und pflegt sie.
nun nennt mir aber mal ein Land in dem es keinen Rassismus gibt? China? Da muss ich herzhaft lachen. Wer so etwas behauptet (wie in anderen Threads geschehen; bloß weil die alle so nett zu uns westlichen Ausländern sind) hat wohl noch nie eine ehrliche Antwort von einem Chinesen erhalten, sondern nur das für Ausländer vorbereitete gesichtswahrende blabla. Ich darf doch mal an die "Japaner unerwünscht" Schilder erinnern, die es übrigens auch umgekehrt in Japan und Südkorea gibt.. Unvorstellbar, dass ein deutscher Gastwirt keine Franzosen bedient, da wäre gleich RTL vor Ort (zum Glück, übrigens)..
Zum Deutschen Michel: ja der ist eher mitte-rechts als mitte-links..
Was ist im anderen Thread geschehen? Wer hat was behauptet?
Nocheinmal "No Japanese" oder "keine Franzosen" ist per se noch kein Rassismus. Es ist diskriminierend, es ist unerhört und sinnlos. Was ich im anderen Thread und auch hier kritisiere ist die extrem breite und nicht differenzierende Anwendung des Begriffes. Mit dieser weiten Auslegung kann man sagen, dass jeder einzelne Mensch auf den Planeten ein Rassist ist. Den Vorurteile, Stereotype, Klischees etc. - ja sogar diskriminierendes Verhalten weisst jeder Mensch auf.
Ich gehe sogar weiter und sage, dass diese inflatiöse Verwendung diesen und auch anderer Begriffe (z.B. Völkermord, Kolonialismus) tatsächlichen Rassismus oder Völkermord relativieren/verstecken kann und wichtige Diskussionen/Auseinandersetzungen im vorhinein verhindert (das ist mein Hauptkritikpunkt) und meistens als Drecksschleuder für ideologische Hetze verwendet wird.
Ausschnitt aus Lunyu 13.3
Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte. Wenn das, was gesagt wird, nicht stimmt, dann stimmen die Werke nicht. Gedeihen die Werke nicht, so verderben Sitten und Künste. Darum achte man darauf, dass die Worte stimmen. Das ist das Wichtigste von allem.
ps. ich möchte hier kurz noch eine kleine Geschichte über den irrsinnigen Gebrauch der Rassismuskeule bei politischen Diskussionen im deutschen Raum anbringen.
Im Zeit Forum (wo ich mitlese, aber nicht poste - also bossel u. co spart euch die Zeit) war ein Chinese so vermessen zu behaupten, dass Mentalitätsunterschiede ein Grund sind warum es so große Spannungen in Tibet und Xinjiang gibt. Chinesen sind seiner Meinung nach sehr fleißig und haben primär das Ziel Geld zu verdienen, während Tibeter und Uiguren Religion als Lebensmittelpunkt haben und daher dazu neigen beruflich fauler zu sein bzw. weniger zu arbeiten.
Weswegen ein Bekannter von ihm auch keine Uiguren mehr einstellen würde.
Sofort kam der empörende Aufschrei, dass dies Rassismus in Reinform wäre und auch von der Zeit Redaktion wurde gebeten solche rassistischen Aussagen in Zukunft zu unterlassen.
Interessanterweise gibt es von deutscher Seite dutzende Postings u. auch Artikel, die Chinesen als geldgeile und skrupelose Geschäftemacher hinstellen und vor allem Tibeter als spirituelle, naturverbundene und ehrliche Menschen beschreiben, die von den religions- und daher morallosen Rotchinesen ausgebeutet werden.
Das ist eigentlich im Kern die gleiche Aussage, nur, dass bei der deutschen Wortwahl eine Seite dämonisiert und die andere idealisiert wird. Dies dürfte in unseren Breiten PC sein und ist natürlich überhaupt nicht "rassistisch"
ps2.
http://www.cafebabel.com/ger/article/24 ... es.html%22" target="_blank
Im diesem Artikel kommt kein einziges mal "Rassismus" vor, dafür aber "Diskriminierung". Das finde ich persönlich korrekt.
Übrigens ist so etwas nicht auf Ungarn beschränkt. Bei uns in Österreich ist es genau das gleiche.
Kann mich noch zu gut daran erinnern, wie meine damalige chinesische Freundin (in Ö aufgewachsen, sehr fleißig, ambitioniert und perfektes Deutsch) mich damals in Taiwan (verbrachte den Sommer dort bei einem Freund) weinend angerufen hat, weil sie es nicht schaffte für uns beide eine Wohnung in Wien aufzutreiben. Sie wurde zu jeder Wohnungsbesichtigung eingeladen (am Telefon merkte man nicht, dass sie Ausländerin war) aber sobald sie dort war gingen die Wohnungen an andere - weiße - Pärchen/Personen. Sie war schon richtig fertig, da dass Semester bald anfing und wir ende September noch immer keine Unterkunft hatten. Ich kam aus Taiwan zurück, fuhr sofort nach Wien und hatte innerhalb einer Woche eine Wohnung.
Ja, Dank PC wird nirgendswo geschrieben "no Chinese". So gehandhabt wird es aber trotzdem.
Trotzdem sind diese Vermieter für mich nicht automatisch Rassisten. Für diese Qualifikation müsste ich zumindest ein wenig mehr von ihnen wissen um herauszufinden, ob die Entscheidung keine Wohnungen an Ausländer zu vergeben, auf wirklich rassistischen Motiven beruht oder weil sie schlechte Erfahrungen hatten (aus erster oder zweiter Hand) oder "nur" von Vorurteilen (die in unseren Medien verbreitet werden) beeinflusst sind.