Chinesischer Gast - am verzweifeln

Hier können Benutzer Fragen rund um die Themen Verhalten in China, angemessene Geschenke und die chinesische Etikette stellen und diskutieren.
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henchan
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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von henchan » 06.07.2013, 10:14

blackrice hat geschrieben:
litti72 hat geschrieben:
henchan hat geschrieben:Und "bitte" und "danke" kann ich auch schon auf chinesisch. :wink:
Wow, wie sagt man denn so allgemein "bitte" auf chinesisch??
qǐng aber dieses Wort wirst nur sehr selten zu hören bekommen, ist nicht so wichtig :mrgreen:
Das werde ich oft hören, da ich es nämlich ständig sagen werde. Nu einfach aus trotz. :wink:
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schhila
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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von schhila » 15.07.2013, 11:28

Hey,
Er ist wieder weg :D
War so anstrengend wie befürchtet. Abgesehen davon, dass er wirklich keinen Plan von nichts hatte (wo wohne ich? Was mache ich in Deutschland? Wie komm ich an mein Geld? etc) war sein Aufenthalt in meiner Wohnung sehr anstrengend. Er hat wirklich erwartet, dass ich all seine Probleme löse. :( Hat sich auch gar nicht vorher groß informiert. Und dass, obwohl er schon seit zwei Monaten durch D reist.
:twisted:
Dazu kam noch, dass er sich die meiste Zeit im Gästezimmer einschloss und eigentlich ohne zu Fragen ständig an irgendwelche Sachen von mir dran ging. :evil: Einmal wollte er unbedingt zusätzlich zur Lasagne, die ich gemacht habe, Nudeln essen und wühlte in meiner Abwesenheit durch die halbe Küche, bis er ein paar Essstäbchen fand. Abgesehen davon, dass er beim Küche durchsuchen 3 Gläser von der Spüle runterstiess :twisted: hat es mich etwas geärgert, dass er sich die Sachen einfach so nahm. Kurzes Fragen wäre ja nicht zuviel gewesen und ich hätte auch nichts dagegen gehabt. Oder er braucht eine Box und , statt zu fragen, nimmt sich einfach diese aus den (abgeschlossenen) Keller. Er hat die Tür mit einen Nagel geöffnet. :shock:

Ich weiß, dass sind Kleinigkeiten, und vielleicht gehört Fragen nicht zum chinesischen Bild von Höflichkeit :?: , aber mich hat es doch sehr gestört.

Genauso wie dass er sich zu jeder Mahlzeit die ich machte (ob Frühstück, Mittag oder Abendbrot) noch selber extra was kochte bzw. zusätzlich 2 Schüsseln Müsli extra machte. Und ich hatte wirklich den ganzen Tisch voll mit Essen, dass zu wenig angeboten wurde, kann nicht die Ursache gewesen sein. :( Er war auch ein bisschen pikiert, dass ich abends nur Brot hatte und nichts Warmes.

Er wäre auch länger geblieben, aber mehr als die zugestandene Woche wollte ich ihn eigentlich nicht da haben. :twisted:

Ist das alles nach chinesischen Massstäben noch normal? :?: Oder reagiere ich hier über? :?:

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Yingxiong
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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von Yingxiong » 15.07.2013, 11:41

Auf der einen Seite ist unser kaltes Frühstück und das kalte Abendessen ungewohnt. Damit hat der eine oder andere schon Probleme. Auch sind die Chinesen sehr gastfreundlich und erledigen fast alles für ihre Gäste.

Auf der anderen Seite hat er ganz klar Grenzen überschritten, die auch in China nicht akzeptiert werden. Niemand würde in China in einen Keller einbrechen und sich Sachen holen.
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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von Skorpid » 15.07.2013, 12:05

Na da hast Du Dir ja einen eingefangen... Nein, sowas geht natürlich garnicht. Das mit dem warmen Abendessen ist oft so und wenn er in der Wachstumsphase ist, braucht er wohl etwas mehr zu essen aber naja... Den würde ich mir nicht mehr so schnell ins Haus holen :-)

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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von rainer14 » 15.07.2013, 12:18

Auch chinesische Menschen sind unterschiedlich, wobei der Umgang mit dem Thema Helfen allgemein anders sein dürfte. Die Worte Bitte und Danke werden - wenn man sich kennt - weniger gebraucht, ganz einfach weil es dann selbstverständlich ist, dass man sich dann hilft. Während sie bei uns - auch in einer engen Beziehung- Höflichkeit ausdrücken, zeigen sie für Chinesen eine Abgrenzung, einen Abstand auf. Man gebraucht sie halt nur gegenüber fremden bzw. höher gestellten Menschen.

In der Tat ist die Bereitschaft von Chinesen einem in allen Lebenslagen zu helfen sehr groß - was in China sehr angehm sein kann :) - und viele halten dies logischerweise auch umgekehrt für normal.

Vielleicht gehen wir auch mit Dingen anders um. Bei uns wird wohl in der Regel eher vorher gefragt, wenn man sich eine Tasse in einer unbekannten Küche suchen möchte. Viele Chinesen machen einfach den Schrank auf. Das ist sicher für uns ungewohnt, bei näherer Betrachtung aber nicht unlogisch.

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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von schhila » 15.07.2013, 12:33

Oh je, dann war ich wohl wirklich eine schlechte Gastgeberin. :(
Kann mir gut vorstellen, dass er gerade in irgendeinen chinesischen Forum sich über diese unhöfliche Person auslässt, die ihm bei der Deutschlandorganisation hängen lässt, ihn wütend anknurrt, wenn er sich was in der Küche oder Keller sucht und erwartet, dass er zweimal am Tag was Kaltes isst :|

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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von Luigi » 15.07.2013, 12:39

Ach komm, da stehste doch drüber... Solche Leute sind einfach nicht gut für die Nerven und haben IMHO keine Manieren (auch wenn sie aus einer anderen Kultur kommen) Und nebenbei: der hätte bei mir keinen Tag verbracht, sowas geht ja mal garnicht. :lol:

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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von OlafSt » 15.07.2013, 12:41

Andererseits muß man auch sagen: Wir sind hier nicht in China. Wir sind in Deutschland. Und da hat man sich an die deutschen Gepflogenheiten zu halten.

Spätestens beim Kelleraufbruch wär der Typ bei mir rausgeflogen.

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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von schhila » 15.07.2013, 12:54

Danke, ihr helft mir da sehr. War immer hin und her gerissen, ob ich jetzt diejenige bin, die unhöflich ist und den Jungen total verstöre (das mit dem kalten Essen war definitiv ein Punkt, der ihm überhaupt nicht gepasst hat :twisted: ), weil ich ja auch vorbelastet war, oder ob er wirklich so unhöflich war, wie ich es empfand. :) Weiß ja, wie es als Student im Ausland ist- da war ich auch über jede kostenlose Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeit froh.
Hab auch schon ewig im internet gegoogelt, aber keine gefunden, der ähnliche Erfahrungen gemacht hat mit ihren chinesischen Gästen. Oder überhaupt irgendwelche Erfahrungen. Daher bin ich über eure Rückmeldungen so glücklich und etwas beruhigt :D

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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von Phytagoras » 15.07.2013, 13:53

Naja. Aber selbst in China verhält man sich so eigentlich nur bei den allerbesten Freunden.

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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von Kristobalito » 15.07.2013, 16:30

also schlecht/schuldig fuehlen solltest Du Dich wirklich nicht:

1) Du hast Dir echt Muehe gegeben
2) Er ist doch in Deutschland zu Besuch und will ja sogar dort wohnen - d.h. es tut ihm nur gut sich auch dort an die Gepfogenheiten anzupassen bzw. diese kennenzulernen.
3) Es kann von keinem Gastgeber erwartet werden seinen Gast komplett nach dessen eigener Kultur von vorne bis hinten zu bedienen. Natuerlich, und auch fuer sicher fast jeden verstaendlich, ist es einen Gast der heimischen Kultur entsprechend zu empfangen und behandeln.

Wenn es fuer Ihn eine interkulturelle Erfahrung ist, wo er manchmal an 'Grenzen' stoesst, ist dies vielleicht umso besser.

Jemanden freundlich zu behandeln, ja sogar zu lieben, heisst doch nicht immer 'ja' zu sagen - sondern manchmal auch ein klares 'nein' auzudruecken...

Das Wichtigste ist meines Erachtens nach die ehrliche Kommunikation. Als Auslaender in China verhalte ich mich sicher die ganze Zeit 'falsch', aber ich frage viel nach und beobachte... Und immer wieder gestehen mir meine Kollegen oder Freunde: 'In China we do like this... ' (lange vorsichtige Erklaerung folgt)... - und ich lerne dazu! Genauso wie er als 'Auslaender' in Deutschland auch unsere Kultur(en) kennen lernen wird...

Es waere zwar freundlich wenn mir hier von meinen Bekannten immer Messer und Gabel / bzw. Brezeln und Nuernberger Würstchen angeboten wuerden, aber damit waere mir langfristig in China trotzdem nicht geholfen!...
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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von blackrice » 15.07.2013, 17:30

schhila hat geschrieben:Kurzes Fragen wäre ja nicht zuviel gewesen und ich hätte auch nichts dagegen gehabt.
dies ist einer von mehreren Knackpunkten bei solchen "Princelings"...fragen bedeutet Gesichtsverlust und fragen ist "ungezogen"...und ob Du etwas dagegen gehabt hättest oder nicht wäre für ihn eh Luft gewesen.
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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von Shenzhen » 15.07.2013, 18:13

Sorry aber schoen bloed kann ich nur sagen - was soll diese ganze Rumeiere von wegen "mach im vorsichtig klar..." usw. usf. wie kann man sich soetwas nur antun und es dann auch noch durchgehen lassen? Sein Verhalten ist unter aller Sau - egal ob Chinese, Afrikaner oder Marsbewohner. Der gehoert eine ordentliche Ansage zu bekommen, hast du ja nun leider verbockt also wird er dir demnaechst wohl wieder auf der Tasche liegen - ich verstehe Leute wie Dich nicht, genau so wie ich Leute wie ihn nicht verstehe - obwohl ihn noch eher denn er ist ein verwoenter China-Prinz der immer alles in den Ar... gesteckt bekommen hat er weiss es nicht besser weil ihm niemals jemand den Marsch geblasen hat....
Phytagoras hat geschrieben:Naja. Aber selbst in China verhält man sich so eigentlich nur bei den allerbesten Freunden.
Fehlt hier ein irgendwie gearteter Smilie oder ist das ernst gemeint?

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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von Phytagoras » 15.07.2013, 18:34

Naja. Ich kenn das so, dass die allerbesten Freunde in China sozusagen schon "Familie" sind und man in der Wohnung des Freundes sie so behandelt wie die eigene.

Natürlich steht da dennoch der gegenseitige Respekt im Vordergrund und genauso, wie hier beschrieben, habe ich noch niemanden gesehen, der sich so verhält.

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Re: Chinesischer Gast - am verzweifeln

Beitrag von blur » 15.07.2013, 20:16

Hab es mir bestätigen lassen, wenn man zu einem Chinesen sagt "ich helfe dir dabei", dann wird es i.d.R. so aufgefasst, dass man ihm alles abnimmt. Ansonsten sollte man wohl eher sagen "ich zeige dir wie es geht = 我示范给你看一次", dann verstehen sie das eher.

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