Hinrichtungen in China

Allgemeine Fragen und Erfahrungsaustausch rund um China - Kultur - Geschichte usw.

Todesstrafe in China?

Muss abgeschafft werden.
27
57%
Kann man ruhig beibehalten. Dadurch ist China ja relativ sicher.
4
9%
Ja, aber die Gerichts-Verfahren sollten fairer verlaufen bzw. es sollte welche geben.
11
23%
Schwer zu sagen. So ist Kommunismus nun mal.
4
9%
Ja, man sollte nur einige Delikte da ganz raus halten.
1
2%
 
Insgesamt abgegebene Stimmen: 47

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mistervac
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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von mistervac »

Wang hat geschrieben:
Aber abschließend noch ein Beispiel, wo ich die Todesstrafe doch schon wieder angebracht fand (man sieht: eindeutig kann ich mich auch nicht festlegen, es kommt noch immer auf die Fälle und die Eindeutigkeit der Schuld an, letzteres war ja für mich wie gesagt ausschlaggebend): Dieser Timothy McVeigh,der 1995 das Bombenattentat in Oklahoma City verübt hat und danach keinerlei Reue zeigte für die hunderten von Toten (und die Tat gestand).
Sein letzter satz vor der Vollstreckung war : 165 zu 1, ich bin der Sieger.

das ist zugegebenerweise schon krass.

Trotzdem ist das amerikanische Rechtssystem ( OT, ich weiss) meiner Meinung nach das verachtenswerteste, da sich die USA den Deckmantel der Weltpolizei und demokratischen Missionars umhängen.

China hat hingegen noch nie behauptet, Menschenrechte zu achten. ( was den staatlichen Mord nicht verharmlost)


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Yingxiong
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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von Yingxiong »

mistervac hat geschrieben: Trotzdem ist das amerikanische Rechtssystem ( OT, ich weiss) meiner Meinung nach das verachtenswerteste, da sich die USA den Deckmantel der Weltpolizei und demokratischen Missionars umhängen.
Und wer in den USA Geld hat, braucht keine Todesstrafe zu fürchten. Die teuren Anwälte schaffen einen rauszuhauen, und sei es nur aufgrund irgendwelcher Verfahrensfehler.

Die Pflichtverteidiger der Armen und meist Schwarzen, die auf der Anklagebank sitzen, kommen selber meist erst direkt von der Uni und haben noch kaum Ahnung.

Deswegen konnte man ja Al Capone nur wegen Steuerhinterziehung einbuchten.
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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von Dennis (CDS) »

Hm, da heißt der Thread "Hinrichtungen in China" und in der bisherigen Neuauflage wird zu 80% über die Situation in den USA geschrieben. :wink:

Geht doch mal auf die Urteile in China ein (Prozessführung, Beweislage, Angemessenheit). Das würde dann in meinen Augen eher hier zu China-Allgemein passen. Ansonsten wohl eher Off-Topic.
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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von ingo_001 »

Dennis (CDS) hat geschrieben:Hm, da heißt der Thread "Hinrichtungen in China" und in der bisherigen Neuauflage wird zu 80% über die Situation in den USA geschrieben. :wink:

Geht doch mal auf die Urteile in China ein (Prozessführung, Beweislage, Angemessenheit). Das würde dann in meinen Augen eher hier zu China-Allgemein passen. Ansonsten wohl eher Off-Topic.
Wollte ich auch gerad schreiben.
Danke Dennis :wink:
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von Dennis (CDS) »

ingo_001 hat geschrieben:Wollte ich auch gerad schreiben.
Danke Dennis :wink:
Keine Ursache. Jeder Tag ein guter Hinweis. :wink:

Und du hast mich mit dem Thread auf die heutigen Vokabeln des Tages gebracht.
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mistervac
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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von mistervac »

Dennis (CDS) hat geschrieben:Hm, da heißt der Thread "Hinrichtungen in China" und in der bisherigen Neuauflage wird zu 80% über die Situation in den USA geschrieben. :wink:
das ist richtig. Für mich persönlich begründe ich diesen "Ausrutscher" damit, dass die Situation in den USA aufgrund des nationalen Selbstverständnisses unfassbarer ist als in China, obwohl in China mehr vollstreckt wird.

Der Unterschied liegt aber darin, dass China, allen Unkenrufen zum Trotz, in Bezug auf Menschenrechte einen stetigen Weg der Besserung geht.

Diese Schritte sind zwar klein, aber sie geschehen nicht aufgrund westlicher Einflussnahme, das wird gerne vergessen.

Die neuerliche Überprüfung aller letalen Gerichtsentscheidungen durch den lokalen Behörden weit übergeordneten Gerichtsbarkeiten sind so ein Schritt.

Ein Menschenleben ist m.E. in China oder einem Entwicklungsland ( ok, offiziell ist C auch noch eines...) nicht weniger wert als in den westlichen Ländern, jedoch sollte man C die Chance geben, seinen Weg selbst zu finden.

Wohlstand des Individuums hat bislang in der Historie immer zu einer Verbesserung der Menschenrechtssituation geführt, dies sollte im Sonderfall China nicht anders sein.

China ist zwar eine Wirtschaftsmacht, hat aber, was die individuellen Lebensverhältnisse angeht, immer noch einen sehr hohen Nachholbedarf. Dies wird gern vergessen, wenn man die schicken Yuppies in Shanghai flanieren sieht.

Meiner Meinung nach wäre ein Juni 1989 heute nicht mehr möglich - vielleicht liege ich da aber auch falsch.

Wenn die nächsten 20 Jahre das Riesenreich China in der selben Richtung weiterführen, ist viel erreicht.

wer dagegen pocht, sollte Entwicklungen in D vergleichen, z.B. beim Umweltschutz in den letzten 40 Jahren, bevor er mit dem Finger nach Asien zeigt.....
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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von Mathias »

Gerade beim Thema Todesstrafe prallen Welt(anschauung)en aufeinander. In Westeuropa wird die Todesstrafe abgelehnt und auch die Wirksamkeit dieser drastischen Strafandrohung verneint. Es ist jedoch wenig produktiv, z.B. westeuropäische Werte auf andere, grundverschiedene Kulturen zu projezieren. Stellt Euch China einmal unter einer Rot-Grünen Regierung vor. Binnen Tagen würde ein Chaos ausbrechen.
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Philipp
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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von Philipp »

Mathias hat geschrieben:Gerade beim Thema Todesstrafe prallen Welt(anschauung)en aufeinander. In Westeuropa wird die Todesstrafe abgelehnt und auch die Wirksamkeit dieser drastischen Strafandrohung verneint. Es ist jedoch wenig produktiv, z.B. westeuropäische Werte auf andere, grundverschiedene Kulturen zu projezieren. Stellt Euch China einmal unter einer Rot-Grünen Regierung vor. Binnen Tagen würde ein Chaos ausbrechen.

Kommt mir wie (eigennützige) Propaganda der chinesischen Regierung vor, um ihre Herrschaft zu rechtfertigen. Weder in Hong Kong, noch in Taiwan, noch bei den Gemeinden der Übersee-Chinesen von Jakarta bis San Francisco herrscht Chaos, obwohl es da jeweils ganz andere politische Systeme als in China gibt.
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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von mistervac »

Mathias hat geschrieben:Gerade beim Thema Todesstrafe prallen Welt(anschauung)en aufeinander. In Westeuropa wird die Todesstrafe abgelehnt und auch die Wirksamkeit dieser drastischen Strafandrohung verneint. Es ist jedoch wenig produktiv, z.B. westeuropäische Werte auf andere, grundverschiedene Kulturen zu projezieren. Stellt Euch China einmal unter einer Rot-Grünen Regierung vor. Binnen Tagen würde ein Chaos ausbrechen.
Aus diesem Grunde relativiere ich ja den erhobenen Zeigefinger gegenüber China. ( und das nicht nur, weil ich weder grün noch rot wählen würde)

Nicht nur regionale, auch temporäre Unterschiede festigen moralische Massstäbe. Man denke nur an das Verhältnis zur Kriegsführung ( z.B. Clausewitz) heute und früher.

Jede Epoche und jede Gesellschaft muss den Weg humanistischer Entwicklung selbst gehen.

Die Geschichte hat uns gelehrt, dass missionarischer Eifer aufgrund falsch verstandener Moralvorstellungen und dem unbedingten Durchsetzungswillen derer nicht gerecht sein kann.

gemäß dem Motto "und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag ich Dir den Schädel ein"
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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von bossel »

Mathias hat geschrieben:Es ist jedoch wenig produktiv, z.B. westeuropäische Werte auf andere, grundverschiedene Kulturen zu projezieren.
Was hat das mit westeuropäischen Werten zu tun? In Tibet zB wurde die Todesstrafe mW 1913 abgeschafft, noch vor manch westeuropäischem Land.

Todesstrafe ist natürlich abhängig von der Wertestruktur, hat aber nichts mit einem west-östlichen Gegensatz zu tun.
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Philipp
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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von Philipp »

mistervac hat geschrieben: Nicht nur regionale, auch temporäre Unterschiede festigen moralische Massstäbe. Man denke nur an das Verhältnis zur Kriegsführung ( z.B. Clausewitz) heute und früher.

Jede Epoche und jede Gesellschaft muss den Weg humanistischer Entwicklung selbst gehen.

Die Geschichte hat uns gelehrt, dass missionarischer Eifer aufgrund falsch verstandener Moralvorstellungen und dem unbedingten Durchsetzungswillen derer nicht gerecht sein kann.


So kann man jedes Staatsverbrechen weltweit rechtfertigen.
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Hendrik
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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von Hendrik »

Mathias hat geschrieben:Gerade beim Thema Todesstrafe prallen Welt(anschauung)en aufeinander. In Westeuropa wird die Todesstrafe abgelehnt und auch die Wirksamkeit dieser drastischen Strafandrohung verneint. Es ist jedoch wenig produktiv, z.B. westeuropäische Werte auf andere, grundverschiedene Kulturen zu projezieren. Stellt Euch China einmal unter einer Rot-Grünen Regierung vor. Binnen Tagen würde ein Chaos ausbrechen.
Was soll diese Vermischung der Themen?
Du sagst also, dass die Todesstrafe in China okay ist, weil China unter einer Rot-Grünen Regierung zusammenbrechen würde.

Erklär mir bitte, was hängt die Todesstrafe in China mit Rot Grün zusammen?
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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von Dennis (CDS) »

bossel hat geschrieben:Todesstrafe ist natürlich abhängig von der Wertestruktur, hat aber nichts mit einem west-östlichen Gegensatz zu tun.
Ich frag mich gerade, um viel Jahre ihr eigentlich die Wertestruktur Taiwans der von China im Voraus schätzt?

Ich frage das, weil Taiwan als asiatische Nation mit einer relativ hohen Anzahl von Hinrichtungen um das Jahr 1990 in Kürze wahrscheinlich die Todesstrafe abschaffen wird.

"Interessant" ist die zeitliche Entwicklung deswegen, weil der Höhepunkt der Hinrichtungen in der Zeit kurz nach Aufhebung des Kriegsrechts 1987 und einer sprunghaft gestiegenen Kriminalität liegt. Dies würde Mathias' Argument mit dem Ausbrechen von Chaos bei politischen Umbrüchen untermauern.

Sieht man sich allerdings die weitere Entwicklung an, so hat sich dieses Chaos in den folgenden Jahren in eine positive Richtung entwickelt, in Taiwan aktuell auf eine Quote von 0 und guten Aussichten einer kompletten Abschaffung der Todestrafe.

http://en.wikipedia.org/wiki/Capital_pu ... _in_Taiwan

http://www.taipei.diplo.de/Vertretung/t ... ultur.html
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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von mistervac »

Philipp hat geschrieben:
mistervac hat geschrieben: Nicht nur regionale, auch temporäre Unterschiede festigen moralische Massstäbe. Man denke nur an das Verhältnis zur Kriegsführung ( z.B. Clausewitz) heute und früher.

Jede Epoche und jede Gesellschaft muss den Weg humanistischer Entwicklung selbst gehen.

Die Geschichte hat uns gelehrt, dass missionarischer Eifer aufgrund falsch verstandener Moralvorstellungen und dem unbedingten Durchsetzungswillen derer nicht gerecht sein kann.


So kann man jedes Staatsverbrechen weltweit rechtfertigen.
wer lesen kann, ist klar im Vorteil

ich bin ein strikter Gegner jeder behördlichen Entscheidung und das geht aus meinen Postings auch unmissverständlich hervor.

Ich fühle mich persönlich beleidigt, wenn man mir meine Postings dahingehend auslegt, ich würde Staatsverbrechen , und ein solches ist jede Form der Hinrichtung selbstredend, rechtfertigen oder schönreden.

Jedoch gehört ein gesundes Mass an Realismus zu jeder Aktion, die gesunden Menschenverstand als Basis beansprucht.

man kann nicht alle Tiere / Menschen/ sonstwas retten, man kann nicht per Dekret ( oder Demo??) den Weltfrieden herbeten.

Darum gehts doch hier. Mass und Ziel. und die Erkenntnis, dass keiner von uns ( und auch kein anderer auf diesem Planeten) der Massstab aller Dinge ist.
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Re: Hinrichtungen in China

Beitrag von ingo_001 »

Ich habe mich während meiner China-Aufenthalte u. a. auch über das Thema Todestrafe sowohl mit meiner Schwiegerfamilie als auch mit chinesischen Freunden unterhalten.
Dabei stellte sich heraus, dass sie neben dem Argument "Auge um Auge - Zahn um Zahn" noch ein Weiteres für die Todesstrafe genannt hatten: Die manchmal gegen null tendierende gelebte Bildung.

Es gäbe trotz der allgemeinen Schulpflicht gerade in ländlichen Gebieten mitunter recht krude Vorstellungen über den Wert/Umgang mit seinen Mitmenschen.
Dabei rede ich jetzt noch nichtt mal von der "Entführungsindustrie" wg. des Frauenmangels, welcher ja perverserweise (durch Abtriebung der weiblichen Föten) selbst verschuldet wurde/wird.
Wissen vermittelt zu bekommen ist eine Sache - dieses Wissen dann auch zu verinnerlichen und für sich selbst anzuwenden ist die andere Sache.
Wenn derart Bildungsresistente Mitmenschen dann noch meinen elementare gesellschaftliche Standardts nicht achten zu müssen, dann kommen mitunter kaum zu glaubende abgründige Verhaltensweisen zum Vorschein.
Sinngemäss wurde ein Fall geschildert, in dem mehrere Bewohner eines Dorfes Babies töteten um danach bestimmte Teile so zu ... präperieren um damit die eigene Gesundheit zu steigern :shock: :shock: :shock:
Es war kein durchgedrehter, kranker Einzeltäter, sondern eine Gemeinschaft MEHRERER.
Mir wurden noch andere Taten - meistens Mordfälle - geschildert, die aus obskurasten "Gründen" verübt wurden - da feiert der ABERGLAUBE im wahrsten Sinne des Wortes TÖDLICHE Urstände.
TROTZ Schulpflicht.

Fazit meiner Gesprächspartner: Solange es nicht wenigstens ein in ALLEN Schichten akzeptierten und GELEBTEN Grundkonsenz in elementaren Verhaltensweisen gibt - ist es SCHLICHT NÖTIG die Todestrafe beizubehalten.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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