Ist China eine meritokratische Demokratie?

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wingtsun
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Re: Ist China eine meritokratische Demokratie?

Beitrag von wingtsun » 12.08.2021, 17:39

sweetpanda hat geschrieben:
12.08.2021, 16:40
Meritokratie ohne freie Presse ist Willkür.
Denn wer kann den Objektiv bestimmen wer "verdient/kompetent" ist?
Das kann auch die Presse nicht. Wenn das Konzept so "toll" wäre, würde man es doch irgendwo in Anwendung finden.
Die Bewertung von "Kompetenz" ist in vielen Bereichen leider sehr subjektiv. Nicht in allen, aber in vielen.
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Re: Ist China eine meritokratische Demokratie?

Beitrag von daf123 » 12.08.2021, 17:40

Sweetpanda, Ich habs gewusst-du bist Chinese.

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Re: Ist China eine meritokratische Demokratie?

Beitrag von daf123 » 13.08.2021, 19:19

Oder wer sonst nutzt google translator

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Re: Ist China eine meritokratische Demokratie?

Beitrag von ingo_001 » 14.08.2021, 22:52

punisher2008 hat geschrieben:
10.08.2021, 16:23
Ja, es ist leider wahr dass in China die Partei die absolute Macht hat. Ist gerade in letzter Zeit schlimmer geworden, siehe die brutale Gewalt gegenüber Aufständen in Hong Kong. Übrigens gab es in China noch nie Demokratie. Früher war es eben ein Kaiserreich, heute hat die Partei die absolute Macht. Traurig aber wahr.
Es gab Aufstände in Hong Kong?
Da muss ich wohl was verpasst haben.
Oder meinst Du, die Demos der Demokratiebewegung?

Komisch, wenn bei uns Demos aus dem Ruder laufen, dann ruft man (m.E. völlig zu Recht) nach der Polizei.
In Hong Kong ist das dann auf einmal die brutale Staatsgewalt.
Sicher implementiert die chin. Regierung nun schneller das Ruder in Hong Kong als viele hier gedacht haben.
Aber um auch das klar zu sagen: Hong Kong war und ist Teil Chinas und keine Spielwiese für die, die dachten,
in Hong Kong machen zu können was sie wollen.
Das konnten sie schon vor 1997 nicht. Da wurde Alles wesentliche in LONDON VON DER BRIT. REGIERUNG endschieden.
Der einzige de facto Unterschied war, dass sich die die Presse dort öffentlich und auch kritisch dazu äußern konnte.
Aber das wars dann auch schon dazu - ÄNDERN KONNTEN SIE NICHTS.
Und auch das Fabulieren von einer Unabhängigkeit Hong Kongs ...
Die hat es nie gegeben - zu keiner Zeit.
Das hat dann schon was von unseren sog. Quer-"Denkern" ... oder wie ich sie nenne: Leer-"Denker.

Sicher, man muss das chin. Regierungssystem nicht mögen.
Aber es wird - nach wie vor von der weit überwiegenden Mehrheit der Chinesen gestützt.
Und das wird so lange so bleiben, wie die Meisten mehr Vorteile als Nachteile sehen.

Und wenn man von den ost-asiatischen Ländern Richtung Westen blickt und sieht,
was man hier so alles duldet (Leer-"Denker" sind da nur ein Beispiel),
dann kann ich die mangelnde Begeisterung dafür durchaus mehr als nur nach vollziehen.
Egal, ob ich mit Chinesen, Süd-Koreanern, Vietnamesen oder Japaner spreche.
Die können da alle nur verständnislos mit den Köpfen schütteln.
Um auch das ganz klar zu sagen: Natürlich ziehe ich unser demokratisches System vor.
Aber wenn ich sehe, wie lange es braucht, bis es auf offensichtliche Fehlentwicklungen reagiert,
dann wird es höchste Zeit auch mal wieder das Wehrhafte der Demokratie in Erinnerung zu rufen.
Hier wird m.E. zu viel Augenmerk auf das Tolerieren gelegt.
Und - nein - auch eine Demokratie muss, soll und darf nicht alles erdulden und erleiden.
Ja, erdulden/erleiden ist genau das, was Toleranz im Wortsinn bedeutet (lat. tolerare)

Viel Spaß beim Nachdenken.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

Die Logik ist Deine Freundin - Wünsch-Dir-Was und Untergangs-Propheten sind falsche Freunde.

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Re: Ist China eine meritokratische Demokratie?

Beitrag von punisher2008 » 15.08.2021, 10:49

ingo_001 hat geschrieben:
14.08.2021, 22:52
punisher2008 hat geschrieben:
10.08.2021, 16:23
Ja, es ist leider wahr dass in China die Partei die absolute Macht hat. Ist gerade in letzter Zeit schlimmer geworden, siehe die brutale Gewalt gegenüber Aufständen in Hong Kong. Übrigens gab es in China noch nie Demokratie. Früher war es eben ein Kaiserreich, heute hat die Partei die absolute Macht. Traurig aber wahr.
Es gab Aufstände in Hong Kong?
Da muss ich wohl was verpasst haben.
Oder meinst Du, die Demos der Demokratiebewegung?
Ja, ich meinte natürlich die Demokratiebewegung. Teilweise kam es aber leider auch von Seiten der Demonstranten zu Ausschreitungen, daher könnte man in manchen Fällen schon von Aufständen sprechen. Natürlich verständlich da die Regierung HK immer mehr versprochene Rechte nimmt.

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Re: Ist China eine meritokratische Demokratie?

Beitrag von daf123 » 15.08.2021, 14:50

Wenn die zurück zu britischen Zuständen wollen, muss man dann nicht korrekterweise von einer Monarchiebewegung sprechen?

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Re: Ist China eine meritokratische Demokratie?

Beitrag von Laogai » 15.08.2021, 23:01

daf123 hat geschrieben:Wenn die zurück zu britischen Zuständen wollen, muss man dann nicht korrekterweise von einer Monarchiebewegung sprechen?
:lol: :lol: :lol:
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Re: Ist China eine meritokratische Demokratie?

Beitrag von sweetpanda » 16.08.2021, 17:23

Eine parlamentarische Monarchie wäre ein tolle Sache in China. Freie Wahlen, freie Medien, freie Gerichte und Xi darf jährlich einmal vorlesen was der vom frei gewählten Parlament bestimmte Premierminister im auf einen Zettel diktiert hat.
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Re: Ist China eine meritokratische Demokratie?

Beitrag von Friedensfreund » 13.09.2021, 17:51

sweetpanda hat geschrieben:
16.08.2021, 17:23
Eine parlamentarische Monarchie wäre ein tolle Sache in China. Freie Wahlen, freie Medien, freie Gerichte und Xi darf jährlich einmal vorlesen was der vom frei gewählten Parlament bestimmte Premierminister im auf einen Zettel diktiert hat.
Ein Zurück zu den Verhältnissen vor 1997 bedeutet kein Zurück zu einer Parlamentarischen Demokratie, sondern zum Absolutismus, basierend auf einer völkerrechtswidrigen und von der UN geächteten Besatzung durch die britische Kolonialmacht. Wenn also Studenten in Hong Kong mit der britischen Fahne aufmarschieren, ist es absolut richtig von einer Monarchiebewegung zu sprechen, die sich eine Gesellschaft ohne Arbeitsrecht, ohne Organisationsrecht, mit Gewerkschaftsverbot etc. wünscht, für die Hong Kong vor 1997 wie kaum ein anderer Fleck auf der Erde stand. Außer dem Gouverneur - und der Großkonzerne, denen er verpflichtet war, hatte in Hong Kong niemand was zu sagen. Arbeitssklaverei war eher Regel als Ausnahme.

Dass Hong Kong auch heute wenig mit einer Demokratie zu tun hat, auch wenn sich einiges verändert hat, liegt weniger an der Kommunistischen Partei, die noch für Jahrzehnte verboten ist, als an der Verfassung, die der letzte britische Gouverneur Hong Kong mit der Befreiung aus britischer Herrschaft oktroyiert hat und die unter anderem vorsieht, dass nur die Hälfte der Parlamentssitze durch freien Wahlen besetzt werden, währen die andere Hälfte der Sitze insbesondere von Großunternehmen bestimmt werden. So hat Hong Kong heute immer noch die höchste Arbeitszeit der Welt, es gibt nach wie vor Millionen "Cage people" und als Erbe der antisozialen und auf die völlige Unterwerfung der arbeitenden Bevölkerung orientierten Kolonialpolitik ist die Armutsquote in Hong Kong höher als irgendwo sonst in China.

Wie geschichtsvergessen außerdem, sich als Hong Konger den Westen als Vorbild zu nehmen, wenn man alleine an die Opiumkriege denkt, in denen sich China gegen die Überschwemmung mit Drogen durch das British Empire versuchte zu wehren. Auch Deutschland war am kolonialen Terror gegen China bei der Niederschlagung des antikolonialen sogenannten Boxeraufstands 1900 beteiligt. (Statt der neuen Kanonenbootspolitik gegen China wäre es angebracht, dass sich Deutschland endlich, nach über 120 Jahren, zu Entschädigungszahlungen verpflichtet und offiziell um Entschuldigung wegen der an Chinesen verübten Kriegsverbrechen bittet!)

Es gibt sicher gute Gründe für die Hong Konger, gegen die desaströsen sozialen Umstände zu demonstrieren. Der Westen kann da aber niemals als Vorbild dienen, ist er doch Verursacher Nummer 1 der sozialen Misere.
"Die Roheit kommt nicht von der Roheit, sondern von den Geschäften, die ohne sie nicht mehr gemacht werden können."
B. Brecht, 1935

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Re: Ist China eine meritokratische Demokratie?

Beitrag von Saiber » 14.09.2021, 14:17

Friedensfreund hat geschrieben:
13.09.2021, 17:51

........... liegt weniger an der Kommunistischen Partei, die noch für Jahrzehnte verboten ist, als an der Verfassung, die der letzte britische Gouverneur Hong Kong mit der Befreiung aus britischer Herrschaft oktroyiert hat und die unter anderem vorsieht, dass nur die Hälfte der Parlamentssitze durch freien Wahlen besetzt werden, währen die andere Hälfte der Sitze insbesondere von Großunternehmen bestimmt werden. .........
Das hat sich mittlereweile geaendert. Den Tycoons wurde von der Regierung in HK vor einiger Zeit viel Macht genommen indem man deren Sitze in den Wahlgremien reduzierte. Zu lange war Hongkongs Poltik von den Tycoons beeinflusst und bestimmt worden. Versuche, dies zu aendern scheiterte stets bei den Vetos und Widerstand dieser Unternehmer Lobbies und natuerlich an der von den Briten zurueckgelassenen Miniverfassung Hong Kongs. Steigende Lebenshaltungskosten, Mieten und Immobilienpreise waren die Konsequenzen welches auch viel zu der 2019 Hong Kong Unruhen beitrug. Dies hat man jetzt korrigiert trotz massive Proteste der Tycoons. So ist es z.B. den Tycoons auch nicht mehr erlaubt aus der eigenen Familie mehrere wahlbefugte Repraesentanten in den Gremien zu haben. Ein Unding, dass dies ueberhaupt von Anfang an erlaubt war. So hatten die Clans der Immoblientycoons wie z.B. die von Li Kasheng, sehr viel Macht und Gewicht in der Politik gehabt. Das Resultat: Hong Kong ist die teuerste Stadt auf der Welt, was Immobilienpreise und Mieten angeht.
Echtes Wissen ist, wenn Du das, was Du weisst, als Wissen erkennst, und das, was Du nicht weisst, als Nichtwissen akzeptierst.

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Re: Ist China eine meritokratische Demokratie?

Beitrag von Ajiate » 14.09.2021, 21:04

Danke an euch beide, dass ihr ein paar Fakten hier mal deutlich macht. Von meinem Patensohn habe ich viel über die Dinge erfahren und gewusst sowie auch gelesen, was bei uns ja tunlichst verschwiegen bzw. nicht thematisiert wurde. Hätte ja auch das in den Medien präsentierte Bild von HK verändern können. Versuch in meinem sonstigen Umkreis zur Klärung beizutragen, waren einfach nicht von Interesse oder zu mühsam. Und wer hätte es schon geglaubt, z.B. von den Wahlverhältnissen oder auch Einflussmöglichkeiten diverser Gruppierungen.
"Alles, was wir hören, ist eine Meinung, keine Tatsache. Alles, was wir sehen, ist eine Perspektive, nicht die Wahrheit."
Marcus Aurelius
Diskussion: Eine Methode, andere in ihren Irrtümern zu bestärken .
Ambrose Bierce

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Re: Ist China eine meritokratische Demokratie?

Beitrag von Saiber » 15.09.2021, 05:19

Ajiate hat geschrieben:
14.09.2021, 21:04

.... Und wer hätte es schon geglaubt, z.B. von den Wahlverhältnissen oder auch Einflussmöglichkeiten diverser Gruppierungen.
Auch der kleine Waehler Mustermann irgendwo in Musterdorf kann/und wird beeinflusst, manipuliert und mit unerfuellbaren Wahlversprechen korrumpiert werden. Insbesonders heute in den Zeiten von Social Medias, wo jeder seine Bildung bekommt anstatt in Schulen.
Aber nicht nur von den Social Medias, auch in der Presse. Es stehen ja bald die Superwahlen in Deutschland an. Ein Blick in die Presse, z.B. Spiegel, sagt schon viel aus, welche Parteien diese Journalistenschreiber ihren Leser "empfehlen". Nicht mit Tatsachen, Nachrichten und Gegebenheiten sondern mit der eignenen Meinung des Schreibers. Natuerlich hat jede Zeitung seine Neigung hin Rechts, Links oder Mitte. Frueher wurden Artikel als Nachricht, Meinung oder Kommentar deklariert. Heute sind die Grenzen zwischen denen so sehr verschwommen, dass diese ansich nicht mehr auseinander gehalten werden koennen.
Dazu auch gesagt, dass un"Bildung", Willkuer und "Leichtglaeubigkeit" immer oefters bei Journalisten aus renomierten Pressehaeusern vorkommt - Pressekodex war Gestern, heute zaehlen nur noch die "Klicks". Und wer die meisten Klicks hat, kann am meisten beeinflussen.

"it is pure tragedy because it is essentially the truth ... go home and ask whether what passes as journalism today really is journalism"
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