Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

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*mary*
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Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von *mary* » 18.03.2010, 21:11

Hallo ihr Lieben, :)
ich schreibe eine Arbeit über das chinesische Gesundheitssystem und muss Vorschläge zur Verbesserung anbringen!!

Nun fänd ich es total super, wenn ich mit euch darüber ein wenig disskutieren könnte und sozusagen Informationen aus 1.Hand bekommen würde.

Der aktuelle status quo lässt sich ja eigentlich recht einfach beschreiben:
Von 1949-1978 wurde erstmals eine flächdeckende Gesundheitsversorgung in Stadt und Land aufgebaut, zwar war diese Versorgung sehr basic,aber sie war vorhanden.
Ab der Öffnungs- und Reformpolitik Ende der 70er Jahre veränderte sich das aufgebaute System grundlegend: durch die Dekollektivierung der Landwirtschaft und dessen Folgen brach die medizinische Versorgung auf dem Land zusammen und die Bevölkerung musste für alle Behandlungen selbst aufkommen. Das hat sich bis heute nicht verändert, zwar gab es einige Reformbemühungen, doch große Erfolge konnten nicht erziehlt werden.
Auch die medizinische Versorgung der Stadtbevölkerung hat sich seit 1978 verändert. Krankenversichert war nur, wer einen Job hatte, doch gab und gibt es viele Arbeitslose und Wanderarbeiter, die keinerlei Versicherung haben.
Heutzutage finanzieren sich die meisten chinesischen Krankenhäuser und auch die Ärzte hauptsächlich aus Einnahmen vom Medikamentenverkauf und aus den Einnahmen teurer Therapien.
Sehr viele Chinesen, vor allem die Landbevölkerung, kann sich eine ausreichende medizinische Versorgung nicht mehr leisten!!


Stimmt das alles bis hierher??
Und was denkt ihr, wie man es verbessern könnte???

Ich freue mich auf eure Antworten!
LG,mary*

wuseltiger
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Re: Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von wuseltiger » 18.03.2010, 23:21

Hi Mary,

also über die historische Entwicklung des chin. Gesundheitssystems, sollen sich andere auslassen.

Aber was mir auffällt ist, dass Deine Aufzählung insgesamt sehr negativ klingt. Sicher ist China von einem sehr großen Ungleichgewicht gekennzeichnet und auf die Landbevölkerung treffen Deine Aussagen auch weitestgehend zu. Es gibt noch immer keine flächendeckende Krankenversorgung und schon gar keine allgemeine Krankenversicherung. (Die gibt es in den USA übrigens auch nicht).

Aber man kann das auch anders sehen: China hat einen rasend schnellen Spurt in seiner wirtschaftlichen Entwicklung hingelegt, von einem durch Hungersnöte zerfressenen Land zu einem Land, in dem wohl niemand mehr hungert und das wirtschaftlich bereits die Bundesrepublik überholt hat. Eine Gesundheitsversorgung für 1,3 Milliarden Menschen (1/5 der Weltbevölkerung) aufzubauen ist dabei auch keine einfache Aufgabe. Gleichzeitig sind viele Chinesen nicht so unzufrieden mit ihrer Gesundheitsversorgung, wie Du vielleicht denkst. Für die Bevölkerung in den Großstädten ist die Versorgung sogar ziemlich gut geworden. Auch wenn Chinesen seltener zum Arzt gehen, als Deutsche (deren Krankenversicherung umfassen meist nur Notfälle oder sehr schwerwiegende Krankheiten. Kleinigkeiten wie Schnupfen oder Husten, ... müssen selbst bezahlt werden), so ist die Versorgung für Städter eben durchaus gut.
Ich kenne einen Fall einer Chinesin aus meinem Umfeld, die in den USA lebt und es vorgezogen hat, für eine Krebstherapie nach China zurück zu fliegen, da sich sich dort besser aufgehoben gefühlt hat.
Heutzutage finanzieren sich die meisten chinesischen Krankenhäuser und auch die Ärzte hauptsächlich aus Einnahmen vom Medikamentenverkauf und aus den Einnahmen teurer Therapien.
Kann mal jemand recherchieren, wie hoch die staatlichen Ausgaben fürs Gesundheitssystem sind? Würde mich auch interessieren... Aber ich glaube, die sind immens...
Sehr viele Chinesen, vor allem die Landbevölkerung, kann sich eine ausreichende medizinische Versorgung nicht mehr leisten!!
Ich würde sagen, heute können es sich zwar sicher noch zu wenige leisten, aber trotzdem mehr als je zuvor..

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Re: Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von robbe » 18.03.2010, 23:49

Verbesserungsvorschläge.. das ist immer so eine Sache.. Hängt vollkommen davon ab wieviel Mittel zur Verfügung stehen. Ist irgendwie eine blöde Frage, wenn sie sich auf ein Gesundheitssystem bezieht, dass sich gerade entwickelt. Ist doch klar, dass da noch massig Verbesserungen kommen müssen, aber die hängen von den finanziellen Mitteln ab.
Natürlich sollte jeder, der es sich nicht leisten kann auch versichert sein. Geht aber nicht, zu teuer..

Vielleicht gerade für die Landbevölkerung, zentrale Medizineinrichtungen einrichten, sodass eventuell jeder in akzeptabler Entfernung solch eine Einrichtung erreichen kann. Diese müsste dann, entsprechend der finanziellen Mitteln der Bevölkerung angepasst werden (sprich kostenfrei bzw. annähernd).
Vielleicht einen Ausgleichfond, finanziert von Städtern für die Landbevölkerung? Würde bei langem nicht ausreichen.
Falls es das noch nicht gibt, hätte man es bereits sicherlich gemacht, hätte man nur genug Geld...
Naja wie gesagt eine ziemlich blöde Frage, wie ich finde.
Für was ist denn die Arbeit? Schule oder Uni?

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Re: Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von *mary* » 18.03.2010, 23:50

Hallo Wuseltiger,

danke erstmal für deinen Beitrag.
Dass meine Aufzählung negativ klingt war nicht meine Absicht.
Klar kann man es auch anders sehen und natürlich ist auch die wirtschaftliche Entwicklung unglaublich rasant und erfolgreich verlaufen, da sprechen die Fakten für sich.
Doch andererseits hatte diese Entwicklung auch negative Folgen.
Wie schon gesagt, hat sich die gesundheitliche Versorgung der Landbevölkerung verschlechtert, die immerhin noch weit über die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmacht. Viele können sich einfache Behandlungen nicht leisten, müssen dafür all ihr Erspartes aufbrauchen oder hohe Schulden machen oder sich eben nicht behandeln lassen. China hat nicht umsonst eine Sparquote von 20 %, weil sie sich ihrer Gesundheits- und Alersversorgung nicht sicher sind.
Dass die rund 200 Millionen Wanderarbeiter nicht krankenversichert sind, ist doch auch problematisch.
Dass die Versorgung für die Stadtbewohner sogar besser geworden ist, habe ich auch recherchiert, doch diese Entwicklungen vergrößern doch auch die Kluft zwischen Stadt und Land.
Ich stell es mir so vor: wenn ich Geld habe, bekomme ich in China eine medizinische Versorgung auf Weltniveau, wenn ich kein Geld habe, bekomme ich nichts.

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Re: Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von robbe » 18.03.2010, 23:55

*mary* hat geschrieben: Ich stell es mir so vor: wenn ich Geld habe, bekomme ich in China eine medizinische Versorgung auf Weltniveau, wenn ich kein Geld habe, bekomme ich nichts.
So ist das eben überall, wo der Staat nicht genug finanzielle Mittel hat um für einen sozialen Ausgleich zu sorgen.
Und die wirtschaftliche Strategie beruht eben auf punktuelles Wachstum (also auf spezielle Regionen konzentriert) und nicht auf einem flächendeckenden Wachstum, welches dann für jede Region vorhanden wäre aber in weitaus geringerem Ausmaß. Wie in so ziemlich jedem Entwicklungs-/Schwellenland.
Das frühere Gesundheitssystem beruht ja auf sozialistischen Gedanken. Kannst ja mal mit Kuba vergleichen, die sollen (habe ich mal gehört, kann mich aber auch verhört haben) ein relativ gutes Gesundheitssystem haben.
Das frühere System war ja sicherlich auch nicht selbstragend, also vom Staat ziemlich finanziell gepusht. Hat bestimmt viel gekostet und würde es heute auch.

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Re: Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von *mary* » 19.03.2010, 00:06

Hallo Robbe,
Also laut der OECD hat China ja die nötigen Finanzen, um seine Sozialsysteme grundlegend auszubauen, wie man ja in den letzten Wochen immer wieder in der Presse lesen konnte.
Und jetzt hat die Regierung doch letztes Jahre dieses 3-Jahres-Programm zum Wiederaufbau des Gesundheitswesens über 850 Mrd. Yuan beschlossen und auch schon mit einigen Reformen angefangen.
Ja, vielleicht klingt Verbesserungsvorschläge blöd, eben einfach Überlegungen oder Ideen, mit denen man der Entwicklung helfen könnte.
Es ist ein kleiner Teil im Rahmen einer Doktorarbeit an der Uni.

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Re: Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von *mary* » 19.03.2010, 00:08

Ja, aber der Punkt ist doch, dass China inzwischen die Mittel hätte, um umfassende Sozialsysteme zu implementieren!!

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Re: Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von *mary* » 19.03.2010, 00:12

Also wenn man jetzt davon ausgeht, dass man mind.die 850 Mrd. Yuan an Mitteln zur Verfügung hätte.
Was wäre am effektivsten zu tun??

Diesen Artikel fand ich sehr schockierend,
kann mir jemand bestätigen oder dementieren, dass es wirklich so ist?
http://www.aerzteblatt.de/V4/archiv/art ... t&id=61415" target="_blank

Schöne Grüsse*

robbe
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Re: Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von robbe » 19.03.2010, 01:32

Naja rechne mal die 850Mrd Yuan auf 1,3Mrd. Chinesen hoch. Wirklich viel bleibt da für jeden einzelnen nicht übrig. Für eine umfassende Versicherung reicht das nicht lange.
Das Geld ist wohl am sinnvollsten in die Infrastruktur zu investieren.

Vielleicht ist es auch interessant sich zu erkundigen ob es in China ausreichend Ärtze/Fachkräfte vorhanden sind um die komplette Bevölkerung überhaupt ausreichend zu versorgen. Bringt ja recht wenig, wenn man Krankenhäuser baut und man dann kein Personal hat. Vielleicht muss man in die Ausbldung investieren oder man muss den Beruf Arzt in China attraktiver machen.
Dabei sind sicherlich die regionalen Unterschiede interessant: Wieso sollte ein chin. Arzt in Tibet arbeiten, wo er weniger verdient als in anderen Regionen? => Anreiz für ländliche/weniger entwickelte Gebiete muss geschaffen werden, natürlich muss es als Ausgangspunkt dort auch erstmal die gewissen Einrichtungen geben (Krankenhaus etc.)

Naja für ländliche Regionen gilt dann wohl auch erstmal: Eine Versicherung bzw. staatlichen Finanzierung bringt wenig, wenn die nächste med. Einrichtung so weit entfernt ist, dass man dort nur schwierig hinkommt.

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Re: Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von *mary* » 19.03.2010, 01:53

Genau daran hatte ich auch gedacht.
Vielleicht sollte zum Beispiel für Absolventen eines Medizinstudiums eine sog. Pflichtentsendung aufs Land eingeführt werden, für einen bestimmten Zeitraum, das gab es ja schonmal in früheren Zeiten.
Geld in die Infrastruktur zu investieren ist in jedem Falle sinnvoll, doch sollten es sich die Menschen dann auch leisten können. Vielleicht könnte man die ehemaligen Gesundheitsstationen in den Dörfern wieder aufbauen, in denen damals die sog. Barfußärzte arbeiteten. Diese könnten dann wieder mit sehr gut ausgebildeten Sanitätern ausstatten und vielleicht wieder ein System, ähnlich dem der kooperativen medizinischen Versorgung aufbauen. Oder man beginnt zunächst mit der Einführung von mobilen Krankenstationen auf dem Land.
Wenn die Ärzte wirklich so wenig verdienen (rund 300Euro im Monat), wie ich nun häufig gelesen habe, MUSS ihr Verdienst erhöht werden, um die Korruption einzugrenzen. Ärzte sollte wieder die Gesundheit des Einzelnen im Fokus haben, nicht den Profit, den sie am Einzelnen verdienen mit den teuren Medikamente und Behandlungen.
Aber wie kann man Stadt und Land mit Blick auf die medizinische Versorgung näher zusammenbringen?
Und wie könnte man mit den vielen Millionen Wanderarbeitern verfahren? Wie kann man diese sinnvoll wenigstens Grundabsichern?

beowulf
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Re: Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von beowulf » 19.03.2010, 03:41

*mary* hat geschrieben:Also wenn man jetzt davon ausgeht, dass man mind.die 850 Mrd. Yuan an Mitteln zur Verfügung hätte.
Was wäre am effektivsten zu tun??

Diesen Artikel fand ich sehr schockierend,
kann mir jemand bestätigen oder dementieren, dass es wirklich so ist?
http://www.aerzteblatt.de/V4/archiv/art ... t&id=61415" target="_blank

Schöne Grüsse*
China Artikel sind immer schockierend. Wenn sie nicht schockierend sind und den absoluten Horror an die Wand malen, müssen sie von chinesischen Botschaftsmitgliedern geschrieben worden sein oder der Journalist ist auf der Pay Roll der KP. Im schlimmsten Fall verliert er seinen Job in Deutschland. Eigentlich wollte ich einen lachenden Smiley am Ende hingeben, aber mir ist das Lachen da vergangen.

Die Probleme die im Artikel beschrieben werden, sind eindeutig vorhanden. China hat vom Kommunismus auf freie Marktwirtschaft umgestellt (hier müsste man eigentlich korrekt hinzufügen, vom chinesischen Kommunismus auf chinesische Marktwirtschaft) und damit sind extreme Probleme verbunden. So etwa die Tätigkeiten diverser Pharma Firmen und Ärzte. Ich bin aber nicht sattelfest in dieser Materie. Ist nicht mein Fachgebiet. Ich kann dir aber zu einer konkreten Aussage im Artikel etwas sagen.

"Aufstände brechen aus, nach offiziellen Angaben mehr als 80 000 pro Jahr."

Diese 80.000 "Aufstände" die in den westlichen Medien immer wieder zitiert werden, umfassen von Mini Demonstration mit 20 Leuten bis zur Stürmung einer Polizeistation alles. Das was hier mit "Aufständen" immer suggeriert wird, passiert in GANZ China, vielleicht 4-5 mal im Jahr und dies sind übrigens keine "Demokratie" Bewegungen, sondern Wutausbrüche der lokalen Bevölkerung die meist durch einen extremen Korruptionsfall ausgelöst wurde. Woher man das weiß? Weil solche Aufstände extrem schnell ihren Weg ins chinesische Netz finden. Und nein! Das chinesische Netz steht nicht unter "totaler" Kontrolle. Das hätten die Zensoren vielleicht gerne, entspricht aber nicht der Realität.

Das bedeutet natürlich nicht, dass die 4-5 Aufstände im Jahr akzeptabel wären. Es gibt eine Unzufriedenheit im Land aufgrund der Korruption oder anderer Misstände. Nur zeichnen unsere Medien ein Zerrbild (Wunschbild?) von einer chinesischen Hölle die jeden Moment zusammenbrechen wird. Und meine Vermutung ist, dass es mit dem Rest des Artikels genauso steht. Eine Berichterstattung die ins negative extrem geht, grundsätzlich wichtige und problematische Punkte auch anspricht, aber vollkommen einseitig ist.

@Chinesin die wegen Krebserkrankung nach China gefahren ist... Kenne viele Chinesen die in Österreich nicht zum Zahnarzt gehen wollen, weil sie von dem Können der Ärzte so enttäuscht sind. Die fahren einmal im Jahr nach Hause und lassen dann dort alles auf einmal erledigen. Macht übrigens meine Frau auch so (Koreanerin).

@Angriffe auf Ärzte - Die meisten Chinesen sind von der Mentalität her um einiges emotionaler. Ich weiß, dass läuft konträr zu dem im westlichen Klischeebild vom höflichen, ewig buckelnden unterwürfigen Asiaten.

Ich habe auch das Gefühl, dass die absolute Mehrheit der Busfahrer oder Taxifahrer schon in einer Rauferei mit einem Kunden verwickelt waren. Daher verwundert mich soetwa überhaupt nicht. Und wenn ich denke, wie oft soetwas auch in Südkorea passiert, denke ich mir, dass da auch keine großartigen Reformen etwas über Nacht ändern werden. Was man aber auch dazu sagen muss, ist das diese Rauferein zu 99% recht glimpflich ausgehen.

Hier ein Video von so einer Rauferei:
http://www.youtube.com/watch?v=mB854LboBcY" target="_blank

beowulf
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Re: Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von beowulf » 19.03.2010, 03:48

Vielleicht sollte zum Beispiel für Absolventen eines Medizinstudiums eine sog. Pflichtentsendung aufs Land eingeführt werden, für einen bestimmten Zeitraum, das gab es ja schonmal in früheren Zeiten.
Da werden die Studenten nicht mitspielen. Früher war es eine Kombination aus idealistischer Massenbewegung und Zwang. Heute ist beides nicht mehr vorhanden und durchsetzbar.
Geld in die Infrastruktur zu investieren ist in jedem Falle sinnvoll, doch sollten es sich die Menschen dann auch leisten können. Vielleicht könnte man die ehemaligen Gesundheitsstationen in den Dörfern wieder aufbauen, in denen damals die sog. Barfußärzte arbeiteten. Diese könnten dann wieder mit sehr gut ausgebildeten Sanitätern ausstatten und vielleicht wieder ein System, ähnlich dem der kooperativen medizinischen Versorgung aufbauen.
Dafür mangelt es an Personal. Kein Akademiker geht aufs Land. Besonders nicht wenn sie aus den entwickelten Großstädten kommen.
Oder man beginnt zunächst mit der Einführung von mobilen Krankenstationen auf dem Land.
Gibt es meines Wissens auch schon. Gehört meiner Meinung aber noch verstärkt. In Tibet z.B. werden Krankenstationen bei Klöstern eingerichtet. Da mangelt es zwar an medizinischen Personal, aber die Mönche können Medikamente verteilen und den Krankenpflegerjob übernehmen, bis der Arzt wieder vorbeischaut.
Wenn die Ärzte wirklich so wenig verdienen (rund 300Euro im Monat), wie ich nun häufig gelesen habe, MUSS ihr Verdienst erhöht werden, um die Korruption einzugrenzen.


Für eine Erhöhung des Gehalts bin ich auch. Ebenso bei den kommunistischen Kadern, die verdienen auch zu wenig. Hier ist das gleiche Problem.
Und wie könnte man mit den vielen Millionen Wanderarbeitern verfahren? Wie kann man diese sinnvoll wenigstens Grundabsichern?
Versicherung über die Arbeitgeber. Diese - aber inklusive viele europäische und amerikanische, nur keine falschen Illusionen - drücken sich darum wie es nur geht und vermeiden es auch Arbeitsverträge auszustellen. Ich habe das Gefühl, je mehr China weg von der reinen Billig Produktion geht, desto besser wird aber auch die Lage.

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Re: Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von Taiyang » 19.03.2010, 04:39

beowulf hat geschrieben: @Chinesin die wegen Krebserkrankung nach China gefahren ist... Kenne viele Chinesen die in Österreich nicht zum Zahnarzt gehen wollen, weil sie von dem Können der Ärzte so enttäuscht sind. Die fahren einmal im Jahr nach Hause und lassen dann dort alles auf einmal erledigen. Macht übrigens meine Frau auch so (Koreanerin).
Wer macht das nicht? Man fühlt sich auch ein bisschen wohler, wenn keine Verständigungsprobleme bestehen & mal davon abgesehen, Behandlungsmethoden unterscheiden sich ja doch um einiges von Land zu Land. Ich geh da auch lieber zum deutschen Zahnarzt ;)

Zum Thema: Ich denke, es ist nicht einfach ein besser funktionierendes Gesundheitssystem für 1,3 Mrd. Menschen aufzubauen, Landbevölkerung und Wanderarbeiter hin oder her. Deutschland hat 80 Millionen Einwohner und da müssen Leute auf den Dörfern auch nicht selten erst in die nächste Stadt fahren, um einen Doktor zu sehen, nachdem sie 3 Stunden im Wartezimmer verbracht haben, weil sich da bereits die Leute stapeln.
Soll heißen, für die Menge an Menschen, die es hier zu behandeln gibt, funktioniert das hier schon recht gut.

Was aber definitiv besser werden könnte: der Anreiz für chinesische Mediziner, überhaupt noch in China als Arzt arbeiten zu wollen. Meine Kollegin ist voll ausgebildete Ärztin, aber auf Grund der miserablen Löhne zieht sie es vor, lieber Tag für Tag vorm PC zu sitzen und Übersetzungen zu korrigieren und dafür 4 Mal mehr Lohn zu kriegen (in Peking).

Wanderarbeiter zu versichern stelle ich mir auch als kompliziert vor, Stichwort "Wander-"
Welche Versicherung würde da schon eintreten, wenn der Arbeiter drei Monate hier arbeitet und dann für die nächsten 3 Monate wo anders hin (andere Provinz) verschwindet.

Guangzhou
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Re: Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von Guangzhou » 19.03.2010, 05:42

Taiyang hat geschrieben:Was aber definitiv besser werden könnte: der Anreiz für chinesische Mediziner, überhaupt noch in China als Arzt arbeiten zu wollen. Meine Kollegin ist voll ausgebildete Ärztin, aber auf Grund der miserablen Löhne zieht sie es vor, lieber Tag für Tag vorm PC zu sitzen und Übersetzungen zu korrigieren und dafür 4 Mal mehr Lohn zu kriegen (in Peking).
Das nehme ich Dir nicht so recht ab... Gut ausgebildete Aerzte werden in privaten Kliniken gesucht und gut bezahlt. Da steckt bestimmt ein "Einzelschicksal" hinter (Falsches Fachgebiet o.ae. - kann ich nur spekulieren).
Ansonsten guck dir mal die Situation in D an - wie lange Arzte fuer einen Hungerlohn in Kliniken 24 Stunden Dienst schieben muessen bis sie endlich einmal so weit sind Geld verdienen zu koennen. Da verdient ein gemeiner Handwerker in der selben Zeit auch das vielfache.

Gruss

andy

Re: Verbesserung des chinesischen Gesundheitssystems

Beitrag von andy » 19.03.2010, 06:27

Guangzhou hat geschrieben: Ansonsten guck dir mal die Situation in D an - wie lange Arzte fuer einen Hungerlohn in Kliniken 24 Stunden Dienst schieben muessen bis sie endlich einmal so weit sind Geld verdienen zu koennen.
Da verdient ein gemeiner Handwerker in der selben Zeit auch das vielfache.
Aber sicher nicht in DE!

Selbst als Assistentarzt kommst du auf ein Jährliches Gesamteinkommen von 50.000€ - 60.000€.
Ist ehrlich gesagt nicht gerade etwas, was Ich als Hungerlohn bezeichnen würde( auch nicht für die miserablen Schichtzeiten ).
Glaube auch nicht das man da als Handwerker ( es sein denn es ist dein eigener Betrieb ) möglich ist da ein Vielfaches mehr zu verdienen ( oder überhaupt mehr zu verdienen ).
Als Handwerker kommst du vielleicht auf ein Jährliches Gesamteinkommen von 18.000€-32.000€
Guangzhou hat geschrieben:
Taiyang hat geschrieben:Was aber definitiv besser werden könnte: der Anreiz für chinesische Mediziner, überhaupt noch in China als Arzt arbeiten zu wollen. Meine Kollegin ist voll ausgebildete Ärztin, aber auf Grund der miserablen Löhne zieht sie es vor, lieber Tag für Tag vorm PC zu sitzen und Übersetzungen zu korrigieren und dafür 4 Mal mehr Lohn zu kriegen (in Peking).
Das nehme ich Dir nicht so recht ab... Gut ausgebildete Aerzte werden in privaten Kliniken gesucht und gut bezahlt. Da steckt bestimmt ein "Einzelschicksal" hinter (Falsches Fachgebiet o.ae. - kann ich nur spekulieren).
Ich glaube eher das die "Freundin" PC Abhängig ist oder wegen einem fehlerhaften Eingriff suspendiert wurde, jetzt Ihren Freunden erzählt sie würde beim übersetzen 4x mehr Lohn bekommen... was natürlich völliger Blödsinn ist.
Selbst Ausgebildete Fachkräfte im Sprachbereich verdienen nicht soviel wie Fachärzte. Im Gegenteil, die Sprachabsolventen sind alle Reihenweise Arbeitslos oder haben Irgendwelche 2000 RMB Jobs als Backoffice Supporter für Email&Chat in Irgendwelchen Handelsfirmen.

Soviel kann die Freundin garnicht korrigieren, das Sie auf den vierfachen Lohn eines Facharztes kommt.

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