Punktesystem für gute und schlechte Bürger

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Menk
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Punktesystem für gute und schlechte Bürger

Beitrag von Menk » 21.03.2018, 00:44

https://web.de/magazine/panorama/china- ... n-32879362

Eure Meinungen?
Spätestens mit diesem Punktesystem verliere ich gewaltig die Lust Kinder im asiatischen Reich der Mitte groß zu ziehen.

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Laogai
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Re: Punktesystem für gute und schlechte Bürger

Beitrag von Laogai » 21.03.2018, 01:08

Menk hat geschrieben:Eure Meinungen?
Meine Meinung: Suchfunktion benutzen :arrow: Sozialkredit-System in China :idea:
Menk hat geschrieben:Spätestens mit diesem Punktesystem verliere ich gewaltig die Lust Kinder im asiatischen Reich der Mitte groß zu ziehen.
Dann zieh' halt ein paar Kinder im europäischen Reich der Mitte groß. Oder im afrikanischen Reich der Mitte. Oder im australischen Reich der Mitte. Soll ganz nett sein dort :P
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Re: Punktesystem für gute und schlechte Bürger

Beitrag von rundherum » 21.03.2018, 06:38

Eure Meinungen?
Spätestens mit diesem Punktesystem verliere ich gewaltig die Lust Kinder im asiatischen Reich der Mitte groß zu ziehen.
Die Idee mit dem Punktesystem hört sich ganz toll an, funktioniert aber bei der schlechten Datenqualität in China nicht. Man muss also entweder extrem nachlässig sein beim Verteilen von Strafen und Vorteilen auf Grund der Punkte, da man Fehler nicht ausschließen kann. Dann werden diese Milliarden effektiv dafür ausgegeben, dass man ein paar hundert störende Regierungskritiker besser mundtot machen kann. Da diese bereits heute unter Kontrolle sind, wäre das System ein Papier-(oder Bit-)Tiger.

Bei einer strengen Auslegung des Systems würden hingegen extrem viele "Unschuldige" bestraft, weil Dateninkosistenzen bestehen oder weil sie nach den falschen Wörter im Internet gesucht haben. Oder weil jemand ihre ID-Nummer irgendwo gesehen hat und sie verwendet, um sich als andere person auszugeben. Oder weil ein Angestellter in den Datenbanken manuell ein paar Bits ändert (ja, das kommt auch in Europa öfters vor als man meint). Die Möglichkeiten für Fehler sind unendlich.
Kurzum:
Man würde am Ende Leute ohne gerichtliches Urteil und ohne Grund bestrafen - da würde sich die Regierung mächtig ins eigene Fleisch schneiden. Das dürfte die Regierung kaum wollen.

Was das mit dem Aufwachsen von Kindern zu tun hat sehe ich nicht. Die regen sich noch nicht so stark über verschwendete Steuergelder auf wie Erwachsene :mrgreen:

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Re: Punktesystem für gute und schlechte Bürger

Beitrag von otternase » 21.03.2018, 07:25

schon mal was von Schufa-Scoring gehört?
In Deutschland darf offenbar ein Privatunternehmen Daten über Bürger sammeln und daraus unkontrolliert und ohne Offenlegung der Kriterien und Algorithmen eine Bewertung in Form eines Punktesystems aufstellen, wobei das Ergebnis wesentliche Auswirkungen haben kann zB. darauf, ob Du eine Wohnung anmieten kannst...

So viel besser finde ich den Zustand im "europäischen Reich der Mitte" nun nicht gerade...

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Re: Punktesystem für gute und schlechte Bürger

Beitrag von expat_de » 21.03.2018, 08:25

Das Schufa Scoring ist kein Social Scoring wie in China sondern ein reines Financial Scoring und IMHO mehr als gerechtfertigt. Es führt nämlich Buch über die Zahlungsmoral.

Die meisten Menschen bezahlen ihre Schulden wie vereinbart zurück. Diese profitieren sogar vom Schufasystem, weil sie einfacher als früher an Kredite, Wohnungen etc. kommen. Leider gib es aber gar nicht wenige schwarze Schafe, denen man mit der Schufa das Handwerk zumindest erschwert. Oder würdest du eine Wohnung an einen Schuldenkönig vermieten wollen, der seinen eingegangenen Verpflichtungen einfach nicht nachkommt? Der ist dann fast unkündbar und zahlt die Miete einfach nicht. Für einen kleinen Privatvermieter ist das in Verbindung mit dem Mieterschutz in DE eine Katastrophe.

Um die Geheimhaltung der Algorithmen kann man sicher diskutieren. Wie ich einmal las, haben Banken die Erfahrung gemacht, dass offenliegende Algorithmen zum Tricksen einladen. Was vielleicht nicht für die Qualität des Algorithmus spricht, aber so sind wohl zumindest die Erfahrungswerte.

Ja, die Schufa ist privatwirtschaftlich organisiert, weil der wesentlichen Interessenträger die Privatwirtschaft ist. Der Staat hat im Gegensatz zu Privaten nämlich sehr effektive Methoden, Schuldner zum Bezahlen zu bewegen. Wenn so eine Agentur der Staat betreiben würde, würden auch wieder Viele rufen, dass das den Staat Nichts angeht.

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Re: Punktesystem für gute und schlechte Bürger

Beitrag von ingo_001 » 21.03.2018, 09:02

expat_de hat geschrieben:Das Schufa Scoring ist kein Social Scoring wie in China sondern ein reines Financial Scoring
Nett gesagt - aber nachweislich falsch.
In das Scoring kommt nämlich auch die Adresse, des Betreffenden.
Wohnst der in der "falschen" Straße, dann rutscht sein Score gen Süden.

Ging schon vor einiger Zeit durch die Medien.
Einfach mal googeln.
expat_de hat geschrieben:und IMHO mehr als gerechtfertigt. Es führt nämlich Buch über die Zahlungsmoral.
Nicht nur (s.o.).

Wenn Schufa & Co. so könnten, wie sie wollten, dann würden sie das chin. "Sozial-Scoring" sofort übernehmen.
Es ist das ultimative Werkzeug, um die Bevölkerung in alle möglichen Klassen einzusortieren.
In wieweit dieses dann auch so wie beabsichtigt greift (kein System ist perfekt) wird die Zukunft zeigen.

Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass auch die westlichen Regierungen da heimlich mit einem gewissen Neid drauf schauen.

Klar, man trällert hier das offizielle Lied der Individualität (z.T. über allem).
Nur hat die eben auch ihre offensichtlichen Schwachstellen, wenn es z,.B. um den Datenschutz geht.
Ob nun Steuerhinterziehung, Subventions-Betrug, Sozial-Betrug oder sonst. Kriminalitätsbekämpfung ...
Alles wäre effektiver, wenn diese Effektivität denn auch gewollt wäre.
Ist es aber offensichtlich nicht.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

Die Logik ist Deine Freundin - Wünsch-Dir-Was und Untergangs-Propheten sind falsche Freunde.

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Re: Punktesystem für gute und schlechte Bürger

Beitrag von expat_de » 21.03.2018, 11:57

ingo_001 hat geschrieben:
expat_de hat geschrieben:Das Schufa Scoring ist kein Social Scoring wie in China sondern ein reines Financial Scoring
Nett gesagt - aber nachweislich falsch.
In das Scoring kommt nämlich auch die Adresse, des Betreffenden.
Wohnst der in der "falschen" Straße, dann rutscht sein Score gen Süden.

Ging schon vor einiger Zeit durch die Medien.
Einfach mal googeln.
expat_de hat geschrieben:und IMHO mehr als gerechtfertigt. Es führt nämlich Buch über die Zahlungsmoral.
Nicht nur (s.o.).
Bei der Wohnadresse geht es wohl weniger um die Zahlungsmoral als vielmehr um den Kreditrahmen und dergleichen. Oder willst Du uns erzählen, die Kreditwürdigkeit sei unabhängig von der Wohnanschrift? Also wenn ich meine Microkredite im Slum bisher brav bedient habe, kann ich endlich die erste Million aufnehmen? Ihr Wohnumfeld wählen die Meisten ja nicht völlig frei. Ganz im Gegenteil.
ingo_001 hat geschrieben:Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass auch die westlichen Regierungen da heimlich mit einem gewissen Neid drauf schauen.
Das glaube ich allerdings auch - sofern sie das System verstehen. De facto haben wir die Totalüberwachung längst auch bei uns. Das mit einem Scoring zu verknüpfen, liegt geradezu auf der Hand und scheitert wohl mehr an der Inkompetenz, Planlosigkeit und Zerstrittenheit unserer PolitikerInnen und weniger an moralischen oder gesetzlichen Hürden. Im Zweifelsfall ist man da auch heute schon ganz unzimperlich und pfeifft auf den Datenschutz.
ingo_001 hat geschrieben:Ob nun Steuerhinterziehung, Subventions-Betrug, Sozial-Betrug oder sonst. Kriminalitätsbekämpfung ...
Alles wäre effektiver, wenn diese Effektivität denn auch gewollt wäre.
Ist es aber offensichtlich nicht.
Das ist wahrscheinlich auch ein Ressourcenproblem.

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Re: Punktesystem für gute und schlechte Bürger

Beitrag von otternase » 30.10.2018, 13:47

ich hole dieses Thema mal wieder hoch mit einem -wie ich finde- ganz interessanten Artikel dazu, der beleuchtet, wie unterschiedlich das Thema in China und im Westen wahrgenommen wird:

https://www.whatsonweibo.com/insights-i ... pproaches/

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Re: Punktesystem für gute und schlechte Bürger

Beitrag von sweetpanda » 30.10.2018, 21:38

otternase hat geschrieben:ich hole dieses Thema mal wieder hoch mit einem -wie ich finde- ganz interessanten Artikel dazu, der beleuchtet, wie unterschiedlich das Thema in China und im Westen wahrgenommen wird:

https://www.whatsonweibo.com/insights-i ... pproaches/
Das ist etwas was mir wirklich Sorge macht. Während wir in den westlichen Demokratien uns über alles einen Kopf machen, uns mit moralischem Ballast bremsen brausen viele andere uns davon.
Es gibt viele Regionen der Welt wo auch mit der Zustimmung der Bevölkerung alles aber auch wirklich technologisch mögliche ausgereizt wird, um im immer schärfer werdenden Wettbewerb die Nase vorne zu haben. So stehen Chinesen natürlich auch der Eugenik viel offener gegenüber als wir.

Die Gewissheit, dass liberale Demokratien eine Vorrausetzungen für erfolgreiche Volkswirtschaften sind gerät immer mehr ins wanken.

Ich denke, dass wir den Höhepunkt der Verbreitung/Machtentfaltung westlich-liberaler schon überschritten haben. Denn die wirtschaftlich stärkste Macht bestimmt auch die Strömungen der weltweiten politischen Entwicklungen.
China schaltet und waltet heute schon in Afrika wie es will, während westliche Unternehmen sich an Anti-Korruptionsgesetze halten müssen.
Werden die Chinesen dort "good governance" pushen?
Schon heute gibt es in Ostasien mehr Milliardäre als in Europa, in 3-4 Jahren vielleicht schon mehr als in den USA und unsere Linken kämpfen sich immer noch an den alten liebgewordenen Gegnern der 70er Jahre ab.
Mein Fehler war, dass ich je ein Buch aufgeschlagen habe.

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Re: Punktesystem für gute und schlechte Bürger

Beitrag von ingo_001 » 30.10.2018, 22:23

Das ist doch exakt das, was ich schon seit Jahren "predige":

Die chin. Regierung handelt rein pragmatisch.
Was immer den chin. Interessen dient wird gemacht/toleriert/akzeptiert.

Das "Meisterstück" sind da die erzwungenen Joint Ventures mit allen westl. Firmen, die in China Geschäfte machen wollen.

Von der Logik her (frei von moralischen Bedenken) einfach genial.
Warum soll man sich darauf einlassen, von ausländischen Firmen auf Dauer abhängig zu sein,
wenn man Zeit, Geld und Ressourcen sparen kann.
Ökonomisch klug - und obendrein noch ökologisch.

Dass dieses System funktioniert, haben unsere westl. Staaten- und Wirtschafts "Eliten" lange Zeit gar nicht begriffen, weil sie einfach davon ausgingen, dass nur das westl. Wirtschaftssystem effizient sein kann.

Dazu kommt dann noch ein wenigstens genauso wichtiger Punkt:
Die chin. Regierung plant in viel größeren zeitl. Dimensionen als die westl. Konkurrenz.
Stichwort: Neue Seidenstraße.

Im Westen plant man m.E. gar nicht, delitantisch oder wenn es "ganz gut läuft" von einer Wahlperiode zur nächsten.

Man hat hier schlicht weder die Fähigkeit noch den Willen in längeren Zeitabschnitten zu planen und das Handeln dem entsprechend auszurichten.
Und das zieht sich durch alle Politikbereiche.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

Die Logik ist Deine Freundin - Wünsch-Dir-Was und Untergangs-Propheten sind falsche Freunde.

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Re: Punktesystem für gute und schlechte Bürger

Beitrag von Tatsmak » 29.11.2018, 17:06

ingo_001 hat geschrieben:Das ist doch exakt das, was ich schon seit Jahren "predige":
Die chin. Regierung handelt rein pragmatisch.
Was immer den chin. Interessen dient wird gemacht/toleriert/akzeptiert.
Eine Regierung, die den Nutzen des eigenen Volkes mehren und Schaden von ihm abwenden möchte. Gibt's denn sowas?

In der Banenrepublik arbeitet man hingegen aktiv gegen das eigene Volk.
Volk = demos (gr.) = populus (lat.)
Merkel meidet das Wort Volk wie der Teufel das Weihwasser und "populistisch" wird von Politik und Medien als Schimpfwort verwendet. In diesem Sinne ist China eigentlich demokratischer als die BRD.

Zum Thema soziale Punkte... das ist keine positive Entwicklung. Erstens weil positives Verhalten aus Überzeugung und nicht aus wg Belohnungs- und Betrafungssystem resultieren sollte und zweitens weil es kaum realisierbar ist (auf eine gerechte Weise).

Dennoch gibt es Ähnliches im Westen. Schufa-Einträge wurden schon genannt. Ich würde auch die Nutzung von sozialen Medien damit in Verbindung bringen (falsche Meinung -> soziale Ächtung, Konsequenzen seitens der Seitenbetreiber, anderer großen Firmen und der Regierung bis hin zu Gewalt seitens radikaler Gruppen)

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Re: Punktesystem für gute und schlechte Bürger

Beitrag von Shenzhen » 30.11.2018, 04:43

Das Punktesystem soll ja auch nach Wunsch einiger fur Asylsuchende kommen, und oh wunder dieser Vorschlag kommt nicht mal aus den Kreisen der AfD. Das BKA hat schon entspr. alles vorbereitet. Flensburg ist auch so ein Diskriminierungssystem, nur weil ich immer bei Rot uber die Ampel fahre heisst das ja noch lange nicht, dass ich ein schlechter Fahrer bin.

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Re: Punktesystem für gute und schlechte Bürger

Beitrag von Tim.K » 03.12.2018, 22:50

Shenzhen hat geschrieben: immer bei Rot ..dass ich ein schlechter Fahrer bin.
Umweltfreundlich sehr gut

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