Buddhismus im Alltag

Allgemeine Fragen und Erfahrungsaustausch rund um China - Kultur - Geschichte usw.
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Vulverin
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Buddhismus im Alltag

Beitrag von Vulverin » 15.02.2006, 21:19

Hey Leute!!

Ich bin ein wahnseniger Fan von China und hab daher in den letzten beiden Tagen seit ich dieses Forum entdeckt habe fast alle Beiträge gelesen --> an dieser Stelle mal ein Kompliment, war extrem aufschlussreich!

Jedoch ist mir im letzten Monat (ich hab seitdem eine Chinesische Freundin) aufgefallen dass ein enormer Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist.

zb. hab ich das letzte Monat unzählige bücher über Buddhismus gelesen, bin jedoch bezüglich dieses Themas keinen Deut schlauer. Denn auch wenn ich sämtliche Details über die Entstehungsgeschichte, Hauptgedanken dahinter, die Lehren welche er verbreitet,.... verstanden habe hab ich immer noch nicht mal den Ansatz einer Vorstellung inwiefern das in der heutigen Zeit unter den chinesischen Jugerndlichen umgesetzt wird.
Da eben bei den Christen auch ein großer Unterschied zwischen dem was in der Bibel steht und dem wie wir das Christentum im Alltag anwenden.


Wäre euch dankbar wenn ihr mir in diese Richtung einige Antworten geben könnt oder Links welche zu entsprechenden Homepages führen.


zb.
1) gibt es für Chinesen als Gott nur Buddha, oder auch noch wie es früher war die unzähligen Haus und Naturgeister

2) welche Aussagen des Buddhismusses sind für Jugendlichen von Bedeutung und wie wird er von der Jugend umgesetzt?

.....

Weiters, da dies vermutlichen in engen Zusammenhang steht, inwiefern beeinflussen die alten "Traditionen der Erwachsenen" (welche ja auch im zusammenhang mit ihrer Religion stehen) die Jugend von China!

1) inwiefern spielen Beziehungen im Buddhismus und im traditionsbewussten China eine Rolle. Sind Beziehungen zwischen Jugendlichen in China so selbstverständlich wie bei uns in ÖSterreich?

2) gibt es in China auf Grund der Traditionen die Ansicht das eine Beziehung zwischen Christentum und Buddhismus "nicht anerkannt" wird!


Ich hoffe es kommt ungefär rüber worüber ich mir Geanken mache!!!

Vielen Dank für eure Hilfe,
Vulverin

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Beitrag von devurandom » 15.02.2006, 22:17

Hi,
nun, Du hast ein sehr kompliziertes Thema angesprochen. Ich hoffe, dass ich als Atheist einigermasse Antwort darauf geben kann. ;)
gibt es für Chinesen als Gott nur Buddha, oder auch noch wie es früher war die unzähligen Haus und Naturgeister
Der Ursprüngliche Form vom Budihsmus ist ansatzweise eine polytheistische Religion. Wichtig ist. dass der Buddha kein Gott ist, sondern ein erleuchteter Prinz. Die Hauptaussage ist die Unsterblichkeit der Seele und die zyklische Neugeburten. Wer erleuchtet wird, springt aus diese Zyklen raus. Diese Religion ist in der 5.? Jahrhundert als "Staatsreligion" in China eingeführt worden. Überall wurden Tempel gebaut, die Religion hat aber (zum Glück) nie eine Rolle in der Politik gespielt. In der 9ten. Jahrhundert hat sich eine Art Kreuzung aus Philisophie und Religion entwickelt, auch Zen-Buddihsmus genannt. Meistens beschäftigen sich die Gelehrten mit dieser Art Budhismus. Eine genaue Aussage macht diese Variante nicht. viel mehr werden kleine Gedanken- und Wortspiele um den philosophischen Kern entwickelt. (z.B. Weisses Pferd ist kein Pferd, harter Stein ist kein Stein). Aus diesem Grund wird der Zen-Buddihsmus auch oft als nihilistische Gedankengut verschmäht. Für das einfache Volk hat sich Buddihsmus sich massiv mit Volks(aber)glauben und daraus entstandenen Taoismus vermischt. Diese Mischung hat eine starke Ausprägung einer naturreligion und spiegelt die politische Struktur wieder. Der himmlische Kaiser und Götter aller Art mit ihrer eigenen Aufgaben werden genauso von den Chinesen akzeptiert wie der Buddha selbst und andere buddihstischen Heilige und (Halb)götter. Dies ist nur möglich weil:
1. Chinesischer Buddihsmus keine Dogmen haben, die die 100% Wahrheit für sich pachten wollen. Die Schriften der Budhisten werden ausdrücklich von Menschen (Mönchen) geschrieben.
2. Keine zentraliserte Religionsorgan das Glauben usw. regelt. (wie die größte Verbrecherorganisation(TM) aller Zeiten: die Kirche ;) ).

am besten erklären lässt sich das mit einem chinesichen Sprichwort: Hab Respekt vor Geistern und Göttern, aber halt Dich fern von ihnen.
welche Aussagen des Buddhismusses sind für Jugendlichen von Bedeutung und wie wird er von der Jugend umgesetzt?
Kaum, aber die Gedanken des Buddihmusses erstreckt sich in allem Bereichen des Lebens. Diese komische Falun Gun bedient sich z.B. auch buddihstische Elemente und Begriffe. viele haben die Wörter, die dor verwendet werden, schon mal irgendwo gehört, wissen aber nicht genau, was die bedeuten. Deshalb fallen auch so viel darein.
inwiefern spielen Beziehungen im Buddhismus und im traditionsbewussten China eine Rolle. Sind Beziehungen zwischen Jugendlichen in China so selbstverständlich wie bei uns in ÖSterreich?
Buddihsmus IST fest mit chinesischer Tradition verbunden.
gibt es in China auf Grund der Traditionen die Ansicht das eine Beziehung zwischen Christentum und Buddhismus "nicht anerkannt" wird!
Wohl kaum, Buddihsmus regelt das Alltagsleben nicht so eng, dass man z.B. nur mit rechter Hand nach Essen greifen darf. Die Haltung der Kommunischen Partei (erlauben, aber nicht ermutigen) schwächt den Einfluss noch zusätzlich.

Gruß
/dev/urandom

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Re: Buddhismus im Alltag

Beitrag von Grufti » 15.02.2006, 22:29

Vulverin hat geschrieben:Hey Leute!!

Ich bin ein wahnseniger Fan von China und hab daher in den letzten beiden Tagen seit ich dieses Forum entdeckt habe fast alle Beiträge gelesen --> an dieser Stelle mal ein Kompliment, war extrem aufschlussreich!

Jedoch ist mir im letzten Monat (ich hab seitdem eine Chinesische Freundin) aufgefallen dass ein enormer Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist.

zb. hab ich das letzte Monat unzählige bücher über Buddhismus gelesen, bin jedoch bezüglich dieses Themas keinen Deut schlauer. Denn auch wenn ich sämtliche Details über die Entstehungsgeschichte, Hauptgedanken dahinter, die Lehren welche er verbreitet,.... verstanden habe hab ich immer noch nicht mal den Ansatz einer Vorstellung inwiefern das in der heutigen Zeit unter den chinesischen Jugerndlichen umgesetzt wird.
Da eben bei den Christen auch ein großer Unterschied zwischen dem was in der Bibel steht und dem wie wir das Christentum im Alltag anwenden.


Wäre euch dankbar wenn ihr mir in diese Richtung einige Antworten geben könnt oder Links welche zu entsprechenden Homepages führen.


zb.
1) gibt es für Chinesen als Gott nur Buddha, oder auch noch wie es früher war die unzähligen Haus und Naturgeister

2) welche Aussagen des Buddhismusses sind für Jugendlichen von Bedeutung und wie wird er von der Jugend umgesetzt?

.....

Weiters, da dies vermutlichen in engen Zusammenhang steht, inwiefern beeinflussen die alten "Traditionen der Erwachsenen" (welche ja auch im zusammenhang mit ihrer Religion stehen) die Jugend von China!

1) inwiefern spielen Beziehungen im Buddhismus und im traditionsbewussten China eine Rolle. Sind Beziehungen zwischen Jugendlichen in China so selbstverständlich wie bei uns in ÖSterreich?

2) gibt es in China auf Grund der Traditionen die Ansicht das eine Beziehung zwischen Christentum und Buddhismus "nicht anerkannt" wird!


Ich hoffe es kommt ungefär rüber worüber ich mir Geanken mache!!!

Vielen Dank für eure Hilfe,
Vulverin

Welcome Vulverin :wink:
erst Mal.... Ich glaube kaum, daß besonders bei Jugendlichen "Religion" in der VR China eine so große Rolle spielt... wie auch bei uns..

Weit wichtiger (weil staatstragend) waren früher die Lehren des Kong Zi ( vulgo: Konfuzius). Heutzutage ist der Nationalismus und der Zhuanqian-ismus ( Religion des Geldverdienens) wesentlich weiter und tiefer im Volk verwurzelt,, als jede andere Religion
Das, was in China unter "Buddhismus" läuft, hat wahrscheinlich mit dem Buddhismus,. mit dem Du Dich beschäftigst, nicht sehr viel zu tun...
Inwieweit sich die Bevölkerung der VR noch um "Religion " überhaupt kümmert ist mir unbekannt, aber du mußt bedenken, daß alle die "pi mal Daumen " so alt sind wie ich (Jahrgang 53), in einer eher religionsfeindlichen Zeit aufgewachsen sind.... und deshalb nicht zu ihr gefunden haben.
In Taiwan ( und sicher auch in Hongkong) ist da ganz anders. Dort gibt es eigentlich weniger buddhistische , aber eher mehr volksdaoistische Tempel und Gläubige. Der Daoismus ist --wie ich meine --- die typische chinesische Religion. Aus der daoistischen Betrachtungsweise der Welt sind meiner bescheidenen Meinung auch so "typisch" (nnneee zúm Wort "prototypisch" lasse ich mich nicht verleiten..;) ) chinesische Lehren wie die Akupunktur, die chinesische Medizin im Allgemeinen und das allzuoft mißbrauchte "Fengshui" entstanden...

ich kenne KEINE chinesischen "Haus-" oder "Natur-"Geister... denn die Götterwelt des (Volks-) Daoismus ist eine fest gegliederte Ordnung mit niedrigen , mittleren und höheren Beamten..bis hinauf zum obersten Gott... da die Chinesen ihre Götterwelt als Spiegelwelt genauso stark durchorganisiert hatten...wie das Herrschaftssystem auf Erden, dessen höchster Repräsentant und Mittler zwischen der Unterwelt , den Sterblichen und den Göttern ursprünglich der König (王 ) war...bei dem schon das Schriftzeichen seine Bedeutung als Mittler ( der senkrechte Mittestrich) zwischen der Unterwelt ( der unterste Strich), der Menschenwelt ( der mittlere Strich ) und der Götterwelt ( der oberste Strich) zeigt.



gibt es in China auf Grund der Traditionen die Ansicht das eine Beziehung zwischen Christentum und Buddhismus "nicht anerkannt" wird!
Das verstehe ich nicht ganz, denn Du stellst eine monotheistische Religion , die den Anspruch hat, "alleinseeligmachend " zu sein, mit einer eigentlich äußerst toleranten Religion auf die gleiche Stufe...

Ich glaube kaum, daß ein "guter" Christ " ein guter Buddhist sein kann, aber der Buddhismus ist für mich wesentlich "christlicher" als das Christentum selbst
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Beitrag von Grufti » 15.02.2006, 22:46

devurandom hat geschrieben:Hi,
nun, Du hast ein sehr kompliziertes Thema angesprochen. Ich hoffe, dass ich als Atheist einigermasse Antwort darauf geben kann. ;)
gibt es für Chinesen als Gott nur Buddha, oder auch noch wie es früher war die unzähligen Haus und Naturgeister
Der Ursprüngliche Form vom Budihsmus ist ansatzweise eine polytheistische Religion. Wichtig ist. dass der Buddha kein Gott ist, sondern ein erleuchteter Prinz. Die Hauptaussage ist die Unsterblichkeit der Seele und die zyklische Neugeburten. Wer erleuchtet wird, springt aus diese Zyklen raus. Diese Religion ist in der 5.? Jahrhundert als "Staatsreligion" in China eingeführt worden.
das mag sein...aber in Berührung mit dem Buddhismus kam China schon viel früher:

Siehe Kapitel "Dunhuang" in Wikipedia:

Bereits im Jahre 111 v. Chr. wurde Dunhuang vom Kaiser Wudi der westlichen Han-Dynastie gegründet. Aufgrund ihrer Lage an der alten Seidenstraße spielte sie eine wichtige Rolle im Kultur- und Warenaustausch mit dem Westen. So breitete sich der Buddhismus ausgehend von Dunhuang in China aus. Im Jahre 366 wurde der Bau der Mogao-Grotten begonnen und bis ins 14. Jahrhundert fortgeführt.



http://de.wikipedia.org/wiki/Dunhuang

Überall wurden Tempel gebaut, die Religion hat aber (zum Glück) nie eine Rolle in der Politik gespielt. In der 9ten. Jahrhundert hat sich eine Art Kreuzung aus Philisophie und Religion entwickelt, auch Zen-Buddihsmus genannt. Meistens beschäftigen sich die Gelehrten mit dieser Art Budhismus. Eine genaue Aussage macht diese Variante nicht. viel mehr werden kleine Gedanken- und Wortspiele um den philosophischen Kern entwickelt. (z.B. Weisses Pferd ist kein Pferd, harter Stein ist kein Stein). Aus diesem Grund wird der Zen-Buddihsmus auch oft als nihilistische Gedankengut verschmäht.
Der ZEN-Buddhismus ist lt Wickipedia im 5 Jahrhundert NACH Christus entstanden..

http://de.wikipedia.org/wiki/Zen-Buddhismus

Die Diskussion um die Behauptung 白马非马 ( "Ein weißes Pferd ist kein Pferd" ) hatte Han Fei Zi 韩非子 von der Schule der Legalisten" (法家) verbreitet, er ist 233 VOR Chrístus von Li Si 李 斯dem Kanzler der Qin Dynastie ( unter dem ersten Kaiser 秦始皇帝) getötet worden...
Nüscht mit "Chan= Zen) 禅- Buddhismus :roll:

Für das einfache Volk hat sich Buddihsmus sich massiv mit Volks(aber)glauben und daraus entstandenen Taoismus vermischt. Diese Mischung hat eine starke Ausprägung einer naturreligion und spiegelt die politische Struktur wieder. Der himmlische Kaiser und Götter aller Art mit ihrer eigenen Aufgaben werden genauso von den Chinesen akzeptiert wie der Buddha selbst und andere buddihstischen Heilige und (Halb)götter.

Also rekapitulieren wir Deine Aussagen :

"der Buddhismus ist im 5.(?) Jahrhundert zur Staatsreligion geworden"...und der Daoismus ist aus dem Buddhismus entstanden "


Wann hatte Deiner Meinung nach Laozi 老子 gelebt und wann ist Deiner Meinung nach das Dao de Jing 道德经entstanden. ?? Hättest Du vor dem Schreiben Deines Beitrages in Wikipedia nachgesehn.. hättest Du folgendes gefunden:

Der Daoismus (chin. 道教 dàojiào = Lehre des Weges), gemäß anderen Umschriften auch Taoismus, ist eine chinesische Philosophie und Religion und wird als Chinas eigene und authentisch chinesische Religion angesehen. Seine historisch gesicherten Ursprünge liegen im 4. Jh. v. Chr., als das Daodejing (in älteren Umschriften: Tao te king, Tao te ching …) des Laozi (Laotse, Lao-tzu) entstand.

Neben Konfuzianismus und Buddhismus ist der Daoismus eine der „Drei Lehren“, die China maßgeblich prägten. Trotz zum Teil sehr unterschiedlicher Auffassungen konnten sie im chinesischen Geistesleben zu einer Tradition verschmelzen. Sie werden deshalb auch unter dem Begriff „Chinesischer Universismus“ zusammengefasst. Auch über China hinaus haben die „Drei Lehren“ wesentlichen Einfluss auf Religion und Geisteswelt der Menschen ausgeübt.

In China beeinflusste der Daoismus die Kultur in den Bereichen der Politik, Wirtschaft, Philosophie, Literatur, Kunst, Musik, Ernährungskunde, Medizin, Chemie, Kampfkunst und Geographie.








Wohl kaum, Buddihsmus regelt das Alltagsleben nicht so eng, dass man z.B. nur mit rechter Hand nach Essen greifen darf. Die Haltung der Kommunischen Partei (erlauben, aber nicht ermutigen) schwächt den Einfluss noch zusätzlich.
solche Regeln hatte nur Konfucius in seinen Lebensregeln aufgestellt.... Mit "Religion" hat das nichts zu tun....
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Beitrag von devurandom » 16.02.2006, 00:00

Moin,
das mag sein...aber in Berührung mit dem Buddhismus kam China schon viel früher:
Die Angaben aus Wikipedia stimmen. Ich wusste nicht genau die Zeit, wollte aber 'bisschen angeben (sch.., erwischt ;)). Deshalb habe ich auch n Fragezeichen hinter dem Jahre gesetzt.
.....Ein weißes Pferd ist kein Pferd.....
Das stimmt auch, der Spruch stammt von viel früher, trotzdem ist dieser Spruch eine sehr gern ziterte Phase aus den entspr. Diskussionen. Deshalb habe ich sie angeführt. Zen-Buddihsten schrecken nicht vor völliger Zerstörung der Symboliken zurück, einige Überlieferungen nach bezeichnen sie Buddah z.B. auch als ein Haufen Kot, ein Stück Holz usw. usw. Die Suche nach den inneren, sprachlich unbeschreibliche ist das Ziel. Daher sind solche spielerische Phasen immer wieder gern gesehen. Später ist allerdings dieser interessanter Ansatz völlig ins Absurtum gewachsen. Dieser Punkt wurde auch massiv kritisiert.
...und der Daoismus ist aus dem Buddhismus entstanden...
Da hast Du mich falsch verstanden. Das habe ich nie behauptet. Taoismus wurde stark von der Naturglaube beeinflusst. Laotse hat z.B. nie in seineh Schriften auch nur ansatzweise die Götterfiguren erwähnt, die jedes Chinesische Kind mit Taoismus verbinden.
.... solche Regeln hatte nur Konfucius in seinen Lebensregeln aufgestellt.....
Das mit der rechten Hand war eigentlich eine Anspielung auf den Islam (oops, darf man das heutzutage? ;) ). Konfuzius hat eine Reihe Regeln für Alltag aufgestellt, meistens abgeleitet aus den Ritualen für Vorfahren usw.. Mit Religion hat es wenig zu tun, habe ich auch nie behauptet.

Fazit:
Einige Missverständnisse deinerseits, einige (schwere) Schlampereien meinerseits. streichen wir die falschen Daten, dann haben wir evtl. einen anständigen Posting..... :)

Danke für deine Korrekturen

Gruß
Nacht
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Beitrag von Grufti » 16.02.2006, 00:09

Für das einfache Volk hat sich Buddihsmus sich massiv mit Volks(aber)glauben und daraus entstandenen Taoismus vermischt. Diese Mischung hat eine starke Ausprägung einer naturreligion und spiegelt die politische Struktur wieder

Da steht es doch.. daß nach Deiner Auffassung "daraus entstandenen Taoismus" vermischt..
Ich hatte Deine "Schreibe" anders ausgedrückt...


Inwieweit hatte "diese Mischung ...eine starke Ausprägung einer Naturreligion (?) " und "Spiegelt die politische Struktur WIDER (!) "????

"NAturreligion" darunter verstehe ich die Religion der Buschmänner 8 und -frauen), Eingeborenen aus Neuguinea....´oder die Religion der Kelten und Germanen.. aber nicht den Daoismus....

In Wahrheit spiegelte der Daoismus, der beileibe KEINE "Naturreligion "ist ", die "politische Struktur wider" ...aber nicht dadurch daß er eine "Naturreligion " ist, sondern weil der Daoismus eben KEINE "Naturreligion " ist, da er eine ganz klare systematische Hierarchie..(eben WIE der "ideale" chinesische Staat zu "Kaisers Zeiten" )...der "zuständigen" Götter hat....wie ich es beschrieben hatte....
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Beitrag von devurandom » 16.02.2006, 00:14

achja, nochwas
ch kenne KEINE chinesischen "Haus-" oder "Natur-"Geister...
Die Glauben an Haus- und Naturgeister sind in Chin. Kultur fest verankert. Auch heute in Großstädten wird der Küchengott (so gern wie mein Volk isst, ist das kein Wunder) verehrt. Der Küchgott ist sowas wie eine "Bezirksverwaltung" und regelt nicht nur das Essen sonder auch das Glück der Familie. Einmal im Jahr (ich glaube sogar das chin. Neujahr, aber bevor ich wiedermal falsche Daten von mir gebe, lege ich mich hier lieber nicht fest) kehrt der Küchengott zu himmlischer Verwaltung zurück und erstattet Berichtet. Deshalb wird an dem Tag auch Opfer für ihn erbracht (hauptsächlich Süßkrams, quasi um ihm "Honig um den Mund zu schmieren" ;)).
Desweitere ist der Glaube an "Berggötter" weit verbreitet. Sie sind sowas wie "Landschaftsverwaltung" und regelt die Ernte usw.. Überall auf dem Lande sieht man kleinen Tempel oder Altare für diese Götter.

Wie ich schon erwähnt habe, spiegelt die Chinesische Götterfiguren stark die Verwaltungsstruktur wieder, viele Götter und Geister werden als "Beamten" dargestellt und auch behandelt (bestochen). Aber so ernst nehmen die Chinesen das auch nicht. Ist eher Tradition als Glaube. Wie hier Weihnachten und Ostern (was ja eigentlich auch wenig mit Christentum zu tun haben, sondern ursprünglich allersamt germanische/heidnische Feiertage waren.)

Gruß
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Beitrag von Grufti » 16.02.2006, 02:41

Wie ich schon erwähnt habe, spiegelt die Chinesische Götterfiguren stark die Verwaltungsstruktur wieder, viele Götter und Geister werden als "Beamten" dargestellt und auch behandelt (bestochen).
Als "Haus- und Naturgeister" können zwar solche Wesen wie Nymphen und die Laren aus der römischen Glaubenswelt, die Alben (Elfen) nunbd Feen aus Germanien, aber doch nicht der 土地公 gelten, der doch ein "Beamter" in einer festen StruKtur ist, gelten...

Zu den "Hausgeistern" zähle ich auch z. B. die Kölner Heinzelmännchen....oder den "Pumuckl" aus München.... aber keinenfalls den von der himmlischen Verwaltung mit einem fest umrissenen Aufgabenbereich versehenenn Stadtgott ..oder den Tudi Gong.... :shock: :shock:


WO bleibt Deine Ehrfurcht ??????


betreibe doch endlich einmal das (konfuzianische) 正名 ! :lol: :lol:
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Beitrag von devurandom » 16.02.2006, 03:20

Hi,
kannst wohl auch nicht schlafen....... ;)
Ich hatte Deine "Schreibe" anders ausgedrückt...
lassen wir's 'bei bleiben, ich habe mich missverständlich ausgedrückt, Asche über meinen Haupt.....
"NAturreligion" darunter verstehe ich die Religion der Buschmänner 8 und -frauen),
Definitionssache, Naturreligionen müssen nicht "primitiv" sein. Ich habe mit Naturreligion auch nicht Daoismus gemeint. Das Chin. Glaubenssystem ist äusserst komlex wegen den fehlenden Dogmen. Daoismus, Buddhismus und Volksglauben werden häufig in einem Topf geworfen. Alles was nach einem Gott oder Geist riecht, wird sicher auch irgendwo verehrt. Z.B. tradintionelle Chinesiche Glauben akzeptiert verstorbenen Generäle (Guangong), Minister (name fällt mir gerade nicht ein) und Bettelmönche (Jigong) als Götter oder zumindest Heilige. Die haben ihre Tempel, auf dem Markt kann man die Götterfiguren kaufen, viele Familien (besonders in Region Shanghai) haben Schreine für sie errichtet. An sich haben sie aber weder mit Taoismus noch mit Budhismus was zu tun. Das meinte ich mit "Naturreligion" (Aberglaube klingt so negativ).
aber keinenfalls den von der himmlischen Verwaltung mit einem fest umrissenen Aufgabenbereich versehenenn Stadtgott ..
'tschuldigung, das finde ich ein wenig weit hergeholt. Diese Götterfiguren, die ich erwähnt habe, werden von keiner Religion je systematisch beschrieben, ausser diversen Unterhaltungsromanen (Paradebeispiel: Reise nach Westen).
Sie sind ausschliesslich aus Volksglauben entstanden. In diesem Sinne ähneln sie stark den römischen Hausgöttern, die Du ja ausdrücklich als "Hausgeister" definiert hast........
WO bleibt Deine Ehrfurcht ??????
vor was??? ;) Ich betrachte Konfuzius als ein alter Sa..., der zu nichts gebracht hat, und Budha als ein Spinner mit zweifelshaftem Geisteszustand (wie viele Propheten anderer Religionen) :D Laotse hatte allerdings einige sehr interessanten Ideen, nur schade, dass man aus seiner Lehre eine Religion gemacht hat. Das verdirbt so einiges..... In einem Punkt hat der jute alte Karl M. Recht: Die Religion ist das Opium des Volkes.
betreibe doch endlich einmal das (konfuzianische) 正名 !
? nix verstehen :)

Gruß
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Beitrag von Grufti » 16.02.2006, 03:33

devurandom hat geschrieben:
'tschuldigung, das finde ich ein wenig weit hergeholt. Diese Götterfiguren, die ich erwähnt habe, werden von keiner Religion je systematisch beschrieben, ausser diversen Unterhaltungsromanen (Paradebeispiel: Reise nach Westen).
Sie sind ausschliesslich aus Volksglauben entstanden. In diesem Sinne ähneln sie stark den römischen Hausgöttern, die Du ja ausdrücklich als "Hausgeister" definiert hast........
Du irrst...es gibt nämlich einen daostischen Kanon...



Daozang

Daozang wird der daoistische Kanon genannt. Er ist eine Sammlung von Texten, die die Grundlage der daoistischen Lehre bilden. Die frühesten Teile des Daozang gehen zurück bis ins 5. Jh. Die heute erhaltene Fassung des Kanons stammt aus der Ming-Dynastie und umfaßt 1476 Werke in 5486 Bänden. Die einzelnen Werke tragen weder den Namen des Verfassers noch sind sie datiert. Der Daozang beinhaltet außer rein daoistischen Werken, die alle Aspekte der Lehre umfassen, auch Texte über Medizin, Chemie, Botanik, Astronomie usw. Die meisten der rein daoistischen Schriften sind nach traditioneller Auffassung auf dem Weg einer medialen Offenbarung entstanden und stellen ein Mittel der Kommunikation zwischen den Gottheiten Shen und den Menschen dar. Diese können durch das Verstehen der daoistischen Texte in die Geheimnisse der Unsterblichkeit eindringen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Daozang

Du wirst doch sicher zugeben müssen, daß der Daozang ein klein wenig mehr Seiten umfaßt, als die Bibel, der Koran und der Talmud zusammen..... :lol: :lol:

1476 Werke in 5468 Bänden "Unterhaltungsliteratur" ?????????? :P

vor was??? ;) Ich betrachte Konfuzius als ein alter Sa..., der zu nichts gebracht hat, und Budha als ein Spinner mit zweifelshaftem Geisteszustand (wie viele Propheten anderer Religionen) :D Laotse hatte allerdings einige sehr interessanten Ideen, nur schade, dass man aus seiner Lehre eine Religion gemacht hat. Das verdirbt so einiges..... In einem Punkt hat der jute alte Karl M. Recht: Die Religion ist das Opium des Volkes.
und WESHALB, verbreiterst Du Dich dann darüber ??????


betreibe doch endlich einmal das (konfuzianische) 正名 quote

? nix verstehen :)
dann kann ich Dir auch nicht helfen...[/i]
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Beitrag von devurandom » 16.02.2006, 04:08

Du irrst...es gibt nämlich einen daostischen Kanon...
verharrt Dich doch nicht gleich in Daoismus. Keins dieser Bänder erwähnt Berggott oder Küchengott, genau sowenig wie Jehova (oops, wer hat das Stein geschmissen ;) ) oder Moses. Viele Bänder wie z.B. 搜神記, 山海經 (habe beide gelesen) sind tats. als Unterhaltungsliteratur einzuordnen. Die meisten dieser Schriften behandeln Meditationstechnik, Technik zum Hersellen von Dan Yao (quasi Achemie) sogar Technik zur Schwertführung. Einige sind auch philosophische Abhandlungen. Von einer Göttlichen Eingebung ist mir nichts bekannt. So gesehen sind sie schwer zu vergleichen mit Bibel oder Koran (Bem.: find Koran irgednwie langweiliger als Bibel zu lesen). Tora habe ich nie gelesen, kann also kein Kommentar dazu geben.
und WESHALB, verbreiterst Du Dich dann darüber ??????
weil's mich zufällig interessiert? Als "Ungläubiger" traue ich mir eine wesentlich objektivere Sichtweise zu. Immerhin kenne ich 'paar Theologen, die Atheisten sind........ Nur wenn man nicht daran glaubt, darf man dann nicht darüber äussern? glaube ich wohl kaum.......:)
dann kann ich Dir auch nicht helfen...
och, bitte bitte, klär mich doch mal auf...........

so jetzt aber wirklich ins Bett. hab morgen noch nen laaaaangen Tag vor mir.

Gruß
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Beitrag von Babs » 16.02.2006, 08:08

:D eure Diskussion erinnert mich an eine Passage aus 《空山》 von 阿来 ....


"饭前祷告是一件很古老的习惯。

  因此祷告也是一个很古老的词,只是在这个新时代里,这个古老的词里装上了全新的意思。
   这时祷告的意思,已经不是感谢上天与佛祖的庇佑了。本来,村里每一家火塘上首,都有一个神龛,里面通常供有一尊佛像,一两本写着日常祈祷词的经书,有时 还会摆着些需要神力加持的草药。当然,那都是好些年前的事情了。这些神龛都空了好些年了。但人们过了太久有神灵的日子,上头发动大家破除封建迷信时,很多 人只是搬掉了龛里的菩萨,但龛还留在那里。这就像什么力量把你心里的东西拿掉了,并不能把装过这些东西的心也拿掉一样。人们看着这龛就像看着自己空落落的 心一样,所以,总是盼着有什么东西来把这空着的地方填上。
  人们这一等,就是好些年。
  文化大革命开始不久,空了许多的神龛便有了新的内容与形式。
  神龛两边是写在红纸上的祝颂词。左边:伟大领袖万寿无疆;右边:林副统帅身体健康。中间,是一尊石膏塑成的毛主席像。上面还抽人去公社集训,学回来一套新的祈祷仪式。
   仪式开始时,家庭成员分列在火塘两边,手里摇晃着毛主席的小红书。程序第一项,唱歌:“敬爱的毛主席,敬爱的毛主席,你是我们心中的红太阳。”等等,等 等。程序第二项,诵读小红书,机村人大多不识字,但年轻人记性好,便把背得的段子领着全家人念:“革命不是请客吃饭。”
  老年人不会汉话,只好舌头僵硬呜噜呜噜跟着念:“革、命,不是……吃饭!”
  或者:“革命……是……请客……”
  程序第三项,齐诵神龛对联上的话,还是年轻人领:“敬祝伟大领袖毛主席万寿无疆!”
  摇动小红书,合:“万寿无疆!万寿无疆!”
  领:“敬祝林副主席身体健康!”
  摇动小红书,合:“永远健康!永远健康!”
  最后,小红书放回神龛上,喝稀汤的嘘嘘声,筷子叩啄碗边的叮叮声便响成一片。"


:D

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Re: Buddhismus im Alltag

Beitrag von Sky Darmos » 16.02.2006, 08:11

Vulverin hat geschrieben:1) gibt es für Chinesen als Gott nur Buddha, oder auch noch wie es früher war die unzähligen Haus und Naturgeister
Was hat den Buddhismus mit Gott zu tun??
Budda war ein Philosoph. Er sebst hat sich weder als Gott gesehen, noch geglaubt er sei ein Bote Gottes und an einen Gott hat er eh nicht geglaubt.
Im Übrigen auch nicht an ein Leben nach dem Tod.
Unter Nirvana ist ein Zustand und nicht ein Ort zu verstehen.
Budda lehrte dass es kein Ich gibt. Es gibt keine absolute Identität. Ich bin ein anderer Mensch wie ich gestern war. Mein Bewusstsein ist nicht das selbe wenn es sich verändert, sonst müsste man ja Bewusstsein als eine Substanz auffassen.
Budda lehrt dass der Tod bedeutungslos ist, da es ja keine Seele gibt.
Mit Seele ist hier ein Bewusstsein gemeint dass in irgendeine Hinsicht das selbe ist auch wenn es sich verändert.
Wenn man sich wie die Buddhisten immer als Teil des Ganzen sieht, und das ganze nie Stirbt, stirbt man selbst auch nicht.

Der Buddhismus ist ursprünglich nie eine Religion gewesen.
Im Gegenteil hat Budda selbst vor dem Dogmatismus von Religionen gewarnt.

Gruß,
Sky.

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yinyang9000
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Beitrag von yinyang9000 » 16.02.2006, 08:15

Ich fand folgende Bücher aufschlussreich:

Geschichte der chinesischen Philosophie, Konfuzianismus, Daoismus, Buddhismus
von Wolfgang Bauer

Die Reise nach Westen
Oder wie Hsüan Tsang den Buddhismus nach China holte
von Rene Grousset

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domasla
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Beitrag von domasla » 16.02.2006, 10:18

Den Götterbegriff sollten wir tatsächlich nicht so eng sehen. Und schon gar nicht monotheistisch (wobei mir noch niemand erklären konnte, wie die Dreifaltigkeit + Maria) da reinpassen soll. Die Menschen möchten etwas an bestimmten Personen festmachen und übertreiben gerne dabei. Sie brauchen einen Namen oder ein Bild, mit dem sie bestimmte Vorstellungen verbinden können. Neben dem historischen Buddha gibt es mehrere für jeden "Zweck".

Berge, Flüsse, Landschaften und Alltagssituationen bekommen Götter und Heilige verpasst, die man gut um Beistand bitten kann. Mit einem Namen kann man seine Wünsche leichter an eine Adresse schicken (Weihnachtsmann, Nordpol, Planet Erde?).

Zu Lebzeiten wurden Lenin/Stalin/der Mann, dessen Namen der böswillige Historiker nicht ausspricht, um ihn damit zu bestrafen/Mao(/George W.?) zu Ikonen erhoben.

Gedacht war der Buddhismus sicher nicht als eine Religion. Wir sollten da nicht mit unserem mitteleuropäischen Verständnis des Begriffes rangehen. Die Chinesen sind es gewohnt, dass mehrere Vorstellungen nebeneinander existieren können. Ein abschreckendes Beispiel ist der Ritenstreit. Den katholischen Missionaren wurde von ihrem Kirchen-Headquarter verboten, neben dem "wahren Glauben" örtliche Sitten zu tolerieren. Zum Beispiel die Ahnenverehrung ("Du sollst Vater und Mutter...?!?"). So wurden sie der chinesischen Führung zu suspekt und durften gehen. Eine Ursache dafür, weshalb christliche Kirchen auch heute noch in der VR mit grosser Vorsicht betrachtet werden.

Zurück zu den geringen Göttern: Ein relativ erfolgreicher Jesuit - Matteo Ricci - wurde als regionaler Gott des Uhrenbaus kanonisiert. Wenn er bzw. seine Kirchenoberen das erfahren hätten...

Der Ausdruck "Geringe Götter" stammt übrigens aus Terry Pratchetts Scheibenwelt-Romanen. Götter werden um so bedeutender, je mehr Menschen an sie glauben. Wenn die Zahl ihrer Anhänger zurückgeht, "verblassen" sie.

Domasla

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