China - Zeitraum 1800 - 1820 - Romanrecherche

Allgemeine Fragen und Erfahrungsaustausch rund um China - Kultur - Geschichte usw.
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Anna Carruthers
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China - Zeitraum 1800 - 1820 - Romanrecherche

Beitrag von Anna Carruthers »

Hallo,

wie ich in meinem Fred über Anrede verriet, recherchiere ich für einen Roman, der in oben genannten Zeitraum spielt.

Einiges konnte ich recherchieren, anderes ist mir schlichtwegs unauffindbar. :cry:

Vielleicht kann mir jemand meine Fragen beantworten?

Baden und Körperpflege: Nun, nicht notwendigerweise wichtig, aber ich finde solche Alltagsdetails ganz interessant. Gab es im Haus reicher Chinesen Badezimmer? (Logischerweise nicht so wie die heutigen ;-) ) Ist das Rasieren der Körperhaare üblich (gewesen)?
Die verwendeten Produkte damals - gab es da einen Unterschied zu jap. Kosmetika? (Habe ein entsprechendes Buch an der Hand.)

Tattoos: Da ich Tattoos mag, ist die Idee eines tätowierten Romanhelden reizvoll.
Wurden im genannten Zeitraum farbige Tattoos erstellt? Ist es glaubwürdig, wenn ein großer Drache/Tiger auf den Rücken tätowiert ist? (Eine Vorgeschichte als Verbrecher ist okay für meinen Protag.)

Konkubinen: Die hatten ja anscheinend nur verheiratete Männer? Oder gab es da irgendwelche Ausnahmen oder Tricksereien, damit ein Mann die auserwählte Dame nicht heiraten mußte???

Und jetzt was ganz skurriles, darauf bin ich erst heute beim Durchlesen des Forums gekommen:

Wie war das denn um 1800 herum mit den Familiennamen? MEin Protag hat sich seinen Vornamen (Hu-Wei) selber gegeben, gab es um die Zeit herum schon Familiennamen und hätte es da irgendwelche spez. Überlegungen gegeben, nach denen man sich einen Familiennamen aussucht?

Sorry, ich weiß, eine Menge Fragen - ich habe noch mehr in petto :oops: - und ich werde mich wohl kaum hier im Forum mit anderweitigen Antworten recherchieren können. :|
Wäre dennoch sehr schön, wenn ihr mir bei der einen oder anderen Frage helfen könntet.

LG, Anna
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Grufti
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Re: China - Zeitraum 1800 - 1820 - Romanrecherche

Beitrag von Grufti »

Anna Carruthers hat geschrieben:
Und jetzt was ganz skurriles, darauf bin ich erst heute beim Durchlesen des Forums gekommen:

Wie war das denn um 1800 herum mit den Familiennamen? MEin Protag hat sich seinen Vornamen (Hu-Wei) selber gegeben, gab es um die Zeit herum schon Familiennamen und hätte es da irgendwelche spez. Überlegungen gegeben, nach denen man sich einen Familiennamen aussucht?
Im Gegensatz zu Deutschland gab es in China schon mindestens 2000 Jahre lang Familiennamen, die die betreffenden Personen sich sicherlich nicht selbst hatten aussuchen können

Im Laufe seines Lebens hatte ein Chinese, besonders wenn er zur den Reichen und/oder Gebildeten und/oder Mächtigen gehörte, einer ziemliche Liste von verschiedenen Namen vom "Milchnamen" bis zum "posthumen Ehrennamen", die ihm/ihr zum Teil nach bestimmnten Generationsgedichten gegeben, bzw. nach seinem Lebenswandel verliehen wurden.
Sieh auch den Thread Die kurze Darstellung des chinesischen Namesystem.


Was die Körperpflege + "die Mädels" betrifft, kann es evtl nützlich sein das "金瓶梅Jinping mei " zu lesen, das aber einige Jahrhunderte früher spielt
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
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Re: China - Zeitraum 1800 - 1820 - Romanrecherche

Beitrag von Laogai »

Anna Carruthers hat geschrieben:Baden und Körperpflege: Nun, nicht notwendigerweise wichtig, aber ich finde solche Alltagsdetails ganz interessant. Gab es im Haus reicher Chinesen Badezimmer? (Logischerweise nicht so wie die heutigen ;-) )
Eher nicht. Gewaschen wurde sich mit Wasser aus dem Brunnen (Leitungswasser gab es natürlich noch nicht) und wer eine gründliche Vollwäsche brauchte ging ins Badehaus.
Anna Carruthers hat geschrieben:Ist das Rasieren der Körperhaare üblich (gewesen)?
Auch eher nicht, denn Chinesen haben kaum Körperbehaarung (vom Kopf und Genitalbereich abgesehen).
Anna Carruthers hat geschrieben:Tattoos: Da ich Tattoos mag, ist die Idee eines tätowierten Romanhelden reizvoll. Wurden im genannten Zeitraum farbige Tattoos erstellt? Ist es glaubwürdig, wenn ein großer Drache/Tiger auf den Rücken tätowiert ist? (Eine Vorgeschichte als Verbrecher ist okay für meinen Protag.)
Diese Vorgeschichte wäre auch dringend notwendig, denn abgesehen von Schweren Jungs hat sich in China kaum jemand tätowieren lassen. Ob es damals schon farbige Tattoos gab kann ich leider nicht sagen.
Anna Carruthers hat geschrieben:Konkubinen: Die hatten ja anscheinend nur verheiratete Männer? Oder gab es da irgendwelche Ausnahmen oder Tricksereien, damit ein Mann die auserwählte Dame nicht heiraten mußte???
Männer hatten Konkubinen, nicht umgekehrt :wink:
Heirat war im alten China sowieso eine andere Angelegenheit als wir das aus der christlichen Kultur kennen. Reiche Chinesen konnten sich mehrere Frauen nehmen, das war ganz normal und musste nicht mit einer standesamtlichen oder gar kirchlichen Zeremonie beurkundet werden.
Anna Carruthers hat geschrieben:Wie war das denn um 1800 herum mit den Familiennamen? MEin Protag hat sich seinen Vornamen (Hu-Wei) selber gegeben, gab es um die Zeit herum schon Familiennamen und hätte es da irgendwelche spez. Überlegungen gegeben, nach denen man sich einen Familiennamen aussucht?
Ja, es gab um die Zeit herum schon Familiennamen in China. Die gab es sogar schon 2.000 Jahre bevor dein Roman handelt :wink:
Und wie in Europa sucht man sich seinen Familiennamen nicht aus, sondern bekommt ihn von (Tusch!) der Familie, genauer gesagt von der Familie des Vaters.
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Re: China - Zeitraum 1800 - 1820 - Romanrecherche

Beitrag von Laogai »

Tabuthema Tattoo: History of tattooing.
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Re: China - Zeitraum 1800 - 1820 - Romanrecherche

Beitrag von Linnea »

Anna Carruthers hat geschrieben: Tattoos: Da ich Tattoos mag, ist die Idee eines tätowierten Romanhelden reizvoll.
Wurden im genannten Zeitraum farbige Tattoos erstellt? Ist es glaubwürdig, wenn ein großer Drache/Tiger auf den Rücken tätowiert ist? (Eine Vorgeschichte als Verbrecher ist okay für meinen Protag.)
Hmm, da stehst du wohl vor einem Sprachproblem. Meines Wissens nach gibt es keine einzige westlichsprachige Monographie, die sich diesem (meiner Meinung nach sehr interessanten) Thema annimmt. Ein kurzer Durchlauf der "üblichen Verdächtigen" hat auch bei den Artikeln aus Zeitschriften nicht wirklich zu passenden Ergebnissen geführt. In moderner Hinsicht wäre ein Kapitel aus Michael Duttons "Streetlife China" ein kurzer Einstieg, allerdings mit eher geringen Informationen über frühere Zeiten. Einen weiteren Artikel, den ich als Hintergrundwissen noch zu anbieten habe, ist Early Chinese Tattoo - trifft die von dir gesuchte Zeit aber auch nicht wirklich.
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Babs
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Re: China - Zeitraum 1800 - 1820 - Romanrecherche

Beitrag von Babs »

Anna Carruthers hat geschrieben: Tattoos: Da ich Tattoos mag, ist die Idee eines tätowierten Romanhelden reizvoll.
Wurden im genannten Zeitraum farbige Tattoos erstellt? Ist es glaubwürdig, wenn ein großer Drache/Tiger auf den Rücken tätowiert ist? (Eine Vorgeschichte als Verbrecher ist okay für meinen Protag.)
Hallo Anna,

die Verbrecher wurden im Gesicht tätowiert und nicht auf dem Rücken. Im Chinesischen heißt das 黥刑 qing2 xing2 und wie das aussah, kannst du hier sehen. Demnach wurden die eingeritzten Zeichen mit (schwarzer) Tinte ausgefüllt; das Zeichen für Tinte 墨 mo4 oder 墨刑 mo4 xing2 bedeutet ebenfalls "in js Gesicht ein Schandmal tätowieren".
Anna Carruthers
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Re: China - Zeitraum 1800 - 1820 - Romanrecherche

Beitrag von Anna Carruthers »

Hallo,

vielen, vielen Dank euch allen!

Ihr habt mir innerhalb von 24 Std. schon mehr Infos gegeben, als ich selber die letzten Wochen gefunden habe. (Wenigstens zu diesen Themen ;-) )

Jetzt habe ich aber noch noch eine Frage zu Familiennamen:

Wenn einer meiner Protags aber gar nicht weiß, wer seine Eltern sind? Quasi ein Findelkind?
Wo bekommt das Kind dann seinen Namen her?

Und - jetzt wird´s doch kurios: Wie war das denn mit den Kindern von Dienern und Prostituierten? Waren das Sklaven bzw. Besitz des Dienstherrn (bzw. der Bordellbesitzer)?

LG, Anna
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Re: China - Zeitraum 1800 - 1820 - Romanrecherche

Beitrag von Laogai »

Anna Carruthers hat geschrieben:Jetzt habe ich aber noch noch eine Frage zu Familiennamen:
Wenn einer meiner Protags aber gar nicht weiß, wer seine Eltern sind? Quasi ein Findelkind?
Wo bekommt das Kind dann seinen Namen her?
Du stellt vielleicht Fragen :roll: :shock:
Linnea, du bist Schuld, dass Anna Carruthers uns jetzt ständig löchern wird :wink:

Äh, wie war nochmal die Frage? Ach ja, Familiennamen und Findelkinder. Welchen Familiennamen haben denn deutsche Findelkinder um 1800 herum bekommen? Das haben wir doch alle mal in der Schule gelernt, oder? :P
Egal, wenn es ein Findelkind ist würde ich davon ausgehen, dass es den Familienname der Zieheltern bekommt. Oder denk dir etwas anders aus. Hier gibt es keine Präzedenzfälle. Jedenfalls keine, mit denen deine Leserschaft vertraut sein dürften.
Anna Carruthers hat geschrieben:Und - jetzt wird´s doch kurios: Wie war das denn mit den Kindern von Dienern und Prostituierten? Waren das Sklaven bzw. Besitz des Dienstherrn (bzw. der Bordellbesitzer)?
Kommt darauf an, von wem das Kind ist. Kommt auch auf den Dienstherren bzw. das Bordell an. Also hast du auch hier wieder einen gewissen künstlerischen Spielraum und kannst deine Phantasie (fast) spielen lassen.

Nochmal zurück zum Tattoo: Was Babs geschrieben hat gilt nur für überführte und verurteilte Verbrecher. Es kann also sein, dass jemand eine dunkle Vergangenheit hat, sich z.B. in dubiosen Kreisen bewegte, jedoch nie gefasst oder gar verurteilt wurde. Solche Typen können natürlich auch ein Wunsch-Tattoo an einer Wunschstelle ihres Körpers herum getragen haben. Aber üblich war das im 19. Jahrhundert nicht. Wenn du realitätsnah bleiben möchtest würde ich die Idee mit dem Tattoo wieder fallen lassen. Wenn du jedoch allgemeine Asien/China Klischees bedienen willst, dann passt ein Tattoo natürlich hervorragend :(
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Re: China - Zeitraum 1800 - 1820 - Romanrecherche

Beitrag von Linnea »

Anna Carruthers hat geschrieben:Und - jetzt wird´s doch kurios: Wie war das denn mit den Kindern von Dienern und Prostituierten? Waren das Sklaven bzw. Besitz des Dienstherrn (bzw. der Bordellbesitzer)?
"Bordellbesitzer" waren im alten China klassischerweise weiblich. Prostitution je nach Stadt in mehrere Klassen unterteilt, und nicht in jeder Klasse gehörte Geschlechtsverkehr überhaupt zum Angebot. Oftmals war es auch reine Unterhaltung mit Essen, Alkohol und Musik. Alles in alle waren Bordelle eher hierachisch geordnete "Kleinunternehmen", mit festen Abläufen (vor allem in Bezug auf die Kunden), festen Rollen für die Angestellten und durchsetzt von einer Geheimsprache. Allerdings ist im Regelfall schon eher ein wirkliches Arbeitsverhältnis anzunehmen, als eine Art Sklavenhalterei (das gab es auch, aber eher mit verschleppten Frauen). Neben den Frauen haben dort auch Männer als Dienstpersonal gearbeitet. Kinder waren eher selten, wenn es sie gab (oder in deiner Geschichte geben soll) kannst du sie beispielsweise Pipa lernen lassen. Was den Namen anbelangt, darüber wird man vermutlich nichts finden. Ist und war einfach uninteressant. Nimm was dir beliebt.
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Grufti
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Re: China - Zeitraum 1800 - 1820 - Romanrecherche

Beitrag von Grufti »

Jetzt wäre es sehr sinnvoll, alle von Franz Kuhn übersetzten erotischen Romane, wie z. B,. Roubutuan und andere zu lesen, denn Teile davon spielen auch in Bordellen. Kinder hatten dort keine gute Zeit, denn sie hatten auch zu einem Teil die anfallende Hausarbeit zu leisten.
Findelkinder hatten normalerweise keinen Familiennamen, sondern wurden wie alle Kinder
小丫头 xiao yatou ( die Mädels wegen ihrern Zöpfen) oder 小髹头xiao xiutou (die Buben ihrer rasierten Köpfe wegen) benannt Auch xiao gui 小鬼 "kleiner Teufel" werden die Kinder genannt.
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !
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Re: China - Zeitraum 1800 - 1820 - Romanrecherche

Beitrag von Linnea »

Grufti hat geschrieben:Kinder hatten dort keine gute Zeit, denn sie hatten auch zu einem Teil die anfallende Hausarbeit zu leisten.
Das dürfte auch außerhalb der Bordelle nicht anders gewesen sein, die Erfindung der "Kindheit" ist ja noch nicht so alt.
Anna Carruthers
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Re: China - Zeitraum 1800 - 1820 - Romanrecherche

Beitrag von Anna Carruthers »

Hallo,

noch mal vielen, vielen Dank euch allen!

@ laogai: Sorry :-( Bin jetzt aber lieb und stelle *hust* vorerst *räusper* keine Fragen mehr.
Meine dringlichsten Fragen sind für´s erste geklärt.
Später werde ich vielleicht wieder Fragen haben - wenn mein Roman im letzten Drittel ist ;-)

Die Bordellfrage war nur so eine Randfrage, da mein Protag unbedingt eine chin. Mutter haben mußte, ;-) andererseits aber Brite sein sollte. (Hat bestimmte Gründe ;-) )

LG, Anna
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