aquadraht hat geschrieben:no1gizmo hat geschrieben:Der Tod von Mao Zedong war eines der besten Ereignisse für China. Würde er heute noch leben, wie sähe China dann wohl aus? Deng Xiaoping ist der Öffner Chinas und sein Bild sollte auf den Geldscheinen gedruckt sein und vor derm Verbotenen Stadt hängen (obwohl nein. Personenkult ist uncool, aber wenn, dann lieber Deng als Mao).
Du schwätzt, wie stets dumm. Naja von Ochsen kann man nichts als Rindfleisch erwarten. 1976 hatte Mao Zedong, der 1972 einen Schlaganfall erlitten hatte, praktisch keine Macht mehr. Deng Xiaoping war bereits 1972 aus der Verbannung geholt worden. Er hielt, auch nach seiner zeitweiligen Degradierung 1976, die Fäden in der Hand, besonders den Kontakt zur PLA-Führung. Mit der Verhaftung der "Viererbande" wartete man wohl nur aus Pietät bis zum Tod Maos. Selbst wenn er länger gelebt hätte, hätte das vermutlich nicht so viel geändert. Mit 83 Jahren hätte er kaum einen neuen Anlauf zu utopischen Abenteuern beginnen können.
Aber ohne diese utopischen Ansätze, ohne die Mobilisierung der Massen hätte es den beispiellosen Aufstieg Chinas seit 1949 - nicht erst seit 1978 - wohl schwerlich geben können. Auch Deng Xiaoping ist ein Produkt der Ära Mao Zedongs, und er hat sich zeitlebens dazu bekannt. Noch 1978, im Alter von 73 Jahren, veröffentlichte er seinen 75-Jahresplan für die Modernisierung Chinas, einen Plan, der bis heute befolgt wird und dessen Ziele bislang meist übertroffen wurden. Auch dies ist ein Produkt eines utopischen Denkens, ohne das die gesamte chinesische Revolution so wenig vorstellbar wäre wie das moderne China.
Es ist daher töricht, Deng und Mao gegeneinander ausspielen zu wollen. Ich denke zwar auch, dass mehr vom Realismus Dengs China gutgetan und manche Exzesse verhindert hätte. Aber auch Deng selbst sah sein Wirken in dem Rahmen, den Mao Zedong seit 1927, in Opposition gegen die Komintern und ihre Ratgeber, entwickelt hatte.
Ohne den utopistischen Wahnsinn, statt mit der wohlorganisierten Arbeiter-KP in den Städten in den Untergrund zu gehen, hier und da Streiks zu organisieren und auf von Moskau vermittelte Kompromisse mit der KMT zu hoffen, Horden verelendeter Bauern und Tagelöhner im Fujian-Jiangxi-Sowjet zu einer Herausforderung für das Putschregime Jiang Jieshis zu formen, ohne den blutigen Opfergang des Langen Marsches, hätte es die Modernisierungen Dengs nie geben können.
Ob China dann heute wäre, wo es ist, steht dahin. Man kann sich darüber streiten. Ich zweifle aber stark daran, dass es den Chinesen dann heute besser ginge als den Indern oder Nepalern, dass China überhaupt noch ein einheitlicher Staat wäre und dass weniger Blut geflossen wäre und weniger Menschen verhungert wären.
Es gibt da mehr als ein Szenario, für dessen Nichteintreten man auch Mao Zedong dankbar sein muss.
a^2
Ich würde sogar soweit gehen, um zu sagen, dass es den meisten Chinesen vor 1949 besser ging als in den Jahrzehnten unter der kommunistischen Herrschaft nach 1955. Warum besser?
Die Mehrheit der Chinesen waren Bauern.Vor 1949 ging es vielen Pächtern und Kleinbauern schlecht, aber sie konnten immerhin frei in die Stadt ziehen.Während des Bürgerkrieges und in den ersten Jahren der kommunistischen Machtergreifung wurde die reicheren Bauern und Grundbesitzer enteignet und das Land an Kleinbauern und zuvor landlose Bauern verteilt.Allerdings wurde 1955 der Grund und Boden dann auch schon kollektiviert. Was ist dann passiert?
1)
das Land, die Werkzeuge, ja sogar die Kochtöpfe der Bauern wurden "kollektiviert" und gehörten den sogeannten Volkskommunen.Alle Eigentümer der Bauern wurden also "kollektiviert", die Bauern selber hatten keinerlei Privatbesitz.
2)
Der Bauer konnte nicht selber seine Agrarprodukte gewinnbringend verkaufen, da der Staat den Preis und die Mengen bestimmte.Der Staat kaufte sämtliche Überschüsse zu extrem niedrigen Preisen von dem Bauern ab und verkaufte jedoch Sachen teuer an die Bauern weiter.
3)
Den Bauern war es verboten, jegliche wirtschaftliche Aktivitäten außerhalb des "Kollektives" zu betreiben. Der Bauer hatte also keinerlei Möglichkeiten, durch eigene Initiativen seinen Lebensstandard zu verbessern.
4)
Durch das äußerst strenge Hukou-System der Mao-Zeit wurden die Bauern auf dem Land festgesetzt.Die Bewegungsfreiheit war also nicht existent.
5)
Die Bauern mussten im Rahmen der Volkskommune unentgeltlich schwere Arbeit verrichten, also Fontdienst leisten.Fast die gesamten Ernteerträge mussten sie abgeben, jährlich durften die Volkskommunenmitglieder pro kopf nur etwa 300 Jin (ein jin in der VR China= 500 gramm) Getreide behalten, um nicht zu verhungern(trotzdem führte es zum Massensterben z.B 1958-1961).Die Regierung hatte Vorgaben, wieviel Ernteerträge erzielten werden musste, sodass Parteiführer vielerorts mehr Erträge melden mussten, als tatsächlich erwirtschaftet, um diese Vorgaben zu erfüllen.Das führte oft dazu, dass sämtliche Ernteerträge der Bauern abgegeben wurden, sodass die Bauern nicht mal die jährliche 300 Jin-Getreideportion behalten durften.Also was tun?An den Bäumen knabbern oder Guanyin-Erde essen.
ich behaupte mal, von den Zuständen vor 1949 konnten die Bauern unter Mao nach 1955 nur träumen!
Nach 1955 gehörte alles dem "kollektiv", die Bauern hatten überhaupt kein Recht darüber, wie sie das Land nutzen wollten.
Die Situation der Bauern in der VR China verbesserte sich erst nach 1978, nach Maos Tod, nachdem die Volkskommunen aufgelöst wurden.