Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Hier können Benutzer Fragen rund um die Themen Verhalten in China, angemessene Geschenke und die chinesische Etikette stellen und diskutieren.
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sweetpanda
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Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von sweetpanda » 25.01.2014, 21:33

Ich gebe zu eine provokative Behauptung, aber ich will sie Erläutern und lege dann eine Vermutung nahe.

Wir all wissen wie , diejenigen Chinesen die es sich leisten können, versessen darauf sind, sichere Nahrungsmittel zu bekommen (Milchpulver, Nahrungsergänzungsmittel usw.)
Hierdurch verdienen sich einige Forenmitglieder auch was Nettes dazu. Ein Forenmitglied hat mir über Skype schon erläutert, dass es teilweise völlig irrational wäre. In seiner Nähe gibt es einen Laden mit allen Dingen die "der Chinese" aus Europa begehrt (Aptamil, Hipp, WMF usw.). Dennoch würden die Leute lieber bei ihm diese Sachen kaufen, da sie glauben, dass es bei ihrem Landsmann unsicherer wäre, als bei einem Deutschen. Er verkauft die Sachen aus der hohlen Hand, ohne Quittungen, Garantien, Cash teurer als der Chinese mit richtigem Laden und genauso echten Produkten.
Ein weiteres Beispiel habe ich am Frankfurter Flughafen gesehen. Zhong Hua gibt es dort im Duty Free teurer als in China. Als meine Frau die Chinesen fragte warum sie denn Zigaretten in Deutschland kaufen, die in China sogar billiger sind, haben sie nur laut gelacht und sagten, dass sie sich hier wenigstens sicher sein können, dass dies die „Echten“ seien.

Wie pervers! Chinesen kaufen chinesischen Zigaretten in Deutschland teurer weil sie glauben, dass sie als Chinesen in China nur gefälschte chinesische Zigaretten von Chinesen erhalten.

Also woran liegt es, dass Chinesen Deutschen oder bestimmten Ausländern mehr vertrauen als ihren Landsleuten.

Ich habe lange überlegt warum chinesische Geschäftsleute im Durchschnitt unehrlicher sind.
Hier möchte ich den Begriff des ehrbaren Kaufmanns einbringen.
Ja ich weiß nach der Finanzkrise ein heikler Begriff….

http://commons.wikimedia.org/wiki/File: ... ufmann.jpg

Diese Grafik zeigt, dass der Kern des Ehrbaren Kaufmanns eine humanistische Bildung ist.

http://www.lebenskunde.de/3-humanistisc ... rziehung-0

Dort habe ich eine wunderschöne Formulierung gefunden was humanistische Bildung ist:

„Humanistische Bildung wird aus der humanistischen Lebensauffassung begründet und gewinnt ihr spezifisches Profil aus der Synthese von moralischem Engagement und kritischem Denken. Sie zielt auf die Heranbildung mündiger Menschen, die eigenverantwortlich urteilen, entscheiden und verantwortungsbewusst handeln. Sie soll junge Menschen befähigen, in ihrer Lebenswelt zu bestehen und die Gesellschaft aktiv mitzugestalten. Sie bietet ihnen Zeit und Raum, ihre Erfahrungen im Alltag gezielt zu verarbeiten und ihre Wahrnehmung der Welt zu schärfen. Philosophische Dimensionen der Lebens- und Weltbetrachtung werden in den Blick gerückt und kritisch reflektiert. Die Schüler/-innen werden in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gestärkt. Das wissenschaftliche Denken wird vermittelt.
Humanistische Bildung fördert bei Kindern und Jugendlichen ein kritisches Bewusstsein gegenüber fundamentalistischen Strömungen und gegenüber der Faszination des modernen Irrationalismus.“


Also alles Eigenschaften die in China nicht wirklich gefördert werden und somit einen möglichen Erklärungsansatz für das Misstrauen der Chinesen untereinander. Andere übers Ohr zu hauen ist im Durchschnitt nicht so Schlecht angesehen wie bei uns.

Wie denkt ihr darüber?
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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von Laogai » 25.01.2014, 21:50

sweetpanda hat geschrieben:Wie denkt ihr darüber?
Damn, wie sollen wir Taiwan denn jetzt noch als das bessere China und die Taiwaner als die besseren Chinesen verkaufen? :(
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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von sweetpanda » 25.01.2014, 21:59

Laogai hat geschrieben:Damn, wie sollen wir Taiwan denn jetzt noch als das bessere China und die Taiwaner als die besseren Chinesen verkaufen? :(
Ich kenne keine Taiwanesen, ich glaube aber nicht, dass sie gegenüber Taiwanesen ähnlich misstrauisch sind wie Chinesen gegenüber (fremden) Chinesen.
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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von Laogai » 25.01.2014, 22:13

sweetpanda hat geschrieben:
Laogai hat geschrieben:Damn, wie sollen wir Taiwan denn jetzt noch als das bessere China und die Taiwaner als die besseren Chinesen verkaufen? :(
Ich kenne keine Taiwanesen, ich glaube aber nicht, dass sie gegenüber Taiwanesen ähnlich misstrauisch sind wie Chinesen gegenüber (fremden) Chinesen.
Erstens sind rund 99% aller auf Taiwan lebenden Menschen chinesischer Abstammung, zweitens misstrauen die meisten Taiwaner inzwischen auch ihren Lebensmitteln und ihrer Lieferanten. Die ganzen Lebensmittelskandale, die in letzter Zeit dort stattgefunden haben, hast du wahrscheinlich nicht mitbekommen, da sie in der deutschen Presse kaum erwähnt wurden.

Aber ich will dich nicht weiter davon abhalten von "die Chinesen" zu schreiben. Alle in einen Topf und fertig ist die (braune) Soße.
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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von sweetpanda » 26.01.2014, 08:38

Laogai hat geschrieben:
sweetpanda hat geschrieben:
Erstens sind rund 99% aller auf Taiwan lebenden Menschen chinesischer Abstammung, zweitens misstrauen die meisten Taiwaner inzwischen auch ihren Lebensmitteln und ihrer Lieferanten. Die ganzen Lebensmittelskandale, die in letzter Zeit dort stattgefunden haben, hast du wahrscheinlich nicht mitbekommen, da sie in der deutschen Presse kaum erwähnt wurden.

Aber ich will dich nicht weiter davon abhalten von "die Chinesen" zu schreiben. Alle in einen Topf und fertig ist die (braune) Soße.
Das 99% der Bewohner Chinesen sind ist mir auch klar. Die Japaner wurden nach 45 auch gründlich entfernt und die paar Negritos hatten die Spanier schon geschafft. Aber selbst wenn es in Taiwan auch so ist, dann kann man es noch nicht mal auf fehlenden Wohlstand schieben. Aber welchen anderen Grund könnte es noch haben. Ich behaupte ja nicht, dass ich mit meiner Theorie über den ehrbaren Kaufmann und die humanistische Bildung unbedingt richtig liege, aber wenn man nach logischer Schlussfolgerung den Grund für Missstände - oder Importchancen für andere - in der durchschnittlichen charakterlichen Beschaffenheit der chinesischen Kaufleute findet, kann das Argument der "braunen Soße" nur schwerlich angebracht werden.

Wenn Chinesen für Zigaretten in Deutschland im Duty Free "gerne" mehr zahlen als für die Gleichen in China so liegt es sicher nicht daran, dass NPDler ihnen eingeredet haben, dass sie Chinesen lieber nicht trauen sollten, sondern sie kennen ihre Pappenheimer einfach besser als wir es uns gerne eingestehen wollen.
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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von sonero » 26.01.2014, 09:59

Hi,

ist doch ganz einfach. Sie misstrauen jedem (fremden) Chinesen weil sie ihn jederzeit bei sich bietender Gelegenheit auch sofort über den Tisch ziehen würden.
Damit sind Chinesen aber nicht alleine, östlich und südlich des Mittelmeeres ist das ja nicht viel anders.

Gruß,
Norbert

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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von wingtsun » 26.01.2014, 10:05

Jetzt tut mal nicht so als würde man in Deutschland nicht über den Tisch gezogen werden. Wir Mitteleuropäer machen es einfach etwas geschickter oder sind einfach nur naiv genug zu denken es wäre alles in Ordnung.
Ich bin wie dieser Paul, ein menschlicher Panzer.

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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von egon » 26.01.2014, 10:10

Immer wenn ich in Taiwan bin und das Thema auf Festlandchina kommt, mit welchem meine Gespraechspartner Geschaefte machen, kann man so die gesamte Kollektion an Schimpfwoertern hoeren. Habe jedenfalls noch keinen in Taiwan getroffen, der gut ueber Chinesen geredet haette. Immer mit dabei ist das Wort Betrueger.
Und auch innerhalb von China fuehlt sich die grosse Mehrheit angepisst, staendig annehmen zu muessen, dass man wieder mal uebers Ohr gehauen wird. Jede Kneipenrechnung, und ist sie noch so lang, wird penibel durchgegangen. Und meist finden sich darauf dann Sachen, die "versehentlich" mit abgerechnet wurden. Zu den gefaelschten Produkten gibt es ja leider auch unzaehlige Vorfaelle, teilweise waren Tote zu beklagen. Solange die Leute in China nur noch Geldscheffeln um jeden Preis im Kopf haben und die Kinder auch so erzogen werden, wie soll sich das System jemals aendern?
So kommt der 8jaehrige Sohn meiner Frau zu uns auf Besuch. Die Wohnungstuer war noch nicht mal zu, da kam die Frage: Wieviel habt ihr fuer die Wohnung bezahlt? Wir: Die ist nur gemietet. Er: Dann komme ich besser nicht nochmal zu euch, wenn ihr euch nicht mal ne eigene Wohnung leisten koennt. Soll man nun erwarten, dass dieser Junge spaeter mal einen guten Charakter haben und irgendwelche menschlichen Werte schaetzen wird, die Umwelt respektiert usw.?
Wer kriecht, der stolpert nicht.

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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von sonero » 26.01.2014, 10:46

Hi,

leider sehe ich es auch so wie egon (nicht Taiwan, da kann ich nichts zu sagen).
Die Gier und dieser Ehrgeiz sind teilweise krankhaft.
Mit einem befreundeten Paar (Chinesen die in D leben) gibt es Probleme. Er macht seinen Dr. und ist angepisst, weil SIE auf die Tortur keinen Bock hat und sich mit ihrem Master zufrieden geben will.
Die frieren sich in Ihrer Bude den Arsch ab weil sie zu geizig zum Heizen sind.
Ein anderes Paar ist zum Glück die Ausnahme. Beide sprechen noch kaum Deutsch, zum Glück ist das z.B. in unserer Fa. kein Problem (er ist mein Kollege).
Beide zeigen nichts von diesem typischen Verhalten, sind sich aber auch sicher, nie wieder nach China zurück zu wollen. Warum wohl...

Ich hoffe, das ist nicht zu viel China-bashing. Schliesslich bin ich ja auch mit einer ehemaligen Chinesin verheiratet. Und sie ist auch typisch, was das Thema angeht. Ist manchmal etwas mühsam das einzubremsen, geht aber.

Gruß,
Norbert

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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von Marcus » 26.01.2014, 15:12

egon hat geschrieben:So kommt der 8jaehrige Sohn meiner Frau zu uns auf Besuch. Die Wohnungstuer war noch nicht mal zu, da kam die Frage: Wieviel habt ihr fuer die Wohnung bezahlt? Wir: Die ist nur gemietet. Er: Dann komme ich besser nicht nochmal zu euch, wenn ihr euch nicht mal ne eigene Wohnung leisten koennt. Soll man nun erwarten, dass dieser Junge spaeter mal einen guten Charakter haben und irgendwelche menschlichen Werte schaetzen wird, die Umwelt respektiert usw.?
Chinesen kaufen ihre Wohnungen auch nicht, sie mieten sie nur fest für 70 Jahre.
"Das Wenige, das Du tun kannst, ist viel, wenn Du nur Schmerz und Weh und Angst von einem Wesen nimmst." A. Schweitzer

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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von blackrice » 26.01.2014, 15:35

Marcus hat geschrieben:Chinesen kaufen ihre Wohnungen auch nicht, sie mieten sie nur fest für 70 Jahre.
:roll: nur mit dem KLEINEN Unterschied dass gemietete Wohnungen jederzeit vom Vermieter neu verhandelt werden können....gekaufte NICHT
Globalisierung ist ein zweischneidiges Schwert, die schaerfere Seite wird dazu benutzt die schwaecheren Laender auszuschlachten

humans are the only species that cut down trees .. turn it into paper .. then write - '' SAVE THE TREES '' - on it

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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von edmund27 » 26.01.2014, 17:36

Das ist mir hier alles, wie immer zu pauschal. Solche Beiträge langweilen nur noch. :mrgreen:
Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh. ( Henry Ford )

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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von Grufti » 26.01.2014, 18:18

egon hat geschrieben:Immer wenn ich in Taiwan bin und das Thema auf Festlandchina kommt, mit welchem meine Gespraechspartner Geschaefte machen, kann man so die gesamte Kollektion an Schimpfwoertern hoeren. Habe jedenfalls noch keinen in Taiwan getroffen, der gut ueber Chinesen geredet haette. Immer mit dabei ist das Wort Betrueger.
Die Abneigung der Einwohner Taiwans gegenüber den Festlandchinesen ist größtenteils historisch begründet. Angefangen hatte das nicht erst 1894/5 als Taiwan von Japan besetzt wurde, sondern schon viel früher. 1895 fühlten sich die Einwohner Taiwans von der Qing-Regierung im Stich gelassen. Eine weitere sehr starke Zäsur war 1945, als die Festlandchinesen mehr oder weniger als heruntergekomme und abgerisse Banditentruppe sich der Macht und des Wohlstands Taiwans bemächtigten, und die Chinesen, die von altersher dort gelebt hatten und trotz der japanischen Besatzung einen wesentlich höheren Bildungsstand hatten, als Menschen zweiter Klasse behandelten, was schließlich zum Aufstand von 28.2.1947 gegen das ausbeuterische GMD-Regime geführt hatte, der von Jiang Jieshi nur mit Hilfe der USA niedergeschlagen werden konnte.

Hier kann man sehen, daß obwohl 99 % der TW Bevölkerung chinesischen Ursprungs sind, sich selbst nur etwas über 3 % nur als Chinesen, aber über 55 % nur als Taiwanesen sehen
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !


Nr. 5 lebt !

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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von mazzel » 26.01.2014, 19:06

Nach wievielen Generationen darf man sich denn Taiwanese schimpfen? Ich würde mich als Landsmann des Landes nennen, in dem ich geboren wurde, sch*** egal wo meine Vorfahren herkamen.

shuhan
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Re: Warum vertrauen Chinesen nicht anderen Chinesen?

Beitrag von shuhan » 26.01.2014, 19:58

Ja, gute Frage... Warum misstrauen Chinesen anderen Chinesen ? Sogar unter den auslandachinesrn gibt es einen Spruch: ein Chinese ist ein Drache, vier Chinesen sind aber vier Würmer!
Ich sehe den Grund in vier wesentlichen Punkten
Punkt 1. historischer Grund
China ist noch lange keine zivile Gesellschaft. Sweetpanda hat es gut erkannt. In China gibt es keine humanistische Erziehung in diesem Sinne. Schon der beruehmte Schriftsteller Lu xun hat die chinesische Gesellschaft als "menschenfressende Gesellschaft" genannt. Und die Chinesen als ein Volk, welches baozhi mit Menschenfleisch frisst. Natürlich im uebertragenen Sinne. Und als kaltblütige Zuschauer und weggucker. Etwa eine Gesellschaft, in der die Menschenmassen Hinrichtung hochjubeln und als ein großes Fest feiern würden. Meiner Meinung nach ist dieses Phänomen aber nicht Chinaspezifisch. Europa im Mittelalter war genauso schlimm. Man muss bedenken, dass selbst 1912, während in Europa schon eine hochentwickelte zivilgesellschaft mit einem gut ausgebildeten Mittelstand entstanden war, in China noch ein äußerst brutales und rueclstaendiges Regime mit mittelalterlichen Methoden herrschte. Von dem zivilisierten Grad der Staatsführung war die letzte chinesische Dynastie sogar im chinesischen Verhältnis äußerst zurueckgeblieben, wenn man auch bedenkt, dass die herrschende Kaste da, also die Mandschu, noch bis vor wenigen Jahrhunderten noch Analphabeten und jaeger im mandchurischen Wäldern waren.

Punkt 2. Kulturrevolution
Man sollte auch bedenken, dass die traditionelle chinesische Moral und Tugendvorstellungen während der Kulturrevolution über Bord geworfen wurden. Alles was bis dahin fuer die Chinesen heilig war, Etwa Respekt vor den Lehrern und Eltern, über Nacht reaktionäres Element wurde, das zu vernichten galt. Dies hat eine nachhaltige Wirkung auf die chinesische Gesellschaft. Es herrscht bis heute ein Vakuum in der geistigen Welt der Chinesen, das nicht zu fuellen war. An den Kommunismus glaubt aber auch keiner mehr. Also bleibt nur noch Geld und macht, das einzige anfassbare woran sich die Chinesen messen können und woran die meisten Chinesen noch glauben. Mit Geld oder mit Macht, meinen viele Chinesen, alle Probleme lösen zu können.
Man sollte aber auch bedenken, dass in der Kulturrevolution Eltern ihre Kinder, Kinder ihre Eltern, ehemann seine Frau, Bruder seine Schwester, Schüler ihre Lehrer, etc. Denunziert haben. Das ist gar nicht mal so lange her. Diejenigen Opfer oder die denunzierer selbst vertrauen folglich auch keinen anderen mehr als sich selbst. Diese Leute geben ihre Denkweise natürlich an ihre Kinder weiter.

Punkt 3. Konkurrenzkampf
Chinesen sehen in anderen Chinesen in erster Linie einen konkurrent. Von kindersbeine an werden sie eingehämmert, dass sie andere Kinder überholen müssen, dass sie die besten sein müssen. Von kindersbeine an werden sie eingehaemmert, dass es zu viele Chinesen gebe und dass Ressourcen in China umso mehr knapp sind. Konkurrenten traut man bekanntlich nicht.

Punkt 4. luegenerziehung.
Die chinesische Schulerziehung insbesondere in den geisteswissenschaftlichen Schulfächern ist durchweg von Lügen durchzogen. So lernen die Kinder, dass China ein sozialistischer Staat sei, indem Arbeiter und Bauern das sagen hätten und dass nur im alten Reaktionären China arbeitet ausgebeutet würden. So lernen die Kinder, dass in China das Volk der Herr im Land sei, die Regierung nur sein Diener. Als eben diese Kinder Größer wurden und die Realitäten vor Augen hAben, dämmert es ihnen ein, dass es nur luegengeschichten sind, was sie da gelernt haben. Trotzdem tun sie so, als sei China tatsächlich so, wie sie es in der Schule gelernt haben. Diese Verdrehung und Schizophrenie haben zu einer kollektiven krankhaften Gesellschaft, in der kaum jemand noch die Wahrheit sagt. Jeder in China weiß, der, der die Wahrheit sagt, wird bestraft, derjenige, der aber luegt bzw betrügt, der wird dafür belohnt!

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