VielUnterwegs hat geschrieben:
Zensur, Propaganda, Gleichschaltung der Medien, uneingeschraenkte Gewalt gegen jeden der den absoluten Machtanspruch der KP in Frage stellt (Inhaftierung in Gefaengniss oder Arbeitslager, teilweise sogar Ermordung, Hausarrest, das alles ohne Verfahren und auf Anordnung der Partei ohne Ankuendigung oder Warnung),
Ja, das alles gibt es, und daran gibt es auch nichts zu beschönigen. Es ist nicht so, dass ich da irgend etwas gut hieße oder schön redete.
Aber auch diese Dinge waren zu unterschiedlichen Zeiten sehr unterschiedlich ausgeprägt. Bei allen Unzulänglichkeiten heutzutage lässt sich da doch keine einheitliche Vorgehensweise erkennen. In der Kulturrevolution war es natürlich Terror pur, da ist es heutzutage wesentlich gemäßigter. Und es gab mutmaßlich auch mal eine Zeit (in den 80-er Jahren), wo es noch etwas lockerer gehandhabt wurde als jetzt (ich habe damals nicht gelebt, ich kann es nicht beurteilen).
Und man muss auch sagen: Was in anderen, auch westlichen Ländern, da heutzutage läuft (Stichwort "Heimatschutz" in den USA), ist auch nicht gerade "ohne". Dennoch wird mit Vorliebe auf China "eingeprügelt".
VielUnterwegs hat geschrieben:
nationalistische Schulbildung die historische Tatsachen verdreht und leugnet,
das weiß ich nun nicht..... ich weiß auch nicht, ob bei uns alles korrekt gelehrt wird. Manche ganz hartgesottenen "Patrioten" behaupten ja, dass an den westlichen Schulen (und ebenso in denen der "vom Westen kontrollierten" asiatischen Länder) die Geschichte verdreht wird, vor allem die jüngere Geschichte.
VielUnterwegs hat geschrieben:
das Zusammenschiessen von Demonstranten 1989,
es ist in Beijing damals zu Straßenschlachten gekommen, in denen wohl irgend etwas zwischen 1000 und 1500 Menschen zu Tode gekommen sind. Allerdings weiß niemand genau, wie es wirklich gewesen ist. Alle Angaben sind entweder nur eine Facette des Ganzen, oder bewusst gefälscht. Und in jedem Land ist es so: Wenn eine Gruppe versucht, die bestehende Ordnung zu stürzen, wird mit Waffengewalt gegen sie vorgegangen (wobei man natürlich fragen muss, ob die Studentenproteste das Ziel hatten, die chinesische Regierung zu stürzen; ich meine nein, und halte die Vorgehensweise gegen die Proteste auch für nicht gerechtfertigt).
VielUnterwegs hat geschrieben:
Korruption in grossem Stil und auf allen Ebenen,
Das ist sehr beklagenswert. Aber nicht unbedingt china-spezifisch. Deswegen kann man das auch nur bedingt unter "Verbrechen der KP" verbuchen.
VielUnterwegs hat geschrieben:
politische Neuregelungen (aktuell: Einschraenkung des Wohnungskaufs) teffen sehr oft nur die eh schon Benachteiligten
darüber weiß ich nun nicht so Bescheid. Aber die Einschränkungen haben das Ziel, die Spekulationen weiter einzudämmen. Soweit ich weiß, besagt die Hauptregelung, dass eine Person nur eine bzw. wenigstens nicht uneingeschränkt viele Wohnung kaufen darf. Das ist vielleicht in gewisser Hinsicht eine Holzhammer-Methode, aber bei den bestehenden Spekulationen vielleicht auch verständlich.
VielUnterwegs hat geschrieben:
amok-artige Ein-China-Politik nach dem Motto "wir entfesseln lieber den dritten Weltkrieg anstatt die de facto unabhaengigkeit Taiwans auch de jure zu akzeptieren",
das ist auch nichts KP-Spezifisches. Stichwort amerikanischer Bürgerkrieg, einer der ersten modernen Vernichtungskriege. Und zumal von Festland-China Taiwan als quasi-Kolonie Amerikas angesehen wird. Die Diskussion ob zu Recht oder Unrecht, würde hier zu weit führen.
Auch im Bezug auf China ist das Festhalten an dem "einen China" nicht KP-spezifisch: Meines Wissens hat die KMT in ihrer Parteidoktrin die Unabhängigkeit der Äußeren Mongolei bis heute nicht anerkannt (oder zumindest ziemlich spät).
VielUnterwegs hat geschrieben:
uneingeschraenkte Ausbeutung natuerlicher Ressourcen (Rohstoffe wie Wald, Kohle, aber auch Frischluft, sauberes Wasser wird verschmutzt),
Das ist wahr. Aber es ist ein Merkmal aller (oder fast aller) Schwellenländer. In Deutschland sah es im 19. und frühen 20. Jahrhundert auch nicht viel besser aus. Und wenn, dann nur weil es auf Grund geringerer Bevölkerungsdichte auf einige Regionen beschränkt war.
VielUnterwegs hat geschrieben:
Es gibt schon das eine oder andere was mich an den hehren Zielen, besten Vorsaetzen und Aufrichtigkeit der KP Mitglieder zweifeln laesst.
Na ja, an die hehren Ziele der Partei glaube ich auch nicht. An die hehren Zielen einzelner Beamter ja, aber nicht der Partei als Ganze. Nur... wie sieht es denn in anderen Ländern aus?
In unserem Beispiel: Hier wollen alle Parteien auch nur die Macht. OK, man kann es nicht vergleichen, weil die Rahmenbedingungen durch die Verfassung festgelegt sind und Parteien nur ihre relativ kleine, genau beschränkte Rolle spielen. Aber auch die bundesdeutsche Verfassung ist quasi auf Befehl der Westmächte (vor allem der USA) entstanden und musste diesen genehm sein. Ob die nur hehre Ziele im Blick hatten, möchte ich auch mal dahingestellt lassen.
Ihr seht, ich bewege mich auch auf dünnes Eis, wenn ich die hehren Ziele der Verfassungsväter in Frage stelle... in unserem freiheitlichen Deutschland!