Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

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jadelixx
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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von jadelixx » 21.11.2019, 03:12

... Rassisten, Nazis, RAF, Geldwaesche, Terroristen und jetzt Kriegstreiberei. Du laesst auch nichts aus oder? Willst Du damit Master Xi vorweggreifen?

Scherz beiseite, bei dem "HK Human Rights and Democracy Act" handelt es sich eher um ein verstecktes Wirtschaftsprogramm fuer China.
https://docs.house.gov/meetings/FA/FA00 ... Amdt-1.pdf
Paragraph 7c)
"1) ASSET BLOCKING.—The President shall exercise all of the
powers granted to the President under the International Emergency
Economic Powers Act (50 U.S.C. 1701 et seq.) to the extent necessary to
block and prohibit all transactions in property and interests in property
of a foreign person identified in the report required under subsection
(a)(1) if such property and interests in property are in the United States,
come within the United States, or come within the possession or control
of a United States person"


Also jetzt mal raus aus dem USD, husch husch. Das Geld zu Hause anlegen und mithelfen den Yuan zu stabilisieren.
:idea: Ausgerechnet Trump soll es final unterschreiben. Eine fiesere Strafe haetten sich die Ami's gar nicht ausdenken koennen. :mrgreen:


Was gibts sonst noch so Neues:
Simon Cheng, den sie im Sommer geschnappt haben, wendet sich mit seiner Geschichte an die Medien.
https://www.bbc.com/news/world-asia-china-50457262

Und ist auch noch so "dreist", seine Verhaftung und das nachfolgende Prozedere inklusive Folter in einem detailierten Report ueber Social Media zu verbreiten.
https://www.facebook.com/notes/cheng-ma ... 950941845/
Alles Gute fuer ihn!

Muss man nicht glauben, man kann ja stattdessen auch an 1.2899 Milliarden glueckliche Chinesen glauben.
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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von ingo_001 » 21.11.2019, 16:49

War mal kurz weg - und was muss ich sehen?
Kontroverses Hin und Her ... so wie es sein soll.
So weit - so gut.

Aber m.E. scheinen einige hier die auschlaggebende (so sollte es jedenfalls sein) Ratio auszublenden oder gar zu negieren.
Statt dessen wird mit zweierlei Maß gemessen.
jadelixx hat geschrieben:
20.11.2019, 04:28
Zum einen sind hier natuerlich, mit wenigen Ausnahmen(z.B. Nr.5 lebt!), eher klassische China(Festland) Liebhaber versammelt und zum anderen ist das Thema fuer Viele gegessen, nach dem Motto "Wozu die Aufregung,
alle sind sich einig, das Hong Kong zu China gehoert." Bei den Chinafreunden geht es teilweise so weit, das sie die Sprachwahl der CCP komplett uebernehmen.
Natürlich sind sich alle einig, dass Hongkong (wieder) zu China gehört, denn es wurde von GB 1997 an China zurück gegeben, nachdem es zuvor vom Brit. Empire annektiert wurde, und bis 1997 brit Kron-Kolonie war.

Der jeweilige Gouverneur wurde von der brit. Regierung ERNANNT - nix von wegen freien Wahlen.
Und der vertrat dann auch die brit. Interessen - und nur die.

Hongkong, war für China in etwa das, was West-Berlin damals für die DDR war: Ein kapitalistischer Stachel.
Und da wurde eben auch entsprechend "gepampert".

"Nur" die weitere Entwicklung (nach der Rückgabe ans Mutterland) verlief anders.

Während die DDR bekanntlich das Zeitliche segnete, entwickelte sich China unerwartet rasant weiter.

Hongkong sieht sich mit einer unangenehmen Wahrheit konfrontiert:
Das chin. Ein-Parteien-System ist wirtschaftlich erfolgreicher - da beißt die Maus keinen Faden ab.

Und was die Finanzmärkte betrifft: Auch da dürfte mittelfristig die Bedeutung der Hongkonger Börse relativieren.

jadelixx hat geschrieben:
20.11.2019, 04:28
Zum Dritten mussten die meisten Deutschen nie um ihre Freiheit ringen. Es hat keinen Wert fuer sie.
Und auch hier nochmal das Beispiel DDR:

Die Proteste waren gewaltfrei.

Und das unter ungleich schwierigeren Verhältnissen, wenn man bedenkt, wie weit die StaSi damals der DDR-Gesellschaft durchdrungen hatte.
Und von der in der DDR stationierten Roten Armee der UdSSR rede ich erst gar nicht.
Wären damals Brandsätze geflogen, Steine geschmissen worden oder mit Pfeil und Bogen geschossen worden, da wäre ganz schnell Schluss mut "lustig" gewesen. Innerhalb von Stunden oder wenigen Tagen wäre alles (wie beim Arbeiteraufstand von 1953) vorbei gewesen.

Und gerade darum kann der Mut der damaligen FRIEDLICHEN Demonstranten gar nicht hoch genug gewürdigt werden.

Im Gegensatz dazu ist das, was ich da in Hongkong sehe eher mit den Protesten während des G-20-Gipfels in Hamburg zu vergleichen.

Wie schon gesagt wurde: Das Auslieferungsgesetz (zur Erinnerung: Der Grund der Anfangsproteste) ist ja vom Tisch.

Aber nein: "Uns" USA haut da mal wieder einen vom Schlag "USA rules the world" raus ...

Zitat: Der Kongress habe nun dafür gestimmt, "amerikanische Interessen zu schützen und China für sein Fehlverhalten zur Rechenschaft zu ziehen".

https://www.n-tv.de/politik/US-Kongress ... 08050.html
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

Die Logik ist Deine Freundin - Wünsch-Dir-Was und Untergangs-Propheten sind falsche Freunde.

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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von jadelixx » 22.11.2019, 05:58

ingo_001 hat geschrieben:
21.11.2019, 16:49
Natürlich sind sich alle einig, dass Hongkong (wieder) zu China gehört, denn es wurde von GB 1997 an China zurück gegeben, nachdem es zuvor vom Brit. Empire annektiert wurde, und bis 1997 brit Kron-Kolonie war.
Das wird auch von mir nicht bestritten. Es gibt auch keinen Anlass da staendig irgendwelche Hypothesen aufzubauen, die Hongkonger wuerden eine Unabhaengigkeit befuerworten. Das ist im Moment lediglich eine These, die die CCP verwendet, um die eigenen Leute auf Linie zu halten. Womoeglich auch um das Ausland in die Irre zu fuehren?
Was es gibt, sind Umfragen nach denen, die Hongkonger sich zunehmend als Hongkonger und nicht als Chinesen sehen. Aber jedem hier ist spaetestenz nach einem Blick auf die Landkarte klar, das man sich in einer Schicksalsgemeinschaft mit China befindet.
Was die Hongkonger wollen ist Selbstbestimmung.
Freiheit und Selbstbestimmung sind anscheinend Reizwoerter fuer Einige hier(Ich meine nicht Dich ingo_001).
ingo_001 hat geschrieben:
21.11.2019, 16:49
Der jeweilige Gouverneur wurde von der brit. Regierung ERNANNT - nix von wegen freien Wahlen.
Und der vertrat dann auch die brit. Interessen - und nur die.
Das ist eben auch nicht so wichtig. Von den meisten Hongkongern wirst Du nicht hoeren, das die Briten besonders gut lokale Interessen vertreten haetten. Wobei es sicher auch Nostalgiker gibt, die sich nur an die guten Seiten der Britischen Kolonialzeit erinnern wollen.
Wenn eine westliche Fahne geschwenkt wird, ist damit eher die Erwartungshaltung verknuepft, das der Westen mehr tut, die Hongkonger zu unterstuetzen. An wen sollen sie sich sonst wenden.
ingo_001 hat geschrieben:
21.11.2019, 16:49
Hongkong, war für China in etwa das, was West-Berlin damals für die DDR war: Ein kapitalistischer Stachel.
Und da wurde eben auch entsprechend "gepampert".
Kannst Du das mal genauer ausfuehren, wie und womit hat China Hongkong gepampert?
Hong Kong ist in einigen Bereichen das Vorbild fuer die Art und Weise wie Chinesische Grossstaedte administriert werden und Du wirst hier etliche Hongkonger finden, die Dir berichten koennen, wie China von Hongkong profitiert.
ingo_001 hat geschrieben:
21.11.2019, 16:49
Hongkong sieht sich mit einer unangenehmen Wahrheit konfrontiert:
Das chin. Ein-Parteien-System ist wirtschaftlich erfolgreicher - da beißt die Maus keinen Faden ab.
Wirtschaftlich erfolgreich sind sie hier auch und gesellschaftlich mit bisher freier Presse, unabhaegigen Gerichten sogar schon etwas weiter. Hong Kong muss sich da nicht verstecken. Das Pro Kopf Einkommen ist hier auch hoeher als in China und auch noch als in Shenzhen. Das kann sich aendern.
Du meinst aber vermutlich Wachstumsraten? Da gibts keinen Automatismus, das das in Zukunft auch so bleibt.
Was auch mal erwaehnt werden sollte, das das Einparteiensystem natuerlich auch dafuer verantwortlich ist, das die Menschen in China von einem sehr niedrigen Niveau starten mussten.
ingo_001 hat geschrieben:
21.11.2019, 16:49
Und was die Finanzmärkte betrifft: Auch da dürfte mittelfristig die Bedeutung der Hongkonger Börse relativieren.
Solange es in China und in anderen asiatischen Laendern kein unabhaengiges vertrauenswuerdiges Rechtssystem gibt, gibt es auch noch eine ueberproportional grosse Nachfrage nach einem bedeutenden Hongkonger Finanzplatz. Auch nicht ganz unwichtig ist ob und wann der Chin. Yuan frei convertibel sein wird.
Die Finanzindustrie ist in Hong Kong auf jeden Fall zu gross und die nichtdemokratisch legitimierte Stadtregierung ist nicht ganz unschuldig daran diesen Sektor aufgeblaeht zu haben.
So oder so steht der Finanzindustrie hier und auch ueberall sonstwo ein Umbruch bevor und wie das ausgeht kann man nur spekulieren.
ingo_001 hat geschrieben:
21.11.2019, 16:49
Und auch hier nochmal das Beispiel DDR: ...
Ja es war gewaltfrei. Es soll in Sachsen ein paar Zwischenfaelle gegeben haben, bei denen Gewalt angewendet wurde und Pflastersteine geflogen sein sollen. Es gab aber keine Aufrufe, die Polizei oder NVA anzugreifen.
Ich glaube auch, das die Protestseite in Hong Kong mit der Gewaltanwendung wesentlich an Sympathien verloren hat. Vielleicht haetten sie ohnedem auch die Wahlen am kommenden Wochenende beenflussen koennen...
ingo_001 hat geschrieben:
21.11.2019, 16:49
Wie schon gesagt wurde: Das Auslieferungsgesetz (zur Erinnerung: Der Grund der Anfangsproteste) ist ja vom Tisch.

Aber nein: "Uns" USA haut da mal wieder einen vom Schlag "USA rules the world" raus ...

Zitat: Der Kongress habe nun dafür gestimmt, "amerikanische Interessen zu schützen und China für sein Fehlverhalten zur Rechenschaft zu ziehen".

https://www.n-tv.de/politik/US-Kongress ... 08050.html
Das kann Dir keiner ankreiden, das Du es so siehst, nachdem Du solange weg gewesen bist.
Es gab einen Konsens fuer die "5 demands" bevor Carrie Lam das Gesetz zum erstenmal verschoben hatte. Die Protestseite meinte sie darf eh nix allein entscheiden. Die CCP (bzw die die da im Moment das Sagen haben) hat zu jedem Zeitpunkt betont, das sie eine haertere Gangart gegen den Protest unterstuetzt.
Und damit tragen sie einen grossen Anteil daran, wie mit dem Protest umgegangen wurde und das das eskaliert ist.

Btw von der DDR Opposition gab es anfangs keine Aufrufe die Regierung zu stuerzen oder gar sich mit der BRD wiederzuvereinigen.
Es wurde jedenfalls mit Hoffnung verbunden, dass US President Reagen sich in West Berlin hingestellt hat und die Soviets aufgefordert hat, die Mauer abzureissen.
Ob das amerikanischen Interessen dient, war uns vollkommen Wurscht.
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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von Shenzhen » 22.11.2019, 09:07

Ich will jetzt nicht viel mehr antworten, Jadelixx hat seine Meinung, ich habe meine, nur zum "von China gepampert" - auch wenn du Ingos Aussage komplett falsch interpretiert hast...

Dir ist schon klar, dass Du nur in HK ueberleben kannst weil China Dich papmpert oder? Das beruht nicht auf Gemeinsamkeit sondern einzig und alleine darauf, dass HK alleine nicht ueberlebensfaehig waere. Dir ist immer noch nicht klar, dass HK nur eine Kurzfristige Bedeutung in der Geschichte Chinas hat, spaetestens in 10-20 Jahren ist es damit vorbei und ihr HKer muesst euch anstrengen um alles das zuruck zu zahlen was China euch zugestanden hat. Ja mag sein, dass die satten HK-Kinder Angst davor haben. Genau so wie Milliarden andere Menschen Angst vor der Zukunft haben - werden Millionen andere Kinder deswegen zu Terroristen oder setzten sie sich evtl. doch lieber hin, lernen etwas und strengen sich an was fuer Ihre Zukunft zu tun. Nur die HK-Kiddies die wirklich alles alles in den Hintern gesteckt bekommen, bekommen den Hals einfach nicht voll genug.

Vorbild HK in der Administration - haha du bist wirklich eine Witznummer - das ist ja so als ob Klein Kleckersdorf ein Vorbild fuer New Yorks Administration gewesen waere....

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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von tfranck » 22.11.2019, 11:38

ich habe mal die Meldungen der Tagesschau durchstöbert um eine zeitliche Abfolge aufzuzeigen:
01.02.2015
Hongkonk: Tausende Menschen demonstrieren für freie Wahlen
http://www.tagesschau.de/multimedia/vid ... 59297.html

05.09.2016
Wahl in Hongkong: Peking-Kritiker bekommen mehr Mandate
http://www.tagesschau.de/multimedia/vid ... 12857.html


01.01.2018
Furcht vor Autonomieverlust: Protest gegen China in Hongkong
http://www.tagesschau.de/multimedia/vid ... 61625.html

28.04.2019
Massenproteste in Hongkong gegen Pläne zur Auslieferung
http://www.tagesschau.de/multimedia/vid ... 32607.html

09.06.2019
Proteste gegen Auslieferungsgesetz in Hongkong
http://www.tagesschau.de/multimedia/vid ... 50697.html

09.06.2019
Proteste in Hongkong: Hunderttausende gegen Auslieferungsgesetz nach China
http://www.tagesschau.de/multimedia/vid ... 50795.html

Hier wendet sich das Blatt und die

10.06.2019
Zusammenstöße bei Protesten in Hongkong
http://www.tagesschau.de/ausland/hongkong-633.html
Polizisten setzten Schlagstöcke und Pfefferspray ein, als sie gegen einige hundert Demonstranten vorgingen, die gegen Mitternacht Absperrgitter einreißen und den Legislativrat und Regierungssitz stürmen wollten.
Protestteilnehmer warfen Flaschen auf die Beamten und setzten die Metallgitter gegen die Polizisten ein. Mindestens ein Polizist wurde verletzt.
Und dann geht das so weiter.. was man da nicht sieht oder liest ist etwas wie "Die Polizei schlug auf die tausenden von friedlich demonstrierenden ein"

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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von sweetpanda » 22.11.2019, 22:41

Aber jetzt mal Hand aufs Herz!
Nachdem wir uns zum hundertsten Mal versichert haben, dass die schleichende völlige Machtübernahme in Hong Kong keine bestehenden Gesetze und diese Stadt auch zu britischen Kolonialzeiten nie demokratisch war, wäre es denn nicht ein schöner Traum gewesen?

Hong Kong als Insel der Demokratie und vielleicht auch in ein paar Jahren auf der lokalen Ebene in einigen hochentwickelten chinesischen Vorzeigestädten echte Bürgerbeteiligung. Ein ganz sanfte Entwicklung, ohne Aufruhr und Gewalt.....könnte es nicht auch so laufen?

Welche Folgen es für die Weltpolitik haben mag, wenn China mit der heutigen Einstellung die weltpolitischen Wendungen bestimmt?

Ich sage nur: "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing!"

Wer glaubt denn noch, dass sich die Demokratien linksliberalen Stils im Westen dann halten werden?

Die zukünftigen Orbans, Salvinis, Höckes wie sie auch immer in 30 Jahren heißen mögen, werden schnell von ihren neuen chinesischen Herren lernen und durch Chinas Unterstützung umso erfolgreicher.

Das gerade hier und heute diejenigen im Forum die sich so vehement gegen Rechtspopulismus einsetzen diese Gefahren nicht sehen, wundert mich.

So wie China in 30 Jahren tickt, so wird die Welt ticken.

Egoismus pur und nur noch mehr Erfolg für die Starken.
„Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben so trübsinnig machen.“

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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von jadelixx » 25.11.2019, 05:48

sweetpanda hat geschrieben:
22.11.2019, 22:41
So wie China in 30 Jahren tickt, so wird die Welt ticken.
Na, na so schlimm wirds schon nicht kommen.

Guten Morgen, sieht so aus als wenn die Demokraten nach dem Erdrutschsieg bei den Bezirkswahlen in HKG demnaechst etwas mehr zu sagen haben.
https://dce2019.thestandnews.com/
https://vote4.hk/en/

Die "schweigende Mehrheit" hat sich dann doch fuer die Protestseite entschieden.
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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von Muxxen » 25.11.2019, 06:11

Wollte gerade die Resultate kommentieren, aber Kollege Jadelixx kam mir zuvor.
Schoenes Resultat wie ich finde. Zeigt es doch eindrucksvoll, dass der Rueckhalt deutlich (!) staerker ist, als es hier manch einer wahrhaben moechte. Wahlbeteiligung bei ueber 70%.

Bin mir nicht sicher, wie man das Dogma der "verblendeten Raufbolde" damit weiterhin aufrecht halten will. Aber ich lass mich gern ueberraschen.

PS. Sobald die Tagesschau davon berichtet, wird bestimmt auch good ol' Frankie etwas neues beisteuern. Zeit laeuft (sorry, der musste sein)
Der Verdacht liegt nahe, dass dem so ist!

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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von tfranck » 25.11.2019, 09:57

Muxxen hat geschrieben:
25.11.2019, 06:11
Bin mir nicht sicher, wie man das Dogma der "verblendeten Raufbolde" damit weiterhin aufrecht halten will. Aber ich lass mich gern ueberraschen.

PS. Sobald die Tagesschau davon berichtet, wird bestimmt auch good ol' Frankie etwas neues beisteuern. Zeit laeuft (sorry, der musste sein)
;) (Tagesschau ist nicht grade China-freundlich)

Nun, die ausufernde Gewalt der "Raufbolde" wird dadurch nicht "gut". Grade weil es um HK geht und es in HK eben auch ganz legale Wege gibt um Aufmerksamkeit zu erhalten. Es bleibt zu hoffen, dass damit jetzt die Krawalle aufhören.

Man darf gespannt sein, wie sich das jetzt noch entwickelt.

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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von Asgaros » 25.11.2019, 09:59

Wenn man sich die reine Zuteilung ansieht, sieht es dank dem "the winner takes it all"-Prinzip nach einem vermeintlichen Erdrutschsieg aus. Bei genauerer Betrachtung der prozentualen Stimmverteilung zeigt sich allerdings ganz deutlich: Über 43% haben keine gewalttätigen Randalierer und Gesinnungsfaschisten gewählt. Von breiter Unterstützung keine Spur - eher ein ausgeglichenes Ergebnis, welches zeigt, wie gespalten die Gesellschaft ist.

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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von ingo_001 » 25.11.2019, 12:54

Ich sehe das so: Die Hongkonger haben ihr Wahlrecht wahrgenommen und deutlich gezeigt, dass das Misstrauen gegenüber der aktuellen Stadt-Regierung groß ist.

Aber das bedeutet NICHT, dass sie für die Raderlierer uder gar mit den Gewalttaten einverstanden sind.

Das sind zwei verscheidene Paar Schuhe.

Ich biete mal folgende "gewagte" Wette an:

Variante 1. : Die Demonstranten werden (wenn sie schlau sind) mit dem Wahlergebnis insofern zufrieden sein, dass sie die Gewalt und das Randalieren einstellen. Das durfte dann der Zantral-Regierung in Hongkong und auch in Beijing das argumentative Wasser abgraben.

Variante 2. : Sie schwenken weiter US-Fahnen, schmeißen Brandsätze etc ... das wäre dann (auch m.E.) eine Rechtfertigung, um von Regierungsseite, dann härter durchzugreifen.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von jadelixx » 26.11.2019, 05:41

Seit spaetestens Anfang Oktober haben die Demokraten versucht zu deeskalieren und sich stattdessen auf die Wahl vorzubereiten. Von den Aktivisten ist das aber nicht angenommen worden.
Stattdessen wurde auch noch das bisherige Motto "be water" aufgegeben und sie haben sich in den Uni's verschanzt. Anscheinend um die Brutalitaet der Polizei aufzuzeigen. Das ist auch gelungen.

Die Hongkonger haben mit der Wahl gezeigt, das sie die Aktionen der Aktivisten als Druckmittel in Kauf nehmen. Das heisst nicht, dass sie mit jeder Einzelaktion einverstanden sind.

Mit Polizeigewalt lassen sich die Hongkonger nicht einschuechtern, das ist eine Einbahnstrasse. Das fuehrt mit Sicherheit nur zu mehr Aufruhr.

Die unabhaengige Untersuchungskomission muss her und die Ausbildung der Polizei muss wieder ziviler werden. Wenn das nicht geschieht, werden die Leute glauben, das es da auch Schweinereien zu verbergen gibt.
Ausserdem braucht es eine Loesung einen Buergermeister direkter waehlen zu koennen.
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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von Shenzhen » 26.11.2019, 08:12

jadelixx hat geschrieben:
26.11.2019, 05:41
Anscheinend um die Brutalitaet der Polizei aufzuzeigen. Das ist auch gelungen.

Die Hongkonger haben mit der Wahl gezeigt, das sie die Aktionen der Aktivisten als Druckmittel in Kauf nehmen. Das heisst nicht, dass sie mit jeder Einzelaktion einverstanden sind.

Ausserdem braucht es eine Loesung einen Buergermeister direkter waehlen zu koennen.
Wow echt spannend Deine Thesen:

1. hat es aufgezeigt wie brutal die Terroristen vorgehen.

2. hat es aufgezeigt dass es auch noch Menschen mit Verstand gibt die daran glauben mit friedlichen Wahlen etwas zu bewirken. Das das eine Anerkennung von Terror ist ist eine sehr gewagte These.

3. Sagst Du? Also immer neue Forderungen? wie ware es mit 360 Tagen Urlaub im Jahr - kann man ja auch mal fordern... 5 bis 300 Demands die wir Terror kiddies und Jadelixx gerne haetten.... Willkommen im ich wuensch mir was HK

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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von Asgaros » 26.11.2019, 12:10

jadelixx hat geschrieben:
26.11.2019, 05:41
Stattdessen wurde auch noch das bisherige Motto "be water" aufgegeben und sie haben sich in den Uni's verschanzt. Anscheinend um die Brutalitaet der Polizei aufzuzeigen. Das ist auch gelungen.
Welche Polizeibrutalität?

1. Die Polizei hatte ein klares Ultimatum gestellt, innerhalb dessen JEDER, der freiwillig die Uni verlassen hat, straffrei davongekommen wäre
2. Trotz Warnung haben viele diese Geste nicht angenommen
3. Im Anschluss wurden hunderte/tausende Molotiv-Cocktails teils mit Katapulten auf Polizisten abgefeuert
4. Polizisten wurden mit Pfeil & Bogen angeschossen und verletzt
5. Trotz dieser Gewalt hat die Polizei weiterhin die Uni nur friedlich umstellt und NICHT gestürmt
6. Trotz Straftaten hat die Polizei sich auf einen Deal eingelassen, welcher es erlaubt hat, dass Minderjährige ohne Festnahme die Uni verlassen konnten
7. Weiterhin gibt die Polizei den Protestlern die Möglichkeit, die Uni freiwillig zu verlassen

Wo genau ist hier die Polizeigewalt? Wie man sieht, gehen die Behörden gelassen, geduldig, mit minimale Mitteln und vielen Kompromissen gegen diesen Terror vor. Trotz Wochen der Belagerung wird Protestlern weiterhin eine friedliche Lösung angeboten. Die Chaoten haben an einer friedlichen Lösung allerdings keinerlei Interesse.

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Re: Was haltet ihr von dem geplanten Auslieferungsgesetz?

Beitrag von tanzhou » 26.11.2019, 16:15

Ohne jetzt grossartig auf die laufende Diskussion einzugehen hier meine 2 Cents:

Runde 150 Jahre unter britischer Kolonialherrschaft hat sich das System in HK - im Vergleich zu Mainland - anders entwickelt. Generationen sind dort in relativer Freitheit und Demokratie aufgewachsen. Sie kennen nichts anderes als das. Das besonders die juengeren Generationen Zukunftsaengste haben, kann man denen doch nicht uebel nehmen.

Was waere denn in DE passiert, wenn sich West-Deutschland dem ostdeutschen, diktatorischen System haette fuegen muessen? Waere alles sauber verlaufen? Noe, gewiss nicht.

Gibt mehrere Moeglichkeiten:
  • Alle haetten mitgemacht ( sehr unwahrscheinlich )
  • Proteste waeren aufgekommen ( eher wahrscheinlich, und sicherlich nicht ohne Gewalt ueber kurz oder lang )
  • Auswanderungswelle, wohin auch immer, einfach nur weg
Zurueck zu HK: Wie dort teils die Proteste verlaufen sind - keine Frage - ist nicht hinnehmbar, wurde in diesem Thread auf 10 Seiten diskutiert. Aber hier wurden m. E. Fehler auf beiden Seiten begangen.

Viele Leute in HK wollen in dem System verweilen und leben, mit dem sie aufgewachsen sind und dass ist nun mal nicht das System, dass hier bei uns in Mainland praktiziert wird. Sowohl Mainlander and auch HKer sind Chinesen, aber die Mentalitaet und Lebenseinstellung sind unterschiedlich ( siehe auch hier Deutschland, auch nach Dekaden der Wiedervereinigung ). Das bemerke ich immer wieder bei den Leuten, mit denen ich in HK zu tun habe. Und ich bin dort teils mehrmals im Monat.

Das HK zu China gehoert, keine Frage. Das sich beide annaehern muessen, absolut keine Frage. Und damit komme ich zum naechsten Punkt, ein Gedanke, der mich in den letzten Tagen umtreibt.

Wieso macht Beijing nicht einfach eine Art "Experiment" und laesst damit 1 Land 2 Systeme wirklich leben. Das ist doch die beste Chance, voneinander zu lernen.
Belasse HK weiterhin in "Demokratie, Freiheit in Meinungaeusserung, Versammmlung und Handel", lasse die HKer selbst Ihre Politiker / Parlament/ Vorsitzende waehlen, ABER unter der Premisse, dass sich HK NICHT von China abgrenzen kann, also das Erreichen von kompletter Eigenstaendigkeit / Souveraenitaet.
Was soll denn mit so einer Loesung grossartig schiefgehen? Im Prinzip bleibt alles so wie es ist, einfach nur etwas mehr Selbstbestimmung und sicherlich auch Mehrverantwortung.
China verliert dadurch nichts, gewinnt ggfs. eher Anerkennung, kann dann behaupten, wir koennen das auch, seht her.
Und den gemeinen Mainlaender interessiert das eh nicht, fuer den war HK bisher nur das Shopping-Paradies oder Gelegenheit, die Kohle abzuladen, um ein paar unangenehmen Einschraenkungen aus dem Weg zu gehen. Es geht vielen gut, vor allem hier bei uns im Sueden Guangdongs, unmittelbar vor / bei HK.

Das waere Politik fuer die Menschen, fuer jedes System massgeschneidert. Genau danach schreien doch so viele, u. a. auch hier im Forum. :mrgreen:

Ich weiss, klingt einfacher gesagt als getan, aber diese Richtung waere m. E. ein erster Ansatzpunkt, Ruhe in das Problem zu bringen.

Danksagungen sind willkommen, ihr kennt den Link ja ... :lol:

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