'' 3 Kind Politik ''

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Re: '' 3 Kind Politik ''

Beitrag von Petermedia » 31.05.2021, 22:50

Um die Jahrtausendwende war ich vorwiegend in Hongkong, aber auch in Shenzhen.
Und es war damals ein Thema, dass halt im Zusammenhang mit der Einkindpolitik diskutiert wurde. In Honkong natürlich eher in kritischer Haltung zur KP, und in Shenzhen eher als Verärgerung über die finanziellen Konsequenzen für Paare die mehr als ein Kind hatten.
Auch ein damals oft gefragtes Thema, ob die Einkindpolitik auch für binationale Paare, die in China leben gilt. Nein tat sie nicht.
Und nochmal Nein ich kenne niemanden.
Ich weiss aber, das es zu der Zeit viel Willkür in einigen Provinzen gab.
Und genauso wie ich heute nicht an Millionen
Inhaftierten Uiguren glaube, negiere ich nicht, dass es teilweise Repressalien gibt.
Aber das alles im Detail auszuführen bringt jetzt nicht wirklich etwas.
Ich denke wir beide wissen doch, dass China und vor allem die Macht und Verwaltungsstruktur komplex ist.
So gesehen nochmal es ging mir im ursprünglichen Posting nur darum den Wandel aufzuzeigen der sich in den letzten 20 Jahren vollzogen hat und nicht darum ein Klischee tu bedienen.
Jetzt aber gute Nacht...ja ich bin gerade in Deutschland.

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Re: '' 3 Kind Politik ''

Beitrag von ingo_001 » 01.06.2021, 01:23

sweetpanda hat geschrieben:
31.05.2021, 22:32
Jetzt Butter bei die Fische!

Gibt es Möglichkeiten diese demographische Entwicklung noch einmal rumzureißen?

Ein Diktatur hat doch alle Mittel und Wege dies zu beeinflussen.
DAS ist nicht abhängig vom jeweiligen Regierungssystem.
Wenn es denn WIRKLICH GEWOLLT WÄRE, dann könnte z.B. auch die Deutsche Politik durch entsprechende Anreize dafür sorgen, dass auch hier wieder mehr Kinder geboren werden.

Bis auf Lippenbekenntnisse, kommt da aber auch nicht viel mehr.

Das was dazu nötig wäre ist einfach, aber nicht durchsetzbar, weil Kinder hier als "Privatsache" gelten, für die die Eltern finanziell zu sorgen haben. Da reißt auch das Kindergeld nicht viel raus.
Die liberalökonomische "Denke" ist hier de facto nicht anders als in China - nur ist sie da exzessiver als hier.
Wer das Problem der Überalterung der Bevölkerung ERNSTHAFT LÖSEN will, der muss auch KONSEQUENT HANDELN.
Das Problem ist ein Gesamtgesellschaftliches - ergo muss auch die GESAMTE GESELLSCHFT dafür sorgen es zu lösen.
Nur zwei Punkte, die da sehr hilfreich wären:
1. BILDUNG: Die muss KOMPLETT kostenlos sein, mit allem, was da dran hängt
(Kinderbetreuung, Schulsachen, Monatskarten für Bus+Bahn etc.)
2. WOHNUNGEN FÜR FAMILIEN, DIE AUCH BEZAHLBAR SIND.

Aber, solange die F.D.P. so ist, wie sie nun mal ist ... wird da nichts zu machen sein.
Bei der Partei ist der Individualismus nicht nur Programm, sondern zum heiligen Mantra erhoben worden,
unabhängig vom jeweiligen Thema. Gesamtgesellschaftlich und F.D.P. ... das wird Nichts.
Und da der Wirtschaftsflügel der CDU/CSU ähnlich tickt, ist klar, das man NICHT WILLENS IST, die nötigen Schritte zu tun.
Die Werbeslogans: "Mein Auto, mein Boot, mein Haus" oder "Unter dem Strich zähl ich" sagen schon Alles ...

Also, bevor hier süffisant auf "die chin. Diktatur" gezeigt wird - besser mal fragen, was ES UNS WERT IST,
unsere Gesellschaft so umzugestalten, dass hier wieder mehr Kinder geboren werden.

Zurück zu China: Da scheint man (wenn ich das richtig verstanden habe) sehr wohl die Zeichen der Zeit erkannt zu haben.
Kostenlose Kinderbetreuung ist da als einer von mehreren Anreizen angedacht.

Tja, Demokratie hin - Ein-Parteien-System her: Wenn etwas als Problem erkannt wurde, dann wird eben auch gehandelt.
Stichworte: E-Mobilität, Solar- und Windkraft.

Demokratie ist auch m.E. im Prinzip die erstrebenswerteste Regierungsform.
Nur wird die z.T. dadurch heuchlerisch, dass von Lobbyisten nach Wunsch formulierte Gesetze Ihre Interessen durchgesetzt werden. Und das dann noch zynisch so zu "verkaufen" dass man ja "vom Fach" sei, und der Politik nicht zutraut, die entsprechenden Gesetze endsprechend zu formulieren ...
Lachhaft ....
Das einzig Demokratische an unserer Gesellschaft ist, dass man alle paar Jahre sein Kreuzchen machen darf, und Missstände bejammern - die werden aber nicht abgeschafft, weil die wirklich wichtigen Entscheidungen von Lobbyverbänden getroffen werden, die wissen, welche Politiker empfänglich für "Streicheleinheiten" sind.

Also schaun wa mal, wer die Überalterung der Gesellschaft, besser entgegen wirken kann.
In Deutschland war die heutige Entwicklung schon Mitte der 1970-er Jahre klar absehbar - hatte aber schon damals keinen interessiert.
Zu dieser Zeit lag die Geburtenrate in China übrigens bei 1:6.

1980 wurde dann bekanntlich die Ein-Kind-Politik eingeführt - und auch z.T. mehr als nur konsequent durchgesetzt, um es mal diplomatisch zu formulieren.
Wäre das aber damals nicht beschlossen worden, dann stünde China (da gehe ich jede Wette ein) heute ähnlich da wie Indien.
Apropos Indien: Dass ein demokratisches Regierungssystem alleine keine Probleme löst, ist dort überdeutlich zu sehen.

Und während man hier (nicht auch zuletzt von neo-liberaler Seite) auf Fachkräfte aus dem Ausland setzt ...
weil die ja nicht hier ausgebildet werden mussten (sehr kosten-effizient) :roll: :twisted:
und man sich dies bezgl. so aus der gesellschaftlichen Verantwortung stiehlt ...

setzt China konsequent auf die Bildung und Ausbildung der eigenen Kinder.
Tja, ich sags mal so: Da hat China wohl was richtig gemacht.

Gleichwohl ist klar, dass auch dort mehr als genug Probleme gelöst werden müssen.

Aber anstatt alles bis zum Geht-Nicht-Mehr JAHRELANG auszudiskutieren - und dann im worst Case zu keinem vernünftigen Ergebnis zu kommen (Deutschland -> BER, Stuttgart 21 etc.), zeigt klar, wo hier die Schwächen liegen.

Individualismus über alles, das ist die Maxime hier.
Leider hat man es m.E. hier in den letzten 20 Jahren versäumt, das Demokratie gesamtgesellschaftlich nur funktionieren kann,
wenn auch klar die Grenzen des Individualismus definiert werden.
Und die sind da, wo das Allgemeinwohn darunter leidet.

"Frage nicht was der Staat für Dich tun kann, sondern frage Dich, was Du für den Staat tun kannst."
Nein, das ist kein chin. Zitat.

In den ost-asiatischen Ländern (ja auch in den Demokratien, Japan, SK und Taiwan) ist dieses Gedankengut tief verwurzelt.

Nun, die Zukunft wird zeigen, welches System letztlich das Rennen macht.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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Re: '' 3 Kind Politik ''

Beitrag von jadelixx » 01.06.2021, 09:30

ingo_001 hat geschrieben:
01.06.2021, 01:23
Und während man hier (nicht auch zuletzt von neo-liberaler Seite) auf Fachkräfte aus dem Ausland setzt ...
weil die ja nicht hier ausgebildet werden mussten (sehr kosten-effizient) :roll: :twisted:
und man sich dies bezgl. so aus der gesellschaftlichen Verantwortung stiehlt ...

setzt China konsequent auf die Bildung und Ausbildung der eigenen Kinder.
Tja, ich sags mal so: Da hat China wohl was richtig gemacht.
Die Ausbildung an deutschen Hochschulen ist fuer Auslaender nicht mehr kostenlos? Und Deutsche muessen jetzt auch fuer Schulausbildung zahlen?
Das ist mir neu. Hatte da auf erhebliche Ersparnisse gehofft, falls wir von HK-China nach Deutschand ziehen muessten.
ingo_001 hat geschrieben:
01.06.2021, 01:23
Aber anstatt alles bis zum Geht-Nicht-Mehr JAHRELANG auszudiskutieren - und dann im worst Case zu keinem vernünftigen Ergebnis zu kommen (Deutschland -> BER, Stuttgart 21 etc.), zeigt klar, wo hier die Schwächen liegen.
Das hat eher wohl eher was mit der aktuellen Politik zu tun. Einfach mal eine Partei waehlen, die den Sozialbau anpackt, die Prozesse optimiert und allgemein aktiv eine Verbesserung im Baugewerbe herbeifuehrt.
ingo_001 hat geschrieben:
01.06.2021, 01:23
Individualismus über alles, das ist die Maxime hier.
Leider hat man es m.E. hier in den letzten 20 Jahren versäumt, das Demokratie gesamtgesellschaftlich nur funktionieren kann,
wenn auch klar die Grenzen des Individualismus definiert werden.
Und die sind da, wo das Allgemeinwohn darunter leidet.
Klingt nach Sozialismus und Gleichmacherei. Das hat nicht funktioniert, hat unter den Nazies nicht funktioniert und hat auch nicht unter den Soviets funktioniert. Dem Allgemeinwohl dienst Du am Besten, wenn Du Werte schaffst und nicht den ganzen Tag darueber sinnierst, wie Du Anderen was wegnehmen kannst. Werte schaffst Du nur, in dem Du was machst, was die Allgemeinheit wertschaetzt.
Da wirst Du um einen gesunde Portion Individualismus nicht drumrum kommen. Du musst den Leuten Freiraeume geben, damit sie sich entfalten koennen.
Das war in der deutschen Sozialdemokratie auch mal Konsens.
ingo_001 hat geschrieben:
01.06.2021, 01:23
"Frage nicht was der Staat für Dich tun kann, sondern frage Dich, was Du für den Staat tun kannst."
Nein, das ist kein chin. Zitat.
Er meinte das Land nicht den Staat. Der blinde Glaube an den Staat ist was fuer (typisch Deutsche) Untertanen, sorry es kann sein dass sich hier der eine oder andere angesprochen fuehlt.
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Re: '' 3 Kind Politik ''

Beitrag von ingo_001 » 01.06.2021, 10:58

jadelixx hat geschrieben:
01.06.2021, 09:30
Die Ausbildung an deutschen Hochschulen ist fuer Auslaender nicht mehr kostenlos? Und Deutsche muessen jetzt auch fuer Schulausbildung zahlen?
Das ist mir neu. Hatte da auf erhebliche Ersparnisse gehofft, falls wir von HK-China nach Deutschand ziehen muessten.
Jetzt mal ernsthaft: Bildung fängt bei Dir also erst an der Hochschule an?
Das gibt jetzt aber Abzüge in der B-Note.
Hier in D. geht bei sehr vielen Familien das Kindergeld schon für die monatlichen Kita-Beiträge drauf.
Das variert nicht nur von BL zu BL, sondern auch von Kreis zu Kreis und von Stadt zu Stadt.
Da gibt es Kitas, wo für ein Kind eben mal 500 Euronen pro Monat aufgerufen werden.

Da mit HK als Gegenbeispiel zu kommen, geht da wohl am Kern des Themas vorbei.
Da Ihr ja in HK lebt, könnt Ihr also dort auch die entsprechenden Kosten tragen.
Sonst würdet Ihr nicht dort leben.

Es ist nun mal so, dass hier in D. bei immer mehr Familien 1/3 - 1/2 des Einkommens alleine für die Miete zu berappen ist.
Und ich wage mal die "ketzerische" Behauptung, dass Ihr mit Eurem Einkommen, das hier locker hin bekommen würdet.
Das trifft aber auf die hiesige Mittelschicht immer weniger zu.
jadelixx hat geschrieben:
01.06.2021, 09:30
Das hat eher wohl eher was mit der aktuellen Politik zu tun. Einfach mal eine Partei waehlen, die den Sozialbau anpackt, die Prozesse optimiert und allgemein aktiv eine Verbesserung im Baugewerbe herbeifuehrt.
Und diese Partei wäre dann Deiner Meinung nach ...?
Eine solche Partei gibt es nicht.
Ich wähle deshalb schon seit mehr als 20 Jahren die Partei(en) mit dem kleinsten Übel.
ingo_001 hat geschrieben:
01.06.2021, 01:23
Individualismus über alles, das ist die Maxime hier.
Leider hat man es m.E. hier in den letzten 20 Jahren versäumt, das Demokratie gesamtgesellschaftlich nur funktionieren kann,
wenn auch klar die Grenzen des Individualismus definiert werden.
Und die sind da, wo das Allgemeinwohl darunter leidet.
jadelixx hat geschrieben:
01.06.2021, 09:30
Klingt nach Sozialismus und Gleichmacherei. Das hat nicht funktioniert, hat unter den Nazies nicht funktioniert und hat auch nicht unter den Soviets funktioniert.
So, so ... fordert man einen VERANTWORTUNGSVOLLEN Umgang mit dem Individualismus, dann ist man gleich Sozialist ...
Das ist der typische F.D.P. Beiß-Reflex ... :roll:
Verantwortungsbewusst handeln ist also bei Dir also Gleichmacherei?
Interessant ...
jadelixx hat geschrieben:
01.06.2021, 09:30
Dem Allgemeinwohl dienst Du am Besten, wenn Du Werte schaffst und nicht den ganzen Tag darueber sinnierst, wie Du Anderen was wegnehmen kannst.
Interessant, wo mache ich denn das?
jadelixx hat geschrieben:
01.06.2021, 09:30
Werte schaffst Du nur, in dem Du was machst, was die Allgemeinheit wertschaetzt.
Eben.
jadelixx hat geschrieben:
01.06.2021, 09:30
Da wirst Du um einen gesunde Portion Individualismus nicht drumrum kommen.
Um Deinen Terminus "gesund" aufzugreifen: Diese Gesunde Portion Individualismus hat aber seit dem Ende des Kalten Krieges in weiten Teilen krankhafte Auswüchse angenommen.
jadelixx hat geschrieben:
01.06.2021, 09:30
Du musst den Leuten Freiraeume geben, damit sie sich entfalten koennen.
Oh, ich denke diese freiräume sind mittlerweile mehr als genug da.
jadelixx hat geschrieben:
01.06.2021, 09:30
Das war in der deutschen Sozialdemokratie auch mal Konsens.
Ich weiß nicht, wie alt Du bist.
Aber die Sozialdemokratie Helmut Schmidt war m.E. gesamtgesellschaftlich eine gute Zeit für Deutschland.
Eine Politik mit klaren Statements - jenseits der Wischi-Waschi-Phrasen, die heutige Politiker so von sich geben.
Und zu der Zeit war auch die F.P.D. im positiven Sinn liberal - mit dem nötigen Sinn für das Allgemeinwohl.
Genscher, Baum, Hamm-Brücher ... alle Vertreter eines Individualismus, der aber eben NICHT über alles ging.

Mit Graf Lamsdorf entwickelte sich die F.D.P. zur "Steuersenkungs-Partei" als Programm.
Und seit dem Ende des Kalten Krieges wurde der Neo-Liberalismus zum de facto All-Heilmittel auserkoren.
Nur ist er dass eben nicht ... aber dazu muss man natürlich auch die nötige Selbstreflexion haben.
Niedriglöhne, Wohnungsnot (Mietwucher), Altersarmut ... nur einige von vielen "glanzvollen" Auswüchsen des Neo-Liberalismus,
die durch Fakten belegbar sind.
"Komisch" alles begann mit der Globalisierung ...
Schon merkwürdig, was es so für "Zufälle" gibt ...
ingo_001 hat geschrieben:
01.06.2021, 01:23
"Frage nicht was der Staat für Dich tun kann, sondern frage Dich, was Du für den Staat tun kannst."
Nein, das ist kein chin. Zitat.
jadelixx hat geschrieben:
01.06.2021, 09:30
Er meinte das Land nicht den Staat.
Wortklauberei - ich dachte, Du weißt, wie es gemeint war.
Aber wenn ich Deine Statements in diesem Post sehe, dann hättest Du wahrscheinlich auch JFKs Aussage als pure Zumutung und Sozialismus empfunden.
Auch JFK appellierte damals so an das Verantwortungsgefühl seiner Mitbürger.
Nicht mehr - aber eben auch nicht weniger.
Verantwortung übernehmen, auch für die Folgen seines jeweiligen Handelns ...
Das scheint ja der wahre Horror zu sein ... :roll:
jadelixx hat geschrieben:
01.06.2021, 09:30
Der blinde Glaube an den Staat ist was fuer (typisch Deutsche) Untertanen, sorry es kann sein dass sich hier der eine oder andere angesprochen fuehlt.
Wer glaubt denn blind an den Staat?
Ich jedenfalls nicht.
Auch ich bin für Individualismus - solange er nicht anderen nachweislich schadet.
You see the differnce?
Wahrscheinlich nicht :(

Aber wenn es um das Kassieren von Subventionen geht, oder darum den ggfs. auch verpflichtenden Umgang mit dem jeweiligen Eigentum möglicht unerwähnt zu lassen, da funktioniert dann "oh Wunder" der Glaube bzw. das Anspruchsdenken an den Staat plötzlich, gelle ...?
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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Re: '' 3 Kind Politik ''

Beitrag von jadelixx » 01.06.2021, 15:46

Jetzt hast Du mich aber neugierig gemacht auf die Politik der FDP, werde ich mir mal anschauen.
In der Bundesregierung hatte die FDP jedenfalls nur ein kurzes Zwischenspiel als Mitregierende in diesem Jahrtausend. So gross kann der Schaden nicht sein.
Fuer den "Neo-Liberalismus" in Berlin scheinen sie auch nicht verantwortlich zu sein. Da sind vor allem SPD und zuletzt auch SED Genossen am Ruder.
In die Aufsichtspflicht der SPD viel dann auch der Ausbau des Berliner Grossflughafens ... Herzlichen Glueckwunsch!

"Neo-Liberalismus" ist das vielleicht so eine Art Gespenst zum an die Wand malen, falls man mal nicht mehr weiter weiss?
ingo_001 hat geschrieben:
01.06.2021, 01:23
Niedriglöhne, Wohnungsnot (Mietwucher), Altersarmut ... nur einige von vielen "glanzvollen" Auswüchsen des Neo-Liberalismus,
die durch Fakten belegbar sind.

Wohnungsnot - einfach Wohnungen bauen, wo sie nachgefragt werden, ist das wirklich so schwer? Klar man muss sich mit der Buerokratie auseinandersetzen und als Politiker einen Rahmen setzen, in dem es auch moeglich ist zu bauen. Scheint in China auch zu funktionieren.
Altersarmut - koennte was mit Demographie zu tun haben.
Da den deutschen Regierenden dazu nichts einfallen will (fuer die reicht's ja auch noch), musst Du eben abwarten und schauen wie man es in China macht oder Du versuchst mal eine "neo-liberale" Loesung und sorgst selber etwas vor.
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Re: '' 3 Kind Politik ''

Beitrag von Petermedia » 01.06.2021, 16:49

@ jadelixx.
Ich musste gerade schon schmunzeln.
Wohnungsbau oder die Preise für diese ist ein
sozialer Sprengstoff in China speziell in großen Städten.
Und ich wage mal zu behaupten, dass die Proteste in Hongkong auch mit der gefühlten Hilflosigkeit der 20 bis 30 jährigen zu tun hat die einfach zwischen altem HK Clan und neuen Mainland Reichen zermürbt werden.
Ich weiß nicht ob das heute noch so ist, aber Singapore ist da cleverer.
Es gab umfangreichen sozialen Wohnungsbau, und diese Wohnungen wurden für etwa 40 % des Preises verkauft. Es gab etliche Mechanismen die Spekulation erschweren sollte.
Und nur ein Bild in Shanghai.
Fast alle Shanghainesen in meiner alten Firma besaßen eine oder mehrere Wohnungen, aber kaum Leute die aus ärmeren Provinzen stammten, und wenn dann wei, weit draussen.
Erschwert wird das in mainland auch dadurch, dass sich die Städte ja zu einem nicht unwesentlich Teil durch die Bodenspekulationen finanzieren, da das Land ja nur verpachtet wird
Ok ein bisschen vereinfacht aber im Prinzip so.

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Re: '' 3 Kind Politik ''

Beitrag von sweetpanda » 01.06.2021, 17:58

Wohnungsnot? Was mit an der Debatte fehlt ist der ehrlich Umgang mit dem Zuzug von außerhalb Deutschlands.
Sowohl über die Asylschiene als auch durch die Armutszuwanderung sind in den letzten 5-6 Jahren 2-3 Millionen Menschen gekommen.
Das spürt man auch auf dem Wohnungsmarkt.
Das ironische daran ist, dass wir für die Menschen die Sozialwohnungen auf Staatskosten bauen und auch noch zu großen Teilen deren Mieten durch Hartz4 zahlen und am Ende jammert der gute Deutsche dann über den "Neoliberalismus".

Aber zurück zur Demographie Chinas.
Glaubt ihr China kann das Ruder noch rumreißen und wenn ja mit welchen Maßnahmen?
„Es sind die Begegnungen mit Menschen, die das Leben so trübsinnig machen.“

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Re: '' 3 Kind Politik ''

Beitrag von Petermedia » 01.06.2021, 19:13

Da gibt es zwei Faktoren.
1. Die normale Denke von vielen Shanghainesen geht eher so.
Clever verdient mehr. Clever und reich soll clever und reich heiraten. Clevere und reiche Familien produzieren potentiell clevere Kinder.
Nur produzieren sie halt auch weniger Kinder.
2
Anders als im Westen träumen viele Chinesen von 2 Kindern. Durch die 1 Kind Politik und die Möglichkeit in der Vergangenheit sich daraus freikaufen zu können, sind zwei Kinder oft noch ein Statussymbol.
Welcher Effekt überwiegt, keine Ahnung
Ich persönlich glaube das China letztendlich an seinem zwangsweise entstehenden Individualismus zumindest demografisch scheitern wird.
Aber ich glaube nicht, dass ich das noch erleben werde.

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Re: '' 3 Kind Politik ''

Beitrag von jadelixx » 01.06.2021, 23:29

Petermedia hat geschrieben:
01.06.2021, 16:49
Und ich wage mal zu behaupten, dass die Proteste in Hongkong auch mit der gefühlten Hilflosigkeit der 20 bis 30 jährigen zu tun hat die einfach zwischen altem HK Clan und neuen Mainland Reichen zermürbt werden.
Das ist sicher so gewesen. Es hat sich einiges an Frust entladen. Aber nicht unbedingt von den Aermsten sondern von den Kindern der Mittelschicht. Die koennen sich eine neue Wohnung nicht leisten und erfuellen nicht die Kriterien um eine Sozialwohnung zu erhalten.
In Deutschland, bzw in Berlin wird das Problem aber gar nicht erst angegangen, die bauen einfach nicht und sehen die Loesung in Enteignungsinitiativen.
Petermedia hat geschrieben:
01.06.2021, 16:49
Ich weiß nicht ob das heute noch so ist, aber Singapore ist da cleverer.
Es gab umfangreichen sozialen Wohnungsbau, und diese Wohnungen wurden für etwa 40 % des Preises verkauft. Es gab etliche Mechanismen die Spekulation erschweren sollte.
HK hat ein aehnliches Programm wie Singapore fuer den Sozialen Wohnungsbau. 50% der Hongkonger leben in fuer "public housing" vorgesehenen Wohnungen. Die werden auch nach einer gewissen Zeit guenstig an die dort Wohnenden verkauft und sind entsprechend begehrt. Die Wohnungsgebuehr betraegt waehrund der Mietzeit nur ein paar HKD.
Singapore laesst sich nicht so einfach vergleichen, hat nicht den gleichen Immigrationsdruck wie Hong Kong und ein unabhaengiges poilitisches System. 150 Mainlaender pro Tag kamen bis vor 2019 in die Stadt, macht 550K in 10 Jahren und mehr als 1Mio seit Uebergabe.
Spekulation wurde versucht durch Verdoppelung der Steuern, Erhoehung der Eigenkapitalquote und noch weiteren Massnahmen zu bremsen.

Ich bezog mich aber nicht auf Chinesische Grossstaedte, auch die Demographie wird da auf absehbare Zeit nicht helfen. Ganz einfach weil China seine Urbanisierung noch lange nicht abgeschlossen hat.
Petermedia hat geschrieben:
01.06.2021, 19:13
Da gibt es zwei Faktoren.
1. Die normale Denke von vielen Shanghainesen geht eher so.
Clever verdient mehr. Clever und reich soll clever und reich heiraten. Clevere und reiche Familien produzieren potentiell clevere Kinder.
Nur produzieren sie halt auch weniger Kinder.
2
Anders als im Westen träumen viele Chinesen von 2 Kindern. Durch die 1 Kind Politik und die Möglichkeit in der Vergangenheit sich daraus freikaufen zu können, sind zwei Kinder oft noch ein Statussymbol.
Welcher Effekt überwiegt, keine Ahnung
Ich persönlich glaube das China letztendlich an seinem zwangsweise entstehenden Individualismus zumindest demografisch scheitern wird.
Aber ich glaube nicht, dass ich das noch erleben werde.
Was meinst Du mit "zwangsweise entstehendem Individualismus"?
sweetpanda hat geschrieben:
01.06.2021, 17:58
Wohnungsnot? Was mit an der Debatte fehlt ist der ehrlich Umgang mit dem Zuzug von außerhalb Deutschlands.
Sowohl über die Asylschiene als auch durch die Armutszuwanderung sind in den letzten 5-6 Jahren 2-3 Millionen Menschen gekommen.
Das spürt man auch auf dem Wohnungsmarkt.
Das ironische daran ist, dass wir für die Menschen die Sozialwohnungen auf Staatskosten bauen und auch noch zu großen Teilen deren Mieten durch Hartz4 zahlen und am Ende jammert der gute Deutsche dann über den "Neoliberalismus".

Aber zurück zur Demographie Chinas.
Glaubt ihr China kann das Ruder noch rumreißen und wenn ja mit welchen Maßnahmen?
Den demographischen Verwerfungen kann ein autokratisch regiertes System notfalls mit allem Vorstellbaren begegnen. Auch mit Technologien die heute noch in den Bereich von Science Fiction gehoeren.
Fuer die Chinesische Elite ist eher ein Problem, das sie sich selbst einreden, es gaebe keine Probleme und sie seien die Groessten. Die Diskussion darueber wird wahrscheinlich erstmal verboten und damit gibt es auch kein Problem, Punkt.
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Re: '' 3 Kind Politik ''

Beitrag von sanctus » 03.06.2021, 03:32

Um das eigentliche Thema mal wieder aufzugreifen. Eine Maßnahme würde das Ruder vielleicht herumreißen aber hier stellt sich die Frage, ob das wirklich gut wäre. Ob Ein-Kind-Politik oder nun Drei-Kind-Politik, die Geburt eines Kindes bleibt weiterhin "erlaubnispflichtig". Erst wenn ein Paar verheiratet ist, kann es eine solche Erlaubnis bekommen, andernfalls wird das Kind ohne Anrecht auf eine Identität geboren. Daher kommen die vielen Millionen "Schwarzen Kinder".
谁想要大成绩,就要有更大的目标!

„Solange es Leute gibt, die nichts können, nichts wissen und nichts geleistet haben, wird es auch Rassismus geben“ Farin Urlaub

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Re: '' 3 Kind Politik ''

Beitrag von sweetpanda » 03.06.2021, 16:32

sanctus hat geschrieben:
03.06.2021, 03:32
Um das eigentliche Thema mal wieder aufzugreifen. Eine Maßnahme würde das Ruder vielleicht herumreißen aber hier stellt sich die Frage, ob das wirklich gut wäre. Ob Ein-Kind-Politik oder nun Drei-Kind-Politik, die Geburt eines Kindes bleibt weiterhin "erlaubnispflichtig". Erst wenn ein Paar verheiratet ist, kann es eine solche Erlaubnis bekommen, andernfalls wird das Kind ohne Anrecht auf eine Identität geboren. Daher kommen die vielen Millionen "Schwarzen Kinder".
Ich glaube nicht, dass es jährlich eine Millionengroße Kinderschaar in China gibt die außerehelich geboren wurden, so dass der Mangel an Kindern gar nicht echt ist. Ost-Asiaten neigen auch nicht zu unehelichen Kindern. In den USA haben Asiaten den geringsten Anteil an unehelichen Kindern unter allen Ethnien.

https://en.wikipedia.org/wiki/African-A ... 0-2014.png

Auch wenn unehelich Kinder nicht durch das Raster fallen würden, gäbe es in China sicher keine massive Erhöhung der Kinderzahl durch uneheliche Kinder.
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