Es ist knapp mit Öl

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anderer Li
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Es ist knapp mit Öl

Beitrag von anderer Li » 29.08.2005, 18:05

Seit zwei Wochen ist in China landesweit eine Panik wegen Knappheit am Öl bzw. Benzin ausgebrochen. Das sieht man allein von der langen Schlange an jeder Tankstelle. Die durchschnittliche Wartezeit soll 3 bis 4 Stunden betragen. Manche Autofahrer lassen ihr Auto bereits am Vorabend vor der Tankstelle anstehen...

Zuvor hatten chinesische Medien die entsprechende Nachricht noch verbreiten können. Ab letzte Woche herrscht aber eine Todstille. Angeblich habe das Propagandaministerium die Medien angewiesen, den Mund zu halten.
Das Problem mit Energiereserven macht sich in China, durch die rasche Entwicklung langsam bemerkbar. Chinas Aussernpolitik seit den letzten Jahren ist auch sehr geprägt durch Aufbau der strategischen Partnerschaft mit Ölexportländer. Nachdem die Übernahme von Unocal durch National Offshore Oil Corporation Chinas (CNOOC) wegen Eingriff der US-Kongress gescheitert hatte, ist die China National Petroleum Corporation (CNPC) neuerdings gelungen, das Kashagan-Ölfeld in Kasachstan gegen indischen Konkurrenten zu erwerben, wo über 10 Mrd Tonnen Ölreserven vermutet werden.

Mittlerweile ist beim Öl-Preis zeitweise die Mark von 70$/Barel durchbrochen. Man macht dafür die Nachfrage aus China verantwortlich, ignoriert jedoch die Tatsache, dass die öl-produzierenden Region durch den Irakkrieg sowie angespannte Situation mit Iran weitgehend destabilisiert worden ist...
Man kann nicht mehr Zeit für sein Leben bekommen, jedoch mehr Leben für seine Zeit.

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Jens
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Beitrag von Jens » 29.08.2005, 20:06

Ist es nicht so, dass der Benzinpreis in China konstant gehalten wird (für den Endverbraucher), egal wie hoch der Barelpreis ist? Dachte mal das irgendwo gelesen zu haben.

Eine weitere Nation mit Ölpreisproblemen:
http://www.baz.ch/news/index.cfm?Object ... 1D70669E33

Ja und bei uns ist der Preis auch nicht niedrig. Man sollte möglichst schnell vom Erdöl als Kraftstoff wegkommen.

kevin031982
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Beitrag von kevin031982 » 30.08.2005, 11:55

Wenn man in China ein Auto hat, muss man noch viel Zusatzkosten die in Deutschland schon mit dem Oelpreis ausgepraegt sind bezahlen.

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anderer Li
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Beitrag von anderer Li » 30.08.2005, 18:57

Jens hat geschrieben:Ist es nicht so, dass der Benzinpreis in China konstant gehalten wird (für den Endverbraucher), egal wie hoch der Barelpreis ist? Dachte mal das irgendwo gelesen zu haben.
Ja, der Benzinpreis in China wird von der Regierung konstant gehalten und genau dort liegt das Problem. Stelle Dir mal vor, eine Ware die alle haben wollen und gleichzeitig auch billig (gehalten) ist . Was kommt daraus?
Wenn die regierung den Preis freigeben würde, würde die Nachfrage mit sicherheit wieder nachlassen. Beim Preisneveau wie hier würden die meisten Autofahrer in China wieder zum Fahrrad greifen müssen...
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Beitrag von kevin031982 » 30.08.2005, 19:51

das stimmt doch nicht.
Wie gesagt, in China muss man noch Zusatzkosten bezahlen, wie z.B. Autobahnpflegekosten.
Im Vergleich dazu sind in Deutschland alle Zusatzkosten mit Ölpreis drin. Also theoretisch muss man nur Versicherung bezahlen, wenn man sein Auto Jahrelang im Abstellplatz stehen lässt. Das ist nicht der Fall in China.Genau deswegen ist der Preis in Deutschland viel teurer als in China. verallgemeinert ist benzin in Deutschland nur etwa teurer als in China.

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Beitrag von Jens » 30.08.2005, 20:02

Ich stelle mit das künstliche Festhalten des Benzinpreises wie das Einnehmen eines Medikaments vor. Wird es zu lange benutzt, dann gewöhnt sich der Körper daran, wird abhängig und vielleicht noch kränker. Nur was ist zu lange :) ...

Der Autor von http://www.visitchina.de hat jetzt auch etwas darüber geschrieben:
.... der staatlich geregelte Preis von 1 Liter Benzin liegt inzwischen mit 0.42€ deutlich niedriger als in Deutschland (1.30€) und bei etwa der Haelfte was er eigentich kosten muesste. Damit wird aber auch bei schneller Steigerung der Weltmarkpreise erstmal der Rohoelimport nach China etwas gedrosselt, um den Verlust fuer den Staat geringer zu halten ... darum gibt's jetzt auch die Knappheit. Im Juli waren es uebrigens noch 0.03€/L weniger und selbst diese geringe Steigerung hat die Taxifahrer in Shanghai in eine tiefe Krise gestuerzt ! Leidtragende sind nun oft die Fahrgaeste, weil zum Energriesparen einfach die Klimaanlage ausgeschaltet wird....

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Beitrag von Grufti » 31.08.2005, 06:54

.... der staatlich geregelte Preis von 1 Liter Benzin liegt inzwischen mit 0.42€ deutlich niedriger als in Deutschland (1.30€) und bei etwa der Haelfte was er eigentich kosten muesste. Damit wird aber auch bei schneller Steigerung der Weltmarkpreise erstmal der Rohoelimport nach China etwas gedrosselt, um den Verlust fuer den Staat geringer zu halten ... darum gibt's jetzt auch die Knappheit. Im Juli waren es uebrigens noch 0.03€/L weniger und selbst diese geringe Steigerung hat die Taxifahrer in Shanghai in eine tiefe Krise gestuerzt ! Leidtragende sind nun oft die Fahrgaeste, weil zum Energriesparen einfach die Klimaanlage ausgeschaltet wird....
Warum sollte denn eigentlich eine Benzinpreiserhoehung die Taxifahrer in eine "tiefe" Krise stuerzen ???

Der erhoehte Benzinpreis kann doch direkt an die Fahrgaeste weitergegeben werden, und so den gewuenschten "Erziehungseffekt" erzielen..
Diejenigen , die sich jetzt schon ein Taxi leisten koennen, anstatt mit dem Bus zu fahren, haben es doch offensichtlich nicht so knapp...und koennen ruhig etwas mehr abgezockt werden.

"getroffen " werden sollen doch die vielen Privatleute, die mit dem eigenen Auto fahren "muessen" , und dies auch noch auf Kosten des Staates... und im Endeffekt auf Kosten der weltweit (nicht) vorhandenen Ressourcen.

Eine "Preisgestaltung" inkl. Steuern und sonstiger Abgaben koennten doch ein wirksames Mittel einer bewussten verkehrspolitischen und wirtschaftliche Steuerung sein... wie z.B. der Billigdiesel fuer Bauern in Deutschland

aber wieso soll das in China klappen, wenn schon die deutschen Politiker viel zu dumm dazu sind..

Jedes Land muss offensichtlich die gleichen Fehler machen, die andere Laender schon zuvor gemacht haben.

In Deutschland, dem Eisenbahnland schlechthin, wurde der Individualverkehr solange durch den Bau tausender von Kilometern von Autobahnen und gut ausgebauten Bundesstrassen staatlich subvebtioniert, dass eine Nebenbahn und eine Ueberlandbuslinie nach der anderen wegen Unrentabilitaet aufgegeben werden musste, bis alle aufs Privatauto umgestiegen sind...

Anstatt jetzt aber den Gebrauch des Privatautos durch gezielte Ermaessigung oder komplette Abschaffung der "Oeko-Steuer" fuer die oeffentlichen Verkehrsverbuende / Bahn den Leuten so richtig zu vermiesen, dem OEPVN aber soviel Fahrgaeste zuzufuehren, dass wegen der wesentlich erhoehten Nutzerzahl die Preise trotz erhoehter Energiekosten nicht jedes Jahr (manchmal im zweistelligen Prozentbereich !) angehoben werden muessen, krebst der OEPNV meist immer tief in der Verlustzone herum.

Sorry fuer diese Abschweifung .. :oops:
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !


Nr. 5 lebt !

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Beitrag von anderer Li » 31.08.2005, 10:13

kevin031982 hat geschrieben:das stimmt doch nicht.
Wie gesagt, in China muss man noch Zusatzkosten bezahlen, wie z.B. Autobahnpflegekosten.
Im Vergleich dazu sind in Deutschland alle Zusatzkosten mit Ölpreis drin. Also theoretisch muss man nur Versicherung bezahlen, wenn man sein Auto Jahrelang im Abstellplatz stehen lässt. Das ist nicht der Fall in China.Genau deswegen ist der Preis in Deutschland viel teurer als in China. verallgemeinert ist benzin in Deutschland nur etwa teurer als in China.
Der Preis von super benzin liegt hierzulande bereits bei 1,40 €/L, während in China noch mit umgerechnet 0,42€/L gehandelt ist.
Beim durchschnittlichen Verbrauch von 7,5L/100km und mit einer Jahreskilometerleistung von 15,000km kommt allein für Benzinkosten eine Unterschiede von über 1100,-€ aus. Allein dadurch würden viele normal verdieniender in China auf ihr Auto verzichten müssen.

Ist hier mit Ölpreis alles inklusiv? Aber bitte, neben der Versicherung können wir noch jede menge aufzählen: KFZ-Steuer, Jahresinspektion, Ölwechsel, Winter/Sommerreifenwechsel, Carwasch, TÜV, ADAC, wenn man über die Grenz fährt, fällt gleich auch Autobahngebühren an, und wenn das Fahrzeug noch irgendwann, irgend welchen Mangel aufweist, zockt der Handwerker dich nochmal schön kräftig ab... und das alles ist nicht nur wenig teurer als in China. Dann kommt noch der über dreifach so hohe Benzinpreis hinzu. Das kann man wohl nicht als "nur etwas teurer" bezeichnen.
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