Ausländer in der KP

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Ausländer in der KP

Beitrag von Aremonus » 20.12.2009, 02:38

Nicht dass ich als Wirtschaftsstudent der KP beitreten wollte, aber mich würde grundsätzlich interessieren: haben nicht-Chinesen die Möglichkeit, der KP beizutreten und wenn ja, welche Funktionen können sie übernehmen? Könnte ein Ausländer theoretisch Präsident Chinas werden? Wie sieht es nach einer Einbürgerung aus?

In den USA ist es ja so, dass man als (eingebürgerter) Ausländer höchstens Provinz Gouverneur werden kann - was Arnold Schwarzenegger ja auch gelang. Präsident läge nicht drin ;)

In der Schweiz könnte ein eingebürgerter Ausländer jedoch Bundesrat und somit auch Präsident werden.
Erst wenn der letzte Baum gefällt, der letzte Fluss gestaut und der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr feststellen, dass man Biber nicht essen kann!

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Re: Ausländer in der KP

Beitrag von chrix » 20.12.2009, 02:52

Die USA haben keine Provinzen, sondern Bundesstaaten, und jeder Bundesstaat hat seine eigene Verfassung und Gesetze (genauso wie die Kantone in der Schweiz :wink: ). Aber was die Bundesämter angeht, gibt es Beschränkungen nur für das Amt des Präsidenten und des Vizepräsidenten, u.a. waren ja eingebürgerte Leute wie Henry Kissinger und Madeleine Albright bereits Secretary of State. In den meisten europäischen Ländern dürfte es keine Begrenzungen dieser Art geben.

In Taiwan muss man nach der Einbürgerung übrigens 10 Jahre warten, bis man kandidieren kann, es sind mir hierzu keine Fälle bekannt. Was die KPCh angeht, gibt es den berühmten Fall von Sidney Rittenberg, über den die Wikipedia schreibt:
Sidney Rittenberg (August 14, 1921; Chinese name: Lǐ Dūnbái 李敦白) is an American interpreter and scholar who lived in China from 1944 to 1979. He worked closely with People's Republic of China (PRC) founder Mao Zedong, military leader Zhu De, and key statesman Zhou Enlai, and other leaders of the Communist party during the war, and was the only American citizen to join the Chinese Communist Party (CCP). He was with these central Communist leaders at Yan'an and was able to experience much of the life of Mao and his supporters. Later, he was imprisoned in solitary confinement twice, for a total of 16 years. He witnessed first-hand much of what occurred at upper levels of the CCP and knew many of its leaders personally.
Dürfte aber die absolute Ausnahme gewesen sein. Auf irgendeinem Forum (ich glaube, es war chinese-forums) gibt es einen Thread über die Einbürgerung, und das scheint sehr schwierig zu sein...

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Re: Ausländer in der KP

Beitrag von Aremonus » 20.12.2009, 03:11

Nunja, es dürften sich ja auch eher weniger Leute aus "dem Westen" dafür interessieren, sich in China einbürgern zu lassen - da müsste man ja seine europäische oder amerikansiche Staatsbürgerschaft aufgeben und die ganze Zeit sich mit Visaregulationen nerven...
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Re: Ausländer in der KP

Beitrag von chrix » 20.12.2009, 03:13

Könnte man meinen, aber auf forumosa.com findest Du 'ne ganze Menge Leute, die sich in Taiwan haben einbürgern lassen und dafür ihre alte, westliche Staatsangehörigkeit aufgegeben haben.

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Re: Ausländer in der KP

Beitrag von Grufti » 20.12.2009, 03:35

chrix hat geschrieben:Könnte man meinen, aber auf forumosa.com findest Du 'ne ganze Menge Leute, die sich in Taiwan haben einbürgern lassen und dafür ihre alte, westliche Staatsangehörigkeit aufgegeben haben.

soweit bin selbst ich nicht gegangen....obwohl... doch hatte auch ich mit diesem Gedanken gespielt....vor 30 Jahren..
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Re: Ausländer in der KP

Beitrag von Bernhard » 20.12.2009, 08:31

Taiwan ist ja noch nicht Festlandchina. Die rechtliche Lage bei der Einbürgerung dürfte eine ganz andere sein. Und eine KP gibt's auf Taiwan ja auch nicht...

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Re: Ausländer in der KP

Beitrag von Aremonus » 20.12.2009, 09:36

Brauchen Taiwanesen ein Visum, um in die EU oder anch Amerika zu reisen? Also für Europäer reicht ja ein Pass...
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Re: Ausländer in der KP

Beitrag von Babs » 20.12.2009, 11:08

Aremonus hat geschrieben:Nicht dass ich als Wirtschaftsstudent der KP beitreten wollte, aber mich würde grundsätzlich interessieren: haben nicht-Chinesen die Möglichkeit, der KP beizutreten ...
hier ist eine Liste mit Ausländern, die der Partei beigetreten sind, u.a. auch der polnische Journalist Israel Epstein oder der deutsche Arzt Hans Müller aus Düsseldorf. Laut Wikipedia waren es rund einhundert Ausländer, die die chinesische Staatsbürgerschaft erhielten.

Wie es es heute aussieht und welche Funktionen die Ausländer übernehmen konnten/können habe ich (noch) nicht rausfinden können.

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Re: Ausländer in der KP

Beitrag von chrix » 20.12.2009, 13:51

Aremonus hat geschrieben:Brauchen Taiwanesen ein Visum, um in die EU oder anch Amerika zu reisen? Also für Europäer reicht ja ein Pass...
Ja, sie brauchen. Ausnahmen sind Japan und UK. Es gibt Gerüchte, dass die USA, Kanada und der Schengen-Raum die Visumspflicht 2010 fallen lassen wollen, aber das hängt irgendwie mit den Rindfleischimporten zusammen oder so...

Bernhard, per definitionem kann Taiwan NIE "Festlandchina" sein. Ich hatte Taiwan lediglich zum Vergleich in die Debatte eingebracht, denn von dort sind halt viele Einbürgerungen bekannt...

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Re: Ausländer in der KP

Beitrag von Bernhard » 20.12.2009, 13:57

chrix hat geschrieben: Bernhard, per definitionem kann Taiwan NIE "Festlandchina" sein. Ich hatte Taiwan lediglich zum
OK, ok, ich meine natürlich die Volksrepublik.

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Re: Ausländer in der KP

Beitrag von chrix » 20.12.2009, 14:25

Bernhard hat geschrieben:
chrix hat geschrieben: Bernhard, per definitionem kann Taiwan NIE "Festlandchina" sein. Ich hatte Taiwan lediglich zum
OK, ok, ich meine natürlich die Volksrepublik.
Sorry, ich fühle mich heute pedantisch. Auch das ist unklar. Falls es während unseres Lebenszeit überhaupt zu einer Vereinigung kommen sollte, ob es dann unter dem Namen Volksrepublik geschehen würde oder nicht, ist unklar. Selbst die KMT will keine Vereinigung mit der Volksrepublik.

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Re: Ausländer in der KP

Beitrag von ingo_001 » 20.12.2009, 14:42

Die (Wieder)Vereinigung von Taiwan mit Festland-China dürfte m.E. etwa so laufen wie seinerzeit bei Hongkong -> Ein Land - zwei Systeme.
Und dass das über kurz oder lang passiert, steht für mich ausser Frage.
Denn: Die Trennung von Hongkong war sehr viel länger und tiefgreifender als jetzt bei Taiwan.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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Re: Ausländer in der KP

Beitrag von Aremonus » 20.12.2009, 14:46

Naja, Taiwan und Mainland gleichen sich ja politisch immer mehr an. Wenn sich Mainland soweit entwickelt hat, dass sich ein einigermassen demokratisches System etablieren kann, ist das Land ja auch eine vollständige Republik - und dann ist die Wiedervereinigung nur noch Formsache.

Die Menge ausländischer KPCn-Mitglieder ist aber sehr beschränkt ;)
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Re: Ausländer in der KP

Beitrag von chrix » 20.12.2009, 14:48

@ingo_001
Na ja, eigentlich will ich mich ja hier nicht zu sehr über Politik auslassen, aber ich würde Dir mal raten, Dich mit taiwanesischer Geschiche auseinanderzusetzen, dann dürfte einiges klarer werden, z.B. dass auch Deine Behauptung, die Trennung sei nicht so tiefgreifend gewesen, unhaltbar ist.

@Aremonus
Unbestritten Aremonus, dass eine Annäherung stattgefunden hat. Aber was die Zukunft bringen wird, ist sehr undurchsichtig. Zur Zeit scheint der Status Quo noch das Wahrscheinlichste zu sein.

(Ich habe mein Post editiert, um den Bezug klarer zu machen. Ich habe ansonsten vor, nichts weiter zum Thema zu sagen).

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Re: Ausländer in der KP

Beitrag von Aremonus » 20.12.2009, 19:12

die Trennung sei nicht so tiefgreifend gewesen, unhaltbar ist.
Ich behaupte garnicht, dass die Trennung nicht so tiefgreifend gewesen sei. Ich behaupte bloss, dass sich die beiden Länder heute gesellschaftlich und ökonomisch nicht mehr so fern sind wie früher... von einem politischen Standpunkt aus gesehen kann ich das aber nicht beurteilen. Ich weiss ja nicht, wie kommunistisch China noch ist und wie weit entfernt von einer Demokratie - Wahlen gibt es ja teilweise schon...
Aber das Thema zu diskutieren ist ohnehin müssig; derzeit ist eine Widervereinigung nicht möglich und was in 30 Jahren ist kann ohnehin keiner sagen.
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