Aggressivität im deutschen Straßenverkehr

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jackie_chan
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Aggressivität im deutschen Straßenverkehr

Beitrag von jackie_chan » 28.02.2017, 17:25

Mahlzeit,

mal ein allgemeines Lob an den sonst immer verhassten chin. Straßenverkehr :mrgreen:

kam letztens zum ersten mal in den Genuss ein Auto in China selbst zu fahren (100-200 km; Autobahn außerorts und Stadtrand). Mal abgesehen von der ständigen Anspannung, dass plötzlich von irgendwo her ein Roller ohne Licht in mich reinfährt, war die Sache eigentlich relativ entspannt. Man muss schon etwas mehr Acht geben, da die anderen Verkehrsteilnehmer oft anders und unberechenbarer reagieren als in Deutschland, aber damit kommt man schon irgendwie zurecht.

Zurück in Deutschland: man wird bedrängt, es wird dicht aufgefahren und gehetzt wo es nur geht, wenn man die Karre zwei mal in Folge an der Ampel abwürgt verlieren die Leute hinter einem endgültig die Nerven und gnade einem Gott wenn man auf der Landstraße bei dichtem Nebel und Schneefall nicht mindestens 99,5 km/h fährt.... :shock:
Am schlimmsten manifestieren sich all diese Verhaltensweisen auf der Autobahn. Wenn der X7 auf 20 cm auffährt oder die E Klasse einen von 250 auf 110 km/h gnadenlos ausbremst.

Ich habe fertig :mrgreen:
Cheers!

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Re: Aggressivität im deutschen Straßenverkehr

Beitrag von Laogai » 01.03.2017, 00:57

jackie_chan hat geschrieben:Ich habe fertig
Du haben fertig, ich machen weiter:
Laogais Tagebuch hat geschrieben:Auf Chinas Straßen herrscht das blanke Chaos. Zwar gibt es eine Straßenverkehrsordnung, aber die kennt nur derjenige, der sie mal erstellt hat. Und selbst bei diesem könnte ich mir vorstellen, dass er die Gesetze schon längst wieder vergessen hat. Verkehrsschilder dienen einzig der Auflockerung des Straßenbildes und die meisten Ampeln haben eher vorschlagenden Charakter. Manchmal entscheiden Verkehrsteilnehmer erst in letzter Sekunde, ob sie links oder rechts aneinander vorbei fahren. Nicht selten hat man das Gefühl der Kraftfahrer/Radfahrer/Fußgänger, der gerade von vorne, hinten, rechts oder links daher kommt hätte just an diesem Tag vergessen seine gelbe Armbinde mit den drei schwarzen Punkten anzulegen.

O Gott, O Gott, O Gott könnte man nun denken, wie kann jemand unter diesen Umständen auch nur für eine Minute im chinesischen Straßenverkehr überleben? Es geht! Und zwar recht gut. Denn das Chaos auf den Straßen ist selbstverwaltet und selbstverwaltend und gehorcht Gesetzen, die nirgends aufgeschrieben sind.

Die meisten chinesischen Autofahrer fahren so, als hätten sie sieben Leben. Sie fahren aber auch so, als hätten sie sechs davon bereits verbraucht und dabei eine Menge Erfahrung gesammelt. Zum Beispiel dass es viel besser ist nach Gehör denn auf Sicht zu fahren. Böse Zungen behaupten ja, dass die chinesische Führerscheinprüfung nur eine einzige Frage stellt: Wo ist der Schalter für die Hupe?

Jetzt aber ernsthaft, der chinesische Verkehr ist gar nicht so schlimm. Die Zauberworte dazu lauten Aufpassen und Anpassen. Es gilt nicht das Recht des Stärkeren, wie oft behauptet wird, und es gilt schon gar nicht die deutsche StVO. Es wird viel Rücksicht genommen, man versucht sich einfach zu arrangieren. Keiner hat prinzipiell Recht und keiner pocht auf §135 (oder irgend einen anderen Paragraphen).
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Re: Aggressivität im deutschen Straßenverkehr

Beitrag von SimonSayz » 01.03.2017, 01:38

Also, ich würde mal behaupten, dass allgemeine Gefahrensituationen wie oben beschrieben eher daher kommen, dass man für einen kurzen Moment unachtsam war. Dass man leicht von etwas abgelenkt wird, sollte zu Zeiten von Smartphone und Neonreklame nichts Neues sein. Ich möchte mich an dieser Stelle nicht von dieser Gruppe ausschließen.

Was mich tierisch aufregt sind die Mittelspurschleicher, da kann von kurzer Unachtsamkeit keine Rede mehr sein, wenn die Leute kilometerweit mit 80 auf der Mittespur schnarchen. In den letzten paar Jahren ist mir aber vermehrt aufgefallen, wie manche Schwachmaten versuchen auf die Autobahn zu kommen: da hatte ich letzte Woche so ein Experte erwischt, wie er mit ca. 65 km/h auf die Autobahn fährt. Ich habe den Anker werfen müssen, da links Verkehr war und außerdem war der Beschleunigungsstreifen noch so lang, da hätte der nur Gas geben brauchen. Vor gut einem halben Jahr auch so einer, der hat doch ernsthaft am Ende vom Beschleunigungsstreifen angehalten, weil der nicht auf die Autobahn kam.

Lange Rede, kurzer Sinn, Unfälle und Gefahrensituationen passieren überall. Nur unsere subjektive Wahrnehmung und Einschätzung, wie es dazu kommen konnte und unsere Schlussfolgerungen sind in der Hinsicht voreingenommen, wenn es darum geht das Geschehen zu verarbeiten. Man kennt beide Seiten, aber ist mit der Fahrweise in Europa aufgewachsen. Schwarzer Audi im Rückspiegel? Sofort nach rechts, platz machen. Unfall in China? Rücksichtsloses Fahren.
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Re: Aggressivität im deutschen Straßenverkehr

Beitrag von JensB » 01.03.2017, 04:46

Bin gerade aus DE mit einer anderen Erfahrung zurück. Verkehr ist sehr flüssig, aber auch sehr defensiv. Man wird immer reingelassen. Auch auf der Autobahn beim überholen. Blinker raus, Linksfahrer bremst. Man gewöhnt sich an erst zu blinken wenn die 200++ Fahrer vorbei sind.

Aggressivität hab ich selber keine erlebt bei den 2900Km in 8 Tagen. Klar lese ich auch Zeitung und weiss das auch mal anders kommen kann.

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Re: Aggressivität im deutschen Straßenverkehr

Beitrag von Han Bao » 01.03.2017, 10:31

Ist Straßenverkehr nur Autofahren? Da gibt es hier in Hamburg wirklich eine Menge aggressive Fahrer. Ist aber ja auch verständlich, wenn man mit dem Auto sein Ziel (inklusive Parkplatzsuche) langsamer erreicht als mit dem Fahrrad. Aber selbstverständlich gibt es auch aggressive Fußgänger (z.B. älterer Mann stößt junges Kind das auf dem Gehweg Rad fährt so dass dieses stürzt) und Radfahrer (Geisterfahrer die einen vom Radweg auf den Gehweg drängen, Engüberholer...).

Die Aggressivität im Straßenverkehr hat meiner Meinung nach mehrere Hauptursachen:
- In Blechkisten ist die Kommunikation auf (visuelles und akkustisches) Hupen eingeschränkt.
- Man stresst sich unnötig selbst indem man keinen Zeitpuffer einplant, weil man Angst hat kostbare Lebenszeit zu verschwenden. Die gesparte Zeit kommt dann (wie bei Momo) bei den grauen Herren aufs Zeitsparkonto. (Ich erspare mir lieber Stress als Zeit)

Ich habe letzten Sommer nach 15 Jahren wieder mit dem Autofahren angefangen und ich finde es total super, dass das Auto meiner Frau einen Tempomaten mit Geschwindigkeitsbegrenzer hat, die Autofahrer hinter mir nicht immer. :roll:
Bin jetzt 4x 500-800 km "Deutsche Autobahn" gefahren und fand das (verglichen mit den Stadtfahrten) auch recht entspannt (wobei ich mir trotzdem Verhältnisse wie in vielen US-Staaten (alle gleiches Tempo bei hohem Risiko für Raser) wünschen würde, da ich nicht "Mittelspurschleicher" sondern Linkespurraser als Streßfaktor und Gefahr wahrnehme). Da die LKWs auf der rechten Spur ja schon 100 statt 80 fahren habe ich (abseits von Baustellen oder Stau) keine Fahrzeuge mit 80 km/h auf der Mittelspur wahrnehmen können.

In China habe ich bisher nur als Fußgänger und ÖPNV-Teilnehmer am Verkehr teilgenommen, solange es da keine radtouristischen Anlagen gibt, werd ich das wohl auch in Zukunft nicht ändern.

Ich bewege mich in China wie in Deutschland nach folgenden Mottos:
- Nach außen aggressiv nach innen defensiv (d.h. bei Vorfahrt wird nicht mehr als nötig gebremst, der Fuß geht aber schonmal aufs Bremspedal oder die Hand zur Bremse). Heißt aber z.B. auch, dass ich Geschwindigkeits- und Richtungsänderungen "aggressiv" d.h frühzeitig anzeige (z.B. vor roten Ampeln frühzeitig vom Gas/auf Bremse).
- Rechne damit, dass Andere Fehler machen und wisse, dass auch du Fehler machst (absichtlich, unwissentlich oder ohne es zu bemerken). So passiert es mir leider manchmal, dass ich nach längerer Fahrt auf Vorfahrtstraßen mal ein Rechts-Vor-Links übersehe.
- Abstand, Abstand, Abstand.
- Behandle andere nach ihren "Fehlern" so, wie du gerne nach deinen Fehlern behandelt werden möchtest.
- Fahren/Laufen auf Sicht (die Geschwindigkeitsbegrenzung ist die maximale (nicht minimale) Obergrenze bei guter Sicht. Wenn die Sicht durch parkende/haltende Fahrzeuge, Wetter,.... eingeschränkt ist, wird entsprechend langsamer gefahren/gelaufen.
- Wenn andere langsamer vor mir fahren und ich nicht überholen kann dann freue ich mich über die Entschleunigung: Langsameres fahren bedeutet weniger Stress und ich summe dann "Im Wagen vor mir fährt ein junges Mädchen" statt "Ich will Spass ich geb' Gas".

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Re: Aggressivität im deutschen Straßenverkehr

Beitrag von Phytagoras » 01.03.2017, 12:00

30.000km in China (Shandong, Shanxi, Hebei, Beijing, Sichuan) fahren.

Chaos. Ich weiß nicht, wo du fährst, aber ich habe andere Erfahrungen gemacht. In Peking täglich zur Arbeit gefahren, "literally" jeden Tag einen Unfall gesehen, gerade im Kreisverkehr, wo ich langfahren musste. Leute, die die nächste Abfahrt nehmen müssen, fahren aus irgendeinem Grund dennoch im innereren Ring, nur damit sie 5m weiter, rausfahren müssen. Dort hab ich auch die meisten Auffahrunfälle gesehen.

Auf den Autobahnen, wo 120 ist, wird dann 90 auf jeder Spur gefahren, wenns jedoch dann eine Bergstraße ist, wo 60 vorgeschrieben ist und das aus gutem Grund, fahren plötzlich alle 90 außer das Navi zeigt nen Blitzer an. Dann von 90 auf 40 für die 50m.

Dann beim Parken. Versuch mal rückwarts einzuparken, wenns auf "offener" Straße ist. Man setzt den Blinker, der Hintermann sieht es, hupt die ganze Zeit, fährt aber nicht vorbei. Die dahinter stehen hupen dann auch erstmal ein Konzert.

Ich bin jetzt die 30.000km in China gefahren und habe diese Mentalität "Ich, Ich, Ich" grade im Straßenverkehr überall gesehen. Es kümmert sich niemand um den anderen, niemand lässt einen in die Lücke, ganz im Gegenteil. Wenn ein chinesischer Autofahrer sieht, dass man reinwill, gibt er nochmal extra Gas, damit man nicht reinkommt und hupt.

Als deutscher Autofahrer muss man teilweise einfach selbst das "Arschloch" im chinesischen Verkehr sein, dann gehts. Hab bisher hier noch keinen Unfall gebaut, nur wirklich auf dem Weg zur Arbeit jeden Tag Auffahrunfälle gesehen, die passiert worden sind, weil man bloß nicht "seine Position aufgeben möchte."

Meine Frau macht übrigens grade den deutschen Führerschein und merkt den großen Unterschied zwischen "Ich, Ich, Ich" im chin. Straßenverkehr und dem eher defensiven deutschen Straßenverkehr.

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Re: Aggressivität im deutschen Straßenverkehr

Beitrag von punisher2008 » 01.03.2017, 13:42

Phytagoras hat geschrieben: Meine Frau macht übrigens grade den deutschen Führerschein und merkt den großen Unterschied zwischen "Ich, Ich, Ich" im chin. Straßenverkehr und dem eher defensiven deutschen Straßenverkehr.
Dann wohnt ihr wohl eher nicht im Raum München bzw. Bayern. :lol: Aggressivere Fahrer als dort habe ich eigentlich noch nirgends erlebt.
jackie_chan hat geschrieben: mal ein allgemeines Lob an den sonst immer verhassten chin. Straßenverkehr :mrgreen:
Hier muss ich dir recht geben. Die Chinesen fahren definitiv oft rücksichtslos und völlig chaotisch, aber echte Aggression am Steuer habe ich dort selten erlebt. Wenn jemand einen schneidet oder die Vorfahrt nimmt weicht man einfach aus, ohne groß zu fluchen oder zu hupen. Beleidigende Gesten habe ich persönlich noch nie gesehen. Kann aber auch sein dass das in meiner Gegend speziell (Süd-Guangdong) so ist und nicht in ganz China. Wie schon gesagt, es geht nicht allgemein um Sicherheit sondern um aggressives Verhalten am Steuer. Und da finde ich sind die Deutschen schlimmer.

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Re: Aggressivität im deutschen Straßenverkehr

Beitrag von Exokiel » 01.03.2017, 14:09

Ich weiß nicht was in Deutschland im Straßenverkehr schlimm sein soll. Meine Frau hatte vorher Angst, weil man auf der Autobahn so schnell fahren kann, aber nach einiger Zeit selbst fahren ist die Angst verflogen und sie fühlt sich sicher. Die Vorteile und die Ordnung überwiegen aufjedenfall.

In China fahren ist schon ein bisschen Abenteuer. Überall wird gehupt, man konzentriert sich nur auf sich selbst, usw.
Wenn die Ampel Grün wird und du in der Millisekunde nicht losfährst wirst du angehupt. Wenn man eine kleinere Straße langfährt hupt man an jeder Kreuzung, könnte ja jemand kommen. Und wenn mal wirklich jemand kommt, dann wird noch mehr gehupt denn rechts vor links oder Vorfahrtsstraße gibt es nicht oder wird nicht akzeptiert und jeder fährt blind rein.
Es gibt verschiedene Spuren, auch im Kreisverkehr, aber keiner hält sich daran. Wenn man in den Kreisverkehr fährt, muss man immer ganz innen sein, auch wenn man sofort wieder rausmuss. Falls es dann nicht geht, bleibt man halt einfach stehen. Ach und wenn du ein bisschen Platz gelassen hast, steht da bestimmt gleich ein Taxi neben dir und blockiert dich.
Möchtest du die Spur wechseln lässt dich keine Sau rein und wenn du abbiegen möchtest genau gleich.
Hat sich ein Rückstau gebildet wird die Kreuzung zugefahren, die Leute die abbiegen müssen, warten dann halt manchmal 2 oder 3 Ampelzyklen mehr.
Autobahn? Du musst nur wissen wo die Blitzer sind und wo du abbremsen musst...und Ausschau nach den nicht gesicherten LKW's halten.

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Re: Aggressivität im deutschen Straßenverkehr

Beitrag von jackie_chan » 02.03.2017, 22:10

punisher2008 hat geschrieben: Hier muss ich dir recht geben. Die Chinesen fahren definitiv oft rücksichtslos und völlig chaotisch, aber echte Aggression am Steuer habe ich dort selten erlebt. Wenn jemand einen schneidet oder die Vorfahrt nimmt weicht man einfach aus, ohne groß zu fluchen oder zu hupen. Beleidigende Gesten habe ich persönlich noch nie gesehen. Kann aber auch sein dass das in meiner Gegend speziell (Süd-Guangdong) so ist und nicht in ganz China. Wie schon gesagt, es geht nicht allgemein um Sicherheit sondern um aggressives Verhalten am Steuer. Und da finde ich sind die Deutschen schlimmer.
So ähnlich meinte ich das auch. In China herrscht zwar das Chaos und man wird von keinem mal netterweise rein, vorbei, ... gelassen. Aber ich hatte auf der Autobahn oder der Landstraße nie das Gefühl bedrängt zu werden. Das geht mir mittlerweile in Bayern und BW wirklich sehr auf die Nerven, besonders auf der Landstraße (und ich gehöre definitiv nicht zu den Schleichern)!
Dass die Leute auf der Autobahn auf der Überholspur für einen abbremsen erlebe ich selten bzw. erwarte ich auch nicht. Ich will nicht ständig den schnelleren Verkehr auf der linken Spur ausbremsen und dadurch den Verkehr blockieren und warte einfach oft bis keiner kommt/weit genug weg ist. Manchmal gehts aber einfach nicht anders und dann fahren die Leute wieder bis zur Stoßstange auf.

Allen ne gute und sichere Fahrt! :P

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Re: Aggressivität im deutschen Straßenverkehr

Beitrag von obiwan » 28.06.2017, 16:41

Das schönste ist ja, wenn man mit so ner Mietkarre, nach jahrelangem Autofahrt in China dann mal wieder in D Land unterwegs ist, und eigentlich ganz vergisst das man ja nicht in China ist....

Autobahn, links ueberholen, na und...! (warum nervt ihr euch alle?!)
An Kreuzungen bei grüner Ampel trotzdem zögerlich vorwerts (sicher is sicher!)
Abends, auch ohne Licht, (blendet nich so), oder nachts Dann natürlich nur mit Vollblende (machen ja eh alle)
Am Zebrastreifen nichts wie durch! (die da rumstehenden, laufen eh nich los, auch wenn man 2 min steht und winkt!)
Solange es platz fuers Auto hat, kann man durch, auch wenns nur eine Art Wanderweg ist (war da eine Schranke - ach ja, haben wir hochgemacht..)
Am besten also einfach immer hupen - mit Licht und Ton! (oops... strafbar!?)

Muss man schon aufpassen, das man sich da wieder etwas einfuegt ;-)
Better regret something you have done, than regret something u haven't done!

LaoMatse
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Re: Aggressivität im deutschen Straßenverkehr

Beitrag von LaoMatse » 28.06.2017, 17:51

Hahaha.....ich verstehe Dich nur zu gut, obiwan. Bei mir klappt das mittlerweile recht gut. Ausser: die Sache mit dem rechts ueberholen. Das wird mir immer dann wieder bewusst, wenn sich mein deutscher Beifahrer festklammert. Kennst Du das auch? Eine Hand am Sitz, die andere am Griff rechts oben. ;-)

badischer Barde
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Re: Aggressivität im deutschen Straßenverkehr

Beitrag von badischer Barde » 21.09.2017, 15:27

hmm...

In China musste ich bisher noch nie selber autofahren, fahre da aber auch ungern mit anderen mit, wenn ich stattdessen die U-Bahn nehmen kann. Mit dem Rad macht es jedenfalls keinen Spaß, ausser auf einer Handvoll Strecken am Fluß entlang oder mit abgetrennten Fahrradspuren, die nicht permanent von PKW und LKW mitgenutzt werden können.

Wird in D allerdings auch immer schlimmer. Es blinken vielleicht noch 30% beim ausfahren aus dem Kreisverkehr. Die restlichen 70% können anscheinend gut damit leben, dass die anderen auf Null runterbremsen und warten, nur um zuzugucken wie der, auf den sie warten vor ihnen rausfährt.
Und auf der Autobahn? LKW bei knapp 100 auf der rechten Spur, Raser mit um die 200 auf der linken Spur, und der vernünftige Fahrer mit Autobahnrichtgeschwindigkeit (130) irgendwie dazwischen.
Natürlich fahren alle so dicht auf, dass man kaum dazwischenkommt.
Also fahre ich dann auch mal hundert Meter vor dem LKW auf die linke Spur, wenn sich die Gelegenheit bietet. Finden die Raser dann zwar nicht so gut, und machen das durch gefährlich dichtes Auffahren und Getue sehr deutlich, finde ich aber besser als die Version, die sich viele Kleinwagenfahrer angewöhnt haben: Bis ganz dicht an den LKW ran, und dann ohne zu gucken nach links.
Ich bin ja gerne bereit für Kleinere vom Gas zu gehen und Platz zu machen. Aber alle 30 km eine Vollbremsung, weil die Fahrer nicht die Eier haben rechtzeitig auf die linke Spur zu fahren und halt ein paar Sekunden die drängelnden Audifahrer zu ignorieren ist etwas viel verlangt.
Von den Handytippern will ich gar nicht erst anfangen. 2,5t SUV, Fahrerin Typ Berufsehefrau und Powershopper, Augen über mehrere Sekunden auf dem Display. Da versteht man auf einmal, warum die Fahrzeuge immer größer und schwerer werden. Im Golf will ich der nicht in die Quere kommen.

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Re: Aggressivität im deutschen Straßenverkehr

Beitrag von Canbai » 21.09.2017, 18:07

Der Straßenverkehr in Deutschland ist geordnet und zivilisiert - im Gegensatz zur Türkei, wo ich einige Zeit lang gelebt habe. Dort gehts wirklich zur Sache: Rote Ampeln werden missachtet, aggressive, ungeduldige Autofahrer, die auf Streit aus sind, Autofahrer in der Einbahnstraße (entgegengesetzte Richtung) und enge Gassen, Fußgänger auf den Straßen und und und... Wenn man aus dieser Hölle wieder zurück nach Deutschland kommt, fühlt man sich wie im siebten Himmel in dieser Hinsicht.

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