Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

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Re: Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

Beitrag von Richi_Will » 11.03.2013, 23:02

Bernhard hat geschrieben:Es geht nicht darum, ob die Opfer auf dem Platz oder woanders zu Tode gekommen sind.

Es geht vielmehr darum, dass nicht alle friedlich demonstriert haben und allein deswegen brutal abgeknallt wurden. Das hat es vielleicht auch gegeben, aber in vielen Fällen sind auch die Bürger Beijings (es waren in dieser Phase waren es meist nicht mehr die Studenten!) ziemlich gewalttätig vorgegangen.
Akzeptiert. Noch einmal: Was ist die Forderung? Welche Bezeichnung ist denn kein journalistisches Armutszeugnis. Ich finde nichts passendesr. OK, ich finde "Massaker" auch ein wenig irreführend, weil ja nicht nur Unschuldige erschossen wurden.... Doch halt, war es wirklich so? Waren die Opfer vielleicht auch Täter? Und schon sind wir bei einer nicht zu leugnenden Tatsache, dass die Haupt-Verantwortlichen für die Bluttaten mit allen Mitteln eine Aufklärung verhindern. Also was machen? Eine eher drastische Formulierung wählen oder eine etwas harmlosere? Ich würde sagen: So lange die Regierenden die Ereignisse totschweigen, war es mit Sicherheit ein Massaker. Und ich denke, das trifft die Sache ganz gut. Sicher, in Nanjing wurden auch Japaner gemeuchelt, aber sollte man das bei jeder Erwähnung in Klammern dazuschreiben?

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Re: Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

Beitrag von Bernhard » 11.03.2013, 23:27

Richi_Will hat geschrieben: Und schon sind wir bei einer nicht zu leugnenden Tatsache, dass die Haupt-Verantwortlichen für die Bluttaten mit allen Mitteln eine Aufklärung verhindern. Also was machen? Eine eher drastische Formulierung wählen oder eine etwas harmlosere? Ich würde sagen: So lange die Regierenden die Ereignisse totschweigen, war es mit Sicherheit ein Massaker. Und ich denke, das trifft die Sache ganz gut. Sicher, in Nanjing wurden auch Japaner gemeuchelt, aber sollte man das bei jeder Erwähnung in Klammern dazuschreiben?
ich rekapituliere:

Die Verantwortlichen verhindern die Aufklärung. Also war es "mit Sicherheit" ein Massaker. Es war "mit Sicherheit" ein Massaker, solange die Regierenden die Ereignisse totschweigen. Also wenn die Verantwortlichen die Ereignisse nicht mehr tot schweigen, ist es vielleicht kein Massaker mehr. D.h. das Verhalten der Verantwortlichen heutzutage verändert die Ereignisse von damals. Auch eine interessante Theorie...

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Re: Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

Beitrag von Laogai » 11.03.2013, 23:32

Richi_Will hat geschrieben:Welche Bezeichnung ist denn kein journalistisches Armutszeugnis. Ich finde nichts passendesr.
Wie wäre es denn mit Unruhen in Beijing 1989? Das hat doch für Bangkok auch ganz gut hingehauen :?: :idea:

Ernsthaft: "Gewaltsame Niederschlagung des Volksaufstandes von 1989" wäre ein Vorschlag von mir. Es gab kein Massaker, schon gar nicht auf dem Tiananmen Platz und schon gar nicht an Studenten.
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Re: Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

Beitrag von Richi_Will » 12.03.2013, 00:13

Dass auch Studenten getötet wurden, ist wohl unumstritten. Etvl. weniger als der deutsche Zeitungsleser annimmt. OK, geschenkt. Wie wäre es denn mit "Blutbad"? Das ist m.E. etwas neutraler. Obwohl die bewusste Tötung von Unbewaffneten in dieser großen Zahl schon ganz schön nah an das herankommt, was ich mir unter Massaker vorstelle.
Laogai hat geschrieben:
Richi_Will hat geschrieben:Welche Bezeichnung ist denn kein journalistisches Armutszeugnis. Ich finde nichts passendesr.
Wie wäre es denn mit Unruhen in Beijing 1989? Das hat doch für Bangkok auch ganz gut hingehauen :?: :idea:

Ernsthaft: "Gewaltsame Niederschlagung des Volksaufstandes von 1989" wäre ein Vorschlag von mir. Es gab kein Massaker, schon gar nicht auf dem Tiananmen Platz und schon gar nicht an Studenten.

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Re: Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

Beitrag von Richi_Will » 12.03.2013, 00:21

Ernsthaft: "Gewaltsame Niederschlagung des Volksaufstandes von 1989" wäre ein Vorschlag von mir. Es gab kein Massaker, schon gar nicht auf dem Tiananmen Platz und schon gar nicht an Studenten.[/quote]

Also, wenn man schon Wikipedia verlinkt, sollte man es doch vorher zumindest lesen: "Umgangssprachlich werden auch Niederschlagungen von Demonstrationen und Aufständen Massaker genannt."

Wenn das man nicht auf Tiananmen zutrifft, denn weeß ick och nich...

Det warn Massaker. Schluss. Aus.

Und ich dachte gegen Haarspaltereien gibt's Pantene Pro V. Scheint bei einigen nicht zu helfen.

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Re: Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

Beitrag von Laogai » 12.03.2013, 00:34

Richi_Will hat geschrieben:Obwohl die bewusste Tötung von Unbewaffneten in dieser großen Zahl schon ganz schön nah an das herankommt, was ich mir unter Massaker vorstelle.
Wie viele Unbewaffnete wurden denn bewusst getötet? Da weißt du scheinbar mehr als jeder andere, egal ob in diesem Forum, in den Medien oder innerhalb der chinesischen Regierung. Und ab welcher Zahl von Opfern stellst du dir ein Massaker vor? Ab zwei Toten? Ab 20 Toten? Ab 200 Toten?

Ich dachte du hast dich mit dem Thema -äh, diesen Kram- auseinandergesetzt:
Richi_Will hat geschrieben:Danke, aber ich kenne diese Kram.
Wohl doch nicht, also bleibt es bei der Babysprache. Alles ist gaga :roll:
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Re: Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

Beitrag von Laogai » 12.03.2013, 00:51

Richi_Will hat geschrieben:Also, wenn man schon Wikipedia verlinkt, sollte man es doch vorher zumindest lesen: "Umgangssprachlich werden auch Niederschlagungen von Demonstrationen und Aufständen Massaker genannt."
Wenn das man nicht auf Tiananmen zutrifft, denn weeß ick och nich...
Umgangssprachlich wird Diarrhö auch Dünnschiss genannt. Hier geht es aber um die Medienrezeption.
Richi_Will hat geschrieben:Det warn Massaker. Schluss. Aus.
Na dann wirst du wohl Recht haben.
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Re: Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

Beitrag von Richi_Will » 12.03.2013, 01:08

Laogai hat geschrieben:Umgangssprachlich wird Diarrhö auch Dünnschiss genannt. Hier geht es aber um die Medienrezeption.
Ich weiß jetzt nicht genau, ob Ihnen das nicht bekannt ist, aber Diarrhö ist tatsächlich Dünnschiss. Wir haben diskutiert, ob man die Ereignisse am Tiananmen "Massaker" nennen sollte, habe festgestellt, dass die Definition auch unter den Umständen, dass derzeit noch zu wenig darüber bekannt ist, zutrifft. Was wollen Sie denn noch?
Laogai hat geschrieben:
Richi_Will hat geschrieben:Det warn Massaker. Schluss. Aus.
Na dann wirst du wohl Recht haben.
Hab ich auch.

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Re: Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

Beitrag von Laogai » 12.03.2013, 02:02

Richi_Will hat geschrieben:Was wollen Sie denn noch?
Inzwischen nur noch ein paar Antworten auf meine Fragen, die du bisher ignoriert hast:
Laogai hat geschrieben:
Richi_Will hat geschrieben:Meine Meinung dazu: Es war eine chaotische und brutale Niederschlagung damals, so viel weiß man.
Man weiß inzwischen recht viel dazu. Warum wird es dann nicht so dargestellt?
Laogai hat geschrieben:
Richi_Will hat geschrieben:Das wäre Kadersprech.
Was ist denn "Kadersprech"?
Laogai hat geschrieben:Wie viele Unbewaffnete wurden denn bewusst getötet? Da weißt du scheinbar mehr als jeder andere, egal ob in diesem Forum, in den Medien oder innerhalb der chinesischen Regierung. Und ab welcher Zahl von Opfern stellst du dir ein Massaker vor? Ab zwei Toten? Ab 20 Toten? Ab 200 Toten?
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Re: Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

Beitrag von Bernhard » 12.03.2013, 08:34

ich bin zwar nicht Richi_Will, aber ich würde mal sagen: "Kadersprech" sind die typischen Floskeln und Phrasen, die man in den Verlautbarungen von Seiten der kommunistischen Parteien und Regierungen finden konnte und teilweise noch kann.

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Re: Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

Beitrag von Laogai » 12.03.2013, 09:40

Bernhard hat geschrieben:ich bin zwar nicht Richi_Will, aber ich würde mal sagen: "Kadersprech" sind die typischen Floskeln und Phrasen, die man in den Verlautbarungen von Seiten der kommunistischen Parteien und Regierungen finden konnte und teilweise noch kann.
Das dachte ich mir fast.
Dann gehört Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens ganz weit nach vorne im Buch der "Kadersprech" deutscher Medien. Propaganda machen nicht immer nur "die anderen" :!: :idea:
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Re: Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

Beitrag von Bernhard » 12.03.2013, 19:25

Laogai hat geschrieben:
Bernhard hat geschrieben:ich bin zwar nicht Richi_Will, aber ich würde mal sagen: "Kadersprech" sind die typischen Floskeln und Phrasen, die man in den Verlautbarungen von Seiten der kommunistischen Parteien und Regierungen finden konnte und teilweise noch kann.
Das dachte ich mir fast.
Dann gehört Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens ganz weit nach vorne im Buch der "Kadersprech" deutscher Medien. Propaganda machen nicht immer nur "die anderen" :!: :idea:
das mit dem "Propaganda" hast du gesagt. Ich habe nicht gesagt, dass "Kadersprech" notwendigerweise manipulativ ist. Es ist nur so, dass sie sich eben gewisse (oft nichtssagende) Phrasen verfestigt haben/hatten.

Ich habe immer betont, dass auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" kein Massaker stattgefunden hat. Deswegen weiß ich nicht, warum du mir das jetzt um die Ohren wirfst. Übrigens: Deutsche Redakteure sind keine "Kader".

Natürlich gibt es auch hier einen "Regierungssprech", in letzter Zeit leider immer mehr. Irgendwelche Phrasen, die eigentlich nichts aussagen oder inakzeptable Fakten oder Zustände verschleiern oder verharmlosen.

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Re: Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

Beitrag von Laogai » 12.03.2013, 22:08

Bernhard hat geschrieben:Ich habe immer betont, dass auf dem "Platz des Himmlischen Friedens" kein Massaker stattgefunden hat. Deswegen weiß ich nicht, warum du mir das jetzt um die Ohren wirfst.
Ich werfe dir gar nichts um die Ohren, denn ich habe mich gar nicht auf dich bezogen :idea:
Den Ausdruck Kadersprech hatte Richi_Will hier reingeworfen.
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Re: Deutschlandfunk, So, 10. März 2013, 9.30 Uhr

Beitrag von Phytagoras » 12.03.2013, 22:55

Naja. Ich würd das "Massaker", oder wie man es nun auch nennen will, nicht kleinreden. Es gibt ja genug Videobeweise dazu, dass auch auf Unschuldige geschossen wurde. Mir ist da der Mann im Gedächtnis geblieben, der auf die Soldaten zugeht, sich umdreht und in den Rücken geschossen wurde.

Das ist aber jetzt auch schon fast 25 Jahre her und jedenfalls in Beijing weiß jeder, was damals abging. Verstehe ehrlich gesagt nicht, warum da überhaupt noch zensiert werden soll. Der Vater meiner Freundin erklärte mir mal, dass man einfach nur wartet, bis die Person, die den Schießbefehl gab, stirbt, bevor man da was veröffentlicht, da es sonst ein Gesichtsverlust für ihn darstellt...

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