Mao Tze Tung

Alle Themen rund um Politik in der Volksrepublik China
anonymus

Mao Tze Tung

Beitrag von anonymus » 01.10.2005, 13:11

Hi Luetz,

ich habe mir neulich eine zeitung gekauft, rein zufällig, und laß darin einen Artikel über Mao.
Das Thema um ihn hat mich noch nie so sehr interesiert wie jetzt!
Ich möchte meine Meinung nicht nur nach einer zeitung bilden, sondern verschiedene Seiten hören. Deswegen bin ich hier...
War er tatsächlich der graußamste Diktator den die Welt je kannte?
Was hat er denn so schlimmes gemacht?
...und, ist er heute wirklich in China so populär und wird vergöttert?

Über ein paar sachliche gute Antworten würde ich mich sehr freuen.
mfg, anonym

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Beitrag von Babs » 01.10.2005, 13:56

Hi anonym :roll:

wir haben schon mal über das Thema gesprochen, schau doch mal hier nach: http://forum.chinaseite.de/ftopic599.html

Der Grund, weshalb im Moment alle Zeitungen über Mao schreiben, ist die Biographie von Jung Chang, die vor kurzem auf deutsch erschienen ist.
...und, ist er heute wirklich in China so populär und wird vergöttert?
allgemein lässt sich diese Frage bestimmt nicht beantworten. Ich glaube, dass es vom Bildungsstand der Menschen abhängt, mit anderen Worten, je ungebildeter die Menschen sind, desto weniger kritisch sind sie Mao gegenüber eingestellt. Andererseits gibt es jede Menge Witze über Mao .... also?

Barbara

anonymus

Beitrag von anonymus » 01.10.2005, 14:14

hey...
danke, werd mich gleich mal da durchlesen.
Wow...mit so einer schnellen Antwort hätt ich nicht gerechnet...

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Re: Mao Tze Tung

Beitrag von Grufti » 01.10.2005, 20:19

anonymus hat geschrieben:Hi Luetz,

ich habe mir neulich eine zeitung gekauft, rein zufällig, und laß darin einen Artikel über Mao.
Das Thema um ihn hat mich noch nie so sehr interesiert wie jetzt!
Ich möchte meine Meinung nicht nur nach einer zeitung bilden, sondern verschiedene Seiten hören. Deswegen bin ich hier...
War er tatsächlich der graußamste Diktator den die Welt je kannte?
Was hat er denn so schlimmes gemacht?
...und, ist er heute wirklich in China so populär und wird vergöttert?

Über ein paar sachliche gute Antworten würde ich mich sehr freuen.
mfg, anonym


Das ist die Titelgeschichte im aktuellen "SPIEGEL".... :lol:



Im übrigen ist die Umschrift des Titels...ein Mischmasch


"Mao Ze Dong" oder "Mao Tse Tung" !
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
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Beitrag von anderer Li » 01.10.2005, 22:22

Zuerst muss man anerkennen, dass Mao mit seiner Politik schwere Fehler mit katastrophle Folgen begangen hat.

Aber warum ist er heute immer noch in gewisser weise populär?

Das eine liegt in der chinesischen Selbsverständlichkeit. Mao hat China aus der hundert Jahre langen Machtlosigkeit gegenüber ausländischer Invasion entfesselt und die verlorengegangene Selbständigkeit/Selbstbewusstsein wiederhergestellt. Überwiegende Chinesen erkennen dies als Maos grössten Verdienst an.
Mao hat noch die Ungleichberechtigung zwischen Männern und Frauen abgeschaffen und somit die seit jeher herrschende, z.T. grausame Unterdrückung der Frauen beendet.

Mao bezeichnete sich zwar selber als Marxist, verhielt sich jedoch wie ein Idealist. Er glaubte fest an seine Ideen und wollte sie auch unerbittlich durchsetzen. Mit dem "Grossen Sprung" sowie der "Kulturrevolution" hatte er sicherlich keine böse Absicht gehabt, auch wenn es später zu katastrophalen Folgen (Millionen Opfer an Hunger und Chaos) geführt hat.

Mao mit Hitler zu vergleichen ist meinesachtens nicht angemäss. Klar war er ein Diktator. Aber einen Rassen- oder Expansionskrieg hat er nie geführt. Er kamm aus Bauernfamilie und erkannt auch die Leiden der chinesischen Bauern. Was er anfangs bestrebt und durchgeführt hat, war eigentlich nichts anders als eine Bauernrevolution wie in der chinesischen Geschicht wiederholt stattgefunden hatte. Ohne die massenhafte Unterstützung von chinesischen Bauern hätte Mao nie den Krieg gegen die mit US-Waffen ausgerüsteten Truppen von Chiang Kai Shek gewinnen können. Zu erwähnen ist noch dass unter Bauern ist er auch bis heute hochgeachtet. Natürlich hängt es vielleicht damit zusammen, dass die Bauern meistens nicht so gebildet sind, dass sie den Fehler Maos ausreichend erkennen können.

Unter Mao war die "Korruption" in China fast ein fremdes Wort. In Maos Ära waren meineswissens nur zwei Fälle bekannt, wo zwei Hochfunktionäre der Partei (Liu Qingshan 刘青山 und Zhang Zishan 张子善) wegen Korruption zu Tod verurteilt wurden. Es gibt zu Zeit einen Witz über Mao: was würde Mao zuerst sehen, wenn er einestages wieder aufwacht. Er würde erstmal nicht die gewaltige Veränderung Chinas feststellen, sondern eine riesen Schlange von korrupten Beamten, die sich beim ihm stellen wollen. Also ich glaube, die jetzige Popularität von Mao bedeutet nicht, dass die Leute wirklich zu Maos Zeit zurück wollen, sondern ist ein durch Verärgerung und Ratlosigkeit gegenüber gegenwärtig herrschender Korruption hervorgerufenes Andenken an die Zeit wo kaum Korruption gegeben hat.

Mao war ein hervorragender Dichter und Schriftsteller. Seine Gedichte waren romantisch und imposant. Ich jedenfalls bin ein Fan von seinen Gedichten, aber keinesfalls von seiner Politik!

Zusammenfassend ist Mao für mich:

Militärisch: kreativ und erfolgreich,
Politisch: machtgierig und eisernhart,
Ökonomisch: ignorant und katastrophal
Geistig: idealistisch und romantisch
Man kann nicht mehr Zeit für sein Leben bekommen, jedoch mehr Leben für seine Zeit.

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Beitrag von Grufti » 01.10.2005, 22:33

anderer Li hat geschrieben:...
Geisterlich: idealistisch und romantisch

Hast Dich wohl von Harry Potter anstecken lassen... :lol:

soll wohl "geistig" heißen.....

Gruß vom "Oberlehrer"

:oops:
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Beitrag von anderer Li » 01.10.2005, 22:50

Grufti hat geschrieben:
anderer Li hat geschrieben:...
Geisterlich: idealistisch und romantisch

Hast Dich wohl von Harry Potter anstecken lassen... :lol:

soll wohl "geistig" heißen.....

Gruß vom "Oberlehrer"

:oops:
Danke für die Korrektur.
Aber Harry Potter habe ich mir wirklich nicht angeschaut...
Man kann nicht mehr Zeit für sein Leben bekommen, jedoch mehr Leben für seine Zeit.

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Beitrag von Kerrigan » 03.10.2005, 22:17

anderer Li hat geschrieben:Mit dem "Grossen Sprung" sowie der "Kulturrevolution" hatte er sicherlich keine böse Absicht gehabt, auch wenn es später zu katastrophalen Folgen (Millionen Opfer an Hunger und Chaos) geführt hat.
Man könnte die Kulturrevolution auch als Versuch im Sattel sitzen zu bleiben sehen.

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Beitrag von anderer Li » 03.10.2005, 23:04

Kerrigan hat geschrieben:
anderer Li hat geschrieben:Mit dem "Grossen Sprung" sowie der "Kulturrevolution" hatte er sicherlich keine böse Absicht gehabt, auch wenn es später zu katastrophalen Folgen (Millionen Opfer an Hunger und Chaos) geführt hat.
Man könnte die Kulturrevolution auch als Versuch im Sattel sitzen zu bleiben sehen.
Mao versuchte natürlich mit der Kulturrevolution seine Macht weiter zu sichern, obwohl eigentlich niemand in der Lage war, sie zu gefährden. Er wollte aber vor allen auch die abzeichnende kapitalistische Tendenz in seinem eigenen Umfeld schnell zu stoppen. Als die Situation total ausser Kontrolle zu geraten drohte, lies er sofort das Militär landesweit überall eingreifen, um die paramilitäsche Unruhe zu beenden. Die Millionen z.T. gewalttätigen Roten Gardisten mussten dann "runter in die Dörfer, rauf auf die Berge, um durch die armen Bauern wieder erzogen zu werden". Die meisten von ihnen zählen heute zu der "vorlorenen Generation"...
Man kann nicht mehr Zeit für sein Leben bekommen, jedoch mehr Leben für seine Zeit.

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Beitrag von Grufti » 04.10.2005, 00:12

Kann es sein, daß die Jugendlichen heutzutage auch wieder(oder: immer noch) "auf s Land" verschickt werden ??
Ich hatte vor 5 Jahren am Bahnhof in Hangzhou einem solchen Aufmarsch beobachten können...und irgendwie sah das nicht nach "Wandertag" aus....
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anonymus

Beitrag von anonymus » 06.10.2005, 15:21

hey Grufti,
als ich damals an einer Schule war, hingen Bilder aus, wie die Schüler in den Ferien aufs Land mussten. Also mir wurde gesagt das sie jedes jahr da hin müssen um zu helfen. Also denk ich mal besteht keine Sorge, dass sie die Jugendlichen dorthin "verschleppen".
Wäre ja schlimm wenn es noch so wäre!!!
Und sie sahen vielleicht nicht aus wie beim "Wandertag" weil sie hart gearbeitet haben?

mfg, anonymus

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Beitrag von Grufti » 06.10.2005, 22:08

anonymus hat geschrieben:hey Grufti,
als ich damals an einer Schule war, hingen Bilder aus, wie die Schüler in den Ferien aufs Land mussten. Also mir wurde gesagt das sie jedes jahr da hin müssen um zu helfen. Also denk ich mal besteht keine Sorge, dass sie die Jugendlichen dorthin "verschleppen".
Wäre ja schlimm wenn es noch so wäre!!!
Und sie sahen vielleicht nicht aus wie beim "Wandertag" weil sie hart gearbeitet haben?

mfg, anonymus
Hatte ich etwas von "verschleppen" geschrieben ??? :shock: :shock:


Ne...die sahen noch sehr "frisch " aus.... aber eben nicht nach "Wandertag"...wobei ich auch bezweifle, daß es soetwas in China gibt... aber das ist ja nebensächlich
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Beitrag von anderer Li » 06.10.2005, 22:56

die "aufs Land" Politik war schon in Jahr 1978 beendet. Die meisten verschickten jungen Menschen sind nach und nach wieder in ihre Heimatstadt zurückgekehrt, ausser denjenigen die schon in einer Bauerfamilie "integriet" worden sind, z.B. verheiratet, Kind bekommen etc.
Die heutigen Jugendlichen wissen ja nur wenig davon. Für sie ist das eine Geschicht der letzten Generation...
Man kann nicht mehr Zeit für sein Leben bekommen, jedoch mehr Leben für seine Zeit.

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Verbrecher

Beitrag von Shaggy » 18.04.2006, 14:55

Mao war mit Abstand der größte Verbrecher den Asien kannte!
Übrigens hängen in China mehr Fotos von ihm, als vom aktuellen Regierungschef :!:
Der Mensch erfährt, er sei auch wer er mag,
ein letztes Glück und einen letzten Tag.

(Johann Wolfgang von Goethe)

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Beitrag von meiyong » 18.04.2006, 15:54

Wieso hat er Tibet besetzt?

War das kein Expansionskrieg? War da nicht auch was mit Vietnam?

Ich schmeiss aber alles immer durcheinander. Wikipedia geht hier nur ziemlich umständlich also klärt mich doch bitte auf. Danke.

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