Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

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Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von admin » 27.05.2010, 13:31

Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?
Ich hatte noch keine Gelegenheit das Original der Verzichtserklärung zu lesen. Trotzdem mal ein Link dazu, was der Spiegel über die Arbeitsschutzmaßnahmen bei Foxconn schreibt.

http://www.spiegel.de
http://blogger.chinaseite.de/2010/05/27 ... ehmer.html

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incues
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von incues » 28.05.2010, 08:53

Der Cousin meiner Verlobten ist letztes Jahr Anfang-Mitte 2009 gestorben. Auch er lebte in Shanghai und ist von einem Gebäude gesprungen. Er war erst 15 o. 16 Jahre und es hat also folglich nichts direkt mit diesem Thema zu tun, aber dennoch berührt es mich, wenn ich sowas jetzt erneut höre.

Es zeigt mir, dass irgendwo anders auf der Welt Leute ausgebeutet werden, nur damit ich mein iPhone in der Tasche habe.
Ich persönlich lebe in einer schönen heilen Welt und kann mir kaum vorstellen in solchen Verhältnissen arbeiten zu müssen oder welchen Druck man täglich auch im allgemeinen Alltag ertragen muss. Deshalb fühle ich mich extrem beschämt gegenüber Anderen, die nicht dieses Privileg genießen dürfen.

Die einzige Möglichkeit sich fälschlicher Weise von diesem Gedanken freimachen zu wollen, ist zu sagen: "Es liegt nicht in meiner Macht dies zu ändern, oder?"

Naja, back to topic, aber leider kann ich zur Zeit nichts produktives dazu beitragen, aber das kennt ihr ja schon von mir :?
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beowulf
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von beowulf » 28.05.2010, 10:41

Ich hatte noch keine Gelegenheit das Original der Verzichtserklärung zu lesen.
Solltest du aber. Faustregel Nummero 1 - Wenn möglich, immer zuerst auf das Original zugreifen und westliche Medienberichte höchstens als Recherche Ausgangspunkt verwenden.

1. Der "Vertrag" besteht aus zwei Teilen. Der erste Teil macht auf die neue Help Hotline (die Nummer ist 78585 (qing bang wo, bang wo) und Hilfseinrichtungen aufmerksam. Der zweite Teil, der in dem die Angestellten aufgefordert werden, folgendes zu versprechen, lautet in einer korrekten englischen Übersetzung folgendermassen:
1. If I should encounter any problems or hardship in the course of my work and my life in the future, I will contact or seek help from the "employee care center" and other departments in order to seek help and resolution;

2. I shall assume responsibility for my own actions. If I should encounter difficulties or setbacks, I will contact my relatives in a timely manner, or report to the company managers. At the same time, I agree that my colleagues and the company's human resources personnel may contact and communicate with my family members but not in a way that might hurt myself or others. I agree that the company may send me to get medical treatment if I should exhibit abnormality in physical and/or mental health in order to safeguard the well-being of myself and/or others;

3. In the even of an accident not caused by the company (including suicide, self-inflicted injuries, etc), I agree that the company may deal in accordance with the relevant laws. I and/or my family shall not make demands beyond what is legally mandated, nor take any extreme actions that affect the reputation of the company, nor interfere with the normal production process at the company.
Zum dritten Punkt, der recht harsch wirkt, braucht man ein paar mehr Informationen um ihn zu verstehen. Was uns zu einem anderen Eintrag auf Zonaeuropa.com führt. In diesem werden die unterschiedlichen Selbstmörder und ihre Motive beschrieben:
"My understanding is that the first suicide case was Ma Xiangqian, whose family still refuses to accept that he killed himself. First, they said that he died after being assaulted by his supervisors; next, they said that he was beaten to death by hometown workers; now they are saying that he was beaten to death by security guards.

The second suicide case was due to economic pressure on a person who has an ailing father and impoverished family circumstances. The third case was someone whose spring vacation overtime pay was stolen from him. The seventh case was a man with a mental problem. During the Labor Day holiday, Foxconn assigned two fellow students to keep him company. His parents were supposed to show up in Shenzhen the next day. The two fellow students stayed with him in the company hotel, but they failed to stop him from jumping. The eighth case was a person with romance problems. The family of the ninth case thinks that it had to do with a job transfer. The stated reason for the tenth case was that he owed several thousand yuan in gambling debt.

During the last month or so, Foxconn has already stopped more than 30 "abnormal" cases. Most of these involve emotional problems for women. One Foxconn worker demanded to meet with his ex-girlfriend who works at Foxconn. He also demanded 250,000 yuan from Foxconn or else he threatens to jump off the building. There was a couple from Hubei with the guy beating and berating the woman to jump off the building so that he could collect the compensation. Another young man broke up with girlfriend and sent a text message to his family to state his intention to commit suicide. This person was finally located after people in Shenzhen and Shanxi worked hard to find him.

Another unmentioned fact is that the "ten suicide cases" were relatively new workers at Foxconn, with tenure between as little as 28 days and as long as 6 months.
Ich habe mir erlaubt, verschiedene wichtige Infos fett hervorzuheben.

Der erste Suizidfall könnte also Mord sein. Die Geschichte mit den prügelnden Security Guards oder Arbeitern ist nicht auszuschliessen und in China schon des öfteren passiert. Man muss aber auch hier vorsichtig sein. Eine Familie akzeptiert häufig nur schwer den Selbstmord eines Familienmitgliedes. Oft verstecken auch depressive ihre Krankheit oder diese wird von beiden Seiten heruntergespielt. Ein Selbstmord des Familienmitgliedes wird auch schwer akzeptiert um eigene Schuldgefühle (man hätte die Zeichen sehen sollen, mehr helfen sollen usw.) zu bekämpfen.

Die anderen Fälle, zeigen ganz unterschiedliche Motive auf. Direkt Arbeitsbezogen sind bis auf den Job Transfer keiner. Das bedeutet aber natürlich nicht, dass die Arbeitsbedingungen nichts damit zu tun hätten. Ein Suizid hat oft verschiedene Gründe. Ein stressiger und harter Job, mangelnde Zukunftsperspektiven und Heimweh können einen jungen Menschen mit z.B. Liebeskummer oder anderwertigen Problemen den Rest geben.

Was aber ins Auge sticht, sind die Fälle in denen probiert wurde Foxconn zu erpressen. Dies ist für mich absolut glaubwürdig. Ebenso ist nicht auszuschliessen, dass Depressive mit familiären Problemen den Suizid extra bei Foxconn durchführen um zumindest etwas Geld für Angehörige zu verschaffen. Man beachte - einen so großen Konzern wie Foxconn geht es nicht um die paar Yuan welche aus der Portokassa bezahlt werden können. Sie will eher weitere Selbstmorde verhindern und den enormen Imageschaden der durch jeden weiteren Selbstmord ausgelöst wird, vermeiden. Daher die Klausel um gewisse Personen zu verschrecken.

Warum aber dann diese Häufung in einer dermassen kurzen Zeit? Das bringt uns zum dritten Artikel von Zonaeuropa.com
A copycat suicide is defined as an emulation of another suicide that the person attempting suicide knows about either from local knowledge or due to accounts or depictions of the original suicide on television and in other media.

The massive wave of emulation suicides after a widely publicized suicide is known as the Werther effect, following the Werther novel of Goethe.

The well-known suicide serves as a model, in the absence of protective factors, for the next suicide. This is referred to as suicide contagion. They occasionally spread through a school system, through a community, or in terms of a celebrity suicide wave, nationally. This is called a suicide cluster.

To prevent this type of suicide, it is customary in some countries for the media to discourage suicide reports except in special cases.
Die Foxconn Selbstmorde sind psychologisch gesehen fast schon ein Paradebeispiel für den Werther Effect.

Die Selbstmörder waren teil einer Community, waren vom Alter her ähnlich, verwendeten die gleiche Suizidmethode und wurden permanent durch die Medien mit Informationen über neue Selbstmorde in ihrer Community versorgt. Ein junger Selbstmordgefährdeter nimmt den Selbstmord in seiner Community war, kann sich mit dem Selbstmörder identifizieren und schöpft aus seiner Handlung den Mut es ebenso zu machen.

Schlechte Arbeitsbedingungen bei Foxconn gehören diskutiert und verbessert. Keine Frage - die Häufung dieser Suizide hat aber viel mehr mit den Medienhype der darum entstanden ist zu tun. In China öffen sich die Medien in den letzten Jahren zunehmend. Ebenso gibt es die natürliche Tendenz sich auf Skandalöse Geschichten zu konzentrieren um die Verkaufszahlen zu fördern. Daher kam und wird es auch immer mehr zu einer Zunahme von Copycat Geschichten wie die Kindergartenmorde oder die Foxconn Suizidfälle kommen. Es klingt jetzt natürlich pervers, aber dies hat etwas mit der zunehmenden Freiheit der Medien in China zu tun. Ich will hier nicht sagen, dass Medienfreiheit etwas schlechtes ist, in China sind wir aber gerade in einer Phase in der die Medien auch lernen müssen verantwortlicher mit ihren neuen Freiheiten auch umzugehen. Es ist also als negative Ausgeburt eines an sich positiven Entwicklungsprozesses zu verstehen. Was die westliche Berichterstattung hingegen betriff... nun lassen wird das. :lol:

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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von HK_Yan » 28.05.2010, 11:29

incues hat geschrieben:Es zeigt mir, dass irgendwo anders auf der Welt Leute ausgebeutet werden, nur damit ich mein iPhone in der Tasche habe.
Da wird keiner ausgebeutet. Es wird marktgerecht bezahlt. Sonst gehen die Arbeiter.
Was hat das mit dem iPhone zu tun?
incues hat geschrieben:Ich persönlich lebe in einer schönen heilen Welt und kann mir kaum vorstellen in solchen Verhältnissen arbeiten zu müssen oder welchen Druck man täglich auch im allgemeinen Alltag ertragen muss. Deshalb fühle ich mich extrem beschämt gegenüber Anderen, die nicht dieses Privileg genießen dürfen.
Hast du überhaupt schon einmal gearbeitet? Ich hab auch Druck. Die Kassiererin bei Aldi auch.

Mit fällt zu dem Thema Selbstmorde bei Foxxcon ein:
  • Die Selbstmordrate ist dort unter dem chinesischen Durchschnitt
    Die Selbstmorde haben mit Foxxcon nichts zu tun
    Es fehlen Selbstmordraten aus anderen Firmen
    Berichte über Selbstmord motivieren selbstmordgefährdete Menschen
    Foxxcon ist supermodern und hat gute Arbeitsbedingungen
    Da Südchina Arbeitermangel hat ist niemand dort gebunden
Chinas Selbstmordrate ist um die 15 per 100.000 . Foxxcon hat 400.000 Leute, damit wären 60 im Jahr 'normal'.

PS: incues, ist dein iPhone billig zu verkaufen?
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von Complex » 28.05.2010, 11:36

Ist es nicht so, dass die Suizidrate in China ohnehin ziemlich hoch liegt? Ich habe mal etwas von 15 Selbstmorden pro 100.000 Einwohner gelesen, wobei die Dunkelziffer da deutlich höher sein könnte. Wieso das so ist, was man da verbessern könnte/müsste, etc. kann ich nicht sagen, es geht mir im Zusammenhang mit der Foxconn-Geschichte eigentlich nur um die Größenordnungen.

Wenn man die Größe des Foxconn-Werkes in Shenzhen betrachtet (420.000 Mitarbeiter), dann sind 11 (? - ich denke, es sind 13, wobei aber zwei offenbar in einem anderen Werk in Hebei passiert sind, Foxconn beschäftigt immerhin 800.000 Leute in ganz China) Selbstmorde seit Jahresbeginn immer noch tragisch, aber eigentlich nicht ungewöhnlich. Ein Foxconn-Mitarbeiter hat sozusagen kein höheres Selbstmordrisiko als ein Durchschnittschinese. Eher im Gegenteil.

Aus dem Spiegel-Artikel:
Sie müsse täglich Tausende von Computerplatinen für elektronische Geräte prüfen. Ihr monatlicher Lohn betrage 2000 Yuan (238 Euro).
Klingt nicht viel. Aber das ist doch mehr als der doppelte Mindestlohn in Guangdong, oder täusche ich mich da?
Es zeigt mir, dass irgendwo anders auf der Welt Leute ausgebeutet werden, nur damit ich mein iPhone in der Tasche habe.
Naja, die Alternative ist, kein iPhone in der Tasche zu haben, womit die Arbeiterin in Shenzhen (oder am Land, wo sie häufig genug herkommt) einen anderen Job suchen müsste. Ob sie da überhaupt einen bekommen würde, ist fraglich, wenn "der Westen" beschließen würde, aufgrund von Ausbeutung keine chinesischen Waren mehr zu importieren. So wie es momentan läuft, hat sie sozusagen die Wahl, am Land zu bleiben (was offensichtlich nicht sehr attraktiv ist) oder in die Fabrik zu gehen (was auch nicht sonderlich attraktiv ist, aber immer noch besser als Option 1). Importe aus China abzustellen würde Option 2 aus der Welt nehmen. Kein (oder ein deutlich teureres) iPhone für Dich, keine Arbeit für die Chinesin. Beide verlieren ...

Aber so wie es ist, besteht doch immerhin die Hoffnung, dass sich die Umstände mit der Zeit verbessern. Klar ist es nicht lustig, in einer chinesischen Fabrik zu schuften, aber im Vergleich zu vor zehn Jahren hat sich doch einiges getan. Irgendwie scheint es so zu sein, dass ein Land/eine Gesellschaft durch so eine Phase durch muss, um einen wirtschaftlichen Entwicklungsstand von "westlichem" Niveau zu erreichen. Uns hat man in der Schule noch erzählt (bin Jahrgang 77), wie die armen Südkoreanerinnen ausgebeutet werden, damit wir billige Jeans haben. Und in der frühen Zeit der Industrialisierung war das in Europa auch nicht anders, wenn nicht sogar schlimmer - lies nach bei Charles Dickens.

EDIT: War wohl zu langsam beim tippen, da wurde im Beitrag davor schon vieles gesagt. Ich bitte, Wiederholungen zu entschuldigen.

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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von beowulf » 28.05.2010, 11:46

Chinas Selbstmordrate ist um die 15 per 100.000 . Foxxcon hat 400.000 Leute, damit wären 60 im Jahr 'normal'.
Wenn ich hier wieder aus Zonaeuropa.com zitieren darf:
From the World Health Organisation, the overall suicide rate in selected urban and rural areas in China for 1999 is 13.9. These are 1999 data. If we assume the same ratios between 15-34 and total population, the suicide rate (per 100,000) for persons 15-24 in Chinese urban areas today is 20.9 x 4.9 / 13.9 = 7.37 suicides per 100,000 persons. Foxconn is still below national average.

Unfortunately, the assumption of constant suicide rates for the rest of the year will not hold. If you look at the first five months, there is a clear acceleration already in suicides/attempted suicides:

1. January 23, 2010
2. March 11, 2010
3. March 17, 2010 (attempted suicide)
4. March 29, 2010
5. April 6, 2010
6. April 7, 2010
7. May 6, 2010
8. May 11, 2010
9. May 14, 2010 (attempted suicide)
10. May 21, 2010
11. May 25, 2010
12. May 26, 2010
Es gibt eine Steigerung, aber diese dürfte primär auf den Werther Effekt beruhen als auf verleichsweise schlechte Arbeitsbedingungen. Wenn die Arbeitsbedingungen alleine ausschlaggebend wären, müssten sich Kohlearbeiter regelmäßig umbringen. Nein, hier handelt es sich vielmehr um einen Medienhype. Foxconn ist ein extrem bedeutendes und bekanntes Unternehmen und unter anderem Apple Lieferant. Es war auch schon in der Vergangenheit wegen diverser Skandale in den chinesischen (westlichen) Medien. Erinnere nur an die Geschichte mit den Selbstmord aufgrund des gestohlenen Iphone Prototypen.
Für unsere Medien kommt natürlich der Faktor China dazu. Hier wird nur zu gerne auf altbekannte und geliebte Klischeebilder zurückgegriffen.

Natürlich wenn es die Arbeitsbedingungen verbessert, hat die Sache etwas gutes. Auch sind gerade taiwanesische und koreanische die vielleicht am brutalsten argierenden größeren Unternehmen in China. Hier kommt neben dem reinen Ausbeuterischen Aspekt (der bei chinesischen Unternehmen natürlich auch vorhanden ist) noch ein Überlegenheitsdenken hinzu. Viele Manager aus Taiwan oder Korea schauen auf chinesische Arbeiter herab und betrachten sie zusätzlich noch als minderwertig, auch wird ein streng militärischer Führungsstil bevorzugt. Was auch an der jeweiligen Geschichte Taiwans und vor allem Südkoreas liegt. Gerade bei Südkorea ist mir aufgefallen, dass noch immer Überreste aus der eigentlich als faschistoiden zu bezeichnenden Diktaturzeit vorhanden sind. Vor allem bei Männer "mittleren" Alters. Natürlich spielt auch die gleichgültigkeit der örtlichen chinesischen Behörden eine Rolle, die primär daran interessiert sind, dass Unternehmen in China tätig sind und gegen bare Münze und Geschenke auch gerne einmal ein Auge zudrücken. Das sind aber generelle Probleme und nichts rein Foxconn typisches.

Das ist jetzt keine Foxconn Verteidigung, aber ich denke hier im China Forum sollte man schon differenzierter auf das Thema eingehen als "Apple nützt bösartige Diktatur aus, um Menschen zu missbrauchen, denen jetzt sogar der Selbstmord verboten wird"

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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von RoyalTramp » 28.05.2010, 11:50

*OFF-Topic*

Ach nee, schau an. "Die chinesische Selbstmordrate ist mit die höchste in der Welt"...

Ich erinnere mich an eine Diskussion im Zusammenhang mit eine Thema "Chinesinnen, die von Ausländern verarscht werden", wo dieses Argument nicht akzeptiert wurde, als ich meinte anmahnen zu müssen, dass man hier beim Flirten in China als ausländischer Mann mitunter ein gefährliches Spiel mit seinem Gegenüber treibt, wenn man nur so aus Spaß "rummacht", da in China die latente Neigung zum Selbstmord weit über dem liegt, was man wohl bei uns im Westen anzunehmen hat. Nicht falsch verstehen: Sicher sind auch noch viele andere Faktoren entscheidend, wenn sich ein junger Mensch dazu entschließt, sich freiwillig das Leben zu nehmen, ABER man muss ja wohl die Begleitumstände die zu so einer tragischen Tat führen können, nicht noch begünstigen, nach dem Motto: "Was interessiert es mich? Ist deren Entscheidung, nicht meine! Hauptsache ich habe meinen Spaß..." Darum sollte man wissen, wenn man meint, hier als ausländischer Mann den dicken Macker markieren und die Mädchen verarschen zu können.

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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von HK_Yan » 28.05.2010, 11:53

Complex hat geschrieben:
Aus dem Spiegel-Artikel:
Sie müsse täglich Tausende von Computerplatinen für elektronische Geräte prüfen. Ihr monatlicher Lohn betrage 2000 Yuan (238 Euro).
Klingt nicht viel. Aber das ist doch mehr als der doppelte Mindestlohn in Guangdong, oder täusche ich mich da?
Der Lohn von Arbeitern setzt sich aus Grundlohn und Überstunden zusammen. Die Zahl der Überstunden ist seit 2008 scharf reduziert worden und wird von den Firmen die ich kenne sehr genau eingehalten weil die Strafen für Firmen sehr empfindlich sind. Das wird bei Foxconn nicht anders sein.

Ein einfacher Arbeiter erhält damit dann ca. 1600-2000. Unterkunft und Essen sind in der Regel frei. Das ist für Arbeiter recht OK. Die Arbeit in der Elektronik ist auch nicht körperlich anstrengend, schmutzig, oder gefährlich. Foxconn wird auch voll-klimatisiert sein.
Für unsere Medien kommt natürlich der Faktor China dazu. Hier wird nur zu gerne auf altbekannte und geliebte Klischeebilder zurückgegriffen.
Für die chinesischen Medien auch. Der Bericht von einen eingeschlichenen Reporter einer Zeitung aus SZ zeigt schon grosses Unwissen von den Arbeitsbedingen in der Industrie. Die Zone... Berichte sind aber schon sehr differenzierter.
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von beowulf » 28.05.2010, 11:58

RoyalTramp hat geschrieben:*OFF-Topic*

Ach nee, schau an. "Die chinesische Selbstmordrate ist mit die höchste in der Welt"...

Ich erinnere mich an eine Diskussion im Zusammenhang mit eine Thema "Chinesinnen, die von Ausländern verarscht werden", wo dieses Argument nicht akzeptiert wurde, als ich meinte anmahnen zu müssen, dass man hier beim Flirten in China als ausländischer Mann mitunter ein gefährliches Spiel mit seinem Gegenüber treibt, wenn man nur so aus Spaß "rummacht", da in China die latente Neigung zum Selbstmord weit über dem liegt, was man wohl bei uns im Westen anzunehmen hat. Nicht falsch verstehen: Sicher sind auch noch viele andere Faktoren entscheidend, wenn sich ein junger Mensch dazu entschließt, sich freiwillig das Leben zu nehmen, ABER man muss ja wohl die Begleitumstände die zu so einer tragischen Tat führen können, nicht noch begünstigen, nach dem Motto: "Was interessiert es mich? Ist deren Entscheidung, nicht meine! Hauptsache ich habe meinen Spaß..." Darum sollte man wissen, wenn man meint, hier als ausländischer Mann den dicken Macker markieren und die Mädchen verarschen zu können.

*OFF-Topic*
Ist jetzt wirklich sehr off-topic. Sicherlich gibt es auch kulturelle Faktoren (Spitzenreiter sind ja bekanntlich Japan und Südkorea) aber diese Ländervergleiche sind sehr mit Vorsicht zu geniessen. Erstens ist die Dunkelziffer in verschiedenen Ländern nicht einmal schätzbar (hier würden viele afrikanische Länder reinfallen) aber es gibt auch unterschiedliche aktuelle Entwicklungen (zum Beispiel ein unglaublicher und erschreckender Anstieg der Selbstmorde in Indien vor ein paar Jahren - dies hängt zusammen mit den Fehlinvestitionen der Bauern in Genmais und andere empfohlene Produkte, welche sich als wirtschaftliche Fehlinvestition erwiesen und die Bauern in die Schuldenfalle zwangen) oder hier in China, das Phänomen der Wanderarbeiter und die damit verbundene Loslösung von ihrer Heimat in der sie eigentliche soziale Unterstützung hätten. Foxconn kündigte jetzt übrigens an ihre Produktion in die hinteren Provinzen zu verlegen, damit die Arbeiter öfter nach Hause fahren können bzw. vor Ort angestellt werden. Wenn dies so geschieht, ist das eine extrem positive Entwicklung.

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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von beowulf » 28.05.2010, 12:02

Ein einfacher Arbeiter erhält damit dann ca. 1600-2000. Unterkunft und Essen sind in der Regel frei. Das ist für Arbeiter recht OK. Die Arbeit in der Elektronik ist auch nicht körperlich anstrengend, schmutzig, oder gefährlich. Foxconn wird auch voll-klimatisiert sein.
Foxconn hat ansich auch keine Probleme Arbeiter zu finden. Die Einkünfte wirken für uns erschreckend niedrig, ermöglichen aber einen Wanderarbeiter häufig in der noch ärmeren Heimatprovinz einmal ein Haus zu bauen und zu heiraten. Eine Gehaltssteigerung ist natürlich zu begrüßen. Ich glaube aber nicht, dass das Hauptproblem hier die Gehälter sind.
Für die chinesischen Medien auch. Der Bericht von einen eingeschlichenen Reporter einer Zeitung aus SZ zeigt schon grosses Unwissen von den Arbeitsbedingen in der Industrie. Die Zone... Berichte sind aber schon sehr differenzierter.
Sorry, kann dir hier jetzt nicht ganz folgen. Was meinst du mit dem Kürzel SZ - süddeutsche Zeitung? Was meinst du mit Zone? Sonderwirtschaftszone Shenzhen? Kannst du hier etwas ausführlicher schreiben?

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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von RoyalTramp » 28.05.2010, 12:03

Ich kann so nix zu Foxconn sagen. Um ehrlich zu sein, habe ich den Namen dieser Firma zum ersten Mal jetzt durch diese Selbstmordfälle gehört. :oops:
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von jadelixx » 28.05.2010, 12:25

Hier ist eine Statistik der WHO. Die Statistik ist lueckenhaft und fuer viele Laender gibt es keine aktuellen Zahlen. Tendenziell scheint es aber so zu sein, das sich ueberdurchschnittlich viele asiatische Frauen das Leben nehmen und bei den Maennern ueberdurchschnittlich viele Osteuropaeer(vor allem EX UdSSR).
http://www.who.int/mental_health/preven ... index.html" target="_blank
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von Hendrik » 28.05.2010, 12:27

HK_Yan hat geschrieben: Chinas Selbstmordrate ist um die 15 per 100.000 . Foxxcon hat 400.000 Leute, damit wären 60 im Jahr 'normal'.
Würde Foxxcon diese 60 pro Jahr erreichen, dann würde das nur beweisen, dass die Firma die gleichen Sweatshop Arbeitsbedingungen hat wie alle anderen auch. Für eine Firme die sich selber als modern preist erwarte ich das man höchstens auf die Hälfte kommt also vielleicht 30 pro Jahr. Eine Zahl die im Moment noch machbar ist.

Andererseits, ich habe es schon oft gesagt, wenn die Chinesen nicht mal gründlich ihre Einstellung zu finanziellem Erfolg ändern (auch bekannt als Chinesische Kultur), dann wird sich noch lange Zeit nichts wesentliches an den dortigen Selbstmordraten und der Selbstausbeuterei ändern.
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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von beowulf » 28.05.2010, 12:31

Würde Foxxcon diese 60 pro Jahr erreichen, dann würde das nur beweisen, dass die Firma die gleichen Sweatshop Arbeitsbedingungen hat wie alle anderen auch. Für eine Firme die sich selber als modern preist erwarte ich das man höchstens auf die Hälfte kommt also vielleicht 30 pro Jahr. Eine Zahl die im Moment noch machbar ist.

Andererseits, ich habe es schon oft gesagt, wenn die Chinesen nicht mal gründlich ihre Einstellung zu finanziellem Erfolg ändern (auch bekannt als Chinesische Kultur), dann wird sich noch lange Zeit nichts wesentliches an den dortigen Selbstmordraten und der Selbstausbeuterei ändern.
Eine Frage, liest du eigentlich die Postings auch die vor dir gepostet wurden? Oder gehst du einfach in einen Thread hinein und steuerst deinen Senf dazu bei? Tippe mal stark auf zweiteres.

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Re: Chinesische Arbeitnehmer und Selbstmord-Verzicht?

Beitrag von Hendrik » 28.05.2010, 13:08

Ja ich lese schon, aber den Brief den brauch man ja echt nicht mehr kommentieren. Einfach nur lächerlich.
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