Gesundheitssystem in China

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Gesundheitssystem in China

Beitrag von Gast » 17.04.2005, 09:50

Hallo !

Ich suche Informationen über das Gesundheitssystem in China. Meine
Frage hat folgenden Hintergrund. Ich hatte mich vor einigen Wochen für ein mehrjähriges Projekt in China zur Verbesserung des Gesundheitssystems (insb. für die Landbevölkerng) beworben.
Ich bin nun zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen worden und möchte mich so gut wie möglich vorzubereiten.

Über Informationen (z.B. Artikel in english oder deutsch) oder über eigene Erfahrungsberichte mit dem chin. Gesundheitssystem würde ich mich sehr freuen.

Vielen Dank !


Gast

Beitrag von Gast » 19.05.2005, 09:30

Hallo,
schauen Sie sich doch einfach mal Veröffentlichungen des Instituts für Asienkunde HH (Frau Schüller, Frau Schädtler) oder der Asienstiftung/Asienhaus (Bonn) oder auch Mitteilungen des IDS (Brighton) an (geht alles über das Internet). Da gibt es hin und wieder ganz schöne übersichtliche Darstellungen der aktuellen Probleme.
Mit freundlichem Gruß

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Beitrag von siedenderschnee » 11.12.2005, 20:54

Wenn man krank ist, geht man ins Krankenhaus.
Egal wie viel es kostet muss man alles selbst bezahlen. Krankenkasse kann man fast schon vergessen.
Wenn du in China bist dann sei doch mal vorsichtig und bleib lieber gesund.

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Beitrag von Grufti » 12.12.2005, 02:39

Ich hatte folgende wahre Geschichte nur am Rande miterlebt:

Ein chinesischer Rentner bekommt einen Herzkasperl... wird ins Krankenhaus gebracht, aber solange ohne Versorgung / OP gelassen, bis seine "Danwei" Bares für die Behandlung vorbeigebracht hatte...

Inwieweit er dann die Kosten selbst tragen muß, ist mir leider verborgen geblieben...
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !


Nr. 5 lebt !

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Beitrag von Taikonaut » 12.12.2005, 03:00

Gesundheitssystem in China? Purer Kapitalismus! Dort heißt es "Zahl oder stirb!" Wer nicht zahlen kann, wird höchstens experimentell behandelt, viele gehen gar nicht zum Arzt, da sie sich dessen bewusst sind. Diesbezüglich ging es den Menschen in China zur Zeit des Kommunismus besser. Was momentan dort herrscht ist erschreckend.

Ich könnte nun Geschichten erzählen, aber es gibt sicherlich einige die dessen Wahrheitsgehalt hier anzweifeln würden, deshalb halte ich mich zurück ;)

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Beitrag von Pengembara » 12.12.2005, 06:53

Eine Freundin von mir ist Ärztin hier in einem Krankenhaus in Hangzhou.
Auch sie hat mir von dem desolaten zustand des Gesundheitssystems erzählt. Auch finde ich es erstaunlich, wie wenig Ärzte hier verdienen, bei dem Arbeitsaufkommen und der Verantwortung.
Sie meinte, sie bereut es Ärztin geworden zu sein. Sie ist Chefin der Notaufnahme und unzufrieden ohne ende...
Wenigstens kenne ich jemanden, zu dem ich hinkann, wenn ich mal krank werde :wink: :wink:
Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden. - Rudolf Herzog (1869-1943)

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Beitrag von roshi » 12.12.2005, 08:18

Hi, Pengembra!

Ich hab als medizienische versorgung nur das was ich von daheim mitgebracht habe und miene chinesischen "Schweigereltern" mit ihren hausmitteln.

Ich wuerde mich aber weitaus sicherer fuehlen wenn ich wuesste wohin ich mich im Ernstfall wenden kann.
Wenn es dir und deiner freundin nicht zuviel ausmacht, dann wuerde ich mich echt freuen wenn du mir eine adresse oder telefonnummer geben koenntest.

Gruss,
roshi
好好学习,天天向上!Ich will schnell fertig werden..... und wieder ab nach China.

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Beitrag von Sinologiker » 12.12.2005, 12:56

ein koreanischer freund von mir ist im letzten winter nachts besoffen aus dem 4.stock gefallen und hat sich bein und wirbelsäule gebrochen. er hat sich dann zur strasse gerobbt und versucht ein taxi zu bekommen. leider hatte er kein geld dabei und es hat länger gedauert, bis sich einer der taxifahrer erbarmte diesen weinenden besoffenen haufen elend zum krankenhaus zu bringen. dort hat er ihn dann "herausgebeten" und mein freund durfte sich noch gut 50m bis zum haupteingang robben.
der war um 3uhr morgens natürlich geschlossen und so lag er laut eigenen angaben ca. 30 minuten vor der tür und hat um hilfe gerufen.
....das alles wie gesagt im schönen harbin winter, war wohl so um -15° schon im dezember.
schliesslich wurde ihm von jemandem geöffnet. er robbte in die empfangshalle und setzte sich auf einen stuhl. da er keinerlei geld, personalien was auch immer bei sich hatte konnte ihm nicht geholfen werden.
er saß da dann solange, bis er gegen 5uhr morgens endlich einen freund wachgeklingelt hatte und der mit geld vorbeikam.

tjoa, das war so die geschichte, die mich am wütendsten auf "China" gemacht hat. niemand hat geholfen. er hatte wie sich herausstellte drei zertrümmerte rückenwirbel. unglaublich....werde schon wieder wütend während ich das schreibe.
"glückliches" ende: nicht gelähmt, wahrscheinlich keine bleibenden schäden, er musste nur 3 monate ganzkörpergips tragen und durfte sich nicht bewegen. dazu noch die kosten für rückflug nach korea im krankenbett.

naja, nur eine geschichte, die man mir ja nicht unbedingt glauben muss. ich jedenfalls bin in 1jahr china nie zum arzt gegangen. lieber immer freunde nach hilfsmitteln gefragt.

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Beitrag von Qingdaobuddy » 12.12.2005, 13:45

Kann obige Berichte nur bestätigen

Bevor man deinen Kopf wieder annäht(falls Nadel und faden da sind)darfst du erst einmal bezahlen ... und egal was du hast gibts erst mal ne "Flasche" ... das will der chinese so,sonst ist der Arzt nicht gut .

Ein "einfacher" Krankenhausaufenthalt kostet ca. 3000 RMB (ohne medikamente und OP)pro Monat - 300 Euro,was für jemandem vom Land ein Halbjahreseinkommen entspricht.

Mein Bettnachbar hatte "Glück";seine 10.000 monatlich wurden vom Unfallverursacher übernommen; er verdiente 350 im Monat ;-) hätte er es selber bezahlen müssen ... man kann es sich vorstellen.

Und noch ein kleiner Tip am Rande : Wenn ihr dem Arzt sagt,er soll es billiger machen ... xiaoxin ... er wollte meine Betäubung weglassen :-)
Wär ja 2 Euro billiger geworden

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Beitrag von Pengembara » 12.12.2005, 14:03

@ Roshi
ich frag meine Freundin mal, ob sie was dagegen hat, doch ich geh mal nicht davon aus!
Ich geh diese Woche mit ihr ins Kino und danch kann ich dir höchstwahrscheinlich ihre Visitenkarte geben!

Viele Grüße
man sieht sich....
Wer glaubt etwas zu sein, hat aufgehört etwas zu werden. - Rudolf Herzog (1869-1943)

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Beitrag von roshi » 12.12.2005, 16:03

thx im vorraus :)
好好学习,天天向上!Ich will schnell fertig werden..... und wieder ab nach China.

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Beitrag von Scipio » 13.12.2005, 15:12

Ich verstehe die Verwunderung über das chin. Gesundheitssystem nicht. Die geschilderten Situationen sind so, wie in den ehemaligen Ostblockstaaten. Theoretisch ist die Versorgung gratis. Dafür verdienen die Angestellten des Gesundheitswesens fast nichts. Den Aerzten (den Burgeois) gönnt man schon gar nichts.Sie sind auf Trinkgelder angewiesen.
Uebrigens: in D werden im Laufe der nächsten 15 Jahre fast die Hälfte der erfahrenen Aerzte pensioniert. Nachwuchs in ausreichender Anzahl ist nicht in Sicht. Dafür findet man Tausende dt. Aerzte z. B. in der CH, auch in der freien Praxis. In vielen europ. Staaten ist die Versorgungssituation zunehmend schlechter. In GB kann man als Allgemeinversicherter z. T. jahrelang auf seine Routineoperation warten. Die Bsp. liessen sich fortsetzen.
Eine Verbesserung der med. Versorgung lässt sich nur erreichen, wenn höhere Einkünfte der Leistungserbringer möglich werden. Das gilt für jedes Land...

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Beitrag von Scipio » 17.12.2005, 21:32

Keine Kommentare? Dabei landen die meisten von uns früher oder später im Spital.
Wenn man schon das chin. System kritisiert, sollte man die europ. Systeme auch anschauen.

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Beitrag von Taikonaut » 18.12.2005, 01:48

Scipio hat geschrieben:Theoretisch ist die Versorgung gratis.
In China ist nichts mehr gratis!!!!!!

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