Friedensnobelpreis

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Aremonus
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Aremonus » 27.10.2010, 23:38

Der Kampf gegen Korruption kann nicht mit der Forderung nach Demokratisierung geführt werden, sonder muss mit der Forderung nach mehr Verantwortungsbewusstsein (und mehr Verantwortung) der lokalen Führer einhergehen.
Es gibt viele depsotisch geführte Länder (wie z.B. Singapur), die kaum Probleme mit Korruption haben, wohingegen Korruption auch in demokratischen Staaten (wie z.B. Indien und Russland) stärker als in China grassiert.

Ich bin für eine Demokratisierung Chinas, aber nicht von Aussen, sondern von Innen. Und diese Demokratisierung ist im Gange - denn jeder, der etwas mehr Eigenverantwortung in China zu übernehmen beginnt, drückt das Land in Richtung Demokratie. Denn irgendwann werden die Zentrifugalkräfte zu gross und man muss das Volk mehr mitbestimmen lassen, um den sozialen Frieden zu wahren.

Interessant ist, dies auch in Halbdemokratien (also in indirekten Demokratien) zu beobachten. Derzeit werden in Frankreich Raffinerien bestreikt und in Stuttgart ein Bauprojekt verhindert, weil das Volk mehr Mitbestimmung fordert. Ich denke, über kurz oder lang werden die Regierungen in Europa auch nicht umhin kommen, das Volk stärker am politischen Geschehen mitbestimmen zu lassen und beispielsweise die halbdirekte Demokratie einzuführen.

Back to Topic: Korruption ist ein Phänomen, das auf den Umstand zurückzuführen ist, dass China ein Entwicklungsland ist. Die Strukturen in China sind noch nicht so gefestigt wie etwa in Westeuropa, weswegen noch Spannungen zwischen Kompetenzen und Verantwortungen bestehen. Diese Spannungen können in Form von Geld abgeschöpft werden - durch Korruption. Das ist nicht gerecht... aber in diesen Ländern ziemlich effizient.
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von beowulf » 28.10.2010, 00:17

Bernhard hat geschrieben: Korruption hat es in China immer gegeben, und wird es bestimmt auch immer geben. Das liegt teilweise auch an der Kultur, die anders als unsere eher Beziehungs-basiert und weniger Regel-basiert ist.
Sagen wir es so Freundalwirtschaft und Guanxi ist ein Teil der chinesischen Kultur. Direkte "greifbare" Korruption kann aber zurückgedreht werden. Sieht man an den Platzierungen von Singapure (Platz 3), Hongkong (Platz 12), Japan (Platz 17), Taiwan (Platz 37), Südkorea (Platz 39) und Macao (Platz 43) im Korruptionsindex von Transparency International.

Was aber hier auffällt, sind die Abstände zwischen den Ländern. Die gehen ziemlich komform mit dem Grad der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung. Singapore, Hongkong und Japan sind wirtschaftlich am weitesten entwickelt und verfügen seit Jahrzehnten über ein stabiles politisches System (welches nicht unbedingt demokratisch ist). Taiwan und Südkorea hingegen hatten ihren wirtschaftlichen Aufschwung erst in den 70ern, 80ern und eine gewisse politische Stabilität erst ab den 90ern. Macao nehme ich jetzt als Sonderfall (eine ehemalige Kolonie eines 2. Welt Landes, Haupteinnahmequelle Tourismus=Glücksspiel) heraus.

Bei China wird es noch viel länger dauern. Erstens ist das Land gesamt gesehen viel ärmer und aufgrund der Größe und unterschiedlichen Voraussetzungen viel schwieriger zu entwickeln als diese Gebiete und zweitens stellt die jetztige politische Form eine Übergangslösung da.

Ob sich China in eine stabile Autokratie ala Singapore oder eine relativ stabile, aber freiere Semidemokratie ala Japan oder Südkorea weiterentwickelt, steht natürlich in den Sternen. Taiwan nehme ich hier aufgrund seiner Sonderstellung heraus und würde ich auch China nicht wünschen. Auf Taiwan gibt es eine politische Teilung des Landes zwischen GMD und DPP. Eine ähnliche Teilung in China ala KP und Festlanddemokratien, würde mit Sicherheit früher oder später zu gewaltsamen Konflikten führen. Übrigens schliesse ich so eine Eskalation auch auf Taiwan in den nächsten Jahren nicht vollkommen aus. Die Bedrohung durch Festland China geschluckt zu werden, hat zwar notfalls eine gewisse konsoldierende Wirkung, aber der Hass zwischen den Lagern ist so groß, dass diese - meiner Meinung - nach nicht langfristig halten kann. Aber das ist jetzt wirklich OT.

ps. Japan habe ich auch hineingenommen, da die angesprochenen Eigenheiten (Freundalwirtschaft und Guanxi) auch dort ein fester Teil der Kultur sind. Sagen wir halt nicht chinesische, sondern konfuzianisch beeinflusste Gebiete.

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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von Aremonus » 28.10.2010, 01:28

Ich denke kaum, dass sich China in dieselbe Richtung wie Japan (parlamentarische Monarchie) oder Südkorea (Präsidialdemokratie mit föderalen Elementen, extrem fein aufgegliedert) entwickelt, sondern sich eher an einer europäischen Semidemokratie wie Frankreich (Republik, Präsidialdemokratie, zentralistisch) orientiert.

Ich sehe für China aber am ehesten einen eigenen Weg, und zwar den einer ein-Parteien-Herrschaft mit direktdemokratischen Elementen (wie bereits heute teilweise bereits der Fall ist), wobei natürlich innerhalb der Partei die Leute gewählt werden dürfen. Wahrscheinlich werden sich Sub-Parteien etablieren, die um den Vorsitz der Hauptpartei konkurrieren.
China kann nicht einfach die KP zu einer normalen Partei werden lassen, die KP ist dafür zu wichtig in der chinesischen Staatsstruktur, unterhält eigene Militäreinrichtungen und Bildungsstätte sowie diverse Thinktanks, die unerlässlich für das Funktionieren des Landes sind.
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Re: Friedensnobelpreis

Beitrag von beowulf » 28.10.2010, 12:20

Aremonus hat geschrieben:Ich denke kaum, dass sich China in dieselbe Richtung wie Japan (parlamentarische Monarchie) oder Südkorea (Präsidialdemokratie mit föderalen Elementen, extrem fein aufgegliedert) entwickelt, sondern sich eher an einer europäischen Semidemokratie wie Frankreich (Republik, Präsidialdemokratie, zentralistisch) orientiert....

Naja, das geht jetzt schon stark ins Detail. Wie die Strukturen dann wirklich sind, wird sich noch zeigen. Auch ob es eine "innerparteiliche Demokratie" gibt, wie sie jetzt stark in China diskutiert wird.

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