Scheidung in China vs. Deutschland

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Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Exokiel » 02.07.2021, 04:36

So, jetzt ist es auch bei mir so weit. Eine Scheidung steht an, lebe schon seit einiger Zeit von meiner Verflossenen getrennt. Gründe sind vielschichtig, möchte ich aber auch gar nicht drauf eingehen, sondern suche eher nach Rat bezüglich der Scheidung.

Wie viele hier haben wir in Dänemark geheiratet, haben jedoch die Heirat nicht in China registriert. Apostille und Legalisation aus Dänemark liegt alles vor.
Stehe in Kontakt mit ein paar Anwälten und alle meinen, dass eine einvernehmliche Scheidung hier der richtige Weg ist. Meine noch-Frau ist damit einverstanden, also sehe ich gute Chancen, dass sie das "Divorce Agreement" unterschreiben und auch vor Gericht akzeptieren würde. Ein anderer Anwalt wiederum (der günstigste mit 20.000 RMB) meint, dass eine solche Scheidung nur per Litigation/Rechtsstreit möglich wäre, da wir außerhalb von China geheiratet haben.
Hat hier jemand Erfahrungen über den Ablauf und auch die Länge des Ganzen und was nun überhaupt stimmt? Laut den Anwälten könnte alles bereits in 3 Monaten fertig sein, kommt aber auch auf die Terminvergabe vom Gericht an. Wir sind seit Ende 2019 in etwa schon getrennt, sie war in Deutschland und bei ihren Eltern und ab Mitte 2020 bin ich komplett ausgezogen.

Eine andere Möglichkeit habe ich online gefunden, dass man sich wohl auch in Deutschland über ein Amtsgericht in Berlin scheiden lassen kann. Da unser Lebensmittelpunkt derzeit in China ist, wäre auch wohl chinesisches Scheidungsrecht anwendbar.

Hat hier jemand Erfahrungen gemacht und kann mir Tipps geben? Wir haben kein Eigentum (die Wohnung in China gehört den Eltern), kein Vermögen, keine Kinder, kein Auto, nichts. Laut einem Anwalt in Deutschland, wenn nicht deutsches Scheidungsrecht angewandt wird, könnte die Scheidung in unter 3 Monaten durch sein. Voraussetzung hier ist natürlich auch, dass beide Parteien zum Termin im Konsulat erscheinen würden. Ist das praktisch überhaupt machbar? Ich kann mir gut vorstellen, dass durch Übersetzung, Postversand, usw. sich das alles ein bisschen ziehen könnte.
Der Vorteil gegenüber einem deutschen Gericht bzw. deutschen Anwalt ist für mich klar der Kostenpunkt. Die (guten) Anwälte in China möchten alle Minimum 30.000 - 40.000 RMB haben, falls es zum Rechtsstreit kommt, verdoppelt sich das - in Deutschland gibt es eine Kostenverordnung und ich muss das Urteil nicht später anerkennen lassen.

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Re: Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Petermedia » 02.07.2021, 10:21

Vorab, da der Tread auch von anderen gelesen wird ein kurzer Link zur Einführung.

https://www.scheidung.org/ausland/

Des weiteren gehe ich davon aus, dass du deine Ehe für den chinesischen Rechtsverkehr legalisieren lassen hast, also von der chin. Botschaft.
Meines Wissens hat der preiswerte Anwalt recht,
Eine ausländische Ehe, zumindest in Sh, kann nur per Litigation/Rechtsstreit geschieden werden
Das bedeutet aber nicht das ihr euch nicht einvernehmlich seiden lassen könnt.
Im Idealfall läuft das so ab.
Eine Seite stellt den Antrag vor dem zuständigen Familiengericht. Die Zuständigkeit wird in SH sogar durch die Stadtteile bestimmt.
Dann kommt Recht zügig eine erste Anhörung mit Überprüfung der Dokumente.
Stellt der Richter fest das die Ehe zerrüttet ist, in der Regel ist das der Fall wenn beide die Scheidung wollen, lädt der Richter zum zweiten Termin in dem die Scheidung selbst, als auch die Scheidungsfolgenvereinbarung erstellt wird.
Habt ihr oder euer Anwalt eine solche schon erstellt, formuliert der Richter sie gegebenfalls chin rechtskonform um. danach bekommt ihr gegebenenfalls in einem dritten Termin die Scheidungunterlagen.
Diese ist dann gültig, erhält aber erst Rechtskraft wenn die Widerspruchs Frist ( 1 Monat) abgelaufen ist.
Für den internationalen Rechtsverkehr erhältst du dann nach 4 bis 6 Wochen nochmal eine Urkunde dass die Scheidung jetzt rechtskräftig ist.
Bedenke, alles in dem Urteil ist chinesisch.
Das ganze Verfahren kann durchaus in weniger als drei Monaten durchlaufen werden.

Danach der übliche Dreiklang.
Übersetzung/Notarisierung, Überbeglaubigung und Legalisierung von der deutschen Botschaft.
Da kann man einiges automatisieren, so das man alle Papiere im Idealfall etwa 4 bis 6 Wochen später hat.
Natürlich muss die Scheidung dann in Berlin anerkannt werden, was durchaus Mal ein halbes Jahr dauern kann.
Das Verfahren zur Notarisierung Legalisierung ja selbst die Anerkennung in Deutschland sind übrigens ganz gut auf der Webseite des deutschen Konsulats beschrieben.
Ja dort stehen sogar die zuständigen Notare etc.

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Re: Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Exokiel » 02.07.2021, 11:15

Danke für den Link. Wenn ich es richtig lese, wäre dann eine Scheidung vorm Amtsgericht in Berlin für mich nicht möglich, korrekt? Da wir beide uns ja erst nach dem Umzug in China getrennt haben.

Die "Scheidungsfolgenvereinbarung" ist das Divorce Agreement?

Dauert die Anerkennung in Berlin wirklich so lange? Online gibt es hierzu lediglich Aussagen über einige Wochen bis manchmal auch Monate.


Edit: Wobei hier etwas anderes steht: https://www.rosepartner.de/scheidung-au ... ional.html
Außerhalb der EU gibt es keine einheitliche Regelung. Nach der deutschen Regelung im Familienrecht sind deutsche Gerichte immer dann für ein Scheidungsverfahren zuständig, wenn,

ein Ehegatte Deutscher ist oder es bei der Eheschließung war

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Re: Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Petermedia » 02.07.2021, 13:49

Wenn ich das richtig sehe, habt ihr ein Wahlrecht.
https://www.scheidung.com/scheidung-china.html
Es will aber eben sehr überlegt sein, wo ihr euch scheiden lassen wollt.
Das A&O ist in dem Fall fast immer ob ihr euch einig seit.
Das chinesische Scheidungsrecht ist meines Erachtens simpler, sofern keine Kinder im Spiel sind. Es herrscht nicht Mal Anwaltszwang.
Darùber hinaus gibt es nicht so komplizierte Konstruktionen wie Versorgungsausgleich.
Das kann die Scheidung schnell und unkompliziert machen.
Die Anerkennung in Deutschland ist ja nur eine Formsache, wobei die Sachbearbeiter in Berlin manchmal Recht träge sind.
Sollte die Scheidung aber wirklich strittig werden, kann eine Scheidung vor einem chinesischen Gericht schnell auch in ein Desaster umschlagen.
Wie gesagt Wo, wann wer sollte gut bedacht werden.

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Re: Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Exokiel » 02.07.2021, 14:29

Ist es nicht möglich, dass man sich nach chinesischem Recht scheiden lässt in DE? Immerhin gibts ja die Rechtswahl, mit der man entscheiden kann.

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Re: Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Petermedia » 02.07.2021, 16:29

Wenn man die Anwendung eines ausländischen Rechts in Deutschland erwägt ist das ein nicht trivial es Unterfangen, da das auslændische Recht nur Anwendung finden kann wenn es nicht gegen deutsche Rechtsprinzipien verstößt.
Da bitte ich dich wirklich einen spezialisierten deutschen Anwalt zu involvieren, da ich hier keinen seriösen Rat geben kann.

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Re: Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Exokiel » 03.07.2021, 04:06

Alles klar, dann vielen Dank erstmal!

Ich denke, dass ich mich dann für die chinesische Variante mit dem günstigeren Anwalt entscheide. Deutschland hat sicherlich auch Vorteile, aber das ganze hin und her versenden der Dokumente, stetiges übersetzen, Anhörungen im Konsulat, Versorgungsausgleich, usw. nimmt vermutlich mehr Zeit in Anspruch und würde die Kosten auf das gleiche Level oder sogar noch höher bringen.

Eine Möglichkeit, die mir der Anwalt angeboten hat, ist, dass wir zuerst die Vereinbarung aufsetzen und sie meiner Frau präsentieren und sehen, ob sie diese akzeptiert und unterschreibt. Falls sie es nicht tun würde, würde ich dann den Weg über einen deutschen Anwalt gehen.

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Re: Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Petermedia » 03.07.2021, 12:00

das ist sicherlich ein guter Weg solange deine bald ex fair spielt.
Bedenken musst du, dass sie eventuell im Termin ihre Meinung ändert. Deshalb sprach ich ja vorher davon das A&O ist immer ob ihr euch wirklich einig seit.

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Re: Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Exokiel » 03.07.2021, 13:24

Ich denke das wird sie. Sie hat zwar einen Job, aber habe sie bisher noch ein wenig finanziell unterstützt. Im Vertrag schwebt mir eine Klausel vor, dass ich sie noch 1 Jahr monatlich für die Summe unterstütze. Auf einen Rechtsstreit hat sie bestimmt auch keine Lust, da sie das Geld hierzu nicht hat und am Ende nichts bekommen würde. Hab das mit ihr alles schon abgesprochen und sie scheint dies zu akzeptieren.

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Re: Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Petermedia » 03.07.2021, 14:02

Dann scheint ja alles klar.
Noch eine kleine Anmerkung.
Chinesische Gerichte ziehen es meist vor, sowas in einer Einmalzahlung machen.
Sprich deinen Anwalt darauf an
Dann ein schönes Wochenende.

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Re: Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Exokiel » 18.09.2021, 15:03

Hab ein Update bzw eine Frage. Kennt jemand "divorce by mediation"? Chinesisch lautet das "法院出具的离婚调解书". Laut meinem Anwalt hat das Gericht das vorgeschlagen, da es das Verfahren beschleunigen würde. Bei Vollzug wird die Scheidung bestätigt und es ist kein Widerspruch im Nachgang mehr möglich. Gibt es das überhaupt und wird das im Anerkennungsverfahren für Deutschland überhaupt akzeptiert?

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Re: Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Helfer » 19.09.2021, 22:54

Exokiel hat geschrieben:
18.09.2021, 15:03
Hab ein Update bzw eine Frage. Kennt jemand "divorce by mediation"? Chinesisch lautet das "法院出具的离婚调解书". Laut meinem Anwalt hat das Gericht das vorgeschlagen, da es das Verfahren beschleunigen würde. Bei Vollzug wird die Scheidung bestätigt und es ist kein Widerspruch im Nachgang mehr möglich. Gibt es das überhaupt und wird das im Anerkennungsverfahren für Deutschland überhaupt akzeptiert?
Im gerichtlichem Scheidungsverfahren gemäß chinesischem Recht sollte der Richter immer eine Mediation anstreben. Somit ist dies nicht ungewöhnlich, wenn sich beide Seiten nicht einig sind. Am Ende steht ja dann die Scheidung, somit auch wird diese auch in Deutschland anerkannt. Ich selber würde nicht den Weg vor einem chinesischem Gericht gehen, da man die Sprache nicht spricht, die Geflogenheiten nicht kennt und als Ausländer auch nicht gerade in der Gunst steht.

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Re: Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Exokiel » 20.09.2021, 02:59

Helfer hat geschrieben:
19.09.2021, 22:54
[quote=Exokiel post_id=387345 time=<a href="tel:1631970215">1631970215</a> user_id=17329]
Hab ein Update bzw eine Frage. Kennt jemand "divorce by mediation"? Chinesisch lautet das "法院出具的离婚调解书". Laut meinem Anwalt hat das Gericht das vorgeschlagen, da es das Verfahren beschleunigen würde. Bei Vollzug wird die Scheidung bestätigt und es ist kein Widerspruch im Nachgang mehr möglich. Gibt es das überhaupt und wird das im Anerkennungsverfahren für Deutschland überhaupt akzeptiert?
Im gerichtlichem Scheidungsverfahren gemäß chinesischem Recht sollte der Richter immer eine Mediation anstreben. Somit ist dies nicht ungewöhnlich, wenn sich beide Seiten nicht einig sind. Am Ende steht ja dann die Scheidung, somit auch wird diese auch in Deutschland anerkannt. Ich selber würde nicht den Weg vor einem chinesischem Gericht gehen, da man die Sprache nicht spricht, die Geflogenheiten nicht kennt und als Ausländer auch nicht gerade in der Gunst steht.
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Wir müssen den Weg vors Gericht gehen, da wir nicht in China geheiratet hatten.

Beide Seiten sind sich einig, der Richter hat dieses Verfahren gegenüber einem normalen Urteil empfohlen und mein Anwalt sieht das ähnlich. Mir geht es eigentlich nur darum, ob die Schlichtungsurkunde in Deutschland ausreicht als Dokument zur Anerkennung der Scheidung. Habe ein bisschen im Internet recherchiert und nur bei der Düsseldorfer online Präsenz dazu was gefunden.

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Re: Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Helfer » 20.09.2021, 23:27

Ich habe mich noch einmal mit der Thematik beschäftigt, du hast Recht, es gibt eine Schlichtungsurkunde. Wenn man googelt, dann wird die bei Heirat in Deutschland als Ehefähigkeitszeugnis anerkannt. Somit würde ich mir keine Gedanken machen.

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Re: Scheidung in China vs. Deutschland

Beitrag von Exokiel » 22.09.2021, 10:49

Ok cool, dann passt das :) Hatte mir nur wegen dem "Schlichtung" ein bisschen Gedanken gemacht, denn in meinem Wortschatz heißt das eher was anderes im Bezug auf die Ehe.

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