Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Übersetzungen, Computerprobleme, Chinesische Zeichen, Studium in China, Sinologie usw.
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Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von Old Groove » 30.08.2012, 13:07

Liebe Foristen,

bislang habe ich das Forum als passiver Mitleser sehr genossen. Zum Eintritt ins Forum bringe ich o. g. Frage mit.

Als ich in den achtziger Jahren (des letzten Jahrhunderts ;-)) zu einem Chinesischkurs an der Universität Hamburg war, habe ich dort von einer Lektorin aus Taiwan einen chinesischen Namen bekommen. Die Zeremonie war sehr nett, sie führte mit jedem aus dem Kurs ein kurzes Einzelgespräch und am nächsten Tag bekam jeder seinen chinesischen Namen persönlich mitgeteilt. Meiner war Bù Fànrén 步 範仁. Ich fand den Namen super, das klassische 仁im Namen, was wollte ich mehr?
Wenig später sagte mir ein Sinologe, der mehrere Jahre in Taiwan gelebt hatte, dass der Name von den Schriftzeichen her sehr gelungen sei, aber phonetisch hieße Fànrén eben auch Häftling (犯人).
Ich habe dazu noch verschiedentlich die wenigen Chinesen gefragt, die mir zu dieser Zeit über den Weg liefen, aber nie eine eindeutige Antwort erhalten. Beruflich hatte ich später nichts mit Chinesisch zu tun und vergaß das Ganze.
Im letzten Jahr habe ich wieder einen VHS-Kurs in Chinesisch belegt, meinen chinesischen Namen ausgegraben und stolz wie Oskar der Chinesischlehrerin (aus Mainland) gezeigt. Sie hat ihn auch gebührend bewundert. Auf meine Frage, wie sie denn das phonetisch fände, von wegen Häftling und so, sagte sie nur trocken: ändere ihn (ich meine, sie schlug irgendwas mit Fanlan vor).

Mir ist bis heute nicht klar, ob und was der Name phonetisch bei einem Chinesen auslöst. Durch die Silbenarmut im Chinesischen dürften Mehrfachbedeutungen nicht so selten sein.
Ich bitte um hilfreiche Antworten.... :-)

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Re: Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von nohangups » 31.08.2012, 14:11

OK...
1. meines Wissens “步” ist keiner Nachname.
2. stimmt, es klingt genauso wie Häftling. Ich schläge vor ihn zu ändern. Aber vorsichtig, bitte ihn nicht einfach umkehren, weil entweder "Fànrén " oder "rénfàn" dieselbe Bedeutung hat!

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Re: Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von punisher2008 » 01.09.2012, 04:53

nohangups hat geschrieben:OK...
1. meines Wissens “步” ist keiner Nachname.
Das bestätigt auch mein Lexikon. Komisch wie eine Chinesin auf so einen Familiennamen kommt. Vielleicht klingt er ähnlich wie sein deutscher und sie hat irgendein Schriftzeichen gewählt was lautlich passt. Aber ich finde wenn man sich schon einen chinesischen Namen zulegt dann sollte er zumindest "echt" sein, also jedenfalls existierende Familiennamen verwenden.

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Re: Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von Grufti » 01.09.2012, 13:32

punisher2008 hat geschrieben:
nohangups hat geschrieben:OK...
1. meines Wissens “步” ist keiner Nachname.
Das bestätigt auch mein Lexikon. Komisch wie eine Chinesin auf so einen Familiennamen kommt. Vielleicht klingt er ähnlich wie sein deutscher und sie hat irgendein Schriftzeichen gewählt was lautlich passt. Aber ich finde wenn man sich schon einen chinesischen Namen zulegt dann sollte er zumindest "echt" sein, also jedenfalls existierende Familiennamen verwenden.

Also ... diese Frage hat mich veranlaßt, mal nach langer, langer Zeit mein (Reprint)Lexikon von Herbert A.Giles, das ursprünglich aus dem Jahr 1835 stammt, hervorzuholen, denn ich hatte noch in sehr guter Erinnerung, daß es dort eine Liste von über 2000 chinesischen Familiennamen gibt.

Dort existiert “步” schon als Familienname, der bereits in dem Werk 百家姓 aus dem 10.Jahrhundert als solcher verzeichnet ist..

百家姓 in Wikipedia


Gewöhnlich ist “步” als Familienname sicher nicht... :wink:
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Re: Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von Yano » 01.09.2012, 16:45

Eine chinesische Freundin von mir (die schon hochbetagt ist), hatte ein von der Nachrichtenagentur Shin Hua vor Jahrzehnten herausgegebenes Glossar für viele tausend gängige westliche Namen. Familiennamen sowieso, meiner steht da auch. Auch mein Vorname, der aber mehrsilbig ist und darum eigentlich nicht geht.

Apropos, da gabs doch so eine Geschichte von einem Deutschen (der hieß Scharl oder so), der im 18. oder 19. Jahrhundert beim Kaiser vorsprach und abgewiesen wurde und erst dann Gnade bei Hofe erlangte, als er sich nicht nur Sprachfähigkeit, sondern auch einen kurzen (maximal dreisilbigen) Namen zugelegt hatte, den ich aber jetzt nicht weiß.

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Re: Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von punisher2008 » 02.09.2012, 02:21

Grufti hat geschrieben: Also ... diese Frage hat mich veranlaßt, mal nach langer, langer Zeit mein (Reprint)Lexikon von Herbert A.Giles, das ursprünglich aus dem Jahr 1835 stammt, hervorzuholen, denn ich hatte noch in sehr guter Erinnerung, daß es dort eine Liste von über 2000 chinesischen Familiennamen gibt.

Dort existiert “步” schon als Familienname, der bereits in dem Werk 百家姓 aus dem 10.Jahrhundert als solcher verzeichnet ist..
Oh, dann wird es wohl stimmen. Allerdings scheint der Name wirklich extrem selten zu sein, denn normalerweise sind in meinem Lexikon Familiennamen immer angegeben.
Yano hat geschrieben:Eine chinesische Freundin von mir (die schon hochbetagt ist), hatte ein von der Nachrichtenagentur Shin Hua vor Jahrzehnten herausgegebenes Glossar für viele tausend gängige westliche Namen.
Die korrekte Pinyin-Schreibweise wäre XIN Hua, "shin" gibt es nicht. Oder ist deine Bekannte etwa aus Taiwan? Dort hat man ja eine andere Umschrift.
Aber wieso eigentlich deinen Familiennamen "übersetzen" statt dir einfach einen neuen rein chinesischen zuzulegen?
Mir hat auch mal eine Freundin aus Taiwan einen Namen verpasst der sich an meinem Familiennamen orientierte. Fand ich aber ehrlich gesagt nicht so optimal. Jetzt habe ich seit 18 Jahren einen echten chinesischen Namen der absolut nichts mit meinem westlichen zu tun hat. Das halte ich immer noch für die elegantere Lösung.

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Re: Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von Grufti » 02.09.2012, 03:56

punisher2008 hat geschrieben:
Yano hat geschrieben:Eine chinesische Freundin von mir (die schon hochbetagt ist), hatte ein von der Nachrichtenagentur Shin Hua vor Jahrzehnten herausgegebenes Glossar für viele tausend gängige westliche Namen.
Die korrekte Pinyin-Schreibweise wäre XIN Hua, "shin" gibt es nicht. Oder ist deine Bekannte etwa aus Taiwan? Dort hat man ja eine andere Umschrift.
Eine andere (alphabetische) Umschrift ? :roll:

Inzwischen sind es vier:

Immer noch aufzufinden "Wade-Giles"(Giles : siehe oben!), dann "Tongyong-Pinyin" , "Gwoyeu Romatzyh", und Hanyu-Pinyin

Vergleichende Tabelle der Umschriften


Privat bediene ich mich eh lieber des "Bopomofo(ㄅㄆㄇㄈ)"-Systems :oops: 8)
punisher2008 hat geschrieben: Aber wieso eigentlich deinen Familiennamen "übersetzen" statt dir einfach einen neuen rein chinesischen zuzulegen?
Mir hat auch mal eine Freundin aus Taiwan einen Namen verpasst der sich an meinem Familiennamen orientierte. Fand ich aber ehrlich gesagt nicht so optimal. Jetzt habe ich seit 18 Jahren einen echten chinesischen Namen der absolut nichts mit meinem westlichen zu tun hat. Das halte ich immer noch für die elegantere Lösung.
Wieso nicht einfach für die erste Silbe des chinesischen Namens --wie gehabt -- die erste für Chinesen aussprechbare Silbe des deutschen FN ( muß im Falle "Bu" ja nicht unbedingt das 步 sein, gibt sicher auch andere "Bu"s) --und für den Nachnamen nicht die lautliche Transskription, sondern die wörtliche Übersetzung der Bedeutung des deutschen Vornamens hernehmen

Ich bin jedenfalls mit meinem selbstgebastelten "chinesischen" Namen vollauf zufrieden... denn beim Googeln kommt er auf 2600 Fundstellen...
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Re: Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von punisher2008 » 02.09.2012, 04:24

Grufti hat geschrieben:\

Eine andere (alphabetische) Umschrift ? :roll:

Inzwischen sind es vier:

Immer noch aufzufinden "Wade-Giles"(Giles : siehe oben!), dann "Tongyong-Pinyin" , "Gwoyeu Romatzyh", und Hanyu-Pinyin

Vergleichende Tabelle der Umschriften


Ich bediene mich privat eh lieber des "Bopomofo(ㄅㄆㄇㄈ)"-Systems :oops: 8)
Ja, stimmt natürlich. In der Beziehung finde ich die Lösung auf dem Festland tatsächlich besser, da wird einheitlich Pinyin benutzt. Nur hoffe ich dass Taiwan die Langzeichen beibehält. Wäre wirklich schade wenn auch die noch auf die teilweise hässlichen und unsinnigen Kurzzeichen umsteigen würden. Ist leider zunehmend in HK der Fall. :roll:
P.S.: Du bist doch in München oder? Stehst du immer schon um 4h auf und bist im Forum aktiv? :wink:

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Re: Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von Grufti » 02.09.2012, 04:32

punisher2008 hat geschrieben:
P.S.: Du bist doch in München oder? Stehst du immer schon um 4h auf und bist im Forum aktiv? :wink:
Ja ich bin in München ...aber ich schlafe gewöhnlicherweise so 2-3 Stunden.. bin dann hier aktiv..und gegen 4:30 Uhr gehe ich wieder langsam ins Bett...für die zweite Runde Schlaf...

aber das ist zu O.T.
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Re: Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von Old Groove » 03.09.2012, 19:46

Vielen Dank für Eure Statements. Ich werde den Namen ruhen lassen.

Als ergänzende Info für Interessierte und weil die Frage auftauchte: Der Name wurde phonetisch an meinen deutschen angelehnt. Damals wurde uns das so erklärt: Die Namen sollten individuell sein, phonetisch an den Originalnamen erinnern und eine gewisse Eleganz in den Schriftzeichen besitzen (Natürlich sollte die phonetische Verwandschaft nicht erzwungen werden, beispielsweise für den Nachnamen Sommer wurde Xià 夏 empfohlen). Das Handwerk der Namensgebung für Ausländer galt als kleine Kunst, das nur gebildete Chinesen oder sehr erfahrene Sinologen ausüben sollten.
Aber das alles war im letzten Jahrtausend :) , heute sicher nicht mehr zeitgemäß.

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Re: Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von Mingyu » 10.09.2012, 23:09

Darf ich mit derselben Frage anschließen?

Den (Vor-)Namen Mingyu (明雨) habe ich mir zugelegt, als ich angefangen habe, mich mit Chinesisch zu beschäftigen. Inzwischen habe ich mich etwas mit Mehrfachbedeutungen und Symbolen beschäftigt und frage mich nun, ob man tatsächlich "heller Regen" versteht oder ob die Bedeutungen "offenkundig, öffentlich" und .. öhm .. Geschlechtsverkehr :oops: womöglich für das chinesische Ohr mitklingen?
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Re: Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von Grufti » 11.09.2012, 03:17

Mingyu hat geschrieben:Darf ich mit derselben Frage anschließen?

Den (Vor-)Namen Mingyu (明雨) habe ich mir zugelegt, als ich angefangen habe, mich mit Chinesisch zu beschäftigen. Inzwischen habe ich mich etwas mit Mehrfachbedeutungen und Symbolen beschäftigt und frage mich nun, ob man tatsächlich "heller Regen" versteht oder ob die Bedeutungen "offenkundig, öffentlich" und .. öhm .. Geschlechtsverkehr :oops: womöglich für das chinesische Ohr mitklingen?
Hallo Mingyu !

Herzlich willkommen in unserem Forum ! :wink:
Bei Google habe ich eine Statistik über den Namen 明雨 gefunden.... :wink:
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Re: Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von Mingyu » 11.09.2012, 08:48

Ich verstehe zwar nicht, was da steht, aber ich verstehe "Error 404" :)

Ok, dann wähle ich mir für den Alltag bei Gelegenheit mal einen Namen, den es gibt.

Ist 明雨 als "Künstlername" (oder Forumsname) zumindest nicht lächerlich? :roll:
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Re: Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von Mingyu » 11.09.2012, 08:52

Huch,oder gibt es 明雨 doch? Ich versteh die Seite ehrlich gesagt nicht.
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Re: Mein chinesischer Name – brauchbar oder nicht?

Beitrag von Torte » 11.09.2012, 09:10

Wie waere es mit 小明? oO
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