Existenzangst von Chinesen

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Phytagoras
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Re: Existenzangst von Chinesen

Beitrag von Phytagoras » 09.05.2016, 22:46

rundherum hat geschrieben:
Ich hab 1. Staatsexamen in Rechtswissenschaften, hab als Projektmanager in Beijing gearbeitet, hätte aber bei Xindongfang für einen Halbtagsjob fast doppelt so viel verdient.
Aber wenn du ehrlich bist, warum hast du aufgehört?
In China? Weil ich China halt wirklich nur genutzt habe um Berufserfahrung im Ausland zu sammeln bzw. Berufserfahrung in einer chinesischen Firma. Und habe gemerkt, dass Leute dank Guanxi dann in die höheren Positionen kommen und oftmals nicht durch harte Arbeit.

Ich konnte in unserem Projekt z.B. die Produktivität durch gesunden Menschenverstand verdoppeln, unser Client schickte uns immer mehr Daten, die wir gut bearbeiten können und dem Unternehmen in 1 Jahr in unserem Projekt doppelte Erträge brachten konnten. Ich wurde nicht befördert, dafür aber eine Chinesin, die seit 2 Monaten im Projekt war und teilweise dumm wie Brot war (das meinte ich mit fehlendem gesunden Menschenverständnis), weil sie doch nen näheren Draht zum HR-Department hatte.

War mir im Endeffekt egal, da ich sowieso nach Deutschland zurückkehren wollte. Eine Karriere hätte ich dort aber als normaler Angestellter imo nicht aufbauen können, weil irgendwie dann doch die Chinesen (nicht nur in unserem Department) befördert worden sind.


Ich würd sowieso jedem empfehlen, der in China arbeiten will, erstmal dort 2-3 Jahre zu bleiben und dann zu sehen, ob man sich da wohl fühlt, ob man sich dort eine Karriere aufbauen kann (viele können es ja, wenn sie sich selbstständig machen) und ob man sich an das Leben dort gewöhnen kann anstatt direkt zu sagen "Sicher. In 2 Jahren leb ich da mein ganzes Leben lang."

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Sugoi
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Re: Existenzangst von Chinesen

Beitrag von Sugoi » 10.05.2016, 08:27

kleiner kaiser hat geschrieben: Nun ja, unter "Existenzangst" würde ich mal etwas anderes verstehen als "genug Geld für alles mögliche im Leben" haben zu wollen.
Schlimm finde ich, wenn das von Frauen kommt, die selbst "nix an die Füsse" haben, dann aber alles mögliche und möglichst teuer haben wollen - und das oft, um einfach nur vor anderen angeben zu können.

Da kenne ich hier in Deutschland so einige jüngere Frauen aus China - oft vom Land bzw. aus armen Verhältnissen kommend, dafür aber recht gut aussehend und in der Regel mit einem Deutschen, manchmal auch mit einem gut verdienenden Chinesen verheiratet. Deren völlig selbstverständliches Anspruchsdenken finde ich oft erstaunlich.
Für jeden Topf findet sich ein passender Teckel bzw. ein Dummer, der es mit sich machen lässt. Selber Schuld. ... aber gut, ist vielleicht günstiger als regelmäßig/täglich die Dienste einer attraktiven Prostituierten in Anspruch zu nehmen...

sweetpanda hat geschrieben: Das langfristige Planen, das Üben finanzieller Zurückhaltung und das Denken in Alternativen sind wichtigsten Bausteine einer erfolgreichen Lebensführung.
Vielleicht ist dies auch einer der Gründe warum Ostasiaten mithin die erfolgreichsten Migranten überall sind. Menschen anderer Kulturkreise machen sich solche Gedanken oft gar nicht oder "vertrauen" einfach auf Gott.
Na ja, diese angebliche finanzielle Zurückhaltung passt nicht zu dem deutlich wahrnehmbaren Bedürfnis hinsichtlich Statussymbolen, Protzen, usw. wofür gerade die Chinesen bekannt sind... (natürlich fallen nicht alle in dieses Muster)

Die Ostasiaten sind als Migranten so erfolgreich, weil sie einen hohen Wert auf Bildung legen und fleißig sind (Ausnahmen bestätigen die Regel). Und gerade Ersteres ist heutzutage ein Schlüssel zum (beruflichen) Erfolg. Zumindest ausserhalb Chinas bzw. Ländern, wo Guanxi nicht so wichtig bzw. entscheidend ist...

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Re: Existenzangst von Chinesen

Beitrag von kleiner kaiser » 10.05.2016, 10:22

sweetpanda hat geschrieben:Existenzangst ist jetzt übertrieben, aber mit meinem eigenen krankhaften Geiz liege ich mit meiner Frau absolut auf gleicher Wellenlänge.
Das langfristige Planen, das Üben finanzieller Zurückhaltung und das Denken in Alternativen sind wichtigsten Bausteine einer erfolgreichen Lebensführung.
Vielleicht ist dies auch einer der Gründe warum Ostasiaten mithin die erfolgreichsten Migranten überall sind. Menschen anderer Kulturkreise machen sich solche Gedanken oft gar nicht oder "vertrauen" einfach auf Gott.
...oder aber, sie haben eine andere Vorstellung davon, wie man sein Leben genießt.

Den "krankhaften Geiz" kenne ich von der Familie meiner Frau, denen es eigentlich allen ganz gut geht. Aber alles ist "tai gui le" (egal, wer bezahlt).
Ein Grund dafür, wieso ich mich weigere, mit denen nochmal in den Urlaub zu fahren.

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Re: Existenzangst von Chinesen

Beitrag von Sugoi » 10.05.2016, 17:08

kleiner kaiser hat geschrieben:...Aber alles ist "tai gui le" (egal, wer bezahlt).
Wenn jemand anderes für mich zahlt, dann schulde ich (aus chinesischer Sicht) dem Jenigen auch was und muss das entsprechenderweise wiedergutmachen.

Davon mal abgesehen, kann ich derartige Klagen nicht nachvollziehen. IMHO besser so als umgekehrt! Das ist ja schon fast wie Perlen vor die Säue...

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Re: Existenzangst von Chinesen

Beitrag von kleiner kaiser » 10.05.2016, 17:33

Sugoi hat geschrieben:Davon mal abgesehen, kann ich derartige Klagen nicht nachvollziehen. IMHO besser so als umgekehrt! Das ist ja schon fast wie Perlen vor die Säue...
Perlen vielleicht im Vergleich zu konsumberauschten Chinesen mit Markenwahn. Ich hoffe, Du kennst nicht nur solche.
Sparsamkeit ist eine Sache, Geiz eine andere - aber jeder soll selbst wissen, was einem an einem Menschen gefällt und zu wem man passt.

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Re: Existenzangst von Chinesen

Beitrag von Sugoi » 11.05.2016, 17:02

kleiner kaiser hat geschrieben: Perlen vielleicht im Vergleich zu konsumberauschten Chinesen mit Markenwahn. Ich hoffe, Du kennst nicht nur solche.
Sparsamkeit ist eine Sache, Geiz eine andere - aber jeder soll selbst wissen, was einem an einem Menschen gefällt und zu wem man passt.
Meine Eltern sind auch extremst sparsam, dass es schon an Geiz grenzt. Wenn ich allerdings (nach entsprechender Recherche und dergleichen) der Meinung bin, dass XYZ den Preis wert ist, dann kaufe ich es einfach und überzeuge meine Eltern von den Vorzügen. Manchmal muss man die Leute halt zu ihrem Glück zwingen.

Ein Tip am Rande, nur weil Chinesen etwas sagen, heisst es noch lange nicht, dass sie es auch so meinen. :wink:

Und natürlich steht es Ihnen frei ein halb volles Glas als halb leer anzusehen. :wink:

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Re: Existenzangst von Chinesen

Beitrag von aolifu » 12.05.2016, 14:23

Sehr gut Sugoi!

Ein Tip am Rande, nur weil Chinesen etwas sagen, heisst es noch lange nicht, dass sie es auch so meinen. :wink:

Die Erfarhung hab ich auch gemacht.

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