Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

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beowulf
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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von beowulf » 27.01.2014, 22:17

sweetpanda hat geschrieben:„Ich tue alles, was der Vorsitzende Mao befiehlt. Mein einziger Wunsch ist, der Partei, dem Sozialismus und dem Kommunismus zu dienen.“

Ist reiner Totalitarismus und nicht irgendeine Form des Relativismus.
Du sprichst dich gegen diesen Wert aus (ich übrigens auch), man muss auch nicht jeden Wert/Norm akzeptieren, tolerieren oder begrüßen. Es bleiben aber trotzdem Werte und Normen.
Das in wissenschaftlichen Arbeiten des soziologischen Bereichs althergebrachte Maximen diskreditiert werden ist selbstverständlich. Es geht ja darum verblüffendes Neues zu präsentieren, welcher wissenschaftliche Erkenntnisgewinn wäre es denn, wenn man nach langer Arbeit sagt:

"es war schon immer so wie die Oma gesagt hat, wer Sontags in die Kirche geht, der ist eine ehrliche Seele":wink
Wissenschaftliche Arbeiten versuchen nicht althergebrachte Maximen zu diskreditieren, sondern das Verständnis zu erweitern. Was steckt hinter diesen Maximen, wo kommen sie her, wie gültig sind sie empirisch überhaupt. Wissenschaft baut Empfehlungen auf Basis von empirischen Ergebnissen auf, nicht auf "Bauchgefühl", "Bauernlogik" oder "Wunschdenken". Auf denen ein großteil der "Maxime" übrigens beruht. Da sind wir dann nämlich beim Aberglaube oder der Ideologie.

Es sind übrigens nicht seriöse wissenschaftliche Arbeiten, die althergebrachte Maxime in neue Verpackungen stecken und dann in teuren Büchern oder Führungsseminaren an Manager verkaufen. In 99% der Fälle ohne irgendeine tatsächliche langfristge Veränderung im Verhalten und/oder der Einstellung zu bewirken.

mazzel
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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von mazzel » 27.01.2014, 22:45

Boah Jungs, was ist hier los? Dieses Forum bewegt sich plötzlich auf einem ganz anderen Niveau als vor, sagen wir, 2 Wochen :lol:

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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von PAX » 28.01.2014, 19:12

mazzel hat geschrieben:Boah Jungs, was ist hier los? Dieses Forum bewegt sich plötzlich auf einem ganz anderen Niveau als vor, sagen wir, 2 Wochen :lol:
Was auch durchaus zu begrüßen ist. :D

@ beowulf

Ich wollte damit auch nur sagen, dass Lei Feng bzw. seine moralische Vorbildfunktion auf keiner realen Basis existiert, sondern ein Konstrukt jener Zeit der KPCh war. Es wurden folglich diejenigen Ideale und Maximen propagiert, welche sich für das politische System am angenehmsten an den Mann bringen ließen um den Status Quo zu erhalten.

Moral oder Humanismus sind eh für jeden Menschen verschieden und wie du schriebst generell kulturell und temporal unterschiedlich. Mir ging es in erster Linie auch eher um die Richtigstellung historischer Authentizität, da es anscheinend immer noch viele gibt die an die "heldenhaften" Taten des Lei Feng glauben. Das eine historische Figur mit allerdings fiktivem Werdegang hier als Leitbild genommen wurde ist eher bedauerlich, jedoch keine Selteneheit in der chinesischen Geschichtsschreibung. Allerdings trifft dies wohl auf jede andere Historiographie ebenso zu. Leider!
Alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.

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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von nestwaerme » 28.01.2014, 19:22

das ist keine ueberraschung,es kann ueberall passieren nicht nur unter chinesen,ich kenne auch deutsche,die vertrauten sich nicht gegeneinander.

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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von sweetpanda » 28.01.2014, 19:23

@Beowulf
Ich finde es etwas abgehoben zu behaupten, dass wissenschaftliche Arbeiten immer objektiv seien.
So habe ich bei meiner Diplomarbeit vor 7 Jahren teilweise Dinge geschrieben, von denen ich ahnte, dass sie der Meinung der Professors entsprechen, obwohl sie nicht meiner eigenen Meinung entsprachen und empirisch fundiert war es auch nicht immer. Der war eine netter, nicht verbohrter 68er und man konnte mit etwas Fingerspitzengefühl merken was er hören wollte.
Also einfach so zu tun, als ob wissenschaftliche Arbeiten völlig losgelöst sind vom Zeitgeist ist sicher nicht richtig.
„Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben so trübsinnig machen.“

beowulf
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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von beowulf » 28.01.2014, 20:10

sweetpanda hat geschrieben:@Beowulf
Ich finde es etwas abgehoben zu behaupten, dass wissenschaftliche Arbeiten immer objektiv seien.
So habe ich bei meiner Diplomarbeit vor 7 Jahren teilweise Dinge geschrieben, von denen ich ahnte, dass sie der Meinung der Professors entsprechen, obwohl sie nicht meiner eigenen Meinung entsprachen und empirisch fundiert war es auch nicht immer. Der war eine netter, nicht verbohrter 68er und man konnte mit etwas Fingerspitzengefühl merken was er hören wollte.
Also einfach so zu tun, als ob wissenschaftliche Arbeiten völlig losgelöst sind vom Zeitgeist ist sicher nicht richtig.
Wer hat behauptet, dass "wissenschaftliches Arbeiten" immer objektiv ist? Es soll möglichst objektiv sein, wird aber leider von vielen nicht eingehalten. Das nenne ich ja "pseudo" oder "populär" wissenschaftlich.

Z.b. dieses Gewäsch vom "ehrbaren Kaufmann" wird doch von der Humboldt Universität zu Berlin massiv gefördert. Das verkauft sich halt extrem gut, besonders während/nach der Wirtschaftskrise 2008, als Politik und Gesellschaft nach billigen und schnellen Lösungen gesucht haben. Die ganzen Betrüger und Gauner sollen halt einfach wieder "ehrbare Kaufmänner" werden, wie damals im Mittelalter. Tata! Problem gelöst. Ein wenig nostalgische Verklärung und die Berufung auf nicht näher ausdifferenzierte deutsche Tugenden kommen halt bei konservativen Kreisen immer gut an :lol:

http://www.hu-berlin.de/pr/pressemittei ... _080219_01

Nur entspricht das alles nicht wissenschaftlichen Ansprüchen oder gar der Aufgabe der Wissenschaft. Wissenschaft soll erklären und forschen (!) und keine Moralpredigten halten. Dafür gibt es die Politik, die Kirche, Schrifsteller, Zeitungen und und und. Bei Moralpredigten beschreiten wir nämlich die Schwelle des "Glaubens".

beowulf
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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von beowulf » 28.01.2014, 20:26

PAX hat geschrieben:
mazzel hat geschrieben:Boah Jungs, was ist hier los? Dieses Forum bewegt sich plötzlich auf einem ganz anderen Niveau als vor, sagen wir, 2 Wochen :lol:
Was auch durchaus zu begrüßen ist. :D

@ beowulf

Ich wollte damit auch nur sagen, dass Lei Feng bzw. seine moralische Vorbildfunktion auf keiner realen Basis existiert, sondern ein Konstrukt jener Zeit der KPCh war. Es wurden folglich diejenigen Ideale und Maximen propagiert, welche sich für das politische System am angenehmsten an den Mann bringen ließen um den Status Quo zu erhalten.

Moral oder Humanismus sind eh für jeden Menschen verschieden und wie du schriebst generell kulturell und temporal unterschiedlich. Mir ging es in erster Linie auch eher um die Richtigstellung historischer Authentizität, da es anscheinend immer noch viele gibt die an die "heldenhaften" Taten des Lei Feng glauben. Das eine historische Figur mit allerdings fiktivem Werdegang hier als Leitbild genommen wurde ist eher bedauerlich, jedoch keine Selteneheit in der chinesischen Geschichtsschreibung. Allerdings trifft dies wohl auf jede andere Historiographie ebenso zu. Leider!
Das mit den historischen Figuren und "heldenhaften" Taten ist ja immer so eine Sache. Sage nur Mutter Theresa, John F. Kennedy, Washington oder Martin Luther King. Wenn man historische Persönlichkeiten, näher betrachtet, fällt oft schnell der übermenschliche Lack ab. :lol: Lei Feng wird in China übrigens inzwischen mehrheitlich als "Witz" oder "Propagandafigur" betrachtet.
http://www.chinasmack.com/2013/stories/ ... -sold.html

Sehe hier keinerlei Aufklärungsbedarf.

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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von nestwaerme » 29.01.2014, 00:08

es lohnt sich chinesen zu diffamieren,weil er/sie hunterfutter braucht.

beowulf
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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von beowulf » 29.01.2014, 00:17

nestwaerme hat geschrieben:es lohnt sich chinesen zu diffamieren,weil er/sie hunterfutter braucht.
was ist hunterfutter schon wieder? :cry:

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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von DaniSahne » 30.04.2014, 14:21

Ich denke, dass Erziehung hier auch eine große Rolle spielt und man nicht alle über einen Kamm scheren sollte.
Klar gibt es kulturelle unterschiede, keine Frage. Dennoch bin ich der Ansicht, dass es auch bestimmt äußerst vertrauenswürdige Chinesen auf dieser Welt gibt die auch anderen Chinesen vertrauen...

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