Aremonus hat geschrieben:Ich habe auch viele Mitglieder ethnischer Minderheiten in China kennengelernt, die in der Schule nur auf chinesisch unterrichtet wurden und nicht in ihrer eigenen Sprache. Es gibt hier ganz klare Assimilationsbestrebungen.
Es ist häufig genau umgekehrt. Viele gebildete Minderheitenangehörige möchten nicht, dass ihre Kinder in die Minderheitenschule kommen, da dort die Minderheitensprache und als zweite Sprache Putonghua unterrichtet wird. In normalen chinesischen Schulen ist die zweite Sprache Englisch, ohne das in China heute kaum eine Berufskarriere möglich ist. Wer also nicht will, dass sein Kind Minderheitenlehrer etc. werden soll, versucht sich um die Minderheitenschule zu drücken, möglichst unter Beibehaltung der Minderheitenvorteile wie keine Einkindregel, keine Studiengebühren etc.
Zudem ist es auch so, dass zahlreiche Chinesen nach Tibet zwangsumgesiedelt wurden, um Tibet zu einem echten Teil Chinas zu machen. Wer sich weigerte, verlor seinen Job oder bekam anderweitig Probleme.
Inzwischen leben soviele Han-Chinesen in Tibet, dass man erst eine ethnische Säuberung durchführen müsste, wenn man Tibet wieder zu einem unabhängigen Staat machen wollte - und das kann ja auch keine Lösung sein.
Das ist Stuss. Du scheinst die ganze Tibetproblematik überhaupt nicht zu kennen. Im Autonomen Gebiet Tibet leben an gemeldeter Bevölkerung nach wie vor über 95% ethnische Tibeter. Nur im inneren Stadtbezirk von Lhasa leben knapp 40% Nichttibeter, Han, Hui und Andere. Während der Tourismussaison kommen da noch Saisonarbeitende vorwiegend aus Qinghai und Sichuan dazu, dann sieht man in dieser sehr internationalen Stadt im Zentrum schonmal weniger Tibeter als Touristen und Zugereiste. Eine Zwangsumsiedlung von Han-Chinesen hat es weder in das AGT noch in die von Tibetern bewohnten Gebiete in Sichuan, Qinghai, Yunnan und Gansu gegeben. Möglicherweise verwechselst Du das mit den Militärkolonien im Nordwesten von Xinjiang, dort sind in der Tat Leute angesiedelt worden, in vorher praktisch unbewohntem Gebiet, aber auch keine so grosse Zahl, dass das die ethnische Verteilung geändert hätte (die hat sich eher durch Zuwanderung in die Städte geändert).
Das Problem ist, dass die Tibet-Separatisten ein "Gross-Tibet" fordern, das fast ein Fünftel der Fläche Chinas ausmacht und von rund 135 Millionen Menschen bewohnt ist, davon knapp 6 Millionen ethnischen Tibetern. Vor 1949 waren das gut 50 Millionen, davon etwa 2 Millionen ethnische Tibeter, am Verhältnis hat sich nicht viel geändert. In den "Provinzen Kham und Amdo", wie die Free-Tibet-Propaganda diese Gebiete nennt, haben tibetische nomadische Hirten das offene Land bewohnt, längs der Flüsse und in den Städten lebten schon immer auch andere Ethnien. Allein in Chengdu leben wohl 20-100.000 ethnische Tibeter bzw. zum Teil Qiang, die können kaum die 20-Millionenstadt als "ihr Gebiet" beanspruchen - tun das wohl auch nicht.
Deswegen bin ich, trotz den meiner Meinung nach ganz klar unfairen Verfehlungen der letzten 60 Jahre, dafür, dass man nach vorne schaut und eine gemeinsame Zukunft von China und Tibet plant, in der beide Partner gleichberechtigt ihre Interessen einbringen können. Bis heute ist hier aber noch ein klares Machtgefälle vorhanden, das oft noch zu bisweilen starken Spannungen und unnötigen Ausschreitungen führt...
Ja, ok, da will ich nichts gegen sagen.
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