Chinesische Studentin in Dessau vermisst

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ingo_001
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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von ingo_001 » 04.04.2017, 22:52

otternase hat geschrieben:Bei alledem ist natürlich die Frage zu stellen, wieso jemand mit diesem Profil nicht schon lange zum Schutz der Gesellschaft weggesperrt worden ist aufgrund vorangehender Straftaten? Wer hat da gepennt oder die Augen vor der Wahrheit verschlossen? Hätten die Therapeuten in der Kinder- und Jugendpsychatrie zuvor nicht tätig werden müssen?
Nicht gepennt.
Mama und Stiefvater hatten ihn protegiert und so seine weitere kriminelle Karriere m.E. überhaupt erst ermöglicht - zumindest aber diese stark begünstigt.

Wenn man nicht Willens und/oder in der Lage ist dem eigenen Kind die Gos und absoluten NoGos mit auf dem Weg zu geben - aller spätestens nach der ersten Straftat, dann hat man als Eltern eine nicht geringe Mitschuld an den Folgen dieser Fehlleistung.

Mag hart klingen - ändert aber Nichts an diesem Fakt.

Bevor ich es vergesse: Auch von mir ein dickes Danke für die Updates.
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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 05.04.2017, 16:44

@ingo_001

stimmt einerseits, andererseits sehe ich das etwas differenzierter:
- der Stiefvater ist erst ungefähr zu dem Zeitpunkt zu der Familie zugestossen, als der Junge volljährig wurde und aus der Wohnung der Mutter auszog. Er hatte vermutlich weder die Position noch den hinreichenden Einblick, da viel auszurichten.
- der Mutter muss man zugutehalten, dass sie eben als Mutter die eigene Brut schützen wollte, was irgendwie in der Natur des Menschen oder eigentlich jedes Lebewesens liegt. Dass sich diese ihre Prioritätensetzung mit ihrer Beschäftigung nicht verträgt, ist klar, deshalb sollte sie auch dauerhaft aus dem Dienst entfernt werden, aber ein strafrechtlich oder sogar nur ethisch grundsätzlich verwerfliches Verhalten sehe ich da nicht zwingend. Sie hat immerhin bis zur Volljährigkeit des Jungen sich auch darum bemüht, ihn therapieren zu lassen, er wurde auf ihren Wunsch in der KuJ-Psychatrie untergebracht
- viel schlimmer finde ich, dass offenbar dritte Unabhängige von der Sache wussten, sich aber nicht gerührt haben! Der Junge war vier Jahre on-off in der Kinder- und Jugendpsychatrie, ab Volljährigkeit konnte dies nicht mehr gegen seinen Willen geschehen und endete damit. Bei dieser Vorgeschichte und den bereits zuvor geschehenen Straftaten kombiniert mit seiner Ablehnung, die Therapie fortzusetzen, hätten da Massnahmen ergriffen werden müssen, um den Schutz der Gesellschaft zu gewährleisten.
- auch das Jugendamt war spätestens involviert, als er mit Xenia zusammenzog (da sie als minderjährige Mutter vom Jugendamt betreut worden sein muss), und hätte allerspätestens nach dem Tod des gemeinsamen Kindes aktiv werden müssen, hat die Sache aber offenbar sehr locker genommen...
- noch schwerwiegender finde ich, dass die stattgefundenen offensichtlichen Protegierungen durch die Mutter (eine hat sie ja selbst im Interview genannt) nicht zu Untersuchungen zur Compliance in der Polizei geführt haben. Das ist ein strukturelles Problem und bedeutet, dass es mehr solche Fälle, auch in Zukunft geben kann...
- und am Schlimmsten finde ich, dass der Oberstaatsanwalt Bittmann sich anfänglich schützend hingestellt hat, nur aus CDU-Partei- und möglicherweise auch persönlicher Freundschaft zum Stiefvater! Und daraus keine Konsequenzen ziehen musste!

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von ingo_001 » 05.04.2017, 20:51

otternase hat geschrieben:@ingo_001

stimmt einerseits, andererseits sehe ich das etwas differenzierter:
- der Stiefvater ist erst ungefähr zu dem Zeitpunkt zu der Familie zugestossen, als der Junge volljährig wurde und aus der Wohnung der Mutter auszog. Er hatte vermutlich weder die Position noch den hinreichenden Einblick, da viel auszurichten.
Lassen wir mal seine Position außer Acht.
Aber nicht zu wissen, was sein Stief-Filius auf dem Kerbholz hat - das halte ich für höchst unrealistisch. Gerade wenn das:
otternase hat geschrieben:- der Mutter muss man zugutehalten, dass sie eben als Mutter die eigene Brut schützen wollte,
zutrifft, wovon auch ich ausgehe.
Aber ALLES hat seine Grenzen.
Und die waren spätestens mit seiner ersten Vergewaltigung nicht nur erreicht, sondern eindeutig überschritten.
Dass das damalige Opfer diese nicht angezeigt hatte, ist irrelevant.
Der Fakt als Solches ist (Mutterliebe hin oder her) inakzeptabel und unentschuldbar.
otternase hat geschrieben: was irgendwie in der Natur des Menschen oder eigentlich jedes Lebewesens liegt.
Der Vergleich hinkt, denn exklusive einiger Primatenarten, Hunden und Katzen, ist das Verhalten von Tieren komplett instinktgesteuert.
otternase hat geschrieben:Dass sich diese ihre Prioritätensetzung mit ihrer Beschäftigung nicht verträgt, ist klar, deshalb sollte sie auch dauerhaft aus dem Dienst entfernt werden, aber ein strafrechtlich oder sogar nur ethisch grundsätzlich verwerfliches Verhalten sehe ich da nicht zwingend. Sie hat immerhin bis zur Volljährigkeit des Jungen sich auch darum bemüht, ihn therapieren zu lassen, er wurde auf ihren Wunsch in der KuJ-Psychatrie untergebracht.
Letzteres geschah doch aber erst, als das Kind schon in den Brunnen gefallen war - nachdem er Straftaten begangen hatte, die sich mangels Intervention der Mutter bzw. daraus fehlender Info an die Justiz stetig quantitativ steigerten.
otternase hat geschrieben:- viel schlimmer finde ich, dass offenbar dritte Unabhängige von der Sache wussten, sich aber nicht gerührt haben! Der Junge war vier Jahre on-off in der Kinder- und Jugendpsychatrie, ab Volljährigkeit konnte dies nicht mehr gegen seinen Willen geschehen und endete damit. Bei dieser Vorgeschichte und den bereits zuvor geschehenen Straftaten kombiniert mit seiner Ablehnung, die Therapie fortzusetzen, hätten da Massnahmen ergriffen werden müssen, um den Schutz der Gesellschaft zu gewährleisten.
Nun, die Dritten können natürlich nur effektiv tätig werden, wenn Mama die KOMPLETTE Background-Infos liefert - was sie aber nicht getan hatte.
otternase hat geschrieben:- auch das Jugendamt war spätestens involviert, als er mit Xenia zusammenzog (da sie als minderjährige Mutter vom Jugendamt betreut worden sein muss), und hätte allerspätestens nach dem Tod des gemeinsamen Kindes aktiv werden müssen, hat die Sache aber offenbar sehr locker genommen...
Wie gesagt: Wenn Mama nur das unbedingt Nötigste/Offensichtliche preis gibt, kann da nicht viel gemacht werden - schon gar nicht das, was NÖTIG gewesen wäre. Deshalb unterschreibe ich das:
otternase hat geschrieben:- noch schwerwiegender finde ich, dass die stattgefundenen offensichtlichen Protegierungen durch die Mutter (eine hat sie ja selbst im Interview genannt) nicht zu Untersuchungen zur Compliance in der Polizei geführt haben. Das ist ein strukturelles Problem und bedeutet, dass es mehr solche Fälle, auch in Zukunft geben kann...
Nicht kann, sondern wird.
otternase hat geschrieben:- und am Schlimmsten finde ich, dass der Oberstaatsanwalt Bittmann sich anfänglich schützend hingestellt hat, nur aus CDU-Partei- und möglicherweise auch persönlicher Freundschaft zum Stiefvater! Und daraus keine Konsequenzen ziehen musste!
Tja, das hatte ich ja gleich zu Anfang gesagt, als er m.E. vorsätzlich einerseits die Behauptung der Verdächtigen zum Besten gab - andererseits aber von angesehenen Berufen von dessen Eltern sprach.

Protektion + braver Partei-Soldat = Absolut ungeeignet für diese Position.

Was ich in Bezug auf Integrität und reiner Menschlichkeit von diesem "Prachtexemplar" halte ...

Das habe ich (glaube ich) schon geschrieben.
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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 05.04.2017, 22:09

Letzteres geschah doch aber erst, als das Kind schon in den Brunnen gefallen war - nachdem er Straftaten begangen hatte, die sich mangels Intervention der Mutter bzw. daraus fehlender Info an die Justiz stetig quantitativ steigerten.
ich weiss jetzt nicht sicher, ob Du da auf dem richtigen Kenntnisstand bist? Der Junge war bereits, auf Veranlassung seiner Mutter, als Kind in psychatrischer Behandlung, nach dem von ihm im Alter von 13 Jahren (also in strafunmündigem Alter) begangenen sexuellem Missbrauch an einem Verwandten kam er in die Kinder- und Jugendpsychatrie Merseburg-Naumburg, wo er einen großen Teil der folgenden vier Jahre bis zu seiner Volljährigkeit verbrachte, dies auch auf Veranlassung der Erziehungsberechtigten. Die Therapie wurde abgebrochen, als er volljährig wurde und daher die Mutter ihn nicht mehr gegen seinen Willen in Therapie geben konnte.
Sie hat ihn mindestens einmal, wahrscheinlich sogar sehr oft, vor strafrechtlichen Konsequenzen geschützt, aber dass sie komplett tatenlos zugesehen hätte, stimmt so auch wieder nicht. Sie wird, wie es Eltern ja immer tun, das beste gehofft haben, gehofft haben, dass die therapeutische Behandlung ihrem Sohn helfen würde. Vielleicht hat sie sogar selbst geglaubt, sich selbst belogen, dass die Therapie helfen würde.
Seine Ärzte hingegen hätten es besser wissen können und müssen und entsprechende Konsequenzen einleiten müssen! Aber vermutlich wollte sich da keiner einen Therapiemisserfolg eingestehen, gar eingestehen, dass da ein Patient vor ihnen stand, bei dem ihre Kunst überfordert ist.
Aber nicht zu wissen, was sein Stief-Filius auf dem Kerbholz hat - das halte ich für höchst unrealistisch.
Dazu sollte man vielleicht etwas zum familiären Hintergrund des Stiefvaters wissen: früher war dieser schonmal verheiratet, ebenfalls mit einer Polizistin, die in auch in Halle auf der gleichen Dienststelle arbeitete, auf der er damals arbeitete. Diese Frau liess sich von ihm scheiden und ging unmittelbar anschliessend (oder vielleicht schon zuvor) eine Beziehung mit einem anderen Kollegen, ebenfalls auf gleicher Dienststelle(!), ein (also eine ménage à trois am Arbeitsplatz, bei dem er die Rolle des Gehörnten zugewiesen bekam)!
Worauf er dann seine Versetzung auf eine andere Dienststelle anstrebte und so nach Dessau kam. Erst dort kam er der Mutter des Angeklagten hier näher und zog später mit ihr zusammen und heiratete diese.
Ich kann mir daraus durchaus ableiten, könnte es gut verstehen, wenn er angesichts dieser eigenen Vorgeschichte vor den Problemen mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits fast volljährigen Stief-Filius die Augen verschlossen hat, solange diese ihn selbst nicht berührten. Ich würde vermuten, dass er mit dem nichts zu tun haben wollte, sich schon gar nicht zu diesem informiert hat und solange der "Junge" fernblieb, seine Frau sich um den "Jungen" kümmerte und Probleme mit diesem von ihm fernhielt, war ihm das nur recht.

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von ingo_001 » 05.04.2017, 23:09

otternase hat geschrieben:
Letzteres geschah doch aber erst, als das Kind schon in den Brunnen gefallen war - nachdem er Straftaten begangen hatte, die sich mangels Intervention der Mutter bzw. daraus fehlender Info an die Justiz stetig quantitativ steigerten.
ich weiss jetzt nicht sicher, ob Du da auf dem richtigen Kenntnisstand bist? Der Junge war bereits, auf Veranlassung seiner Mutter, als Kind in psychatrischer Behandlung, nach dem von ihm im Alter von 13 Jahren (also in strafunmündigem Alter) begangenen sexuellem Missbrauch an einem Verwandten kam er in die Kinder- und Jugendpsychatrie Merseburg-Naumburg, wo er einen großen Teil der folgenden vier Jahre bis zu seiner Volljährigkeit verbrachte, dies auch auf Veranlassung der Erziehungsberechtigten. Die Therapie wurde abgebrochen, als er volljährig wurde und daher die Mutter ihn nicht mehr gegen seinen Willen in Therapie geben konnte.
Sie hat ihn mindestens einmal, wahrscheinlich sogar sehr oft, vor strafrechtlichen Konsequenzen geschützt, aber dass sie komplett tatenlos zugesehen hätte, stimmt so auch wieder nicht. Sie wird, wie es Eltern ja immer tun, das beste gehofft haben, gehofft haben, dass die therapeutische Behandlung ihrem Sohn helfen würde. Vielleicht hat sie sogar selbst geglaubt, sich selbst belogen, dass die Therapie helfen würde.
Seine Ärzte hingegen hätten es besser wissen können und müssen und entsprechende Konsequenzen einleiten müssen! Aber vermutlich wollte sich da keiner einen Therapiemisserfolg eingestehen, gar eingestehen, dass da ein Patient vor ihnen stand, bei dem ihre Kunst überfordert ist.
Tja, da frag ich mich doch, wie es sein kann, dass er mit 14 Jahren trotz Therapie weitere Straftaten begehen konnte, ohne dass das entsprechend sanktioniert wurde.
Einen Großteil in der Jugendpsychatrie verbracht ...
Und im nicht größerem Teil hat er dann durch Begehung weiterer Straftaten, gezeigt, was er davon hält ...
Aber nicht zu wissen, was sein Stief-Filius auf dem Kerbholz hat - das halte ich für höchst unrealistisch.
otternase hat geschrieben:Dazu sollte man vielleicht etwas zum familiären Hintergrund des Stiefvaters wissen: früher war dieser schonmal verheiratet, ebenfalls mit einer Polizistin, die in auch in Halle auf der gleichen Dienststelle arbeitete, auf der er damals arbeitete. Diese Frau liess sich von ihm scheiden und ging unmittelbar anschliessend (oder vielleicht schon zuvor) eine Beziehung mit einem anderen Kollegen, ebenfalls auf gleicher Dienststelle(!), ein (also eine ménage à trois am Arbeitsplatz, bei dem er die Rolle des Gehörnten zugewiesen bekam)!
Worauf er dann seine Versetzung auf eine andere Dienststelle anstrebte und so nach Dessau kam. Erst dort kam er der Mutter des Angeklagten hier näher und zog später mit ihr zusammen und heiratete diese.
Ich kann mir daraus durchaus ableiten, könnte es gut verstehen, wenn er angesichts dieser eigenen Vorgeschichte vor den Problemen mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits fast volljährigen Stief-Filius die Augen verschlossen hat, solange diese ihn selbst nicht berührten. Ich würde vermuten, dass er mit dem nichts zu tun haben wollte, sich schon gar nicht zu diesem informiert hat und solange der "Junge" fernblieb, seine Frau sich um den "Jungen" kümmerte und Probleme mit diesem von ihm fernhielt, war ihm das nur recht.
Ich würde vermuten, dass Mama (wie auch immer) versucht hat so auf ihn einzuwirken, dass ihr Sohn noch besser protegiert werden konnte.
Frei nach dem Motto: "Wenn du mich liebst, dann machst Du das bzw. macht Du das nicht.".
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 06.04.2017, 16:29

ingo_001 hat geschrieben:Tja, da frag ich mich doch, wie es sein kann, dass er mit 14 Jahren trotz Therapie weitere Straftaten begehen konnte, ohne dass das entsprechend sanktioniert wurde.
Einen Großteil in der Jugendpsychatrie verbracht ...
Und im nicht größerem Teil hat er dann durch Begehung weiterer Straftaten, gezeigt, was er davon hält ...
und da genau stellt sich die Frage, warum die Ärzte, die professionell mit ihm gearbeitet haben, nicht vorher wissen konnten oder wollten, um was für einen Typ es sich dort handelte und nicht die geeigneten Massnahmen ergriffen haben!
Das ist immerhin deren Job. Daher sehe ich bei denen auch moralisch eine viel größere Schuld als bei der Mutter!
ingo_001 hat geschrieben: Ich würde vermuten, dass Mama (wie auch immer) versucht hat so auf ihn einzuwirken, dass ihr Sohn noch besser protegiert werden konnte.
Frei nach dem Motto: "Wenn du mich liebst, dann machst Du das bzw. macht Du das nicht.".
sie hat die ersten 18 Jahre den Sohn ohne Mithilfe des Stiefvaters protegiert, ich glaube nicht, dass sie ihn dafür "nötig" hatte, dass er etwas für sie dazu tun musste. Eher denke ich, dass sie so ihren "Stand" verfestigt hat und leichter selbst tätig werden konnte. Dies müsste der Stiefvater zwar sicher geahnt haben, aber er muss es nicht zwingend gewusst haben. Wenn er einfach die Augen verschlossen hat...?

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von Yanzi » 06.04.2017, 18:33

Er wiederholte die 1. KLasse in der Grundschule Ziebigk, allerdings wehrte er sich gegen eine Lehrerin und erhielt daraufhin seine 1. Einweisung nach Bernburg für 3 Monate. (Kinderknast)
Mit 14 Jahren kam er mitnichten in Therapie!
Er war erst 2012 für nicht mal drei Monate in in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Merseburg, nachdem er eine Lehrerin der Förderschule in Pretzsch tätlich angegriffen hatte. Entgegen der Empfehlung der Fachärzte erreichte Mutti seine frühere Entlassung.
Obwohl die richterliche Vernehmung seinem ersten Opfer, seinem 7 Jahre jüngeren Halbbruder, 100 % Glaubwürdigkeit attestierte, sogar von seiner Anwältin konzediert, hat die Mutter seine Version übernommen und alles abgestritten. Auf diese Anzeige hin erfolgte genau: NICHTS.
Zu dieser Zeit allerdings kannte der Stiefvater bereits die Kindsmutter! Aber wer sagt denn, dass sie ihm gegenüber immer ehrlich ist? Nur wenn es ihr nützt!
Bei der Therapie ist es leider so, wenn sie nicht vom Jugendamt bzw. Gericht angeordnet und das auch überwacht wird, kann sie nur helfen, wenn es auch eine entsprechende Einsicht und Bereitschaft dazu gibt.
Aber die fehlt ja hauptsächlich auch der Mutti. Ein paar Pillen und viel Fernsehen, später eben Internet und Hauptsache das Kind stört nicht, denn es war ja sowieso nur Mittel zum Zweck: Nicht zur kasernierten Bereitschaftspolizei zu muessen...
Die Hallenser Gutachterin 2010 hat ihn leider nicht durchschaut!
Ich bin sehr zufrieden mit diesem Gutachten von Herrn Langer.
Wenn die Begriffe sich verwirren, ist die Welt in Unordnung. (Konfuzius)

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 02.05.2017, 23:17

Mordfall Yangjie Li Stiefvater des Hauptangeklagten kehrt zurück in Polizeidienst – Quelle: http://www.mz-web.de/26831506 ©2017
Der frühere Leiter des Dessauer Polizeireviers kehrt im Juni zurück in die Polizeidirektion Ost. Der 53-Jährige war 2016 im Zusammenhang mit dem Mordfall Yangjie Li suspendiert worden und bei Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) in Ungnade gefallen.
Gegen seine Versetzung an die Fachhochschule der Polizei hatte der Stiefvater des Hauptangeklagten im Mordprozess Yangjie Li erfolgreich geklagt. Die Dienstgeschäfte waren ihm untersagt worden, weil er bei der Eröffnung einer Gartenkneipe seiner Frau am Tag nach der Trauerfeier für die getötete chinesische Studentin dabei war.
Der Artikel sagt nicht darüber aus, in welcher Funktion er eingesetzt werden wird.
Meine Einschätzung aus der Stimmung in Dessau: im Interesse der Bürger, seiner Kollegen, aber insbesondere auch in seinem eigenen Interesse kann man nur hoffen, dass es eine Tätigkeit ohne jede Berührung mit der Öffentlichkeit und ohne personelle Führungsaufgaben ist! Und eine Tätigkeit, die absolut keinerlei Chance zu Vertuschungen oder Mauscheleien erlaubt, sonst wird die Gerüchteküche bei der kleinsten Unregelmäßigkeit sich sofort auf ihn stürzen und in einer Weise, gegenüber der alles bislang absolut harmlos war!

Zugutehalten muss man ihm, dass er sich im Gegensatz zu seiner Frau, der Mutter des Angeklagten nicht vor dem Auftritt als Zeuge gedrückt hat, dass er auch nicht von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hat, dass er mit seiner Aussage auch seinen Stiefsohn weiter belastet hat. Und sowieso, dass er erst spät zu der Familie dazukam, als die negative Entwicklung seines Stiefsohns zum Kriminiellen bereits abgeschlossen war und sowohl nach eigener Aussage, aber auch angesichts allen Wissens rundum heute wohl wenig Kontakt und keinen Einfluß auf seinen Stiefsohn hatte.

Gleichzeitig zu bedenken ist aber auch, dass er nachgewiesenermassen im Interview in der MZ gelogen hat zu den Umständen des Umzuges, dass er in seiner Zeugenaussage immer da, wo es um die Rolle seiner Frau in der Zeit zwischen dem Mord und der Eröffnung der Kneipe ging, Gedächnislücken aufführte, also offenbar noch immer keine Bereitschaft zur vollumfänglichen Aufklärung mitbringt. Und dass er bis heute gemäß seiner Aussage als Zeuge noch immer nicht begriffen hat, warum die Kneipeneröffnung so unmöglich war!

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 04.05.2017, 22:04

TERMINHINWEIS

Gedenkfeier am Freitag, 12. Mai (Jahrestag des Mordes), 14 Uhr auf dem Dessauer Seminarplatz

Hochschule Anhalt Gedenkfeier für ermordete Yangjie Li geplant – Quelle: http://www.mz-web.de/26843302 ©2017
Ein Jahr nach dem grausamen Mord an Yangjie Li plant die Hochschule Anhalt auf dem Campus am Dessauer Seminarplatz in der kommenden Woche eine Gedenkfeier für die chinesische Studentin. Dort werden am Freitag, 12. Mai, 14 Uhr, Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), Dessau-Roßlaus Oberbürgermeister Peter Kuras (FDP), Hochschul-Präsident Jörg Bagdahn sowie Qinghua Zhao, Gesandter Botschaftsrat von der Konsularabteilung der chinesischen Botschaft sprechen.

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 12.05.2017, 16:13

zum Jahrestag des Mordes fand heute eine Gedenkveranstaltung statt, bei der unter anderem der Ministerpräsident des Landes Sachsen Anhalt sprach:

Gedenken an Yangjie Li Hunderte trauern an einem Strauch weißer Rosen – Quelle: http://www.mz-web.de/26888542 ©2017

Leider habe ich selbst nicht teilnehmen können, mich hat es derzeit beruflich eine hundert Kilometer weiter nach Norden verschlagen...

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 12.05.2017, 20:48

die Eltern des Opfers haben einen offenen Brief geschrieben, der im Wortlaut von der MZ abgedruckt wurde:

Gedenkfeier für Yangjie Li Eltern schreiben bewegenden Brief an ihre tote Tochter – Quelle: http://www.mz-web.de/26892270 ©2017

Darin erheben sie schwere Vorwürfe gegen den OStA Bittmann, am Rande auch gegen die Eltern des Angeklagten, aber insbesondere kritisieren sie den allgemeinen Umgang mit Opfern und Angehörigen von Opfern von Straftaten in Deutschland:
Aber dieser Schmerz reichte nicht. Obwohl damals schon genug Beweise gegen die Behauptungen der mutmaßlichen Mörder vorlagen, wiederholte der Oberstaatsanwalt Bittmann mehrfach stumpf und ausschließlich die Lügen der Mörder in einer Pressekonferenz.

Für Yangjies Unschuld hatte er keinen Satz übrig. Wir waren fassungslos. Ein weiterer tiefer Schlag für uns. Die Medien und die Öffentlichkeit wurden dadurch in die Irre geführt und verblendet.

Wir akzeptieren nicht, dass dein Ruf sogar nach deinem Tod zu Unrecht geschändet wird. Wir setzten uns für dich zur Wehr und schrieben etliche Beschwerdebriefe an die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, an die Justizminister Anne-Marie Keding mit Durchschlag an die chinesische Botschaft.

Aber als Abweisung unserer Beschwerde zitierte der Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad uns einige Passagen aus dem deutschen Gesetzbuch. Er wollte uns beweisen, dass der Oberstaatsanwalt gegen kein geltendes Gesetz verstoßen hätte. In seiner Antwort bezieht er sich auf die Pflicht, der Öffentlichkeit eine ausgewogene Darstellung geben zu müssen. Aber genau die gab es nicht. Sein Schreiben stellt keine Gerechtigkeit wieder her.

Es gibt ethische Normen, aber wo sind hier diese? Der Generalstaatsanwalt verweist auf die Presse als Verursacher und bezieht sich auf das Grundrecht der Pressefreiheit. Sie sei schuld und es sei nicht verboten.

Aber nicht die Medien, sondern der Oberstaatsanwalt hat die verunglimpfende Darstellung des Mordfalls in die Öffentlichkeit gebracht. Er wollte erklären, es sei normal, dass in Deutschland die Opfer beschädigt würden. Aber der Generalstaatsanwalt wendet das Recht der Meinungsäußerung einseitig auf die Oberstaatsanwaltschaft an, also nur das Recht der mutmaßlichen Mörder. Er hätte diese Lügen nicht verbreiten dürfen.

In China haben wir eine Kultur, die sich des Trauernden annimmt. Wenn ein schreckliches Verbrechen von einem Familienmitglied begangen wird, schämen wir uns dafür. In Deutschland feiern stattdessen die Eltern der mutmaßlichen Mörder, der Dessauer Polizeichef und seine Frau, eine ausgelassene Party. Sie ignorieren selbst ihr eigenes Kind, das gerade ins Gefängnis gegangen ist.

Wir haben deine Asche auf dem Schoß und sehen sie auf Youtube schunkeln. Ein deutsches Verwaltungsgericht findet das gut und spricht sie von jeglichen Vorwürfen frei. Wir verstehen das bis heute nicht.
Das sind gute und richtige und wichtige Gedanken, die sicher auch das erfassen, was viele Menschen in Deutschland, nicht nur in Bezug auf diesen konkreten Fall, sondern ganz allgemein zum Umgang der Justiz mit Opfern und Angehörigen von Opfern von schweren Straftaten denken. Dort ist in den letzten Jahrzehnten etwas aus dem Lot geraten und schreit inzwischen in unerträglicher Weise nach Reformen.

Es ist beschämend, dass in Deutschland nur die Parteien am und jenseits des extremen rechten Randes die Notwendigkeit für solche Reformen erkannt haben (und es sind große Zweifel angebracht, ob diese Parteien, hätten sie denn wirklich die Möglichkeit diese Forderungen umzusetzen, auch willens und fähig dazu wären...)

Der Brief der Eltern schliesst gleichzeitig dann doch mit hoffnungsvollen Worten und dem Ausdruck eines Vertrauens in den Rechtsstaat.
Deutschland ist für uns ein Land der Rechtsstaatlichkeit und deshalb glauben wir, dass es nicht so leicht sein wird, dass manche Menschen so einfach das Gesetz manipulieren können. Nach den Angaben der Medien und die des Rechtsanwalts ist die Beweisaufnahme im Wesentlichen abgeschlossen.

Nun muss das Gericht den Fokus auf die Mörder verschärfen und schnellstmöglich die härteste Strafe nach dem Gesetz fällen.

Und bitte, bitte, lassen Sie unsere Tochter ein Stück weit Gerechtigkeit widerfahren und stellen Sie ihre Unschuld wieder her.
Man kann nur hoffen, dass dieses Vertrauen und diese Hoffnung nicht enttäuscht werden. Wetten möchte ich darauf allerdings nicht... Mein Vertrauen ist da deutlich schwächer!

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von ingo_001 » 13.05.2017, 01:17

otternase hat geschrieben:Man kann nur hoffen, dass dieses Vertrauen und diese Hoffnung nicht enttäuscht werden. Wetten möchte ich darauf allerdings nicht... Mein Vertrauen ist da deutlich schwächer!
In D. ist es so, dass dem Mörder mitunter mehr Aufmerksamkeit und Hilfe zuteil wird (in Hoffnung auf dessen Resozialisation) als den Hinterbliebenen - traurig aber wahr.
Und in Fällen wie diesen kommt dann noch zur Mutterliebe (die durch Nicht-Wahr-Haben-Wollen der Tatsachen -> 1. Vergewaltigungsfall + vorheriger Straftaten diesen Mord m.E. maßgeblich mit begünstigt hat), falsch verstandener Korps-Geist bei Polizei und Justiz und last but not least öffentl. vorsätzliche Verunglimpfung des Opfers bei gleichzeitiger weit weniger Mitteilungsbedürfnis auf den familiären Background des Hauptverdächtigen.

Ich wiederhole mich: OStA Bittmann ist m.E. eine krasse Fehlbesetzung.
Das trifft sowohl auf seine Berufsauffassung zu als auch auf sein offensichtlich nicht vorhandenen Anstand.
Integer? Komplette Fehlanzeige.
Von Moral, wie ich sie verstehe, rede ich erst gar nicht ...

Aber wer den Korps-Geist und die Karriere als braver Partei-Soldat als Primat seines Handelns definiert hat, den stören solche "Kleinigkeiten" nur ... :roll:

Vertrauen muss man sich durch sein Handeln verdienen.
Und bis jetzt sehe ich noch Nichts, was dieses Vertrauen rechtfertigen könnte - ganz im Gegenteil.
Das kann nur durch ein adäquates Urteil hergestellt werden.
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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 13.05.2017, 14:56

Korps-Geist
da bin ich mir nicht ganz sicher.

Wenn der OStA die Eltern des Angeklagten, seinen Parteikollegen schützen wollte, so hat er das sehr ungeschickt gemacht. Natürlich gut möglich.
Ebenso könnte ich mir aber auch vorstellen, dass es ein geschicktes Manöver war, den Parteikollegen abzuschiessen! Möglicherweise innerhalb eines Postengeschachers und Machtspiels im Stadtrat oder an anderer politischer Stelle zugunsten eines von Bittmann favorisierten Dritten.

Erst durch die Betonung der Rolle der Mutter (die, wie sich rausstellte, gar nicht der Wahrheit entsprach, der Sohn war eben nicht Veranlassung der Mutter zur Polizei gegangen, sondern auf Vorladung durch die Polizei, welche nur von der Mutter übermittelt worden war) und ihres "ehrenvollen Berufes" ist der Fokus der Öffentlichkeit so schnell und massiv auf die Eltern gelenkt worden!
Und erst durch die Betonung des OStA Bittmann, er sehe "keine Ansatzpunkte für Ermittlungen gegen die Eltern", was dazu führte, dass die notwendigen Ermittlungen erst Wochen später auf Veranlassung des Generalstaatsanwalts dann von Magdeburg aus aufgenommen wurden, sind die Gerüchte um eine mögliche Vertuschung richtig angeheizt worden!
Der "Schutz" der Eltern durch den OStA Bittmann könnte daher auch so eine Art "Judaskuss" gewesen sein.
Bittmann selbst konnte ja nicht viel passieren, Grundmaterial von Staatsanwälten ist Teflon, "Es muss schon viel mehr passieren, damit einem Staatsanwalt etwas passiert" (Zitat aus dem Film 'Rosen für den Staatsanwalt').

Wenn es einen solchen Plan gab, muss man natürlich bemerken, dass die Eltern ihre Rolle darin in selbstschädigender Weise ideal erfüllt haben und bis heute ideal erfüllen. Aber wenn Bittmann die Eltern kannte, konnte er vielleicht schon voraussehen, dass sie sich genau so (fehl)verhalten würden, wenn sie erstmal ins Licht der Öffentlichkeit gerückt sind.

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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 23.05.2017, 13:30

  • die Verteidigung des männlichen Angeklagten hatte ja Mitarbeiter der JVA als Zeugen gewünscht, die bestätigen sollten, dass der Angeklagte sich im Gefängnisalltag positiv eingefunden habe, so ganz scheint das nicht geklappt zu haben:

    Mordprozess Yangjie Li JVA-Mitarbeiter: Sebastian F. sieht Anklage nur als Märchenbuch – Quelle: http://www.mz-web.de/26943566 ©2017
    Der ehemalige Leiter der Justizvollzugsanstalt beschrieb Sebastian F. vor dem Landgericht Dessau einerseits als angepasst und in der Wohngruppe integriert. Andererseits sei der Angeklagte aber auch aufbrausend. Es habe Disziplinarmaßnahmen gegeben.

    Zudem spiele sich Sebastian F. auf, wenn er vom Prozess erzähle. Die Anklageschrift sei ein Märchenbuch, habe der Angeklagte berichtet, Richter und Staatsanwaltschaft hätten keine Ahnung, die Anstaltsärztin hätte er extrem beschimpft.
    Das macht aus meiner Sicht deutlich, dass er nur unter scharfem externen Druck sich anpasst, aber in dem Moment, wo er nicht mehr unter diesem Druck wäre, sofort wieder zum Verbrecher würde...
  • der MDR hat zum gestrigen Verhandlungstag ausführlicher berichtet:

    So zeigt sich der Angeklagte im Gefängnisalltag - http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/dessau ... ag100.html

    Der langjährige Abteilungsleiter der Jugendanstalt Raßnitz betritt den Zeugenstand. Der grauhaarige Mann ist gerade in Pension gegangen, hatte zuvor aber regelmäßig mit dem 21-jährigen Sebastian F. zu tun. Er beschreibt ihn als schwierigen Häftling. Gerade in der Anfangszeit habe er sich unaufhörlich beschwert: die Gefängniskleidung sei schlecht, in der Zelle ziehe es, es gebe zu wenige Sportangebote, er werde von anderen Insassen beleidigt.

    Werde er selbst jedoch kritisiert, so der Zeuge, könne Sebastian F. schnell ausrasten. Dann brülle er übelste Schimpfworte. Wegen einer verbalen Attacke auf eine Krankenschwester und eine Ärztin, die seine Knieverletzung nicht ausreichend genug behandelt haben sollen, musste im Januar eine Disziplinarstrafe verhängt werden. Danach, so der Justizbeamte, habe sich der 21-Jährige reumütig gezeigt und sich entschuldigt. In den folgenden Wochen habe er sich in der Jugendanstalt aber auch als Selbstdarsteller präsentiert, wenn er seinen Mitgefangenen von den Prozessterminen erzählen sollte. Richter und Staatsanwälte würden nur "Mist" reden und die Anklageschrift sei ein "Märchenbuch", soll er in der Jugendanstalt herum getönt haben. In seiner Wohneinheit gehört Sebastian F. zu den ältesten Insassen. Mit einem jungen Mann verstehe er sich gut, von den anderen würde er gemieden werden.

    [...]

    Ein Gespräch mit ihm habe er als "Topfschlagen auf dem Minenfeld" empfunden. Er habe Sorge gehabt, dass Sebastian F. "austickt". Er habe an seine Eigensicherung denken müssen, sagte er. Körperliche Gewalt soll der Angeklagte aber zu keiner Zeit ausgeübt haben. Typisch für ihn seien Schimpftiraden.

    Die Beobachten der beiden Justizbeamten wurden vom psychiatrischen Sachverständigen, Dr. Bernd Langer, aufmerksam verfolgt. Sie seien in sich schlüssig, erklärte er danach vor Gericht. Dass der 21-Jährige aufbrausend auf Kritik reagiert und mit üblen Worten droht, könne man durchaus als Merkmal von Unreife sehen. Für ihn seien dagegen wichtige Merkmale einer Persönlichkeitsstörung erfüllt. Bei dem Anklagten, so der forensische Gutachter, "gebe es nur noch wenig Raum für erzieherische Einflussnahme". Im Fall einer Verurteilung wäre es somit angebracht, das Erwachsenenstrafrecht anzuwenden, erneuerte Dr. Langer seine Einschätzung zum Persönlichkeitsprofil des Angeklagten.
  • In der MZ gibt es heute noch eine neue Info:

    Mordprozess in Dessau Eltern von Yangjie Li fordern Schmerzensgeld – Quelle: http://www.mz-web.de/26951460 ©2017
    Im Mordprozess Yangjie Li hat die Nebenklage einen so genannten Adhäsionsantrag gestellt, das heißt, dass Sebastian F. und Xenia I. Schmerzensgeld an die Eltern der chinesischen Studentin zahlen müssen. Die Höhe soll im Ermessen das Gerichts liegen.

    Berücksichtigt werden soll nach Einschätzung des Anwalts allerdings die äußerste Brutalität, mit der die Tat begangen wurden. Vor dem Landgericht in Dessau zog die Nebenklage vergleichbare Fälle heran, bei denen das Schmerzensgeld bei 30.000 bis 60.000 Euro lag.
    Ob das System der Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen, wie man es aus China kennt, auch hier angewandt werden kann, halte ich für fraglich, auch wenn es sicher fair wäre.
  • Mordprozess Yangjie Li Urteil soll Anfang August fallen – Quelle: http://www.mz-web.de/26951958 ©2017
    Das Urteil im Mordprozess Yangjie Li soll am 4. August fallen. Das hat Richterin Uda Schmidt am Dienstag im Saal 118 des Landgerichts in Dessau bekanntgegeben.

    Staatsanwaltschaft und Nebenklage haben bis zum 31. Juli Zeit, ihr Plädoyer vorzubereiten. Die Verteidiger von Sebastian F. und Xenia I. sollen am 1. August ihr Abschlussplädoyer halten.
    irgendwann muss man natürlich zum Ende kommen, aber meiner Ansicht nach sind noch so viele Fragen offengeblieben und diverse Ansätze zur weiteren Aufklärung nicht verfolgt worden, dass ich diesen Abschluss für verfrüht halte.

    Da wären zB. die 49 zum Teil langen Telefonate zwischen Mutter und Sohn allein im Zeitraum zwischen Mord und Festnahme!
    Da wäre die ungeklärte Rolle der weiblichen Tatverdächtigen, ihr unvollständiges und offensichtlich geschöntes Teil"geständnis".
    Es wurde nicht versucht, die bei Google gespeicherten Daten abzufragen, obwohl diese wohl wesentlich geeignet gewesen wären, die Aussagen der weiblichen Angeklagten zu bestätigen oder zu widerlegen und damit ihre Rolle näher aufzuklären.

otternase
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Re: Chinesische Studentin in Dessau vermisst

Beitrag von otternase » 06.06.2017, 15:36

erstes Update:

Der Angeklagten sind schon mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
Im Prozess um die getötete Studentin Yangjie Li hat die Vorsitzende Richterin am Montag die Auszüge aus dem Bundeszentralregister verlesen. Der 31. Prozesstag war nach nicht einmal zehn Minuten beendet.

Beim Hauptangeklagten Sebastian F. gibt es demnach sechs Einträge ab 2010 bis 2016. Ein erstes Verfahren war angestrengt worden wegen Körperverletzung, weitere folgten wegen Sachbeschädigung und Erschleichens von Leistungen in mehreren Fällen.

Bestraft wurde der heute 21-Jährige aber nur einmal: Im Jahr 2016 wurde er wegen Sachbeschädigung, Beleidigung und Leistungserschleichung zu 60 Tagessätzen zu 10 Euro verurteilt. Seine ehemalige Partnerin Xenia I. hat drei Einträge. 2014 sah die Staatsanwaltschaft von einem Verfahren wegen Bedrohung ab.

Zweimal wurde ihr Leistungserschleichung vorgeworfen. Verurteilt wurde sie deshalb einmal im Jahr 2015 zu 20 Tagessätzen á 10 Euro. Die Verhandlung wird am 6. Juni fortgesetzt.
http://www.mz-web.de/dessau-rosslau/mor ... t-26982558

ein Verfahren wegen "Bedrohung" passt nun so gar nicht zu dem Bild, welches die weibliche Angeklagte dem Gericht vorzuspielen versucht, indem sie sich als "armes Opfer" der Gesellschaft inszeniert. Man kann nur hoffen, dass das Gericht diesem Schauspiel kein Glauben schenkt.

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