kitty hat geschrieben:Was redest Du immer von Geschichte? Als ob man mit Geschichte immer alles begründen und belegen könnte.
Wenn man Geschichte studiert hat, kommt das ganz natürlich. & wenn Du im Geschichtsunterricht ein bißchen aufgepaßt hättest, würdest Du tatsächlich merken, daß es gewisse widerkehrende Muster im menschlichen Verhalten gibt.
Es gibt auch sensible amerikanische Forschungen, die bewiesen haben wollen, dass Tiere nicht bloss leere Hüllen sind die ausschliesslich fressen, sich fortpflanzen und (bei den Hunden) ihrem Herrn bedingunslos ergeben sind, nur weil er ersteres sicherstellt. Das war ja schliesslich unser Ausgangspunkt.
Nicht ganz. Oder könntest Du mir bitte belegen, wo ich irgendwas von leeren Hüllen geschrieben habe?
Der Ausgangspunkt war Deine Idee, daß die Viecher aus Liebe zu Dir für Dich auf die Jagd gehen. & ich bezweifle, daß Du irgendwelche wissenschaftlichen Belege für eine derartige Vermenschlichung findest.
Hunde jagen vielleicht & überlassen Dir die ersten Bissen (solange sie selber nicht hungern), aber nur wenn sie Dich als Rudelführer anerkennen. Mit Liebe hat das nicht viel zu tun.
Mittelalterliches Wissen war ja auch nur als Metapher für nicht mehr zeitgemäss.
Tja, für mich ist mittelalterliches Wissen eher das, was man im Mittelalter wußte oder zu wissen glaubte.
Meines Erachtens ist eine andere Auffassung von Moral und Ethik immer von den Herrschenden vorgegeben (und hier können wir gerne den Begriff Propaganda einsetzen) und wird von der Masse des Volkes übernommen (das ist meine Sichtweise auf das Dritte Reich).
Deine Sichtweise ist wie üblich etwas zu einfach. Moral & Ethik entwickeln sich in einer Gesellschaft über längere Zeit im Zusammenspiel sämtlicher gesellschaftlicher Kräfte.
Es gab aber, und das musst auch Du zugeben, lieber Bossel, Menschen, die dieses Bild von Moral und Ethik schon damals angezweifelt und sogar bekämpft haben. Ich kannte so jemanden - meine Grosseltern.
Interessant, daß man fast immer nur Leute trifft, deren Großeltern ja so gar nichts mit dem Regime zu tun hatten. Wenn man danach geht, was man immer so hört, kann die Propaganda (& Deiner Meinung nach Moralvorgabe) der Nazis nicht sehr erfolgreich gewesen sein.
Das oben angesprochene Zusammenspiel gesellschaftlicher Kräfte ist höchst komplex. Daher gibt es in einer Gesellschaft auch nicht eine einzige Moral & Ethik, die von der ganzen Gesellschaft getragen wird, sondern jedes Individuum entwickelt auf Basis seiner Erfahrungen eine eigene Version, die dem kulturellen Ideal mehr oder weniger nahekommt.
Im Gegensatz zu Dir glaube ich nicht, dass es nur eine verschwindend kleine Menge von Geisteskranken etc. ist, die dies ethische Empfinden nicht haben, sondern ein grosse, betäubte Masse, die sich anpasst und in diese oder jene Richtung manipulierbar ist.[...]die Impulsgeber jedoch kommen von Menschen, für die Ethik unabhängig von der Kultur existiert, in ihrem tiefsten Innern.
Ah, da kommen wir dann wohl zum Kern Deines Gedankenguts. Es geht nicht um wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern um eine Art Religion. Nach dem Motto "Meine Ethik ist die einzig wahre & wer an was anderes glaubt, ist ein Barbar (oder ein anderes passendes Schimpfwort, ganz nach Geschmack) ohne Moral."
Hmm, hatten wir sowas nicht schonmal? "Am deutschen Wesen soll die Welt genesen" oder so ähnlich...
Oder auch "Wir müssen den Heiden die frohe Botschaft einbläuen. Zur Not mit der Keule..."
Interessant, daß diese Monopolhaltung in Bezug auf Ethik von jemandem kommt, der kurz zuvor noch geschrieben hat:
Es gibt Leute, die nie etwas daraus lernen und es gab und gibt immer welche, die ihrer Zeit voraus waren und es sind.