VielUnterwegs hat geschrieben:Bei dem was Yingxiong, mario.s und co verzapfen fragt man sich ob die momentan aktiv daran arbeiten chinesischer Staatsbuerger zu werden damit sie endlich ihren nervigen deutschen Pass loswerden. Hand aufs Herz, wenn der CN Pass besser ist, wann nehmt ihr ihn an?
Ein wunderbar objektiver und dem Thema zutraeglicher Kommentar.^^ Danke dafuer.
Natuerlich moechte ich nicht darauf verzichten, auch bei Dir und einigen Anderen nocheinmal zu versuchen, meinen Standpunkt in aller Deutlichkeit auszudruecken:
Ich bin Deutscher, meine Frau Chinesin. Wir haben uns seinerzeit aktiv entschieden, dass unser Lebensmittelpunkt in China sein wird. Dies nicht wegen der unzaehligen Vorzuege oder der gesellschaftlichen Ueberlegenheit, sondern ganz simpel und einfach deshalb, weil meine Frau und ihre Familie hier ob ihrer Vergangenheit sehr stark verwurzelt sind.
Sie lieben nunmal ihre Heimat und das ist gut so.
Meine Wenigkeit ist dort gluecklich, wo sich meine Lieben befinden.
Ferner bin ich durchaus in der Lage Gut von Boese zu unterscheiden, Erstrebenswert von meiner Natur nicht entsprechend, (in meiner subjektiven Wahrnehmung) Gutes von Falschem. Deshalb ist es mir nicht entgangen, dass hier in China vieles anders ist als in dem Land in dem ich aufgewachsen bin und gepraegt wurde.
Wuerde es mir hier jedoch weiter helfen, mich auf das Negative zu beschraenken - und mit Verlaub, genau das ist es, was hier gerade passiert - oder hat China nicht auch seine guten Seiten? Ich bin der Meinung, dass Letzteres durchaus zutrifft. Nicht umsonst sind wir hier in einem China-Forum. Wenn alles schlecht ware, haetten ich es mir angeschaut, abgehakt und waere mindestens so weit weiter gezogen, dass wir uns nun vielleicht in einem Jakarta- oder USA-Forum unterhalten wuerden.
Mit genug Abstand begonn ich ebenso, die alte Heimat differenzierter zu sehen. Das will ich nicht abstreiten. In Abwesenheit der Dauerberieselung mit Hiobsbotschaften, Tragoedien und anderen Gassenhauern durch die Deutsche Medienlandschaft faellt das auch wesentlich leichter. Viele alte Freundschaften lasse ich derzeit nicht zuletzt deshalb ruhen, weil ich das ewige Genoergle und Gejammere ueber die ewig gleichen kleinen Unannehmlichkeiten nicht mehr hoeren konnte.
Insbesondere fallen mir der uebertriebene Nationalstolz, die Glorifizierung der Errungenschaften vergangener Generationen, die oftmals negative Grundeinstellung meiner ehemaligen Landsleute auf. Genauso wie die krampfhafte Lethargie mit welcher dennoch an genau diesen Umstaenden festgehalten wird, ohne etwas anzupacken und zu aendern.
Wenn dann noch die felsenfeste Ueberzeugung hinzu kommt, dass sie ja soooo viel BESSER (erzogen

, aktiver

, mit mehr Genuss am und Freude im Leben

) und vor allem in menschlichen Belangen ANDERS (

) waeren als es der Otto-Normal-Chinese ist oder je sein wird, dann kann ich eben nur mit dem Kopf schuetteln oder werfe - wenn ich etwas mehr Zeit habe - auch ein paar Parallelen ein oder kontroverse Diskussionsthemen, die dem aufgeschlossenen Beobachter und Gespraechsteilnehmer zeigen koennten, dass nicht alles Gold ist, was glaenzt. Nirgendwo. Dass aber auch nicht alles schlecht ist, was kein Gold ist.
Dabei hasse ich weder Deutschland noch glorifiziere China. Wie koennte ich? Und warum sollte ich?
Eines jedoch ist nunmal Fakt:
Meine Familie und ich leben aus diversen Gruenden in China. Und in China hat mein Sohn mit einem Chinesischen Pass und insbesondere dem Hukou mehr Rechte und Moeglichkeiten als mit einem Deutschen Pass. Das ist im Moment das Einzige was fuer uns zaehlt.
Ueber jeden anderen, der mir hier angesichts seiner persoenlichen Ueberzeugung eine bessere Alternative aufzwingen will, schuettle ich eben auch meinen Kopf.
Wenn mein Sohn spaeter will, darf er sich gerne anders entscheiden. Ich finde es selbstverstaendlich schade, dass er dies unter der derzeitigen Rechtslage tun muss, bevor er Deutschland oder die EU selbst gesehen und erlebt haben wird. Und wenn er es deshalb nicht will, so ist auch das seine Wahl.
Vielleicht noch ein paar Worte in eigener Sache: Ich bin weder Mutter Theresa, noch Gandhi oder ein anderer Weltverbesserer. Meine Lebensziele sind nunmal andere. Wenn ich auf dem Weg dorthin das eine oder andere Gute tun kann, dann sei auch dies getan. An erster Stelle stehen dennoch meine Familie und ich.
Dabei wage ich zu behaupten, dass sich das gar nicht so sehr von Anderen unterscheidet. Abgesehen davon, dass ich dazu stehe, es nicht verhele und auch kein Problem damit habe, dies und/oder andere "unbequeme" Themen oeffentlich anzusprechen, wenn es noetig ist.
Soviel fuer heute (und in diesem Thread) von mir.
Beste Gruesse
Mario