aber Herr beowulf ist als einziger ideologie- und propagandafrei, oder wie?
Ich propagiere (!) keine Ideologien. Im Gegensatz zu Parteien, Regierungen und Massenmedien.
Dass es damals keine "Italiener" gab, muss nicht weiter diskutiert werden, wie du richtig dargelegt hast. Aber abgesehen davon: Welche Kaiser stammten aus italienischen Adelsgeschlechtern? Ich kann mich an keinen erinnern. Deswegen verstehe ich deinen Einwand nicht.
Mein Einwand ist, dass dies die diversen europäischen Kaiser und Königshäuser quer durch die Geschichte vieles waren, aber nicht "ethnisch rein".
Darauf, dass Kublai Khan das "Mandat des Himmels" von niemandem (außer vom "Himmel selbst") übertragen bekommen hat, sondern es sich selbst zugesprochen hat, gehe ich nicht weiter ein.
Das mit den Mandat ist so eine Sache - derjenige der es sich greifen kann, hat es vom Himmel erhalten. Sonst hätte der Himmel es ja verhindert, dass er es ergreift. Du hättest übrigens früher auch Kaiser von China werden können. Auch als Langnase

Hättest nur ein gute Armee und viel Glück gebraucht, sowie eine sich im Untergang befindendende Dynastie als Gegenpart.
Jedoch möchte ich doch kritisch hinterfragen, warum die Chinesen (bzw. die chinesische Geschichtsschreibung) so darauf beharren, dass die Yuan- (resp. die Qing-) Dynastie eine chinesische war. Doch wohl, weil China daraus heutzutage einige Gebietsansprüche ableiten kann.
Die Chinesen leiten ihre Ansprüche aus der Qing Dynastie ab, der letzten Kaiserdynastie. Nicht aus der Yuan Dynastie. Bei der Tibet Diskussion wird Yuan immer nur ins Spiel gebracht um zu betonen, wielange und wie eng verbunden Tibet mit dem chinesischen Kaiserreich schon war. Meiner Meinung nach ein vollkommen unnötiges Argument.
Wie ich vorher einmal dargelegt habe: China ist natürlich "zivilisiert" und fällt nicht über andere Länder her; aber wenn ihm die Beute anderer zufällt, hat es "selbstverständlich" einen legitimen Anspruch darauf, der auch mit Zähnen und Klauen verteidigt wird.
Daher rühren dann wohl auch Aussagen wie "früher ging China von Korea bis Kiew", die ich von Chinesen tatsächlich schon gehört habe.
Die Chinesen stellen jetzt schon einen Anspruch auf die Ukraine? Ich als Österreicher sag auch spasshalber ab und zu, dass sogar Mexiko mal zu uns gehörte.
Ein Reich, in dem die Sonne nie untergeht! Einen Anspruch leite ich aber daraus jetzt nicht ab. Die Habsburger Dynastie wird bei uns als Teil der österreichischen Geschichte betrachtet. Daweil stammen die ja aus der Schweiz! haha - Wir Österreicher sind ja genauso verrückt wie die Chinesen.
Was willst du genau sagen? Was du schreibst, ist genau das, was Huangming geschrieben hat. Die modernen chinesischen Begrifflichkeiten sind zufällig dieselben wie die westlichen (Nation, Staat, Republik, etc.).
Sorry wenn ich das so sagen muss, aber anscheinend liest du gar nicht richtig, was die Leute schreiben, sondern suchst nur nach einer Möglichkeit, loszuheulen, dass deine eigene Kultur und deine eigenen Landsleute mal wieder Unrecht haben.
Ich glaube du interpretiest da wieder sachen rein, die gar nicht dastehen. Ich verweiße nur darauf, dass die jetzige chinesische Sicht nicht schwer nachzuvollziehen ist. Die Transformation von König/Kaiserreich zur Republik ist ja nicht nur in China passiert. Ebensowenig wie bei diesen Transformationen das vorigen König/Kaiserreich immer als Grundlage für die Ansprüche der neuen Republik herhalten musste. No-na-ned, die andere Option wäre eine vollkommene Auflösung des alten Herrschaftsgebiets gewesen. Ist aber ein interessanter Gedanke, wir hätten dann in Europa in jedem Dorf einen eigenen Staat - haha
Hier widersprichst du dir selbst. Erst legst du dar, dass das "kaiserlichen" China etwas ganz anderes gewesen sei als unsere modernen Begriffe von Volk und Staat und deswegen eben nicht mit modernen Begrifflichkeiten belegt werden könne.
Und dann behauptest du, der Übergang des Kaiserreichs zur Republik sei analog zu Deutschland verlaufen. Das Deutsche Reich von 1871 war aber ein Nationalstaat, wie er im Bilderbuch steht.
Wo ist der Wiederspruch? Hat etwas die Republik Deutschland nicht ihre Ansprüche aus dem Kaiserreich abgeleitet? *
Mir geht es darum, dass Republiken nicht aus dem Nichts heraus entstehen, sondern sich aus vorigen Herrschaftsgebilden herausbilden. Siehe oben
*Einwurf - aber an sich unwichtig hier: Es stimmt, dass der "Nationalismus" in Deutschland schon während der kurzen Kaiserzeit begonnen hat. Der preussische Willi nützte den aufstrebenden "deutschen" Nationalismus um sich vom preussischen König zum "deutschen" Kaiser hinaufzuschwingen. Das war eher Wiedersprüchlich - weil der Gedanke eines Nationalstaates an sich gegensätzlich zum Gedanken eines Kaiserreiches ist. Naja, vielleicht auch ein Grund warum der "deutsche Kaiser" in europäischen Königs- und Kaiserhäusern nicht für voll genommen wurde. Aber das sind jetzt geschichtliche Detaildiskussionen.
Mir geht es um den Punkt, dass die Betrachtungsweise das die Yuan oder Qing Dynastie chinesische sind, nicht mehr und nicht weniger "verrückt" ist, als der Umgang mit unserer eigenen Geschichte. Wenn wir jetzt ganz knallhart und ehrlich wären, müssten wir zum Schluss kommen, dass es sich bei Kaiserreich, Nationalstaat, Kultur, Republik oder sogar Ethnie um reine Konstrukte halten die mehr oder weniger willkürlich (oder aufgrund von Machtinteressen oder Zufällen) abgegrenzt werden. An sich sind wir alles Homo-Sapiens, die sich genetisch gesehen nur äußerst gering voneinander unterscheiden (ich hoffe, dass stimmt jetzt. Bin kein Biologe). 