3. Shanghai - die Expo - Auch kleine Länder haben eine Chance.
Ich wollte also nur in die Ausstellungen gehen, für die sich niemand interessiert. Ohne weit zu laufen. Also... Frankreich - was ist in der Nähe? Bleiben wir in Europa. Belarus, Bosnia-Herzegowina, Slowakia, Latuvia, Estonia, Polska, Denmark... Sie haben alle einen dieser großen Kästen gebaut und manchmal phantasievoll, manchmal betonfarben dekoriert. Dafür scheinen sich wirklich viele Leute zu interessieren. Nicht so viele wie für Deutschland oder Frankreich, aber ob's das Warten wert ist?
Einige Länder haben die Billigversion gewählt: Sie teilen sich ein Gebäude. Es gibt einen eigenen Eingang. Dahinter liegt ein Raum oder mehrere.
Hier: Bulgaria. Ja! Hier stehen nur fünf Leute. Gleich dürfen wieder welche rein. Da mach ich mit! Schön. Es gibt römische Mosaiken, die durch einen Glasboden zu betrachten sind. Wie im Museum. Fototapeten mit Landschaften. Schaufensterpuppen mit Trachten. Na ja. Hübsch gemacht. Ich blicke schneller durch als im französischen Pavillon. Danke, Bulgarien!
Das nächste Land auf meinem Weg ist San Marino. "Die kleinste und älteste Republik der Welt" steht da in Englisch und Chinesisch. Auf einem Globus ist die Stelle vergrößert, wo das Land ungefähr liegt. Eine Multimedia-Show. Und Plakate. Man soll dort investieren. Und Briefmarken kaufen. Wenigstens auf dem Sockel der Freiheitsstatue ist zusätzlich eine italienische Inschrift.
Moldawia - da steht gar keiner. Mist! Geschlossen.
Auf der Rückseite des Gobekli-Tepe-Tempels der Türkei gibt es Döner! Interessant, aber deshalb bin ich nicht in China. So bleibt mehr Döner für die Chinesen übrig. Sollen sie nur alle probieren.
Auf dem Weg nach "Asien" laufe ich an einer großen Halle vorbei: Pacific Pavillon. Etwa eine Minute warten. Das ist in Ordnung. Hinein. Niue. Kiribati. Samoa. Tuvalu. Und noch mehr. ("Hinein" ist natürlich kein Insel-Staat.) Jede Abteilung ist in der Form eines angedeuteten Schiffes gebaut. Drinnen wird Kunsthandwerk ausgestellt und es gibt Informationen. In einigen "Schiffen" sitzen sogar freundliche "Originale", mit denen man sich fotografieren lassen kann.
Auf dem Weg nach Nordkorea liegt die Mongolei. Wirklich. Auch ein Untermieter in einem kleinen Betonklotz. Zusammen mit Bangladesh, Tajikistan, Kyrgyzstan, Timor-Leste und Maldives. Mongolia: Man kann Saurierknochen und Sauriereier sehen. Kostüme, Teppiche, Musikinstrumente. Gut.
Die Malediven haben einen schönen Sandstrand im Haus. Knirsch, knirsch. Nein, ganz fein - unglaublich! Man soll dort Urlaub machen. Tauchen. Frauen, aufgepasst: Das weibliche Drittel des Personals trägt einen Ganzkörperschleier. Ja, die Malediven sind ein muslimisches Land. Ob das von den Touristinnen am Strand auch erwartet wird? Zumindest wird man darunter gleichmäßig braun. Oder weiß.
So. Jetzt bin ich endlich da. Hier warten wirklich einige Leute. Aber schon nach zwei Minuten darf ich rein. Wo sind sie? Die Soldatinnen des Kim Jong Il? Eine Parade, wehende Röckchen, rosige Wangen, ein glückliches Gesicht... Wo? Wo? Künstliche Felsen. Haben wir zu Hause auch. Echte. Auf einer Wand Bilder von Monumentalbauten. Eine Riesensäule mit einer Fackel auf der Spitze. Fotos und Werke des Großen Führers und des Geliebten Führers. Die Demokratische Volksrepublik Korea hat einiges zu bieten. Leider nicht zur Weltausstellung mitgebracht.
D., der nicht alles gesehen und noch nicht alles erzählt hat.
Wer den Gag noch nicht kennen sollte:
http://forum.chinaseite.de/ftopic589.html