Tibet - Was ist da los?

Tibet liegt im Westen Chinas. Städte in Tibet sind Lhasa (拉萨) und Shigatse (日喀则市),
TaugeNix

Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von TaugeNix » 17.03.2008, 16:19

otternase hat geschrieben: Daher jetzt einfach mal spekuliert:
Könnte es sein, dass auch diese Proteste sich letztlich auf Vetternwirtschaft und Korruption der chinesischen lokalen Regierung in Lhasa zurückführen lässt? Zumindest auf den ersten Bildern schien der gewalttätige Teil der Demonstranten es explizit auf Bank of China, chinesische Geschäfte und die Loaklregierung abgesehen zu haben. Da könnte doch der Verdacht aufkommen, dass den Protesten undurchsichtige Kreditvergabe und unfaire Vergabe von Lizenzen für Geschäfte voranging.

Was meint Ihr?
Durchaus möglich.
Fraglich allerdings, ob sich das aus westlicher Sicht so gut instrumentalisieren lässt wie unterdrückte Tibeter.

Gruss,
TaugeNix^differenzierte Berichterstattung?!

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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von Shaolin » 17.03.2008, 17:11

otternase hat geschrieben: Zumindest auf den ersten Bildern schien der gewalttätige Teil der Demonstranten es explizit auf Bank of China, chinesische Geschäfte und die Loaklregierung abgesehen zu haben.
Ich meine daraus deuten zu wollen das es einen extremen Frust gibt gegen alles was mit China zun tun hat, inwieweit Vetternwirtschaft und Korruption das Ganze noch angeheizt haben kann ich nicht beurteilen aber bezweifel das als alleinig ausschlaggebend.
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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von TaugeNix » 17.03.2008, 17:21

Shaolin hat geschrieben:
otternase hat geschrieben: Zumindest auf den ersten Bildern schien der gewalttätige Teil der Demonstranten es explizit auf Bank of China, chinesische Geschäfte und die Loaklregierung abgesehen zu haben.
Ich meine daraus deuten zu wollen das es einen extremen Frust gibt gegen alles was mit China zun tun hat, inwieweit Vetternwirtschaft und Korruption das Ganze noch angeheizt haben kann ich nicht beurteilen aber bezweifel das als alleinig ausschlaggebend.
Noja - oder es sind "vernünftige" Plünderer, die sich als erstes auf den schnellen Yuan konzentrieren :lol:

Gruss,
TaugeNix^würde auch bei den Banken anfangen..

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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von bossel » 17.03.2008, 17:48

siedenderschnee hat geschrieben:Ich habe nur die Medien hier kritisiert.
Womit Du dann auch vom Thema ablenkst, wenn Du es schon so genau nimmst.
Ich nehme es nicht ganz so genau, & darum:
Dieses Foto als Argument dafür zu nehmen, daß die westlichen Medien antichinesische Propaganda betreiben funktioniert nicht. Auf dem einen Ausschnitt sind 2 Armee-LKW mit fliegenden Steinen zu sehen, auf dem anderen auch noch die Steinewerfer. Da der Bilduntertitel aber nunmal klarmacht, worum es geht, sehe ich Dein Problem nicht.

mai hat geschrieben:
bossel hat geschrieben:Äh, welcher Terrorismus der Tibeter?
Oh, I'm sorry, klingt "friedliche Demonstration" oder "Freiheitskämpfung" besser? Gemeint wird aber die gleiche Sache, egal wieviele Etiketten sie noch hat. :P
Naja, wenn friedliche Demonstrationen für Dich Terrorismus sind, dann erklärt das so einiges.



Aus der taz (mE lesenswert):
Von Angst und Aufstand
Zitat:
" [...]
Den älteren Tibetern wird das Gerede zu gefährlich: Sie verlassen fluchtartig das Lokal. Die jungen Männer aber erzählen von den Motiven ihrer Revolte. Dass sie kaum eine Chance auf Schulbildung gehabt hätten, jetzt keine Arbeit fänden und die Chinesen nun auf ihre Kosten reich würden. Dass die Preise stiegen und eine Jeans jetzt 70 statt bisher 30 Yuan kosten würde (umgerechnet 7 statt 3 Euro). "Die Chinesen betrügen uns um unser Geld", sagen sie. Und der Dalai Lama? "Keiner hilft uns. Nicht einmal Gott." Trotzdem würden sie den Dalai Lama verehren. Sie wüssten auch, dass er die Dinge friedlich lösen wolle. Sie wünschten sich, dass er zurückkomme. "Wir haben ihn nie gesehen", sagen sie. Das klingt fast nach einer Entschuldigung dafür, dass sie seiner gewaltfreien Lehre nicht folgen.

In dem Schwanken zwischen Gewalt und Gewaltfreiheit aber liegt das große Problem der tibetischen Revolte. Auch drüben im indischen Exil mangelt es dem Dalai Lama an Eindeutigkeit. Er findet entschuldigende Worte für die Randale in Lhasa: Es läge an der Brutalität der chinesischen Herrschaft über Tibet.

Genau diesen Widerspruch aber nutzt die chinesische Regierung: Hemmungslos zieht ihre Propaganda jetzt über die "bösartigen separatistischen Kräfte" her und versucht vor allem den Krieg der Bilder zu gewinnen: Axthiebe gegen friedliche Sicherheitskräfte.
[...]

Sie sagen, dass vor allem die ökonomische Segregation in den letzten Jahren zugenommen hätte. Chinesen kämen mit Geld und besserer Ausbildung nach Lhasa. Sie würden ihren tibetischen Angestellten oft niedrigere Löhne als den Chinesen zahlen, das hätte bei dem Aufstand eine größere Rolle gespielt als der alte Religions- und Kolonialkonflikt. Im Gründe hätte es in der letzten Woche zwei Revolten gegeben: die der Mönche, die zeitlich im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen steht, und die der chancenlosen tibetischen Jugendlichen.
[...]"

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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von Shaolin » 17.03.2008, 19:37

Wenn Du in Deiner Klasse 30 junge Schüler hast und einer stört die Gemeinschaft, was machst Du? Wahrscheinlich zur Ruhe bringen damit der Unterricht im Interesse der anderen 29 weitergeführt wird.

Wenn Du als Regierungschef eines Entwicklungslandes 30 Provinzen hast und eine stört die Gemeinschaft, was machst Du?
Wahrscheinlich zur Ruhe bringen damit die Entwicklung des gesamten Landes im Interesse aller weitergeführt wird.

Wenn Du in Deiner Klasse 30 Erwachsene Schüler hast und einer stört die Gemeinschaft, was machst Du? Wahrscheinlich rauswerfen damit der Unterricht im Interesse der anderen 29 weitergeführt wird.

Wenn Du als Regierungschef einer Industrienation 30 gleichmäßig gut entwickelte und finanziell unabhängige Provinzen hast und eine stört die Gemeinschaft, was machst Du?
Wahrscheinlich in die Unabhängigkeit entlassen damit die Entwicklung der anderen Provinzen im allgemeinen Konsens weitergeführt wird.

Das hat man beim Zusammenfall der ehemaligen UdSSR oder Jugoslawien andersrum gemacht, unterschiedlich entwickelte und somit unterschiedlich reiche Provinzen in die Unabhängigkeit entlassen und was folgte war Bürgerkrieg weil der Nachbar ein besseres Stück vom anderen Nachbarn haben wollte.

Ich bin mir ziemlich sicher das das Wohl der Meisten Chinesen eng damit zusammenhängt inwieweit die Regierung eine zentrale Kontrolle über die Provinzen und Regionen behält, damit steht und fällt die weitere wirtschaftliche Entwicklung des gesamten Landes und bei der kleinsten Abspaltung droht ein Flächenbrand.

Das ist auch der einzige Grund warum ich zum jetzigen Zeitpunkt Tibet nicht unterstütze, das Wohl von 6 Mio Tibeter (knappe 0,5%) darf nicht über der Chance der anderen 1,5 Mrd stehen bzw der Chance derjenigen 800 Mio die nicht in Küstennähe wohnen und bis dato noch keine Möglichkeit hatten einen soliden Mittelstand zu etablieren.
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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von TaugeNix » 17.03.2008, 20:10

Shaolin hat geschrieben: [...] Viel Wahres.. [...]

Das ist auch der einzige Grund warum ich zum jetzigen Zeitpunkt Tibet nicht unterstütze, das Wohl von 6 Mio Tibeter (knappe 0,5%) darf nicht über der Chance der anderen 1,5 Mrd stehen bzw der Chance derjenigen 800 Mio die nicht in Küstennähe wohnen und bis dato noch keine Möglichkeit hatten einen soliden Mittelstand zu etablieren.
Endlich.
Noch jemand.

Danke..

Gruss,
TaugeNix^der sich schon die anderen Antworten ausmalen kann..

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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von Sepel » 17.03.2008, 20:12

Wer hätte das gedacht...

Russland verteidigt Machtdemonstration Chinas in Tibet

Die Regierung in Moskau äußerte die Hoffnung, dass die chinesischen Behörden "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die illegalen Aktionen einzudämmen".

Wie stehen die Leuten in Taiwan zu der Sache? Macht die Republik China noch immer einen Anspruch auf Tibet geltend?

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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von Babs » 17.03.2008, 20:15

Shaolin hat geschrieben: Ich bin mir ziemlich sicher das das Wohl der Meisten Chinesen eng damit zusammenhängt inwieweit die Regierung eine zentrale Kontrolle über die Provinzen und Regionen behält, damit steht und fällt die weitere wirtschaftliche Entwicklung des gesamten Landes und bei der kleinsten Abspaltung droht ein Flächenbrand.
auch wenn mir vieles daran nicht passt, aber ich bin auch überzeugt, dass die KP der einzige Garant für Stabilität, Wirtschaftswachstum und Frieden in China ist und auch in den nächsten Jahren bleiben wird

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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von otternase » 17.03.2008, 20:35

Shaolin hat geschrieben:Das ist auch der einzige Grund warum ich zum jetzigen Zeitpunkt Tibet nicht unterstütze, das Wohl von 6 Mio Tibeter (knappe 0,5%) darf nicht über der Chance der anderen 1,5 Mrd stehen bzw der Chance derjenigen 800 Mio die nicht in Küstennähe wohnen und bis dato noch keine Möglichkeit hatten einen soliden Mittelstand zu etablieren.
So sehr ich Dir auch recht gebe, dass die derzeitige Pekinger Regierung -leider- der einzige Garant für Stabilität und Frieden in China darstellt, so erschreckt mich doch obiger Satz.

Warum kann Tibet so wichtig für die Integrität Chinas sein und gleichzeitig zu den ärmsten Provinzen gehören? Bei der von Dir genannten grossen Bedeutung für die "800 Mio. Menschen in Küstennähe" sollten die Bemühungen der chinesischen Regierung um Integration der Tibeter speziell in wirtschaftlicher Hinsicht doch wesentlich intensiver ausfallen.
Wie ich schon einmal zuvor schrieb, die Tibeter protestieren doch mit 99% Wahrscheinlichkeit nicht, weil sie einem alten Feudalstaat Tibet hinterherweinen, sondern weil in den letzten 50 Jahren und JETZT die chinesische Regierung sich unfähig erweist, die Tibeter gerecht am Aufschwung teilhaben zu lassen, Zitat taz

"Sie sagen, dass vor allem die ökonomische Segregation in den letzten Jahren zugenommen hätte. Chinesen kämen mit Geld und besserer Ausbildung nach Lhasa. Sie würden ihren tibetischen Angestellten oft niedrigere Löhne als den Chinesen zahlen, das hätte bei dem Aufstand eine größere Rolle gespielt als der alte Religions- und Kolonialkonflikt."

Wenn die Tibeter nur dazu dienen, den 800 Mio. in Küstennähe einen Wohlstand zu ermöglichen, an dem sie selbst nicht teilhaben, dann würde ich das Ausbeutung nennen.

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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von Grufti » 17.03.2008, 21:08

Sepel hat geschrieben:Wer hätte das gedacht...

Russland verteidigt Machtdemonstration Chinas in Tibet

Die Regierung in Moskau äußerte die Hoffnung, dass die chinesischen Behörden "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die illegalen Aktionen einzudämmen".

Wie stehen die Leuten in Taiwan zu der Sache? Macht die Republik China noch immer einen Anspruch auf Tibet geltend?
Das wundert mich überhaupt nicht...
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !


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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von Grufti » 17.03.2008, 21:13

China riegelt Tibet von der Außenwelt ab:

"Auf auf zum fröhlichen Tibeter-Jagen !" :P
Eine klitzekleine Kostprobe : Stündlich (leider immer nur derselbe Clip) auf N24...

:mrgreen: :twisted: :evil:

Es gibt sicher keinen "Bürgerkrieg".....sondern ein Abschlachten unliebsamer Elemente !


...oder ...um es neutraler zu schreiben:


"Der Bevölkerungsanteil der Han-Chinesen in Tibet nahm sprunghaft zu " (newspeak ...)

Es kann später eh niemand mehr nachkontrollieren, wieviele Tibeter getötet wurden...
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von Topas » 17.03.2008, 21:47

@Otternase : Du sagst es - Ausbeutung ist es !
Nicht nur für den chinesischen Wohlstand, sondern als Füllraum der explodierenden Bevölkerung und wegen politischer Vorherschaftsinteressen ( gegenüber Indien ) sowie strategischer Stellung( Himalaya = natürliche Grenze )
Aber siehe doch die Reaktionen auf mein letzes Posting :

mai hat geschrieben:
Topas hat geschrieben:Würde er ( wie hier von einigen geordert ) nach Tibet zurückkehren um darauf zu hoffen , wie ein Mandela 20 Jahre eingebuchtet zu werden

Es gibt ca 6 Millionen Tibeter gegenüber 1.2 Milliarden Chinesen. Wer ernsthaft glaubt, dass diese " Minderheit aus Sicht der chinesischen Regierung etwas im " Dialog" zu sagen hätte, der hat ein Brett vorm Kopf.
Wer hat ein Brett vorm Kopf? Oder Wer hat noch ein Brett vorm Kopf?
Wer Einen Kampf führt, dessen Ausgang seit einer Ewigkeit klar ist, der hat ein Brett vorm Kopf, oder ihm ist recht so, aus welchem Grund wie auch immer.
Mittlerweile hat seine Scheinheiligkeit 2/3 seines Lebens in Ausland verbracht, wenn er sprachlich begabt ist, dann spricht er wahrscheinlich schon andere Sprachen fließender als Tibetisch.

Ja, der gute Mandela, wenn man sein Land wirklich liebt und diese Liebe allem anderen vorzieht, dann soll und wird er auch da bleiben, auch im Knast.

Wer das behauptet aber 50J dadraußen heimlos dubiös rumtreibt, Unmenge von Lügen herumstreuend, sich und die Situation des Lands von verschiedenden Institutionen mit Wissen und Wollen ausnutzen lassend, die aber keinerlei wahres Interesse an der Wohlbefindung des Volks haben, der ist ein Heuchler, Verräter, Sünder, und null Buddhist.
Es ist recht gut so, dass Tibet nicht von so einem geführt wird.
Es gibt ein Unterschied zwischen Tatsachenbehauptung ( basierend auf Erfahrungen ) und Ideologie ( basierend auf dem Glauben der Existenz einer Tatsache )
Worte wie " Scheinheiligkeit ( negativ Wertend )" , " Wahrscheinlich" ( = eine Vermutung ) , " mit Wissen und Wollen " ( = hört sich nach Gedankenlesen an ) usw. sprechen eindeutig für eine Ideologische Haltung. Ich werde es mir nicht herausnehmen, irgendein wertendes Urteil über Taten und Handeln des Dalai Lama raus zu nehmen, solange es nicht mehr als eine blosse Vermutung darstellt und nicht belegt ist. Diesen Fehler machen die meisten. Was bewiesen ist, sind (zB) aktuell der Aufruf zur Gewaltlosigkeit des Dalai Lama. Bewiesen ist auch, dass es in China eine starke Pressezensur gibt.
Auch werde ich nie den Fehler a la Shaolin machen und alles praktisch beurteilen, in dem ich die Anzahl der Tibeter mit der Anzahl der Chinesen aufwiege und danach urteile, was denn jetzt dass geringste Übel ist. Diese Praxis wurde vor dem zweiten Weltkrieg von GB , Frankreich usw. gegenüber Hitler bei den Besetzungen 1938 gebraucht - was passiert ist kennt jeder .
Eine Diktatur, nur weil sie eine Stabilität herstellt, darf nicht nur deshalb auch legitimiert werden. Irak war unter Hussein auch stabil.
Zudem können andere so oder so erst dann ein Urteil bilden, wenn sie selbst betroffen sind. Ich glaube nicht, dass Shaolin, Mai oder andere Tibeter sind. Eine Meinung lässt sich schnell bilden, besonders dann, wenn mensch sie aus entfernter Sicherheit auffängt.
Und was die territoriale Integrität Chinas betrifft, finde ich es schon krass, dass wegen gezeichneter Linien überhaupt Menschen ihr Leben lassen müssen. Integrität ist ein Konstrukt in unseren Hirnen, die als Argument des Machterhalts einer Bevölkerungsmehrheit dient, die Angst haben, Teile ihres Wohlstandes zugunsten einer Minderheit zu verlieren. Und Olympia ? Hier wird besonders der Egoismus vieler Menschen ( bzw Sportler ) deutlich, die Tote und Unterdrückung hiermit billigend in Kauf nehmen, um ihre Prestigeträchtige Teilnahme an Olympia nicht zu gefährden.
Topas grüsst recht herzlich WHSAP
MACHT MIT BEI UNSEREM BUCHPROJEKT !
http://forum.chinaseite.de/forum48.html
Dieser Beitrag wurde maschinell erstellt und ist ohne Unterschrift gültig.

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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von Grufti » 17.03.2008, 21:59

otternase hat geschrieben:Nur mal so ins Blaue spekuliert:

In China sind Proteste ja auch nicht unüblich, regional begrenzt gibt es immer wieder -manchmal auch gewalttätige- Proteste der Bevölkerung gegen kommunale Regierungen. In der Regel dringt davon nichts oder fast nichts an die Öffentlichkeit, einerseits, weil die Regierung ihre Informationshoheit ausnutzt, andererseits aber auch, weil sich im Westen "kein Schwein" für die Sorgen und Nöte "stinknormaler" Bauern oder Arbeiter interessiert. Ganz im Gegensatz zu den Sorgen und Nöten der Tibeter, für die, unter anderem dank des DL, viele hier im Westen sehr grosses Interesse zeigen.

Jedenfalls geht es bei den Protesten meist um das riesige Problem, das drängenste aller Probleme Chinas, um Korruption. Da werden Bauvorhaben an den Schwager vergeben, kommunale Politiker versaufen und verhuren das Geld, welches für Entschädigungen von Bauern bei Landenteignungen vorgesehen war, mangelnde Qualität neugebauter Strassen übersehen Beamte dank baijiu-getränkt übergebener Schecks gerne mal, "Sonderzuwendungen" lassen Polizisten plötzlich glauben, dass in den anheimelnd beleuchteten Frisiersalons tatsächlich noch nach Mitternacht die Haare geschnitten werden, wenn der Sohn eines Kaders im Suff einen unbeteiligten mit dem Messer angestochen hat, lässt sich der Richter oft genug durch geeignete Privilegienverschaffung von einer anderen Sachlage überzeugen etc. pp.

Daher jetzt einfach mal spekuliert:
Könnte es sein, dass auch diese Proteste sich letztlich auf Vetternwirtschaft und Korruption der chinesischen lokalen Regierung in Lhasa zurückführen lässt? Zumindest auf den ersten Bildern schien der gewalttätige Teil der Demonstranten es explizit auf Bank of China, chinesische Geschäfte und die Loaklregierung abgesehen zu haben. Da könnte doch der Verdacht aufkommen, dass den Protesten undurchsichtige Kreditvergabe und unfaire Vergabe von Lizenzen für Geschäfte voranging.

Was meint Ihr?
Otternase:


Es geht nicht "nur " um Korruption....es geht im Wesentlichen darum, daß die VR eigentlich auch zum Umweltschutz..und z.B. gegen Kinderarbeit gute Gesetze hat ( ich habe das nur aus den etwas spärlichen Dokus auf ARTE...TaugeNix, der in der VR Jura studiert hatte, wird das sicher bestätigen können..)....nur.. wenn sich dort jemand aufgrund genau dieser Gesetze an die Lokalregierungen, Gerichte....und Ministerien wendet....wird er quasi als Terrorist verfolgt, der nicht anderes im Sinn hat, die bestehende "Ordnung" zu stören.. und entsprechend behandelt,,
Was sind denn dann solche Gesetze wert .. ?? Nicht das Papier, auf dem sie gedruckt sind..



Mein link über den Umweltschützer, der um das Wohl von Millionen Mitbürger besorgt war ist nur ein Beispiel von vielen Fällen , die auch im Ausland bekannt geworden sind.....
Aber für die "PRO-VR " Fraktion " hier im Forum ist das----wie jegliches "nicht-über-die-VR-jubel-Wort" ja nur anti-chinesische Propaganda
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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von no1gizmo » 17.03.2008, 23:11

Sepel hat geschrieben: Russland verteidigt Machtdemonstration Chinas in Tibet

Die Regierung in Moskau äußerte die Hoffnung, dass die chinesischen Behörden "alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die illegalen Aktionen einzudämmen".
Das passt wie die Faust aufs Auge.

Putin und seine Regierung sind mindestens genauso schlimm wie die KP.
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Re: Tibet - Was ist da los?

Beitrag von Shaolin » 17.03.2008, 23:48

otternase hat geschrieben: Warum kann Tibet so wichtig für die Integrität Chinas sein und gleichzeitig zu den ärmsten Provinzen gehören? Bei der von Dir genannten grossen Bedeutung für die "800 Mio. Menschen in Küstennähe" sollten die Bemühungen der chinesischen Regierung um Integration der Tibeter speziell in wirtschaftlicher Hinsicht doch wesentlich intensiver ausfallen.
Eine sehr gute Frage an die KP Führung.
Es wäre sicherlich strategisch sinnvoller gewesen in extrem schwache und instabile Regionen zuerst zu investieren, die Leute gehen nicht nur wegen ihrer Unterdrückung auf die Strasse sondern auch wegen ihrer Perspektivlosigkeit und ihren – im Vergleich zu anderen chinesischen Regionen – viel zu bescheidenen finanziellen Verhältnissen.
Es wäre wesentlich einfacher solche Regionen in einer Art Bündnis zu halten wenn man zumindest eine Art Mittelstand etabliert hätte der die weiteren positiven Perspektiven erkennt und innerhalb der regionalen Gesellschaft ihren Beistand bekundet, anstatt dessen hat man nun nicht nur das Gefühl einer Ausbeutung und Benachteiligung, das ist ja wirklich so.
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