Hakka-Häuser in Deutschland?

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gzs
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Hakka-Häuser in Deutschland?

Beitrag von gzs » 12.09.2006, 09:12

Hallo zusammen,

durch dieses Projekt: http://www.wohnprojekt-chinatown.de/ , das mich persönlich ziemlich fasziniert, bin ich auf die Kultur der Hakka gestoßen.

Da ich bislang aber nur recht spärliche Informationen zu diesen Leuten gefunden habe, versuche ich es mal hier. Weiß hier jemand näheres über die Hakka?

Mich interessieren jetzt weniger die geschichtlichen Daten, sondern eher wie sie heute leben.
Gerhard

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domasla
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Beitrag von domasla » 12.09.2006, 09:42

Ich habe es noch nicht besichtigt, aber schon darüber gelesen. In Hong Kong und Guangzhou waren Hakka erkennbar. Als Städter oder Markthändler hatten die ihre Häuser natürlich nicht dabei.

Die Hakka sind besonders in Guangxi, Guangdong, Fujian und Taiwan ansässig. Ein Idyll ist das Bild von der alten Frau in schwarzer Kleidung auf dem Feld. Mit schattigem Schabrackenhut, eine Hacke auf der Schulter, die Pfeife im Mund. Aber eigentlich sind es Chinesen, die einmal in der zentralen Ebene lebten und immer weiter nach Süden zogen. Sie hielten sich über lange Zeit getrennt von anderen Bevölkerungsteilen oder haben sich innerhalb von Han-Gebieten ihre Kultur erhalten. Die eigene Sprache hat chinesische Elemente. Inzwischen haben sie auch Fernsehen und gehen in Schulen, in denen die Hochsprache gelehrt wird.

Besonders in Fujian gibt es die typischen Rundhäuser, auch mit quadratischem Grundriss (Wie nennt man sie dann?). In manchen Orten sogar gemischt. Das Leben in diesem Dorf-Gebäude stelle ich mir ziemlich unselbständig und fremdbestimmt vor. Aber auch in anderen Gebieten (in China und bei uns) kann es passieren, dass einem ständig Nachbarn in die Zimmer schauen. Es fehlt die Privatsphäre. Der Hof ist bei Überbelegung voll verbaut. Mit Küchen und Ställen.

Sieht man aktuelle Fotos dieser Gebäude, ist zu erkennen, dass sie inzwischen oft in einer dörflichen Umgebung liegen. Mit vielen kleinen Bauernhäusern um sie herum. Es ist schon lange nicht mehr die typische Wohnform, in der ein Clan sich auf engem Raum und von einer schützenden Mauer umgeben angesiedelt hat. Manche stehen leer und verfallen, weil die Bewohner lieber als Familie einzeln leben wollen.

Das angesprochene Senioren-Wohnprojekt scheint ja noch nicht weiter gekommen zu sein. Architektonisch sehr interessant, wenn man das mit der unterschiedlichen Sonneneinstrahlung in allen Richtungen und Ebenen löst. Sonst gibt es Schimmel-Etagen. Und der Ausdruck "Garküchen" gefällt mir nicht. Warum nicht einfach "Küche" oder "Imbiss"?

D., der schon wieder von der Architektur auf Essen gekommen ist.

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Beitrag von mesheel » 12.09.2006, 10:51

In Taiwan gibts es viele Hakka. Sie unterscheiden sich durch Kultur und Sprache von den restlichen Chinesen. Hier ein paar allgemein herrschende "Vorurteile":

Hakka sind sehr sparsam
Hakka essen salziger und oeliger
Hakka sind traditionsbewusster/konservativer
Hakka arbeiten sehr hart
Hakka-Muetter sind Glucken

Stimmt mehr oder weniger :wink: Ich sprech aus Erfahrung. Sehr gross sind die Unterschiede aber denoch nicht.

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Beitrag von meimei » 12.09.2006, 13:24

Ich hab vor ein paar Jahren in der Schule mal einen Vortrag über Hakka gemacht. Aber ich denke nicht, dass ich da etwas gefunden habe, dass du noch nicht wusstest, oder dass dich intressieren könnte.
Ich schaue aber mal, ob ich den Vortrag irgendwo finde.

gzs
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Beitrag von gzs » 13.09.2006, 10:39

Hallo zusammen,

wow, ich bin begeistert. Das war mehr als ich erwartet habe.
Besonders in Fujian gibt es die typischen Rundhäuser, auch mit quadratischem Grundriss (Wie nennt man sie dann?)
hmmm - Quadrathäuser? :?
Das Leben in diesem Dorf-Gebäude stelle ich mir ziemlich unselbständig und fremdbestimmt vor
Also ungefähr so, wie in jeder deutschen Kleinstadt auch.
Es ist schon lange nicht mehr die typische Wohnform, in der ein Clan sich auf engem Raum und von einer schützenden Mauer umgeben angesiedelt hat.
Zumindest die schützende Mauer dürfte heutzutage sowieso nicht mehr notwenig sein.
Architektonisch sehr interessant, wenn man das mit der unterschiedlichen Sonneneinstrahlung in allen Richtungen und Ebenen löst. Sonst gibt es Schimmel-Etagen.
Das Problem sollte sich lösen lassen. Runde Gebäude wurden ja schon mehrfach gebaut.
Und der Ausdruck "Garküchen" gefällt mir nicht. Warum nicht einfach "Küche" oder "Imbiss"?
Weil Garküche viel Exotischer klingt :wink:

@meimei
Ich schaue aber mal, ob ich den Vortrag irgendwo finde.
Das wäre super!
Gerhard

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Beitrag von Grufti » 13.09.2006, 12:52

domasla hat geschrieben:
Besonders in Fujian gibt es die typischen Rundhäuser, auch mit quadratischem Grundriss (Wie nennt man sie dann?).
Die "Quadratur des Kreises" :roll: :lol:
Sonst gibt es Schimmel-Etagen.
ENDLICH ein Platz für ein gut wachsende Schwammerl-Zucht :lol:
Und der Ausdruck "Garküchen" gefällt mir nicht. Warum nicht einfach "Küche" oder "Imbiss"?
"Damals " in Taiwan hatten wir für die Straßenrestaurants ( eine bessere Bezeichnung ( wenn diese gemeint sind) ??? :wink: ) leider nur wieder englische Bezeichungen , die bei uns ( nach Sauberkeitsgrad) entweder "Foodstalls" ..oder "Hepatitis-Shop") hießen...
Früher ging es uns gut. heute geht es uns besser...
Es wäre aber besser , es ginge uns wieder gut !


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Beitrag von domasla » 13.09.2006, 13:02

Wir sprachen von "Garküchen", die im Entwurf einer kreisförmigen Seniorenresidenz im Dachgeschoss eingerichtet sind. Also nix mit "Straßen...".

Ich würde je nach Niveau auch "Straßenrestaurant" (bei Benutzung des Gehsteigs/der Straße zum Essen) oder "Imbissbude" (für Laufkundschaft - die gleich losrennt und ein Klo sucht?) verwenden. Und die mobile Variante?

D.

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Beitrag von glizza » 13.09.2006, 13:33

domasla hat geschrieben:Die Hakka sind besonders in Guangxi, Guangdong, Fujian und Taiwan ansässig. Ein Idyll ist das Bild von der alten Frau in schwarzer Kleidung auf dem Feld. Mit schattigem Schabrackenhut, eine Hacke auf der Schulter, die Pfeife im Mund. Aber eigentlich sind es Chinesen, die einmal in der zentralen Ebene lebten und immer weiter nach Süden zogen. Sie hielten sich über lange Zeit getrennt von anderen Bevölkerungsteilen oder haben sich innerhalb von Han-Gebieten ihre Kultur erhalten. Die eigene Sprache hat chinesische Elemente. Inzwischen haben sie auch Fernsehen und gehen in Schulen, in denen die Hochsprache gelehrt wird.
Waren Bewohner der Hakka-Häuser ursprünglich eher Nomaden und haben sich in dieser Form später niedergelassen oder eher Bauern, die sich so Ihre "eigene Siedlungen" ähnlich der Amisch gebaut haben? :roll:
Grufti hat geschrieben:"Hepatitis-Shop" hießen...
:shock: :?

... irgendwie sehe ich schon fast ein von Dir veröffentlichtes Buch vor mir - Titel: "Damals in Taiwan"! Das wär doch mal was...! :wink:

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Beitrag von Scipio » 14.09.2006, 20:33

Statt immer etwas über Taiwan im 20. Jahrhundert möchten wir lieber von unserem Grufti etwas über seine aktuellen Besuche in Peking lesen. Er ist schliesslich kein Fossil... :lol: :lol: :lol: :wink:

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Beitrag von Grufti » 14.09.2006, 21:11

Scipio hat geschrieben:Statt immer etwas über Taiwan im 20. Jahrhundert möchten wir lieber von unserem Grufti etwas über seine aktuellen Besuche in Peking lesen. Er ist schliesslich kein Fossil... :lol: :lol: :lol: :wink:
Mach Dich ruhig lustig über mich :evil: :evil:


Ich weiß schon...Wer den Schaden hat, spottet jeglicher Beschreibung

Ich werde mich an die Rolle als "lebendes Fossil" wohl zwansgläufig gewöhnen müssen... da ich als einziger hier im Forum die Erfahrung des "Taiwans der End70ger Jahre des 20, Jahrhunderts" besitze
( außer fankeqian vielleicht..)
.. und "Berichte aus Beijing " kann doch schon "Krethi und Plethi" besser schreiben...weil eine Großzahl der aktiven Forumstielnehmer inzwischen dort schon als "Einheimische "gelten.. und ich da erst recht NICHT mitschreiben kann.. da ein weiterer auch nur kurzer Aufenthalt dort noch nicht absehbar ist....und ich auch nicht halb soviel an Freiheit dort besitze wie alle "Zuagroast´n Einheimischen" hier im Forum :cry:
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Beitrag von name » 14.09.2006, 22:23

Die Hakkas waren ein Teil der Strategie der Han-Chinesen, die Gebiete südlich des Yangtse-Flusses zu sinisieren. Allein schon aus historischen Gründen kann man deshalb die traditionellen Hakka-Bauten mit den Burgen der mittelalterlichen Kreuzritter und den Forts der Amerikaner vergleichen.
glizza hat geschrieben:Waren Bewohner der Hakka-Häuser ursprünglich eher Nomaden und haben sich in dieser Form später niedergelassen oder eher Bauern, die sich so Ihre "eigene Siedlungen" ähnlich der Amisch gebaut haben? :roll:
Gen-Tests haben belegt, dass die Hakkas sich nicht wesentlich von ihren Nachbarn unterscheiden. Außerdem sollen die Hakkas von Haus aus Wert auf Bildung legen, ein für Konfuzianer typischer Charakterzug. Es kann also davon ausgegangen werden, dass die Hakkas rein gar nichts mit Nomaden zu tun haben.

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Re: Hakka-Häuser in Deutschland?

Beitrag von Karosan » 11.08.2008, 17:32

Bin recht architetkutur-interessiert und muss sagen, dass mir das Wohnprojekt das du gepostet hast sehr gut gefällt. Soweit ich weiß gibt es allerdings keine Hakka Immobilien in Deutschland.
Hatte von der Kultur zuvor nichts gehört und habe jetzt im Internet ein bisschen was gelesen - klingt sehr interessant. :D Danke für dieses interessante Thema!

gzs
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Re: Hakka-Häuser in Deutschland?

Beitrag von gzs » 16.08.2008, 17:42

WOW, ist mein altes Thema tatsächlich noch mal nach oben gekommen. Leider wurde das damals vorgestellte Projekt bislang nicht realisiert. Nicht weil es keine Interessenten gäbe, eher weil sich die Initiatorin anstellt. Aber das ist mir mittlerweile wurscht.
Gerhard

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Re: Hakka-Häuser in Deutschland?

Beitrag von Grufti » 16.08.2008, 17:51

Nummer 46 von Ayanes Liste läßt grüßen.... 8)
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