Der Einzug von NPD in den Landtag

Hier kann über alle sonstigen Themen diskutiert werden.
Benutzeravatar
kitty
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 500
Registriert: 21.08.2006, 12:47

Beitrag von kitty » 18.09.2006, 22:47

Zu letzterem brauchst Du nur das Elternhasserbuch zu lesen. All diese Typen die Du da beschrieben siehst, kennt man aus eigener Erfahrung. Also wo ansetzen? Wieder im Elternhaus und in der Schule!
Die Kommunikation sollte schon mit den werdenden Eltern beginnen, nicht als Bevormundung, sondern als eine Art wohlwollender Kontrollinstanz. So wie sie es auch geben sollte, um Kindesmisshandlund durch Überforderung auszuschliessen. Da sind wir doch wieder beim Wissen und Unterstützung durch den Staat. Fähige Eltern bringen in der Regel auf fähige Kinder auf den Weg, die andere Interessen haben (ob nun Harz IV oder nicht) als rechtes Gedankengut aufleben zu lassen. Alles andere ist graue Theorie. Da müssten Politiker her, die näher am Menschen sind - und da meine ich nicht Hand in die Tasche des Menschen.
:twisted:

Benutzeravatar
Bellerophon
Forumsprofi
Forumsprofi
Beiträge: 166
Registriert: 09.04.2006, 23:33

Beitrag von Bellerophon » 18.09.2006, 23:27

Weitere Verbote bzw. bestimmte Arten von Gefängnisstrafen würden die Lage sogar noch verschlimmern. Bei Verboten denke ich vor allem an Denkverbote, die es nicht nur in Bezug auf die Themen der Rechtsradikalen gibt.
Ich halte ehrlich gesagt nicht viel von solchen Überlegungen, ob es denn jetzt klüger wäre, die NPD zu verbieten oder nicht. Es sollte eine juristische Entscheidung sein: Verstoßen die Existenz, Agitation und die Aktivitäten der NPD gegen das Grundgesetz, den Grundkonsens auf dem unser gesellschaftliches Miteinander beruht, dann kann es keinen Platz für diese Organisation geben.
Ein Verbot der Partei würde ja auch nicht zwangsläufig zur Bestrafung der früheren Mitglieder führen, solange sich diese an das Verbot halten und selbst dann würde es sich erstmal um die Anführer handeln. Denen bekäme ein sozialer Abstieg ganz gut.
Die NPD würde nicht wegen des Denkens verboten werden, sondern wegen der Missachtung deutscher Gesetze.

Aus politischer Sicht ist die Kapitulation der etablierten Parteien in Bezug auf ein Verbotsverfahren sogar kontraproduktiv. Eine solche Panne, wie beim esrten Versuch, musste von der rechten Szene als Schwäche der Demokratie gewertet werden. Dass die Sache nun nicht weiter diskutiert wird, lässt die NPD wie einen Sieger und den deutschen Staat sowie seine Gesellschaft schwach aussehen.

Denken und Diskutieren sind ja schön und gut aber bei Menschenrechten hört der Spaß auf.

Wenn ich zum Beispiel mutwillig und nachweislich einen Menschen mit dem Auto überfahren habe, werde ich angeklagt, verurteilt und inhaftiert, weil ich gegen deutsche Gesetze verstoßen habe.
Da kann mein Anwalt nicht sagen: "Ach, drücken sie doch noch mal ein Auge zu! Sie machen dem jungen Mann doch sein ganzes Leben kaputt, im Knast wird er doch blos kriminell...und überhaupt muss man doch mal fragen können, ob das Opfer die Tat vielleicht doch verdient hat...",
Auch der Verteidiger in einem Zivilprozess kann nicht einfach deutsche Gesetze in Frage stellen oder irgendwelche Bedenken ob meines sozialen Abstiegs geltend machen.

Die NPD agitiert gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung unserer Gesellschaft und sie fördert in ihren Kreisen Gruppierungen und Personen, damit diese aktiv gegen deutsche Gesetze verstoßen, indem sie Menschen drangsalieren und verletzen oder sogar töten. Dies ist allerorts unbestritten und könnte auch einwandfrei belegt werden (es wäre ja schon beinahe geschehen)
Ergo KANN und MUSS die NPD verboten werden.

Benutzeravatar
kitty
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 500
Registriert: 21.08.2006, 12:47

Beitrag von kitty » 18.09.2006, 23:51

Richtig!!! Aber wir müssen von zwei Seiten arbeiten: Das was da ist aus den von Dir, Bellerophon, erwähnten Gründen mit rechtsstaatlichen Mitteln bekämpfen und den Kindern und Jugendlichen eine adäquate Erziehung und Bildung zukommen lassen, dass solche Gruppierungen keinen Zulauf mehr finden.
:twisted:

name
Teilnehmer
Teilnehmer
Beiträge: 46
Registriert: 23.07.2006, 01:45

Beitrag von name » 19.09.2006, 00:10

kitty hat geschrieben:Die Kommunikation sollte schon mit den werdenden Eltern beginnen, nicht als Bevormundung, sondern als eine Art wohlwollender Kontrollinstanz.
Da würde dir recht geben, wenn wir im Mittelalter wären. Leider wollen die meisten (potentiellen) Eltern heute nur nicht mehr Verantwortung übernehmen, sondern eher mehr an den Staat bzw. andere Organisationen abgeben. In Zukunft sollen die Kinder wohl von der Geburt erst in die Kindertagestagesstätte, dann in den Kindergarten, anschließend in die Schule und letztenendes aus dem Haus. So traditionell unsere Denkmuster (bezüglich Familie usw.) auch sind, die Masse der Bevölkerung scheint im Begriff zu sein, sich in Richtung von "mehr staatlicher Regulierung" zu bewegen. Also muss man als Bürger in Zukunft auch immer mehr aufpassen, wer an die Macht kommt.
Fähige Eltern bringen in der Regel auf fähige Kinder auf den Weg, die andere Interessen haben (ob nun Harz IV oder nicht) als rechtes Gedankengut aufleben zu lassen. Alles andere ist graue Theorie.
Hier könnte man dich ja fast schon für Konfuzius halten... :wink: Mittlerweile bewegt sich aber auch alles im Bereich "Familie" in irgendwelche Grauzonen. Für viele Jugendliche war zu meiner Schulzeit (90er) schon die Clique mehr "Familie" als die Eltern. Durch Fortbildungskurse könnten Eltern vielleicht lernen, etwas geduldiger oder toleranter zu werden, bloß ändert dies nichts an der Tatsache, dass sie fast gar nichts mehr mit ihren heranwachsenden Kindern zu tun haben.

Die politische Orientierung basiert zumindest teilweise auf der kulturellen Orientierung. Auch da kenne ich vorwiegend Fälle, in denen Kinder u. Jugendliche eher "sich selbst" (d.h. den "unreifen" Mitschülern) überlassen wurden. Eltern kriegen erst relativ spät mit, wofür sich ihre Kinder interessieren, sei es Hip-hop-Subkultur, Neonazi-Subkultur oder irgendetwas anderes.
Da müssten Politiker her, die näher am Menschen sind - und da meine ich nicht Hand in die Tasche des Menschen.
Stimmt. Im Wahlkampf behaupten zwar so ziemlich alle Politiker, "nahe am Menschen" zu sein, aber alle haben ihren spzifischen "Background". Dem zufolge, was ich über die gängigen Meinungen im akademischen Milieu weiß, gibt es unter Akademikern, zu denen die Politiker heutzutage gehören, nicht besonders viele volksnahe Leute. An den Universitäten bewegt man sich sogar eher vom normalen Menschen weg, indem man sich irgendwelchen Sackgassen-Theorien widmet, die von mittelalterlichen Vorstellungen der menschlichen Natur ausgehen...

Außerdem schließen sich, früher oder später, alle Leute mit politischen Ambitionen irgendwelchen Lobbies an, die sie von den Interessen des Durchschnittsbürgers wegführen. Kurzgesagt, selbständiges Denken ist wohl auch heute noch eine Rarität trotz aller "Revolutionen" und "Reformen". Es kann meiner Ansicht nach nicht gelehrt werden (weder von Eltern noch von Schule). Bestenfalls kann vermieden werden, dass es in den Bildungseinrichtungen unterdrückt wird. Daher würde ich bei den staatlichen Einrichtungen ansetzen, um mündige Politiker zu fördern, die auch langfristig "nahe am Menschen" bleiben, ohne auf populistisches Niveau abzusinken.

Benutzeravatar
Grufti
Titan
Titan
Beiträge: 24170
Registriert: 30.09.2004, 22:25
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 21 Mal

Beitrag von Grufti » 19.09.2006, 00:12

Ergo KANN und MUSS die NPD verboten werden
Meines Wissens sind bisher nur 2 Parteien in der BRD verboten worden:
die rechte SRP und die linke KPD..
aber was hat es denn gebracht???? nüscht...denn nach wie vor gibt es rechte und linke Nachfolgegruppierungen.

Der "Rechtsstaat " hatte sich bei den Ermittlungen für ein Verbot der NPD so gnadenlos lächerlich gemacht, daß die NPD sich sicher fast totgelacht hatte, weil die Gegner so saudumm waren...
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !


Nr. 5 lebt !

name
Teilnehmer
Teilnehmer
Beiträge: 46
Registriert: 23.07.2006, 01:45

Beitrag von name » 19.09.2006, 00:42

Bellerophon hat geschrieben:
Weitere Verbote bzw. bestimmte Arten von Gefängnisstrafen würden die Lage sogar noch verschlimmern. Bei Verboten denke ich vor allem an Denkverbote, die es nicht nur in Bezug auf die Themen der Rechtsradikalen gibt.
Denken und Diskutieren sind ja schön und gut aber bei Menschenrechten hört der Spaß auf.

Wenn ich zum Beispiel mutwillig und nachweislich einen Menschen mit dem Auto überfahren habe, werde ich angeklagt, verurteilt und inhaftiert, weil ich gegen deutsche Gesetze verstoßen habe.
Da kann mein Anwalt nicht sagen: "Ach, drücken sie doch noch mal ein Auge zu! Sie machen dem jungen Mann doch sein ganzes Leben kaputt, im Knast wird er doch blos kriminell...und überhaupt muss man doch mal fragen können, ob das Opfer die Tat vielleicht doch verdient hat...",
Auch der Verteidiger in einem Zivilprozess kann nicht einfach deutsche Gesetze in Frage stellen oder irgendwelche Bedenken ob meines sozialen Abstiegs geltend machen.
Bei Mord aus niederen Beweggründen würde ich auch nicht auf Straffreiheit plädieren. Ich wollte hier nicht polarisieren, bloß andeuten, dass es auch Alternativen zur Gefängnisstrafe gäbe, wobei einige davon sicherlich nicht ohne weiteres von Europäern akzeptiert werden würden, weshalb ich sie auch nicht erst angesprochen habe. War kein Bekehrungsversuch zu meiner Meinung.

Benutzeravatar
Bellerophon
Forumsprofi
Forumsprofi
Beiträge: 166
Registriert: 09.04.2006, 23:33

Beitrag von Bellerophon » 19.09.2006, 02:51

aber was hat es denn gebracht???? nüscht...denn nach wie vor gibt es rechte und linke Nachfolgegruppierungen.
@Grufti
langfristig ist es natürlich keine endgültige Lösung, aber mittelfristig könnte man die rechte Szene unter Druck setzen. Sie müssten sich neu formieren oder massenweise zu einer anderen Partei überlaufen, was aber vorübergehende Instabilität bei der neuen Partei hervorrufen könnte. Möglicherweise würden bei der Gelegenheit dann auch ein paar besonders schlimme Finger ins Netz der Staatsanwaltschaft gehen...
Und wenn dann nach ein paar Jahren eine neue Partei aufwartet, müsste man die eben auch verbieten: Meiner Meinung nach ist es eben eine juristische Entscheidung. Wenn eine politische Organisation kriminelle Handlungen fördert, dann kann sie einfach nicht weiter geduldet werden.

Politisch gesehen ist ein erneuter Verbotsantrag sogar das beste was man machen kann, Grufti, du sagst es ja selbst:
Der "Rechtsstaat " hatte sich bei den Ermittlungen für ein Verbot der NPD so gnadenlos lächerlich gemacht, daß die NPD sich sicher fast totgelacht hatte, weil die Gegner so saudumm waren...
So etwas darf man einfach nicht auf sich sitzen lassen! Der "Rechtsstaat" muss endlich mal zeigen, dass er noch Zähne hat. Ein Verbot würde ja auch als Signal nach außen wirken.

@name
Ich wollte hier nicht polarisieren...War kein Bekehrungsversuch zu meiner Meinung.
Ist doch OK, wir diskutieren doch nur ein bisschen. Ich bin dir sogar dankbar für Deinen Einwand. Dadurch bin ich nämlich auf diesen niedlichen Vergleich mit dem Auto und dem Zivilprozess gekommen. :wink:

Benutzeravatar
belrain
VIP
VIP
Beiträge: 2696
Registriert: 10.08.2005, 09:45
Wohnort: China/Shanghai/QingPu/ZhuJiaJiao

Beitrag von belrain » 19.09.2006, 07:55

Andererseits sollte man auch bedenken das ein Verbot dazu führen kann, dass viel mehr im Untergrund und dadurch unbeobachtet agiert wird.
bellerophon hat geschrieben: Am schlimmsten ist es, dass man sich als Ausländer in Deutschland mancherorts tatsächlich nicht sicher fühlen kann.
Tut mir leid wenn ich das sagen muss, aber es gibt viele Ecken in Deutschland - auch in meiner Stadt - wo ich als Deutscher nicht mehr durchgehen mag. Nicht mal am Tag.
Die Rechte Bewegung findet also durchaus auch seine Gründe im Verhalten unserer "Gäste".

Ich bin auch der Meinung, Aufklärung beginnt in der Familie. Heutzutage muss man für alles einen Schein machen, aber heiraten und Kinder kriegen darf jeder Depp. Dazu kommt unser super Fernsehprogramm, dass eher der Volksverdummung als der Bildung dient. Und viele Eltern setzen ihre Kinder ja einfach vor den Fernseher um ihre Ruhe zu haben. Was soll denn dann aus solchen Kindern werden?

Unser Staat müsste sicherlich für mehr Arbeit, gerechtere Verteilung der Gelder, Jugendzentren etc. sorgen, aber das ist mit unserer "glorreichen Vergangenheit" nicht zu vereinbaren. Denn das würde bedeuten, das wir nicht mehr das Auffangbecken allen Abschaums sind, der woanders nicht gewollt ist. Ich als Deutscher finde es schon ungerecht, dass ich so viel Steuern zahlen muss von meinem erarbeiteten Geld, und viele Ausländer herkommen und einfach nur die Hand aufhalten. Wohl gemerkt, viele - nicht alle.

Als Erstes müsste der Haushalt so geplant sein, dass alles notwendige Geld in den Aufbau unseres Landes fliesst. Wenn dann noch was übrig ist, kann man es an andere Länder "verleihen". Aber derzeit wird festgelegt, wir müssen jährlich Betrag X an andere "bedürftige" Länder geben, damit diese in der Wirtschaft wettbewerbsfähig werden und unsere Wirtschaft kaputt machen. Und wenn dann noch Geld übrig ist, kann man es in unsere Bildung investieren. Ist doch kein Wunder das die Leute die Schnauze voll haben, keine Perspektiven sehen und sich einen Strohhalm greifen der eine Änderung verspricht.

Also, einfach nur solche Parteien verbieten und ansonsten in Deutschland so weiter machen wie bisher macht keinen Sinn.
Das Leben ist schön

Shanghai - seit 2009
1. April 2012 - Neuer Job (gleiche Firma) und nochmal mindestens 3 Jahre Shanghai
1. April 2015 - Neuer Job (gleiche Firma) und nochmal mindestens 3 Jahre Shanghai

Benutzeravatar
kitty
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 500
Registriert: 21.08.2006, 12:47

Beitrag von kitty » 19.09.2006, 10:17

Ihr hab ja gestern Nacht wieder schön viel Zeit gehabt.
Ich glaube, die Anhänger der NPD werden auf lange Sicht ihrer Partei das eigene Grab schaufeln. Soll eine Partei über lange Zeit bestehen, muss sie viele fähige Köpfe haben. Da aber der statische Durchschnitt des IQ der NPD-Anhänger weit unter dem meines Hundes liegt, sehe ich nicht die Gefahr, dass sie sich etablieren wird. Sicher werden sie ihre Treffen abhalten, sicher werden sie sich auch gegenseitig mit ihren saudummen Parolen aufputschen und Straftaten begehen, aber noch haben wir mehr Verkehrstote im Jahr, als Opfer rechter Gewalt. Ich will das nicht beschönigen und verabscheue solche Taten, von wem auch immer sie begangen werden.
Das Bestreben, immer mehr Verantwortung für die Kinder an staatliche Einrichtung abzugeben oder Kinder in den Mediensumpf zu schmeissen, sehe ich auch. Man muss doch nur mal das tägliche Fernsehprogramm durchackern. Da steht eine Sendung mit der Maus gegen eine Unzahl kinder- und menschenfeindliche Machwerke. Aber die Entschuldigung, dass Eltern nicht mehr durchblicken, welche Interessen ihre Kinder haben und mit Leuten wessen Geistes sie sich abgeben, kann ich nicht gelten lassen. Ich halte Erwachsener für durchaus in der Lage, die Interessen ihrer (jüngeren) Kinder zu lenken und diese dadurch auch positiv zu prägen. Das ist meine Erfahrung. Natürlich gehen sie raus und treffen Entscheidungen aus eigenem Antrieb, wovon nicht alle die ungeteilte Zustimmung der Eltern finden werden - das liegt in der Natur der Sache. Aber eine gute Basis und eigenes Vorbild schaffen aufrechte Menschen, denke ich. Kehren wir das Ganze um: Eine schlechte Erziehungsbasis und mangelndes elterliches Vorbild lassen Defizite entstehen, deren Auswüchse wir u.a. im Zustrom zu menschenverachtenden Parteien sehen u.a. (man könnte genauso über die vielen Strassenkinder reden, als Folge von Defiziten in der Kindheit).
Die Voraussetzung, um mündige Bürger zu erhalten und nicht einen braunen Rattenschwanz hinter verblendeten Möchtegernführerchen, ist Bildung in jeder Hinsicht. Bildung kostet Geld. Geld muss anders verteilt werden.
:twisted:

Benutzeravatar
Bellerophon
Forumsprofi
Forumsprofi
Beiträge: 166
Registriert: 09.04.2006, 23:33

Beitrag von Bellerophon » 19.09.2006, 10:17

@belrain

Du hast schon recht, die Tatsache, dass man z.B. öfters mit Türken in Berührung kommt, fördert nicht unbedingt ein besseres Verhältnis zu selbigen. Ich lebe in einer kleinen Stadt im Ruhrgebiet mit einem sehr hohen Ausländeranteil. Die Ausschilderung im Kinderkrankenhaus ist auf türkisch und die meisten Fragebögen in der Fahrschule auch. Und wehe du kommst mal in Schwierigkeiten auf der Straße...
Ich hab natürlich auch das Gegenteil kennengelernt und versuche deswegen auch immer meine eigenen Gedanken in dieser Sache im Zaum zu halten. Aber viele Leute aus meinem Umfeld sind wegen der überwiegend schlechten Erfahrungen desillusioniert.
Aber daran ist unsere Gesellschaft selbst schuld. Wir haben unsere Paralellgesellschaften ja selbst gezüchtet. Ganze Generationen haben wir bewusst außen vor gelassen, weil die Politik meinte, die würden schon irgendwann wieder gehen. Die Glaubensgrundsätze sind verhärtet. Die CDU will ja immer noch nicht zugeben, dass die BRD ein Einwanderungsland ist, dabei war und ist Mitteleuropa durch die gesammte Geschichte hindurch von Migration geprägt worden.

Geld wird ja vor allem in der EU verschleudert. Die anderen Länder haben es ja sicherlich auch sehr nötig, aber Deutschland kann nicht länger die Probleme Europas mit Geld erdrücken. Dabei haben wir besonders an den Belastungen der EU zu knabbern. Man denke nur mal an unser Verkehrsystem. Alles, was vom Norden in den Süden will oder vom Westen in den Osten oder umgekehrt, muss erstmal über unsere Autobahn. Geld kriegen wir dafür nicht.

@kitty
Die Bildung ist natürlich auch sehr wichtig. Da mangelt es allerdings nicht an der Quantität sonder an der Qualität. VIele Jugendliche werden mit der Judenverfolgung in der Schule förmlich erdrückt. Es gab noch kein Geschichtsseminar, in dem ich gesessen habe, in dem man sich nicht darüber einig war. In der Schule wird die Geschichte auf die 12 Jahre der NS-Diktatur reduziert, andere Inhalte leiden darunter, was zwangsläufig zu einer völlig verqueerten Weltsicht führt.
Sachlich argumentieren und nachdenken lernt man hingegen nicht mehr. Da stellt sich z.B. ein NPD Männeken irgendwo auf und behauptet, die Ausländer nähmen uns die Arbeit weg und zerstörten unsere Kultur. Die meisten wissen zwar, dass es quatsch ist aber kaum einer wäre dazu in der Lage, diese Behauptungen argumentativ zu widerlegen, weil man in der Schule nicht darüber diskutiert sonder auch nur die hohlen Phrasen ins Hirn gedroschen bekommt.

Jetzt bin ich ein bisschen vom Thema abgekommen...aber die genannten Umstände sind natürlich gefundenes Fressen für die Rechten. Ihr merkt schon, ich hab viel zu dem Thema zu sagen :oops:

Seitdem wir bei der Fußball WM(schon wieder Fußball :oops: ) wieder ein positives Bewusstsein für unsere Heimat und unsere Kultur zeigen konnten, sehe ich aber auch eine Chance, den Rechten das Wasser abzugraben. Die NPD lebt nämlich davon, dass die Deutschen ein zwiespältiges Verhältnis zu iherer Nationalität haben.

Benutzeravatar
serenita
VIP
VIP
Beiträge: 1664
Registriert: 18.09.2006, 01:11

Beitrag von serenita » 19.09.2006, 13:49

das freut mich irgendwie schon, die Diskussion weiter zu verfolgen, denn es zeigt mir zumindest eins, dass dieses Thema mit den Nazis nicht nur mich als Ausländerin beschäftigt, sondern auch die Einheimischen.

Ihr habt an einigen Stellen das mit der Erziehung und Bildung erwähnt, genau deswegen wirkt es für mich besonders besorgniserregend, wenn ich höre, dass die NPD sogenannte "Heimatvereine" gegründet hat, durch diese die Partei die Kinder- und Jugendarbeit mancherorts übernimmt. Wo führt das Ganze hin? Dort findet die reinste Gehirnwäsche statt!

Die ersten Ergebnisse sieht man heute, in Meck-Pomm haben teilweise über 30% der Wähler der NPD ihre Stimme abgegeben. 30%!!!!!

Nun, abschließend möchte ich sagen, ändern kann man erst mal gar nix an der Tatsache, dass die nun sowohl in Sachsen als auch in Meck-Pomm im Landtag mitsitzen wird. Entscheiden können die gottseidank erstmal noch gar nix. Was für Politik würden die betreiben? Wie wird die Wählerstimmung in vier Jahren wieder sein? Nix gegen die Ostdeutschen, die bekannt dafür sind, unzuverlässige Wähler zu sein. Wie würden sich die Handwerker - die neue gewonnene Zielgruppe der NPD im Übrigen - verhalten? Die Nazis nochmals wählen?

Während man die Ursache beim Reich-Arm-Gefälle sucht, ist in diesem Land kaum jemand zufrieden. Überall wird gejammert. Ist das die deutsche Mentalität?

Was die Ausländer angeht, irgendeinen Sündenbock braucht man ja. Da haben wir doch die Ausländer, die sich im Grunde genommen im deutschen System schlecht wehren können. Asyl oder nicht Asyl, Polen und Klauen... Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Spargelhofbetreiber, was für Theater er mit den vom Arbeitsamt geschickten deutschen Saisonhelfern hatte, während die polnischen Kollegen glänzend ihre Aufgaben erledigten.

Ich gebe zu, dies ist ein sehr komplexes Thema, um im Endeffekt sagen zu können, was ist richtig, was falsch. V.a. aber wir haben alle nicht die Lösung. Wir sind im Grunde genommen wie die Strandspaziergänger, die ein Stück Treibgut aus der Entfernung beobachten, unfähig sind, deren Treibrichtung zu bestimmen. :(

Gruß
serenita

Benutzeravatar
Bellerophon
Forumsprofi
Forumsprofi
Beiträge: 166
Registriert: 09.04.2006, 23:33

Beitrag von Bellerophon » 19.09.2006, 15:26

das freut mich irgendwie schon, die Diskussion weiter zu verfolgen, denn es zeigt mir zumindest eins, dass dieses Thema mit den Nazis nicht nur mich als Ausländerin beschäftigt, sondern auch die Einheimischen.
Schließlich geht es uns alle an. Es ist ja nicht nur so, dass Nazis Menschen anderer Herkunft diskriminieren und unser Gemeinwesen angreifen:

Ich bin deutsch, und ich möchte gerne deutsch sein können ohne mir Gedanken darüber machen zu müssen, ob das deutschsein jetzt in Ordnung ist oder nicht. Aber diese Nazispinner machen es mir schwer und darum verachte ich sie.:( Im Übrigen bin ich letztens auch von einem Nazi angegangen worden: Meine Haare waren ihm wohl zu lang. :evil: :?
Während man die Ursache beim Reich-Arm-Gefälle sucht, ist in diesem Land kaum jemand zufrieden. Überall wird gejammert. Ist das die deutsche Mentalität?
Obwohl man sicherlich hin und wieder diesen Eindruck bekommen kann, setzte ich hier ein ganz entschiedenes Nein! Das kommt dann wohl auf die Kreise an, in denen man sich bewegt oder auf das Fernsehprogramm.
Wie würden sich die Handwerker - die neue gewonnene Zielgruppe der NPD im Übrigen - verhalten? Die Nazis nochmals wählen?
Ich teile deine Erfahrung mit Handwerkern, in der Hinsicht, dass sie eher konsertiv geprägt sind. Ich komme aus einemlandwirtschaftlich-handwerklich geprägten Millieu und ich würde sagen, dass Handwerker eher keine radikalen Parteien wählen. Man hätte unter Umständen was gegen Ausländer aber diese bekloppten Glantzen, asoziale Arbeitslose, würde man nicht wählen. Man könnte sagen, die NPD ist nicht salonfähig.
Polen und Klauen... Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem Spargelhofbetreiber, was für Theater er mit den vom Arbeitsamt geschickten deutschen Saisonhelfern hatte, während die polnischen Kollegen glänzend ihre Aufgaben erledigten.
Das ist eine Frage der Einstellung und des Trainings. Wenn ich lange genug übe, werde ich bestimmt auch ein guter Spargelstecher. Mein Vater ist auf einem Bauernhof aufgewachsen und er meint, Spargelstechen sei noch eine der leichteren Aufgaben gewesen. Diejenigen Deutschen, die sich nicht zu schade für das Spargelstechen wären, haben sowieso schon etwas besseres und höher qualifiziertes gefunden. Und im Spargelstechen liegt nun wirklich nicht die Zukunft Deutschlands. Mit den Lohnansprüchen in Osteuropa können wir da eh nicht konkurieren.

Benutzeravatar
kitty
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 500
Registriert: 21.08.2006, 12:47

Beitrag von kitty » 19.09.2006, 21:08

Den höchsten Anteil der NPD-Wähler stellten wohl die 18-25jährigen dar.

Kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die meisten in der Schule mit dem Stoff zur Nazivergangenheit überfrachtet werden können, weil sie viel zu früh von der Schule abgehen oder aber schwänzen, wenn es ans Eingemachte geht. Und ich kenne niemanden, der wegen des Auswalzens dieses Themas (in diesem Alter nervt das Auswalzen jedes Themas) zum Nazi geworden wäre.
Vielleicht kommt man aber in diesem Land noch mal drauf, dass lebendiger Unterricht lernen fürs Leben heisst.

Dein Beispiel Bellerophon sollte den Deutschen eine Warnung sein, die sich sicher fühlen und denken, Neonazis gehen nur auf Ausländer los. Es braucht nicht viel (in manchen Fällen nur ein wenig Alkohol), um von denen als Andersartig eingestuft zu werden.
:twisted:

Benutzeravatar
Grufti
Titan
Titan
Beiträge: 24170
Registriert: 30.09.2004, 22:25
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 21 Mal

Beitrag von Grufti » 19.09.2006, 21:38

Ich lebe in einer kleinen Stadt im Ruhrgebiet mit einem sehr hohen Ausländeranteil. Die Ausschilderung im Kinderkrankenhaus ist auf türkisch und die meisten Fragebögen in der Fahrschule auch
Bellerophon: da kann ich ne Story vom hiesigen KVR erzählen...

vor ca 2 Wochen war ich mit meiner Frau dort, um den unbefristeten Aufenthaltstitel zu beantragen. Beim "Info desk" lagen die Formulare für den Antrag aus... und ich hatte Probleme damit herauszufinden, was die Beamten eigentlich für Daten wollten, denn alle Fragen waren auf türkisch ( naja die deutsche Übersetzung war ganz klein und dünn gedruckt..).
da die Zeit wegen des nahenden Büoschlusses arg drängte, meinte ich zu dem Mitarbeiter des KVR:
"Leider geht es nicht schneller, denn meine türkischen Sprachkenntnisse sind leider nur äußerst rudimentär...haben Sie den keine Formulare auf chinesisch.... ???"
Dem KVR - Hiwi fielen fast die Augen aus dem Kopf-... und wurde ziemlich rot, weil er erst nach einer Weile "rein deutsche" Formulare auftreiben konnte.. :lol:
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !


Nr. 5 lebt !

prhuang
Neuling
Beiträge: 10
Registriert: 26.06.2006, 18:16
Wohnort: Hamburg

Beitrag von prhuang » 19.09.2006, 21:57

<<<< vom admin gelöscht >>>>

Gruss,
Liz

Gesperrt

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 4 Gäste