Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

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HK_Yan
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von HK_Yan » 29.05.2010, 04:18

Ting Budong hat geschrieben:Du verstehst das Wort zynisch nicht, oder?
Also stimmst du mir zu, aber nur widerwillig. Die Realität ist eben nicht immer schön.
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Ting Budong
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von Ting Budong » 29.05.2010, 07:16

Ich stimme in keinster Weise zu.
Nur weil andere Firmen noch mieser bezahlen (oder weniger "marktgerecht") und die Arbeiter noch mieser behandeln und noch mehr unter Druck setzen als es Foxconn tut, heisst das nicht dass Foxconn alles richtig macht.
Allein Punkt drei dieses Briefes sagt alles ueber die Mentalitaet dieser Leute. Hauptsache das Firmenimage leidet nicht.
Und solange die "natuerlichen" "Reibungsverluste" des "Humankapitals" nicht deutlich ueber dem landesweiten Durchschnitt liegen ist doch alles im Betriebsoptimum, nicht wahr? Foxconn ist in der Suizidstatistik sogar noch im "Soll". Na ich wuerd mal die Manager antreten lassen und ueberpruefen, ob es den Angestellten nicht sogar zu gut geht und nicht mehr rauszuholen ist.

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sowa
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von sowa » 29.05.2010, 09:16

solche Geschichten mit dem Selbstmord gibt es nicht nur in Chinesischen Firmen sondern
es gab solche Vorfälle in jüngster zeit auch in Frankreich.

http://www.sueddeutsche.de/karriere/sel ... bt-1.64405" target="_blank

Also es ist kein rein chinesisches Phänomen!

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HK_Yan
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von HK_Yan » 29.05.2010, 09:24

Ting Budong hat geschrieben:Nur weil andere Firmen noch mieser bezahlen (oder weniger "marktgerecht") und die Arbeiter noch mieser behandeln und noch mehr unter Druck setzen als es Foxconn tut, heisst das nicht dass Foxconn alles richtig macht.
Warum soll ein Arbeiter bei einer Firma arbeiten die nicht Marktgerecht zahlt?
Die Hemmschwelle den Arbeitsplatz zu wechseln sitzt in China sehr tief und Arbeitsplätze gibt es genug.

Was genau ist bei Foxconn mies?
Ting Budong hat geschrieben:Hauptsache das Firmenimage leidet nicht.
Das Firmenimage ist sehr wichtig, gerade in dem Fall hier, weil die Selbstmorde ja nichts mit der Firma zu tun haben, die Firma da aber unschuldig mit reingezogen wird. Ich glaube aber nicht dass das Management viel an der Situation tun kann.
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Ting Budong
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von Ting Budong » 29.05.2010, 11:10

HK_Yan hat geschrieben: Warum soll ein Arbeiter bei einer Firma arbeiten die nicht Marktgerecht zahlt?
Ja, vielleicht weil er muss. Mieseste Loehne koennen durchaus marktgerecht sein, wenn rundherum die Bezahlung nicht besser ist.
HK_Yan hat geschrieben: Das Firmenimage ist sehr wichtig, gerade in dem Fall hier, weil die Selbstmorde ja nichts mit der Firma zu tun haben, die Firma da aber unschuldig mit reingezogen wird. Ich glaube aber nicht dass das Management viel an der Situation tun kann.
Ah, verstehe. Du kanntest alle persoenlich und weisst daher genau, dass die Arbeitsbedingungen nichts aber auch gar nichts damit zu tun haben.

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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von HK_Yan » 29.05.2010, 11:36

Lese mal alle Beiträge und Links durch, dann wird dir das klarer. Alles jetzt nochmal zu wiederholen macht keinen Sinn.
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aquadraht
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von aquadraht » 29.05.2010, 12:09

HK_Yan hat geschrieben:
Ting Budong hat geschrieben:Da kann einem schlecht werden. Merkst du eigentlich wie zynisch du bist?
Zeig einfach wo ich falsch liege. Bin gespannt.
Das ist ganz einfach. Wenn eine Firma 100.000 Mitarbeiter hat und sich im Bevölkerungsdurchschnitt im Jahr 15 von 100.000 Menschen selbst töten, dann heisst das so wenig, dass im Jahr 15 Mitarbeiter im Jahr vom Dach des Firmenwohnheims springen, wie von einer Brücke, über die eine Million Leute im Jahr gehen, 150 sich herunterstürzen müssen.

Da scheint es bei Dir an wissenschaftlicher/mathematischer Ausbildung und an Abstraktionsvermögen zu mangeln. Wer sich an Zynismen aufgeilt, sollte dann wenigstens Präzision wahren.

Gruss, a^2

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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von Ting Budong » 29.05.2010, 13:15

HK_Yan hat geschrieben:Lese mal alle Beiträge und Links durch, dann wird dir das klarer. Alles jetzt nochmal zu wiederholen macht keinen Sinn.
Keine Sorge, ich kenne alle Beitraege. Genau eine (nach meinem Dafuerhalten zweifelhafte) Quelle, will die Gruende fuer die Suizide kennen. Nur wo diese Informationen herkommen erfaehrt man nicht. Und wenn ich dann noch lese, dass sich einer wegen gestohlenem Lohn umbringt, der andere wegen "Romantikproblemen" und der naechste ist halt geisteskrank, dann glaube ich nicht an die Unabhaengigkeit der Quelle.
Warum erhoeht Foxconn den Lohn um 20%? Das ist ne Menge Geld bei 400.000 Mitarbeitern. Und es ist doch alles rosig! Waere doch viel einfacher die Leute weltweit aufzuklaeren: Einer war pleite, einer hatte keine Freundin, einer war doof. Stattdessen gibt`s mehr Lohn fuer alle Mitarbeiter, von denen sich viele oeffentlich unzufrieden geauessert haben. Woran liegt`s? Warum beschweren sich die Arbeiter? Undankbar, oder? Und manche begehen auch noch Suizid. Nur um Foxconn in ein schlechtes Licht zu ruecken. Jaja, das asiatische Humankapital ist auch nicht mehr das was es mal war.

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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von báitù » 29.05.2010, 14:24

Ich bin gegen die Beschneidung jeglicher Arbeitnehmerrechte. Je einfacher ein Arbeitsvertrag, umso besser.
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von beowulf » 29.05.2010, 14:26

dann glaube ich nicht an die Unabhaengigkeit der Quelle.


Warum ist das unglaubwürdig? Ich finde es meilenweit glaubwürdiger als das (westliche) Narrativum vom ausgebeuteten zukunftslosen Sklavenarbeiter, der keinen anderen Ausweg mehr sieht.

Natürlich spielt die Arbeit eine Rolle - ein großteil der Arbeiten die Foxconn verichtet sind Fließbandarbeiten und wer schon einmal an einem Fließband gestanden ist (z.B. Ferialjob), weiß dass diese ARbeit nicht unbedingt ein Stimmungsheber ist. War sicherlich nicht zuträglich für die Psyche, keine Frage. Aber das sich jemand deswegen umbringt? Besonders da in dieser Branche, die meisten Arbeiter sowieso nur temporär beschäftigt sind und ständig wechseln.

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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von Hendrik » 29.05.2010, 14:53

Dass man die Fälle stark vereinfacht ist doch klar. Schon mal in die heimatliche Tageszeitung geschaut. Da steht dann sowas "Beziehungsdrama, Mann tötet Frau". Tiefgehende Analysen findet man da in 1 von 100 Fällen. Und schlussendlich glaube ich dass da immer eine Vielzahl an Faktoren zusammenkommen, aber das will ja keiner Lesen.

Gestern wurde noch gesagt in den Nachrichten, Löhne machen 2% von Foxxcons Gesamtkosten aus. Nach der Lohnsteigerung sind es wohl etwa 2.4%....
.

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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von Laogai » 29.05.2010, 22:34

aquadraht hat geschrieben:Wenn eine Firma 100.000 Mitarbeiter hat und sich im Bevölkerungsdurchschnitt im Jahr 15 von 100.000 Menschen selbst töten, dann heisst das so wenig, dass im Jahr 15 Mitarbeiter im Jahr vom Dach des Firmenwohnheims springen, wie von einer Brücke, über die eine Million Leute im Jahr gehen, 150 sich herunterstürzen müssen.
Das ist so ziemlich der dämlichste Vergleich, den ich je gelesen habe :shock:
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von aquadraht » 29.05.2010, 23:17

laogai hat geschrieben:
aquadraht hat geschrieben:Wenn eine Firma 100.000 Mitarbeiter hat und sich im Bevölkerungsdurchschnitt im Jahr 15 von 100.000 Menschen selbst töten, dann heisst das so wenig, dass im Jahr 15 Mitarbeiter im Jahr vom Dach des Firmenwohnheims springen, wie von einer Brücke, über die eine Million Leute im Jahr gehen, 150 sich herunterstürzen müssen.
Das ist so ziemlich der dämlichste Vergleich, den ich je gelesen habe :shock:
Das zeigt, dass Dir der Begriff reductio ad absurdum ein Fremdwort ist. Das ist nicht dämlich, sondern überspitzt, bewusst überspitzt, um den Denkfehler zu verdeutlichen.

Aber ok, mit Logik hast Du es ja nicht immer so. Vielleicht ist es jetzt klarer geworden.

Gruss, a^2

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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von Laogai » 29.05.2010, 23:27

aquadraht hat geschrieben:Vielleicht ist es jetzt klarer geworden.
Leider nein. Bitte näher erläutern. Danke!
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von aquadraht » 30.05.2010, 01:04

laogai hat geschrieben:
aquadraht hat geschrieben:Vielleicht ist es jetzt klarer geworden.
Leider nein. Bitte näher erläutern. Danke!
Na gut, Du hast es so gewollt :mrgreen: . Mein Argument war, dass die stumpfe Gleichsetzung von "n Personen von 100k/a begehen Selbstmord" und "n Mitarbeiter von Unternehmen f begehen im Jahr Selbstmord" Bogus ist.

Ich habe versucht, das mittels einer reductio ad absurdum "n Menschen gehen im Jahr über Brücke, daher müssen m Menschen dort Suizid begehen" zu verdeutlichen. Wenn 15 von 100k sich im Jahr töten, gibt es exakt null prinzipielle Notwendigkeit, dass sie vom Dach des Wohnheims hüpfen, so wenig wie von der hypothetischen Brücke. Das ist eine unzulässige und offenkundig logikwidrige Vereinfachung.

Ob jemand suizidgeneigt ist, ist eine Frage der individuellen Disposition und der gesellschaftlichen Werte (ist Selbstmord "Todsünde" oder "Wahrung der Ehre"). Die Suizidneigung ist in Asien (nicht nur China) höher als im Rest der Welt.

Aber die Behauptung: weil n*100k Menschen bei Firma F arbeiten, und die Suizidrate m/100k Menschen ist, ist e normal, dass in der Firma und auf dem Firmengelände m/n Menschen sich töten, ist schlicht und einfach kompletter Blödsinn. Ich kann Dir aus dem Handgelenk 5-10 Modelle konstruieren, bei denen sich zehnmal so viele oder ein Zehntel der Mitarbeiter der Firma das Licht ausknipsen, ohne dass das der nationalen Suizidrate widerspricht.

Darum ging es mir: dumme, pauschale Behauptungen von Leuten, die nicht einmal das elementare Handwerkszeug der Inferenzstatistik beherrschen.

a^2

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