In Deutschland gekauftes nach China weiterverkaufen

Alles um Zoll, Import & Export zwischen China und dem Rest der Welt.
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In Deutschland gekauftes nach China weiterverkaufen

Beitrag von event » 19.08.2013, 16:38

Habe nun schon von einigen gehört, dass viele chinesische Studenten sich mit "daigou" etwas dazu verdienen. Sprich etwas in China online verkaufen was sie hier in Deutschland kaufen und dann nach China per Post senden. Lohnt sich wohl für viele Produkte.

Ich frage mich nur dabei: Gibt es da nicht rechtliche Risiken für beide Seiten, sprich Versender in Deutschland und Empfänger in China?

Habe bereits denn Fall gehört, dass eine chinesische Studenten massenweise Milchpulver kaufte. Der DM Markt wo sie ein Regal leerräumte und behauptete, dies sei für ihr eigenes Kind, informierte die Polizei. Die fand dann im WG-Zimmer zig Packungen Milchpulver was die Studentin weiterverkaufen wollte bzw. bereits verkauft hatte und für den Versand vorbereitete. Sie wurde daraufhin vor die Wahl gestellt, 10000€ Strafe (bin mir nicht sicher für was genau, Handel ohne Lizenz?) oder Ausreise, woraufhin sie dann ausreiste.

Sprich in Deutschland muss es auch irgendwelche Gesetze geben die das eigentlich unterbinden oder?

Und was kann den Empfängern in China passieren, wenn das Paket erwischt wird und der Empfänger Steuern + Gebühren nicht nachzahlen will (weil es dann vermutlich den Preis der Ware in China übersteigt) was passiert dann mit der Ware beim Zoll?

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Re: In Deutschland gekauftes nach China weiterverkaufen

Beitrag von Phytagoras » 19.08.2013, 16:55

Kommt drauf an. Soweit ich weiß brauchst du ab ner bestimmten Menge ne Gewerbelizenz. Ich bin mir da ehrlich nicht sicher. Ab ner bestimmten Menge ist es halt schon nen "Business" und nicht nur mehr nen kleines "Taschengeld".

Der Zoll in China wirds soweit ich weiß vernichten bzw. der Zollbeamte nimmt sich das und verkauft es einfach selbst weiter und macht so nen wenig Geld.

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Re: In Deutschland gekauftes nach China weiterverkaufen

Beitrag von tigerprawn » 19.08.2013, 17:17

event hat geschrieben:Sie wurde daraufhin vor die Wahl gestellt, 10000€ Strafe (bin mir nicht sicher für was genau, Handel ohne Lizenz?) oder Ausreise, woraufhin sie dann ausreiste.
Hört sich nicht plausibel an. Vermutlich hat sie eine Strafe bekommen, und sich durch Ausreise ihr entzogen. Eine wirkliche Wahl in dem Sinne ist das aber nicht.

Die großen 'Gefahren' sind da
- Steuerhinterziehung
- arbeiten ohne Arbeitserlaubnis (für Chinesen in D)
und
- Verstoss gegen Ausfuhrkontrolle / Anmeldung

hat jemand noch eine große?

Ja, man sollte auch ein Gewerbe anmelden, das wäre sonst eine Ordnungswidrigkeit (aber nicht so schlimm wie die 3 oben genannten Tatbestände)

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Re: In Deutschland gekauftes nach China weiterverkaufen

Beitrag von alanos » 19.08.2013, 17:41

Habe bereits denn Fall gehört, dass eine chinesische Studenten massenweise Milchpulver kaufte. Der DM Markt wo sie ein Regal leerräumte und behauptete, dies sei für ihr eigenes Kind, informierte die Polizei. Die fand dann im WG-Zimmer zig Packungen Milchpulver was die Studentin weiterverkaufen wollte bzw. bereits verkauft hatte und für den Versand vorbereitete. Sie wurde daraufhin vor die Wahl gestellt, 10000€ Strafe (bin mir nicht sicher für was genau, Handel ohne Lizenz?) oder Ausreise, woraufhin sie dann ausreiste.
Ich bin kein Rechtswissenschaftler, aber kriegt die Polizei wirklich auf die Meldung einer Drogerie, dass da jemand etwas zu viel Milchpulver kauft, einen Durchsuchungsbefehl? Das hört sich für mich ziemlich weit hergeholt an um ehrlich zu sein. Und selbst wenn die Polizei das Zimmer durchsucht, der Besitz von Milchpulver ist meines Wissens nicht strafbar. Vielleicht legt Phytagoras ja gleich das große Juristen-Veto ein, aber ich sage, die Story ist entweder ein Fake oder zumindest nicht genau so abgelaufen.

Aber ansonsten ja, habe über meine Freundin schon von mehreren Chinesen gehört, die sich mit dem Verkauf von allerlei Waren das Taschengeld aufbessern. Neben Milchpulver stehen Luxusartikel ganz hoch im Kurs...

Bei uns im Müller steht sogar extra ein Schild an der Kasse, auf dem auf Chinesisch steht: Maximal zwei Packungen Milchpulver pro Person :mrgreen:

Ich verstehs bis heute nicht, Umsatz ist Umsatz, oder? Ob jetzt 10 Personen 10 Packungen kaufen oder eine Person 10 Packungen kauft sollte doch dem Laden eigentlich egal sein? Vielleicht kann mich hier ja mal ein BWLler aufklären :D
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Re: In Deutschland gekauftes nach China weiterverkaufen

Beitrag von tigerprawn » 19.08.2013, 17:54

alanos hat geschrieben:? Ob jetzt 10 Personen 10 Packungen kaufen oder eine Person 10 Packungen kauft sollte doch dem Laden eigentlich egal sein?
Erstmal ja, wenn jetzt aber eine Person 10 Packungen kauft, und für 9 Personen keine Packung mehr da ist, kann folgendes passieren:

- Die 9 Personen gehen zur Konkurenz (und kaufen damit auch die anderen Sachen dort)
- Die 9 Personen sprechen das Personal darauf an, und kosten somit Zeit.

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Re: In Deutschland gekauftes nach China weiterverkaufen

Beitrag von VielUnterwegs » 19.08.2013, 18:51

Die Geschichte ist eine "urban legend". Niemand wird vor die Wahl "Strafe oder Ausreise" gestellt. Auch ist die Höhe der angeblichen Strafe total unrealistisch, Stichwort Tagessätze, da kommen bei einer Studentin niemals 10000€ zusammen. Auch ist es nicht verboten Milchpulver zu kaufen und mit der Post zu verschicken, da muss man erstmal gewerblichen Handel nachweisen.

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Re: In Deutschland gekauftes nach China weiterverkaufen

Beitrag von Phytagoras » 19.08.2013, 21:02

Sicher ist das ne Urban Legend bzw. wahrscheinlich ein "Ich hab gehört, dass..."
Der Kauf ist nicht strafbar. Gibt gar keine Grundlage dafür.

Es kommt aber natürlich am Ende dann auf das an, was tigersprawn sagt. Wenn man natürlich 200 Packungen in 1 Monat wegschickt und das dann rauskommt, kann das schon einige Folgen haben.

Wenn man 1mal im Monat aber mal eben nen wenig rausschickt, interessiert das niemanden, außer dem chinesischen Zoll.
Das ist eher das Risiko. Eine Packung nur mit Brei liegt gerade in Jinan beim Zoll. Ist also kein Milchpulver und co.
Wie teuer das jetzt für den Empfänger ist, weiß ich nicht, aber ist auch nicht mein Problem mehr.

Was mich persönlich ehrlich stört sind aber nicht die, die es mal eben für nen kleines Taschengeld machen, sondern es schon wirklich gewerbliche Ausmaße annimmt.
Aber ansonsten ja, habe über meine Freundin schon von mehreren Chinesen gehört, die sich mit dem Verkauf von allerlei Waren das Taschengeld aufbessern. Neben Milchpulver stehen Luxusartikel ganz hoch im Kurs...
Liegt einfach daran, dass Chinesen, wie kein anderes Volk, das ich kenne, sowas von markenfixiert sind...
Ist immer schade, das zu sehen, find ich. Als ich in Roermond einkaufen war, gabs Chinesen, die haben wirklich Zettel gemacht mit Preisen, "Nachfrage" und sowas von Luxusartikeln.
Die kaufen die hier im Outlet für 150€, verkaufen sie dann für 300€, weils in China 450€ kostet.

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Re: In Deutschland gekauftes nach China weiterverkaufen

Beitrag von blur » 19.08.2013, 22:41

Man kann auch 2000 Pakete im Monat wegschicken ohne das was passiert. Kann ja Niemand wissen ob man solche Dinge bei der nächsten Steuererklärung angibt oder nicht, daher kann einen dafür auch Niemand zur Rechenschaft ziehen. Dafür wird es niemals eine Hausdurchsuchung geben.
Dann müsste das Finanzamt auch immer noch nachweisen, dass hier Gewinne entstanden sind, wird vermutlich schwierig da das Geld ja sicher auf einem chinesischen Konto landet. Ergo: Völliger Blödsinn.

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Re: In Deutschland gekauftes nach China weiterverkaufen

Beitrag von alanos » 19.08.2013, 23:20

Man kann auch 2000 Pakete im Monat wegschicken ohne das was passiert. Kann ja Niemand wissen ob man solche Dinge bei der nächsten Steuererklärung angibt oder nicht, daher kann einen dafür auch Niemand zur Rechenschaft ziehen.
Wenn man 2000 Pakete im Monat verschickt hat das durchaus gewerbliche Ausmaße, und wenn du kein Gewerbe angemeldet hast kann es durchaus Ärger geben. Aber ansonsten gebe ich dir recht.
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Re: In Deutschland gekauftes nach China weiterverkaufen

Beitrag von Der neue Waiguoren » 20.08.2013, 05:09

Die Studentin wurde erwischt wegen Steuerhinterziehung.
Sie hatte beim Bezahlen des Milchpulvers immer auch ihre Payback Karte dabei, wo selbstverständlich alles gespeichert wird :roll: -wers benutzt ist selbst Schuld!
Naja, jedenfalls ist aufgefallen, dass Sie regelmäßige Einzahlungen auf ihr DEUTSCHES Konto gemacht hat und sich ein gutes Sümmchen zusammengetragen hat, was den guten und gründlichen Behörden nicht entgangen ist. Der Rest wurde ja bereits erzählt, bis auf die Tatsache, dass der einzige Nachweis über reguläre Einkäufe ihre Payback Karte war, die als Beweis gilt :idea:

Hätte sie sich alles schön auf ihr chinesisches Konto zahlen lassen und in D bar abgehoben, wäre das nie aufgeflogen. Es ist ja nicht verboten größere Mengen an Milchpulver zu kaufen und auch nicht diese zu versenden. Falls allerdings nachgewiesen werden kann, dass sie damit Geld verdient, keine Arbeitserlaubnis hat, keine Steuern zahlt und dies in einer Menge geschieht, die nicht als privat angesehen werden kann, ist das wohl strafbar.
Man könnte im Zweifelsfall auch eine große Familie in China haben, wo urplötzlich einige gleichzeitig ein Kind bekommen haben und man für diese selbstverständlich etwas hortet und unentgeltlich rüberschickt 8)

Aber egal...klar versuchen sie sich damit etwas zu verdienen, denn die Margen sind groß und das Business ist sehr einfach. Meine Frau macht das auch nebenbei und es ist ein reizvoller Nebenverdienst ohne viel Aufwand. Dabei geht es nicht nur um Milchpulver, sondern allgemein um Waren aus Deutschland, für die hier viel Geld ausgegeben wird.

Es sieht auch nicht so aus, alsob das in Zukunft weniger werden würde, eher im Gegenteil. Viele deutsche Studenten in China verkaufen auch das weiße Gold hier und reiben sich in die Hände wenn sie sehen wie hoch der Gewinn ausfällt.
Nehme den täglichen K(r)ampf im Straßenverkehr mit einem Lächeln im Gesicht auf

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Re: In Deutschland gekauftes nach China weiterverkaufen

Beitrag von DeutsChina » 20.08.2013, 09:08

Man kann außer Milchpulver noch
1. Wollhandkrabbe aus der Elbe in China verkaufen,
oder
2. das Haus mit Patzerglas, Stahltüren und Überwachungskameras an Chinesen vekaufen.
Mit 650.000 € kann man in Shanghai nur eine Wohnung mit einer Baufläche von ca. 120 qm für 70 Jahre kaufen. :lol:
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Re: In Deutschland gekauftes nach China weiterverkaufen

Beitrag von cmstein » 20.08.2013, 09:58

DeutsChina hat geschrieben:Man kann außer Milchpulver noch
1. Wollhandkrabbe aus der Elbe in China verkaufen
Hehe, das Ding war wohl gestern in der heavy promotion bei taobao, da reden sie jetzt alle drüber.

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Re: In Deutschland gekauftes nach China weiterverkaufen

Beitrag von event » 21.08.2013, 17:55

Natürlich hat sie einfach eine Strafe von ca. 10t€ zahlen sollen und ist dann einfach ausgereist.
Dass wurde ja zumindest zugelassen.

Einkünfte angeben bei der Steuererklärung kann man ja nur wenn man ein Gewerbe angemeldet hat (so versteh ichs zumindest).

Sprich, wenns alle allein von der deutschen Seite aus legal machen würden lohnt es sich vermutlich fast schon nicht mehr.

Denke mal das viele aus China gewohnt sind, dass Polizei und Staat so "kleine Fische" gar nicht verfolgen, sonst würde ja auch am Flughafen öfter mal kontrolliert (oder darf man in China unbegrenzt waren einführen? Da hat ja normalerweise jeder aus Europa oder Amerika zurückkehrende Chinese zig Designersachen im Gepäck).
Hier in Deutschland würde ich mal schätzen fliegt man leichter damit auf.

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