Ni_hao hat geschrieben:Demnach fahren also in China eher weniger Studenten Taxi ... ? Ich bin eben an sehr viele interessante Taxi-Fahrer in Deutschland gewöhnt, fast immer Studenten
Ich bin bisher noch keinem Studenten als Taxifahrer begegnet und bezweifele, dass sie überhaupt die Möglichkeiten dazu hätten, weil sie a) ein heavy Lernpensum haben mit Mo bis Fr 10 Stunden an der Uni von 8 Uhr bis 18 Uhr morgens, b) Prüfungsstress hoch 10, dass sich dagegen unsere heimischen Studenten mit ihren Beschwerden angesichts des Prüfungsdrucks im Rahmen der neuen BA/MA Studiengänge geradezu niedlich ausnehmen, c) die Studenten hier wohl zumeist kein Geld haben, um einen Führerschein zu machen, der für chinesische Verdienstverhältnisse geradezu sündhaft teuer ist und d) wenn sie doch das Geld dazu haben, sie nicht darauf angewiesen sind, abends noch mit dem Taxi umherzufahren, um sich nebenbei etwas zu verdienen.
Aber Ausnahmen mag es immer und überall geben.
Ni_hao hat geschrieben:Das mag ja sein. Dennoch finde es weniger peinlich, jemanden irrtümlich zu überschätzen, als womöglich umgekehrt ...
Sehr guter Standpunkt.
Ni_hao hat geschrieben:Naja, und wie wäre es jetzt mit chinesischen Menschen, die kein bisschen naiv sind? Also wenn denn keine chinesischen Studenten Taxi fahren, begegnet man ihnen doch wohl anderswo im öffentlichen Leben, meinetwegen in typischen Studentenkneipen - oder gibt es das auch nicht? Oder wo verkehren Chinesen, die weit gereist sind und sich vorher über die Länder, die sie bereisen, mindestens ebenso viele Gedanken machen wie wir? Irgend etwas wehrt sich in mir, alle Chinesen für naiv zu halten.
Na, ALLE sind mit Sicherheit nicht naiv, aber in der Regel bewahrt man sich hier schon einen neutralen Standpunkt in historischen Dingen, nach dem Motto: Alles hat zwei Seiten...eine schlechte und eine gute. Die guten Seiten sind dabei diejenigen, an denen man sich zu orientieren hat, da sie den Weg in die Zukunft weisen. Daher werden die guten Dinge auch in den Schlechten so betont. Es gilt hier: Das Gute bewahren, das Schlechte von sich weisen (was mal zu Zeiten der Kulturrevolution ein wenig anders war, wo Historisches gleich als "schlecht" galt). In dieser Hinsicht sind Chinesen die reinsten Positivisten...wobei aber auch die Kritikfähigkeit ein wenig auf der Strecke liegen bleibt...
Ni_hao hat geschrieben:Woher käme dann ihr viel gerühmtes diplomatisches Verhandlungsgeschick?
Ah? Woher hast du denn das? Diplomatisch sind Chinesen die reinsten "Trampeltiere", jedenfalls aus unserer Perspektive (aus chinesischer Perspektive sind wir die reinsten "Trampeltiere"). Zudem auch noch "kindlich" dazu, nach dem Motto: "So wie du mir, so ich dir" bzw. "Nimm mir meinen Lolli nicht weg!" Nein, die Diplomatie haben die Chinesen wahrlich nicht erfunden, dass sie des öfteren mal bei solchen Gelegenheiten sich selbst eher der Lächerlichkeit preisgeben, wie z.B. zuletzt auch auf der Buchmesse in Frankfurt (aus unserer Sicht...aus chinesischer Sicht freilich nicht...da sind WIR immer diejenigen, die den chinesischen Delegationen Fallen legen und provozieren) Meine subjektive Meinung hierbei und mit Sicherheit nicht auf alle Chinesen verallgemeinbar. Ich spreche hier ausschließlich von Diplomatie auf internationaler Ebene.
Ni_hao hat geschrieben:Du hast an anderer Stelle Beispiele hierzu gegeben, u.a. dass H. ein Visionär gewesen sein soll und viel für die germanische Rasse getan haben soll. Die Bezeichnung "Visionär" würde ich persönlich jetzt nur im positiven Sinn verwenden, will sagen, für einen Menschen, den eine gute Vision antreibt oder angetrieben hat oder eben für einen Menschen, der die Gabe hatte, sowohl Gutes als auch Schlechtes mit bereits erwiesener Treffsicherheit zu prognostizieren.
Ja, das kann natürlich jeder halten, wie er möchte. Für mich impliziert halt Visionär nicht ausschließlich etwas positives, da sich mir die Frage aufdrängt: Aus welcher Motivation heraus? Demnach kann für mich jemand auch Visionär sein, wenn sich hinter den "Visionen" eine negative Motivation verbirgt. In diesem Falle wäre "Visionär" durchaus dann auch negativ gedacht, daher für mich ein neutraler Begriff.
Ni_hao hat geschrieben:Ist mir schon klar. Ich versuche ja auch nur Varianten (m)einer Gesprächsführung mit Chinesen zu finden, die höflich und respektvoll bleibt, ohne meine eigene Haltung dabei völlig preisgeben zu müssen. Mir persönlich fällt in diesem Zusammenhang wieder einmal das Wort "Meinungsaustausch" ein, das mich immer zum Schmunzeln bringt, wenn ich es wörtlich nehme. Krass ausgedrückt: Ich möchte nicht meine "Hirn gewaschenen" europäischen Standpunkte zum Thema H. gegen Hirn gewaschene chinesische eintauschen, nicht einmal temporär.
Puh...also an einer Indeep-Diskussion über das dritte Reich bin ich hier in China nie verwickelt worden. Es waren einfach immer nur solche lapidaren Kommentare, wie z.B. bei dem Taxigespräch zitiert, aber wirklich eine tiefschürfende Diskussion, wo eventuell dann zwei Weltansichten aufeinanderprallen, musste ich in diesem Rahmen noch nie führen, dass du dir da auch keine Sorgen zu machen brauchst.
Ni_hao hat geschrieben:Ich mag mir nur nicht vorstellen, einen schleichenden Prozess etwa so lange Zeit gar nicht zu bemerken, dass mir plötzlich ein um 180 ° gedrehter (oder eben anders herum Hirn gewaschener) Mensch aus dem Spiegel entgegen guckt, das Produkt einer Gesellschaft, nicht das Produkt meines selbstständigen und unabhängigen Denkens.
Definiere "selbstständiges und unabhängiges Denken". Ich bin ja der Meinung, dass man als Mensch determiniert ist: Wirklich unabhängiges Denken gibt es nicht, und wo man meint, dass man unabhängig denkt, muss man schnell merken, dass man doch auch nur in Schablonen denkt. Aber eben in anderen Schablonen als andere...

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