VR China - quo vadis?

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JuergenH
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Re: VR China - quo vadis?

Beitrag von JuergenH »

Ich muss dringend mal eine Lanze brechen.
Ich bin Tomxian dankbar, der sich immer noch diese Mühe macht akribisch Informationen zusammenzutragen.
Obwohl er von Trollen (nidoboran, auch Burkhard genannt) und Ignoranten (Laogai) ununterbrochen beleidigt wird, ohne dass diese zu einem sinnvollen Beitrag fähig wären.

Die verbleibende Gruppe besteht aus überaus Wohlwollenden, die Fakten zu China relativieren und verwässern, weil nicht sein kann, was nicht sein darf (Christian Morgenstern aus "Die unmögliche Tatsache").

Auch die Wortwahl von Tomxian ist nicht zu beanstanden.
Im Iran wurden Frauen verhaftet, vergewaltigt und anschließend mit zertrümmertem Kopf aufgefunden. Dieser sichtbare Staatsterror soll Angst schüren und das Gefühl der Ohnmacht gegenüber der Gewalt etablieren.
Über die wenigen Wege, die das Regime nicht schließen kann, erfährt man von mindestens 200 Toten und einer Vielzahl von Verletzten. Zahlreiche Videos werden sogar in der Tagesschau gezeigt, auf denen Polizei und Militär wahllos auf Zivilisten schießen.
Was ist das anderes als Staatsterrorismus und sind die Handelnden etwa keine Mörder?

Sind Putins wahllose Flächenbombardements der letzten Tage etwa kein Terror und Massenmord?

Dasselbe gilt für Syrien, Nord Korea, Pakistan, Lybien und andere "Freunde" Chinas.

Sehr interessant ist auch ein Video das vor dem Überfall der Russen auf die Ukraine veröffentlicht wurde.
https://www.youtube.com/watch?v=fqX75LRPkiA
Es beschreibt wie ein Drehbuch, was bei einem Überfall auf die Ukraine und in den kommenden Monaten danach geschehen würde.

Es ist erschreckend, wie genau die Dinge eingetreten sind. Absolut sehenswert.
In einem Nebensatz wird dort gesagt, dass angesichts der extremen Risiken nur ein "geistig umnachteter Idiot" in die Ukraine einmaschieren würde.
quod erat demonstrandum.

Für einen ganz dicken Hunde halte ich, wenn Forumsteilnehmer aus einem Gefühl heraus ein Argument angreifen und wenn dann Tomxian seinen Punkt ausführlich begründet, diese Leute dann nicht den Schwanz einziehen, sondern ihm vorwerfen, eine "Wand" zu schreiben.

Ich für meinen Teil kann timxian nur anraten, sich von diesem Forum zurückzuziehen, so wie es sehr viele bereits getan haben.

Dann muss er sich nicht mehr vorwerfen lassen, er konsumiere Drogen und hätte psychischen Schaden genommen. Und dies nur, weil er Dinge beim Namen nennt.

Ich verstehe, dass es den Diktatoren-Anbetern weh tut, was hier vorgetragen wird. Verständnis habe ich dafür allerdings nicht.

Und zum Thema: Chinas Wirtschaft und die Kaufkraft der Leute wächst doch schon seit Jahren nicht mehr. In der Hochtechnologie hat China noch nie den Anschluss gefunden. Kein Handy, kein Fernseher, kein Computer kann in China gebaut werden, ohne das wesentliche Teile aus dem Ausland kommen. Und die neue Strategie des "Dual Circulation" könnte in die endgültige Krise und Isolation führen.
Die Börsen quittieren dies eindrucksvoll.

Bei mir sind es noch 6 Monate, dann machen ich und meine Kollegen auch unsere drei Kreuze und sind froh, dieses Land hinter uns gelassen zu haben.
oyster
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Re: VR China - quo vadis?

Beitrag von oyster »

Ich oute mich mal als großer Fan der Argumentation von Tom.
Persönliche Angriffe gegen ihn finde ich einfach abstoßend.

Ähnliche Argumentationen wie die von Tom höre ich auch aus der kleinen China-community zu der ich durch meine Frau hier in Deutschland Kontakt habe. Da sind einige dabei, die in China (wie auch immer) zu erstaunlichem Wohlstand gekommen sind und durch die Auswanderung viel aufgegeben haben. Der rote Faden ist ein Pessimismus über Chinas Zukunft und der Wunsch, dass die Kinder eine bessere Zukunft haben sollen.

Ganz anders dagegen argumentieren einige der Chinesen in unserem Bekanntenkreis, die "nur" zum Studieren hier sind. Patriotismus bis hin zum unreflektierten Nationalismus kommt da immer mal wieder durch.

Alles Momentaufnahmen, alles nicht repräsentativ.

Ich würde mich der Argumentation von @otternase nicht anschließen, demnach eine pessimistische Einschätzung der Zukunft Chinas dadurch widerlegt ist, dass es solche Stimmen schon vor 20 Jahren gab.

Als Ökonom sehe ich, dass sich viele Vorzeichen gewendet haben. Wahrscheinlich war der Wendepunkt schon vor einigen Jahren, nur war er nicht so gut sichtbar, da unproduktive Investitionen und eine atemberaubende Verschuldung den Schein gewahrt haben.

Zu meiner geopolitischen Credibility:
Ich habe nicht für möglich gehalten, dass es eine friedliche Wiedervereinigung geben könnte
Ich habe bis zuletzt nicht für möglich gehalten, dass die Briten den Brexit wählen
Dass Trump die Präsidentschaft gewinnt hätte ich den Amis nie zugetraut
Dass Putin so wahnsinnig ist und doch einmarschiert habe ich bis zum 22.2. nicht geglaubt


Oyster
JuergenH
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Re: VR China - quo vadis?

Beitrag von JuergenH »

oyster hat geschrieben: 12.10.2022, 06:52 Als Ökonom sehe ich, dass sich viele Vorzeichen gewendet haben. Wahrscheinlich war der Wendepunkt schon vor einigen Jahren, nur war er nicht so gut sichtbar, da unproduktive Investitionen und eine atemberaubende Verschuldung den Schein gewahrt haben.

Oyster
Völlig richtig.
Aber schon der Begriff "unproduktive Investitionen" wird von vielen überlesen oder nicht verstanden, dabei ist dies ein wesentlicher Punkt, um die Lage in China einzuordnen.

Und wenn man dies erläutern will, wird der Beitrag unweigerlich lang.
Vielen ist das zuviel zu lesen. Ich versuche es trotzdem mal :mrgreen: .

Wie Tomxian zutreffend beschrieben hat, ersetzt China wegbrechende unternehmerische Wertschöpfung und Auslandsinvestitionen durch "Infrastrukturprojekte". Dazu leiht sich der "Staat" Geld bei seiner eigenen Zentralbank (was die Bilanzsumme der Zentralbank erhöht), welches dann als "Darlehen" an Kommunen oder Investitionsfonds gewährt wird, aus welchen dann diese "Projekte" finanziert werden.
Im Volksmund wird so etwas "Geld drucken" genannt und führt im Regelfall zur Geldentwertung (Inflation).

Sicherlich sind neue Toilettenhäuschen mit Klimaanlage, frisch geteerte Strassen, renovierte Stadien und umstrukturierte Parkanlagen eine tolle Sache. Sie erwirtschaften aber nichts, deshalb sind die "unproduktiv". Das Geld wird verbrannt, damit eine zeitlang die Arbeitslosigkeit nicht weiter ansteigt.

Auch vermeintlich produktive Investitionen wie etwa in die Bahn, erreichten das Gegenteil. Im ersten Halbjahr hat die chinesische Bahn offiziell 1,1 Milliarden Euro Verlust gemacht. Der Gesamtschuldenstand der Bahn erreicht 275 Milliarden Euro.

Und all dies zählt selbstverständlich zum BIP.
Ein über Schulden finanziertes BIP :shock: .

Das BIP taugt deshalb nicht als Erfolgs- oder Wohlstandsindikator.
Zumal das BIP auf der Welt nicht einheitlich berechnet wird.
Das BIP kann steigen und der Bevölkerung geht es schlechter und auch umgekehrt.
Auch die Inflation (Verbraucherpreisindex) wird weltweit nicht einheitlich berechnet. In den USA berechnet man einen COLI (Cost of Living Index) der näher an der realen Verbrauchersituation ist, als die Warenkorbrechnerei in Europa. Völlig aus der Wirklichkeit gefallen ist der 2013 eingeführte, chinesische Verbraucherpreisindex. Dieser gaukelt etwas vor, vorüber jeder Bürger in China nur lauthals lachen kann.

Und natürlich ist das Vertrauen in die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung eines Staates, der über eine politische Opposition, über eine freie Presse und Medien, über einen Bundesrechnungshof, eine Verwaltungsgerichtsbarkeit und NGOs verfügt, sowie eingebunden ist in globale Systeme wie den IWF oder die EZB immens größer als in einen Staat, der all dies abgeschafft hat.

Im ersten Fall werden staatliche Angaben qua Amt überprüft, können gerichtlich bestritten werden und die Meute der Medien wartet nur darauf, dass Fehler gemacht werden.
Im zweiten Fall haben Manipulationen freie Bahn.

In einem Satz: China hat ungeheuerlich hohe Schulden zu verantworten. So hohe Schulden, dass dies zu einer Bombe für die Weltwirtschaft werden könnte. Einige Indikatoren legen nahe, dass nicht mehr viel Zeit bleibt, die Probleme zu lösen.

Zum Abschluss eine Bitte: Nicht wieder entgegnen, andere Staaten würden dies genauso machen. Weil es einfach nicht stimmt.
Art und Umfang dürften ziemlich einzigartig sein. Schulden, die andere Staaten wegen Corona oder Russen-Krieg aufnehmen mussten, sind weniger umfangreich. Vor allem aber sollen sie kein Wirtschaftswachstum vorgaukeln, das schlicht nicht existiert.

Im Gegenzug verspreche ich, nie wieder einen so langen Beitrag zu schreiben :D .
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Re: VR China - quo vadis?

Beitrag von jadelixx »

Laogai hat geschrieben: 07.10.2022, 16:22
JuergenH hat geschrieben:Deswegen behindert China auch Ausreisen und nimmt den Leuten die Pässe weg.
Jetzt wird auch dieses Schauermärchen wieder aufgewärmt. Nichts hält sich länger als haltlose Gerüchte. Hauptsache es gibt Leute, die diesen ohne nachzudenken blind glauben und sie auch noch weiter verbreiten.
Ich lese hier nicht mehr so regelmaessig, aber das kann ich bestaetigen. Den Leuten werden die Paesse entzogen, u.a. auch meiner Schwiegermutter, die ihr ganzes Leben treudoof der KPCh gedient hat. Ich persoenlich finde das eigentlich ganz gut so :twisted: ... also was meine Schwiegermutter angeht. Die ist ein echter Klassiker.
Meinem Schwiegervater wiederum (der seinen Pass natuerlich auch abgeben musste), wuerde ich aber gerne helfen, sich zumindest moralisch freizumachen:
Kann jemand mal das Ausstiegsformular der Kommunistischen Partei Chinas verlinken?

Wir haben auch noch andere im Bekanntenkreis, denen der Pass nicht durch die Behoerden sondern ueber die Firma eingezogen wurde. Ist eben alles eins in der VR. So wie sich Xi sein Kontrollparadies vorgestellt hat.

Hier noch ein paar Videoschnipsel, was in China gerade so abgehen soll, unter anderem wird auch Xian erwaehnt. Was davor berichtet wird, uebertrifft das was hier von TomXian berichtet wurde, noch bei weitem.
https://youtu.be/BOE2DpWAVPU
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Re: VR China - quo vadis?

Beitrag von 拉尔斯 »

jadelixx hat geschrieben: 13.10.2022, 05:01
Laogai hat geschrieben: 07.10.2022, 16:22
JuergenH hat geschrieben:Deswegen behindert China auch Ausreisen und nimmt den Leuten die Pässe weg.
Jetzt wird auch dieses Schauermärchen wieder aufgewärmt. Nichts hält sich länger als haltlose Gerüchte. Hauptsache es gibt Leute, die diesen ohne nachzudenken blind glauben und sie auch noch weiter verbreiten.
Ich lese hier nicht mehr so regelmaessig, aber das kann ich bestaetigen. Den Leuten werden die Paesse entzogen, u.a. auch meiner Schwiegermutter, die ihr ganzes Leben treudoof der KPCh gedient hat. Ich persoenlich finde das eigentlich ganz gut so :twisted: ... also was meine Schwiegermutter angeht. Die ist ein echter Klassiker.
Meiner Schwiegermutter wurde der Reisepass nicht entzogen, sondern es wurde einfach kein neuer Reisepass ausgestellt.
Und huch, siehe da, vor kurzem wurde meiner Schwiegermutter nun ein neuer Reisepass ausgestellt, als sie einen Grund für einen Reisepass nachweisen konnte. Ob ich das gut oder schlecht finde, steht auf einem anderen Blatt Papier :mrgreen:
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele: Freude, Schönheit der Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur. Darum, Mensch, sei zeitig weise! Höchste Zeit ist’s: Reise, reise! (Wilhelm Busch)
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Re: VR China - quo vadis?

Beitrag von TomXian »

@jadelixx
Ich habe es längst aufgegeben, über solche Dinge zu berichten, wie sie in Deinem Video gezeigt werden.

Die üblichen Verdächtigen würden sofort und unbegründet den Wahrheitsgehalt anzweifeln und manche Ignoranten, die schon seit 10, 20 oder mehr Jahren nicht mehr in China gewesen sind (wie etwa Laogai), würden sofort "Lügen!" schreien.

Vor 10 Tagen ist ein Nachbarskind (1. Klasse Grundschule) in der Schule verunglückt. Auf einem Rasenstück der Schule war ein Kanaldeckel durch eine grün-braune Folie ersetzt worden, welche die Öffnung zu Kanalisation überspannte. Beim Spielen ist der Junge auf diese Folien gesprungen und sofort eingebrochen. Zu diesem Zeitpunkt war er nur leicht verletzt. Man rief 112 und 119 an und als nach einer halben Stunde noch niemand zur Hilfe gekommen war, versuchten die Lehrer den Jungen mit einem Sprungseil aus der Öffnung zu ziehen. Dabei riss das Sprungseil und der Junge fiel zurück und verletzte sich schwer. Dann traf die Polizei ein, auch die bewaffnete Polizei in ihren schicken schwarzen Anzügen, den Helmen und Maschinengewehren sowie eine Gruppe von Soldaten. Der Junge wurde geborgen und verstarb auf der Fahrt ins Krankenhaus.

Auch hier wurden sofort alle anwesenden Personen erst einmal festgesetzt, dass Gelände gesperrt. Die Personalien jedes einzelnen wurde aufgenommen, Handies mussten vorgelegt werden. Fotos und Videos vom Geschehen waren sofort zu löschen. Jeder wurde unter Androhung schwerer Folgen darauf hingewiesen, dass über den Vorgang nicht berichtet oder verbreitet werden dürfe. Die Familie des Jungen kam "aus Sicherheitsgründen" in Quarantäne, der "Gesundheitscode" wechselte zu rot. Unser direkter Nachbar und Freund (1 Stockwerk höher) passte 4 Tage auf die Katze der Familie auf.

Natürlich haben wir auch das Chaos am hiesigen Bahnhof vor einer Woche mitbekommen, aber nur verzögert und nur unter der Hand.
Über solche Dinge spricht man nur noch persönlich. Auch dort wurden die Leute registriert und vernommen, Handies untersucht und Löschungen vorgenommen. Auch dort stand bewaffnete Polizei herum. Die Leute wurden zu Stillschweigen aufgefordert, andernfalls bis zu 15 Tage Haft.

Eine Bekannte die in den Sicherheitsstrukturen (PSB) arbeitet sagte uns, dass sich das "Klima" zunehmend ändere. Es seien in den Monaten auch Trainings erfolgt, um zu üben was zu tun ist, falls es zu lokalen Aufständen kommt. Sie sei regelrecht erschrocken gewesen, welche Waffen dann zum Einsatz kämen.

---

Das Problem dieses Forums ist, dass kaum noch Mitglieder in China sind. Viele waren überhaupt noch nie hier.

Die starken Veränderungen, besonders in diesem Jahr, bekommt man aber nur vor Ort mit.
Mittlerweile ist es ja auch Unternehmen verboten in ihren Berichten die lokale Lage zu erwähnen.
Die Wahrheit wird totgeschwiegen und CCTV ist bestenfalls noch ein Märchensender.

Und größere Betriebe müssen jetzt einer staatlichen "Kontrollgruppe" ein Büro überlassen, Zugriff auf sämtliche Unternehmens-Daten zulassen und einen Vertreter dieser Gruppe an Managements-Meetings teilnehmen lassen.

Der ein oder andere wird jetzt wieder einwenden, dass sei in Pattensen, Peine und Paris doch das gleiche.
Auch dort würde erpresst, verhaftet und ausspioniert. Was für ein Quatsch.

Das ist wirklich auf Dauer ermüdend.

---

Die großen Probleme sollten aber weiterhin - vor allem in diesem thread - beachtet werden.

Beispielsweise dass Bloomberg heute den ganzen Tag der Frage widmet, wie wahrscheinlich ein Staatsbankrott Chinas bereits ist.
Und man feststellt, dass die vielbesprochene Immobilienblase nicht platzen wird (Zukunft), sondern bereits in Teilen geplatzt ist.

https://www.bloomberg.com/news/articles ... emium-asia

Die Fremdfinanzierungen belaufen sich dort in Summe auf 52 Billionen US Dollar.

Auch hier werden unsere Forums-Experten sagen, dies seien doch "peanuts".

Tatsächlich sind dies schwindelerregende Summen für die es keinen Vergleich in der Welt gibt.
Viele Ökonomen (auch im Artikel) sind der Meinung, dass sich das Zeitfenster für eine Lösung noch in diesem Jahr schließen wird und es selbst dann zu einer jahrelangen Rezession in China führen wird.
Schlimmer noch: Alle Maßnahmen dieses Jahres haben nicht gegriffen und sollte Beijing nicht langsam mal ein paar schlaue Leute holen, könnte China eine noch nie dagewesene Weltwirtschaftskrise auslösen.
Der Kriegsverbrecher, Massenmörder und Kleptokrat Putin und seine Entourage gehören verhaftet, verurteilt und hinter Gitter mit anschließender Sicherheitsverwahrung, bis sie in völliger Bedeutungslosigkeit unbeachtet endlich aus dem Leben scheiden.
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Re: VR China - quo vadis?

Beitrag von LaoMatse »

https://www.dw.com/de/protest-gegen-dik ... a-63432486

ohne Worte.

Edit: ich habe diesen Link von Chinesen erhalten.

Zur Stimmung: fast alle Kollegen, wenn man unter 4 Augen mit ihnen redet sind unzufrieden.
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Re: VR China - quo vadis?

Beitrag von otternase »

nidoboran hat geschrieben: 14.10.2022, 10:22 Hochinteressant, wie sich individuelle Wahrnehmungen unterscheiden können.
Das liegt sicher auch daran, dass in China andere Dimensionen zu beachten sind! Nehmen wir mal an, dass nur einer von 1000 unzufrieden ist. Dann sind das chinaweit 1,4 Millionen Menschen!

Das ist eine riesige Zahl, zB mehr als es in Deutschland Mitglieder aller Parteien kombiniert (1,2 Millionen) gibt! Aber trotzdem wäre 1 von 1000 völlig belanglos.
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Re: VR China - quo vadis?

Beitrag von otternase »

nidoboran hat geschrieben: 14.10.2022, 12:21
Das ist mir durchaus bewusst. Wieso berichtet DW eigentlich über statistisch nicht-signifikante Einzelfälle? Was kann wohl der Grund sein?
Erstens, weil nur die was ‚berichtenswertes‘ machen. Zufriedene Menschen sind für den Außenstehenden meist gleichzeitig auch höchst langweilige Menschen.
Zweitens, weil es ins politische Narrativ passt. Nachrichten sind immer auch Propaganda, und sei es eben nur die Auswahl und Gewichtung der Meldung einzelner Ereignisse.
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Re: VR China - quo vadis?

Beitrag von JuergenH »

Viele Menschen machen sich große Sorgen, weil eine schwere Rezession in China viele internationale Unternehmen mitreißen würde.
Was viele wütend macht ist, dass China offensichtlich keine Maßnahmen ergreifen will um die Situation zu ändern, sondern nur Geld druckt.

Im Gegenteil, sie werden immer unverschämter.
Im letzten Jahr haben sie das Prinzip "dual circulation" eingeführt, was bei uns letzte Zweifel beseitigt hat.
Ziel ist, den Import von Gütern zu verbieten, die auch in China produziert werden können. Liest sich nach umfangreicher Industriespionage und Patentdiebstahl. Anders ist dies kaum möglich.

Auch wir haben nun eine "Parteizelle" bei uns im Betrieb. Offiziell ist dies eine Partei-Filiale, die Unternehmen nach chinesischem Recht einzurichten haben. Dort hocken nun drei Parteihanserl, einem ist das Recht einzuräumen, auf alle Unternehmensdaten zuzugreifen und an jeder Besprechung teilnehmen zu können. Alle paar Wochen erklären die uns die neuen roten Linien, die nicht überschritten werden dürfen.
Zugangssysteme um zu verhindern, dass die nachts in den Betrieb kommen und unter unsere Maschinen kriechen, sind nicht mehr nötig.
Wir nennen das hier inzwischen "offene Industriespionage".

Wie sagte Wuttke von der Handelskammer neulich?
Deutsche Unternehmen haben eine besondere Leidensfähigkeit und lassen sich auch weiter gängeln in China.
Wir jedenfalls nicht mehr.
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Re: VR China - quo vadis?

Beitrag von JuergenH »

otternase hat geschrieben: 14.10.2022, 11:56 Das liegt sicher auch daran, dass in China andere Dimensionen zu beachten sind! Nehmen wir mal an, dass nur einer von 1000 unzufrieden ist. Dann sind das chinaweit 1,4 Millionen Menschen!

Das ist eine riesige Zahl, zB mehr als es in Deutschland Mitglieder aller Parteien kombiniert (1,2 Millionen) gibt! Aber trotzdem wäre 1 von 1000 völlig belanglos.
Lieber otternase,

hast Du noch nicht bemerkt, dass ein altbekannter Troll unterwegs ist?

Für China kann man die Dinge mathematisch auch anders fassen.
Wenn 1 Millionen Leute unzufrieden sind, aber sich aus Angst vor dem Staat nur 10 Leute auf die Strasse trauen und ein Plakat aufhängen, dass von der Polizei sofort entfernt und die 10 Leute verhaftet werden, dann sind 10 Leute nicht so wenig.

Man erfährt hier schon eine Menge Unzufriedenheit und ich denke, dass die Unzufriedenen inzwischen eine große Gruppe in China sind.
Die Leute in Shanghai oder Shenzhen, die wieder einmal im Lockdown sind, sind sicher nicht zufrieden und haben dies auch schon kräftig zum Ausdruck gebracht. Oder die 100 Millionen Arbeitslose. Die Millionen die von den Unis und Schulen kommen und seit langem auf ihre erste Beschäftigung warten. Oder die vielen (genaue Zahl weiß ich nicht) die seit Monaten ihre Hypothekendarlehen nicht mehr bezahlen, weil die Bauträger pleite sind, oder die Banken dazu, oder beides.

Viele haben ihren Staat ja auch erst in den letzten 3 Jahren kennengelernt. Haben gesehen wie ihre Wechat Nachrichten von der Zensur gelöscht wurden. Stellen fest, dass ihre Wohnungen immer weniger wert sind und man kaum noch verkaufen kann.
Für viele Chinesen ist die Welt in Unordnung und nicht wenige haben Angst.
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Re: VR China - quo vadis?

Beitrag von Mod »

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Murong Xuecun

Beitrag von TomXian »

Als Xi 2012 die Macht übernahm, war die "Partei" aus dem Alltag der Menschen am Verschwinden. Die Hoffnung vieler war groß, dass ein sorgenfreies Leben erreichbar sein könnte. Manche glaubten, dass man auch außerhalb der seit Jahrzehnten herrschenden Familien zu Reichtum kommen könnte.

So schreibt Murong Xuecun, der in China berühmte chinesische Literaturpreisträger, der 2011 auf seinem Microblog 1,1 Milliarden follower hatte.

Und er schreibt weiter:

Die chinesische Gesellschaft befand sich auf dem Weg zur Leistungsgesellschaft. Persönlicher Erfolg, gute Bildung für die Kinder, sichere Lebensmittel, gute soziale Kontakte und Reisen. Die Prioritäten des Einzelnen wandelten sich, die Partei kam darin nicht mehr vor.

Neue Vorbilder entstanden: Erfolgreiche Unternehmer, gutverdienende Chinesen bei ausländischen Unternehmen, Popstars, Sportler oder Blogger.
Alles Vorbilder, die es außerhalb der "Partei" zu etwas gebracht hatten. Der Optimismus, dass es Morgen besser sein wird als Gestern, wurde Leitmotiv.

Angesichts dessen, muss sich die KPCh im Herbst 2012 fasst schon in Panik befunden haben. Eine selbststimmte und immer freier werdende Gesellschaft musste man verhindern, da sonst die Partei in ihrer Bedeutung auf das geschrumpft wäre, was normalerweise einer Staatsführung geziemt. Nämlich ein Land sinnvoll zu verwalten, sich um Bildung, Gesundheit, Arbeit und Altersvorsorge zu kümmern.

Xi Jinping war deshalb 2012 eine Notentscheidung, die unter parteiinternen, heftigen Turbolenzen binnen 3 Wochen durchgesetzt wurde.

Heute, 10 Jahre später, sehen wir die Resultate. Der Optimismus ist verschwunden, der Individualismus regelrecht gebrochen. Man hat wieder Angst in China. Angst vor sozialem Abstieg, fühlt Ohnmacht gegenüber staatlicher Willkür und Gewalt. Auf drei Einwohner kommt jetzt eine Überwachungskamera. Big Data liefert Bewegungsprofile und Kommunikationsprofile, Geldflüsse, Chat-Nachrichten, ja selbst Telefonate, werden mit KI ausgewertet. Und man lässt die Bevölkerung wissen, wie machtvoll die Kontroll- und Überwachungsinstrumente sind.

Die neuen Idole sind von der Bildfläche verschwunden und wurden mundtot gemacht. Jeder soll wissen: Das Einzige, was in diesem Land Erfolg haben darf, ist die Partei. Und wer die Partei genügend unterstützt, kann an diesem Erfolg möglicherweise etwas teilhaben.
Das Ausland wird durch die Propaganda dämonisiert und geht ohnehin unter. In wenigen Jahren wird das politische System Chinas die ganze Welt beherrschen. Die Propaganda überschlägt sich und baut eine virtuelle Wirklichkeit auf, die kaum weiter von der Realität entfernt sein könnte.

Realität in China ist die seit Jahren zunehmende Arbeitslosigkeit. In den Städten mögen dies vielleicht die 50-60 Millionen sein, von denen die Propaganda spricht. Bei den Wanderarbeitern aber, die immer noch etwa 40% der arbeitenden Bevölkerung ausmachen, ist die Anzahl wesentlich größer und seit der Pandemie gewaltig gewachsen. Vielerorts ist die Armut zurück.

Die Bevölkerung in China spürt längst, dass schwierige Jahre vor ihnen liegen. Bereits seit Jahren wird gespart, man stellt sich auf Vermögensverluste ein. Wer kann, wandert aus oder schickt seine Kinder weg.

Die von der Regierung zumindest mittelbar hervorgerufenen, internationalen Konflikte, ob nun wirtschaftlich oder politisch, haben ein Höchstmaß erreicht, Unternehmen und ausländische Mitarbeiter verlassen in Scharen das Land. China isoliert sich selbst.

Das internationale Misstrauen gegenüber China ist so groß wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Player in der Region wie Australien, Japan, Neuseeland, die Philippinen und selbst Indien organisieren sich in neuen Bündnissen, wirtschaftlich, aber auch militärisch. Und fast immer sind auch die USA dabei.

Xi Jinping hatte zwischen Machterhalt der Partei und wirtschaftlicher wie gesellschaftlicher Weiterentwicklung zu entscheiden. Beides zusammen ist nicht mehr möglich, dies weiß man seit Jahren. Er hat sich für Machterhalt entschieden, endgültig vermutlich in 2015 als Ergebnis der Immobilienkrise.

Die Wirtschaftspolitik Chinas hat zum Ziel, möglichst wenige ausländischen Betriebe im Lande noch zuzulassen. Durch das Bilden von Monopolbetrieben, die international benötigte Komponenten so lange unter dem Herstellerpreis anzubieten, bis der internationale Wettbewerb ausgetrocknet ist, soll die Weltwirtschaft von China abhängig gemacht werden. Man will diese Abhängigkeit als Waffe benutzen, falls andere Staaten Sanktionen verhängen, falls man zum Beispiel Taiwan überfällt.

Diese Strategien haben einfach zu widerlegende Annahmen zur Grundlage und werden deshalb scheitern. Für Xi Jinping und seine Partei ist ein Erfolg aber auch nicht wichtig.
Das Land soll entkoppelt werden, "Autarkie" ist das neue Schlagwort. China wird damit weitgehend die internationalen Märkte hinter sich lassen, deren Regelwerk China noch nie akzeptiert hat.

Den Handelnden ist bewusst, dass es zu deutlichen Rückschritten und Einbußen kommen wird, dass eine über viele Jahre laufende, tiefe Rezession die wahrscheinliche Folge ist. Ebenso ist klar, dass die Bevölkerung dies nicht widerspruchslos hinnehmen wird, dass es Demonstrationen, ja sogar Aufstände geben wird.

Zumindest in diesem Punkt fühlt man sich sicher. Die seit 3 Jahren aufgebauten Kontroll- und Überwachungsstrukturen, besonders die "Gesundheits APP", waren ein gutes Training für künftige Unruhen und werden beibehalten.

China ist politisch wieder in 1997 angekommen.

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Dem kann ich kaum noch etwas hinzufügen
Der Kriegsverbrecher, Massenmörder und Kleptokrat Putin und seine Entourage gehören verhaftet, verurteilt und hinter Gitter mit anschließender Sicherheitsverwahrung, bis sie in völliger Bedeutungslosigkeit unbeachtet endlich aus dem Leben scheiden.
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China verschiebt Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten

Beitrag von TomXian »

"Chinas Regierung hat während des Parteitags der Kommunistischen Partei die Veröffentlichung wichtiger Wirtschaftsdaten überraschend verschoben. Dazu gehöre auch die Einschätzung zur Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts im dritten Quartal, teilte das Statistikamt mit. Auch Angaben zu Industrieproduktion, Einzelhandelsumsätzen und Arbeitslosenquote sind von der Verschiebung betroffen.

Schon am vergangenen Freitag hatte die Zollbehörde die Statistik zum Außenhandel im September nicht wie geplant veröffentlicht, ohne diese Entscheidung zu erläutern."

https://www.zeit.de/wirtschaft/2022-10/ ... -parteitag

Die Werte sind wohl so schlecht, dass selbst das übliche Lügen nicht mehr hilft.
Mal sehen, was man so zusammen-frisieren wird.

Mein besonderer Gruss gilt den 210 Millionen Menschen, die schon wieder unter chinesischen Hausarrest stehen.
Immerhin konnten Sie gestern über 2 Stunden lang Xi Jinping zuhören, wie dieser mit monotoner Stimme Märchen von großen Zetteln vorlas.

Erwartungsgemäß existieren keine Ideen, Konzepte oder Ansätze, die größte Krise seit 1976 zu bekämpfen.
Der Kriegsverbrecher, Massenmörder und Kleptokrat Putin und seine Entourage gehören verhaftet, verurteilt und hinter Gitter mit anschließender Sicherheitsverwahrung, bis sie in völliger Bedeutungslosigkeit unbeachtet endlich aus dem Leben scheiden.
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Re: VR China - quo vadis?

Beitrag von JuergenH »

Goldman Sachs rät seinen Kunden, noch in dieser Woche in "Optionen" in Hong Kong zu investieren, die auf den "Hang Seng Index" bezogen sind.
Hintergrund: Es werden überraschend gute Wirtschaftszahlen aus Peking erwartet, insbesondere was Außenhandel, Bruttoinlandsprodukt und Arbeitslosigkeit betrifft.

Dies löse regelmäßig einen "run" chinesische Käufer aus und führe zu regelrechten Kurssprünge in Hong Kong.
Gleichzeitig wird gesagt, man solle das Investment nicht länger als 3 Börsentage halten.
:lol:
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