und noch ein Gedanke:
Von meinen Vorpostern ist das Wort "Kapitalismus" bzw. "Proteste gegen den Kapitalismus" verwendet worden. Ich will niemandem solch eine Gesinnung unterschieben, aber von vielen Linksradikalen werden diese Proteste tatsächlich als gegen das "kapitalistische System" gerichtet präsentiert. Und einige andere Vorkommnisse in der Welt gelten als Hinweise auf eine "Krise des kapitalistischen Systems". Dabei sprechen sie nicht von ungerechten globalen Strukturen, von Ungerechtigkeiten zwischen Völkern und "Klassen", sondern explizit vom "kapitalistischen System" als Ganzem.
Nun müsste man die wohl erst einmal fragen, wie sie "Kapitalismus" oder "kapitalistisch" definieren. Ich verstehe Kapitalismus nachfolgend einfach als "Marktwirtschaft", d.h. als Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage und als eine Wirtschaftsform, in der der einzelne wirtschaftlich aktiv werden kann.
Und da muss man ganz klar sagen: Heutzutage sind praktisch alle Länder "kapitalistisch", mit der Ausnahme von Nordkorea und Kuba und einigen Stämmen, in denen die alten Stammesstrukturen noch intakt sind. Und eine Alternative zum Kapitalismus (wie ich ihn oben definiert habe) ist meines Erachtens nicht in Sicht.
Ein kommunistisches Utopia konnte trotz massiver Ausbeutung und Umerziehung der Untertanen nicht erreicht werden, die realsozialistische Planwirtschaft ist zusammengebrochen, eine mittelalterliche Zünfteordnung will niemand mehr (und ist heutzutage auch praktisch nicht realisierbar), und alle anderen Ideen sind über das Stadium intellektueller Spielereien nie herausgekommen.
Was auf der Erde wirklich schlimm ist, sind ungerechte internationale/globale Strukturen. Und gerade Amerika spielt da alles andere als eine rühmliche Rolle. Und seine Versuche, diese ungerechten Strukturen mit Gewalt durchzusetzen, waren oft nicht mehr und nicht weniger als Kriegsverbrechen.
Dass so eine "neue Weltordnung" (was ja sogar auf den Dollar-Scheinen steht!

) eigentlich nicht akzeptabel ist, steht auf einem anderen Blatt. Aber wenn sich die Ultralinken den "Zusammenbruch des Kapitalismus" herbeisehnen, meinen sie sicherlich nicht nur eine Änderung ungerechter globaler Strukturen. Die Frage ist nur: Was wollen sie dann? Eine Wiedereinführung der Planwirtschaft? Die Errichtung des 70 Jahre lang gescheiterten kommunistischen Utopia? Das sind Sachen, die ich nicht verstehe...