Sci-Fi in China

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Sci-Fi in China

Beitrag von RoyalTramp » 25.09.2010, 04:40

Yo!

Um mal ein anderes Thema anzuschneiden, dass mir als oller (Ex-)"Trekkie" (Kostümierphase ist immerhin vorbei) schon irgendwie am "Herzen" liegt (nein, nicht im Sinne von "Liebe", Serenita...)

Mir fällt auf, dass in China Sci-Fi so nahezu völlig non-existent ist. Es gibt weder eine nennenswerte Sci-Fi-Literatur, noch TV- oder Filmvarianten bzw. in einer derart stark begrenzten Zahl, dass man wirklich mit der Lupe suchen muss. Was steckt dahinter? Sind Chinesen tatsächlich keine Visionäre? Hat der Konfuzianismus mit seinem starken Dies- und Jetztzeitbezug jedwede "Phantasie" in dieser Hinsicht zerstört?

Gerade als China sich jetzt angeschickt hat, ebenfalls den Weltraum zu erobern, dachte ich eigentlich, dass dies hier ebenfalls einen solchen Hype auslösen würde, wie anno dazumal in den USA, wo das Wettrennen mit Russland gerade in den 50ern das Sci-Fi-Genre förmlich katapultiert hat. Aber nichts ist diesbezüglich seit dem erfolgreichen Start der Shenzhou vor 6 Jahren passiert. Es gab zwar eine patriotische Aufwallung im Land, aber das war es dann auch schon.

Warum hat sich nach Lao She's "Stadt der Katzen" nicht eine ähnliche Entwicklung vollzogen, wie nach Jules Vernes (positiv) oder Orwell (negativer Utopismus) im Westen? Wenn, dann immer nur auf die aktuelle Gesellschaft bezogen, als Spiegel zur jetzigen, als "Kritik" an bestehenden Verhältnissen. Sprengt es z.B. die Vorstellungskraft der Chinesen, sich ein Universum voller unbekannter Lebensformen vorzustellen? Oder aber ist das für die Chinesen völlig irrelevant, nach dem Motto: "Was kümmert mich mögliches Leben auf anderen Planeten? Hier ist, was für mich von Interesse ist!"

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Re: Sci-Fi in China

Beitrag von punisher2008 » 25.09.2010, 05:54

RoyalTramp hat geschrieben: Mir fällt auf, dass in China Sci-Fi so nahezu völlig non-existent ist. Es gibt weder eine nennenswerte Sci-Fi-Literatur, noch TV- oder Filmvarianten bzw. in einer derart stark begrenzten Zahl, dass man wirklich mit der Lupe suchen muss. Was steckt dahinter? Sind Chinesen tatsächlich keine Visionäre? Hat der Konfuzianismus mit seinem starken Dies- und Jetztzeitbezug jedwede "Phantasie" in dieser Hinsicht zerstört?
Du hast recht, mir ist das auch schon aufgefallen. Ohne jetzt jemandem zu nahe treten zu wollen (ich denke, die entsprechende Person weiß, wen ich meine :wink: ) : ich finde es stimmt schon, dass die Chinesen im allgemeinen weniger visionär sind als "Westler". Zumindest bekomme ich diesen Eindruck, wenn ich mir die Medien hier ansehe. So gut wie keine einheimische SF. Die Film- und Fernsehindustrie in China scheint sich hauptsächlich auf die Vergangenheit zu konzentrieren. Wieviele tausende Kostümdramen gibt es? Das Fernsehprogramm ist voll davon. Aber ich kenne mich zu wenig aus, um das irgendwie begründen zu können.
Einmal zeigte ich, auf Vorschlag meiner Frau hin (die ist da ganz anders, sie liebt guten SF :D ), ihrer Tochter den 1. Teil von "Lord of the Rings" (OK, ist kein SF, aber egal), und... keine Reaktion, kein Interesse oder Begeisterung. Danach wurden dann im Fernsehen wieder die gleichen einfallslosen Soaps geschaut :roll: . OK, 4 Stunden für einen Film ist schon happig, man braucht da schon etwas Geduld. Aber die gleiche Reaktion hätte es bei einem kürzeren Film gegeben.
Und dann nahm ich meine Nichten (nach vielem langem Überreden!) ins Kino in "Avatar", immerhin in 3D. Ebenfalls nur sehr mäßige Reaktion. Genauso gut hätte ich ihnen einen Film über Winterschlafverhalten von Amseln zeigen können :? . Klar, diese Filme sind sicher nicht jedermanns Sache. Aber zumindest vom optischen her sollten solche Filme doch, zumindest ein jüngeres, Publikum begeistern können. Aber es ist schon so, die Chinesen scheinen im allgemeinen nicht unbedingt so die großen SF-Fans zu sein (bitte nicht wieder falsch verstehen, das ist nur mein Eindruck :shock: . Ist auch nicht negativ gemeint)

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Re: Sci-Fi in China

Beitrag von Aremonus » 25.09.2010, 07:08

Wobei Avatar auch in China sämtlich Rekorde schlug.

Anyway, meine Freundin interessiert sich auch kaum für ihrer Meinung nach "feihua"-Genre - und das, obwohl sie eigentlich an einer sehr guten chinesischen Uni englisch studiert hat. Ihr Professoren bläuten den Studenten stets ein, dass comedy, fantasy oder science-fiction Filme irgendwie weniger kultiviert seien wie Dramen oder so. Ein guter Lehrer an einer guten Uni muss in China immer ernst bleiben und darf im Unterricht nicht emotional werden. Irgendwann färbt das ab...

Ich hab' an meiner Uni hier in Europa auch einen Kurs für Film Theory belegt und hier ist es ganz anders. Mein Professor hier an der HSG, der auch bereits in Harvard und Oxford lehrte, ist da ganz anders: der Typ gibt offen zu, grosse Simpsons-Fan zu sein, macht öfters 'mal Witze im Unterricht (wenn auch meist relativ geistreiche) und zeigt schon 'mal zu Beginn einer Vorlesung die "Spider-Pig"-Szene aus dem Simpsonsfilm. Für ihn sind comedy, fantasy und science-fiction Filme gerade die Filme, die sehr viel auch über unsere heutige Gesellschaft aussagen und versuchen, mögliche Entwicklungen zu implizieren und das Wesen der Menschen zu zeigen.

Vermutlich würde ich, wenn mir immer gesagt würde, gewisse Genre seien schlecht, auch ganze Genre vorverurteilen - vor wenigen Jahren verstand ich beispielsweise die ganze Ironie hinter den Quentin Tarrantino Filmen überhaupt nicht und hielt die Streifen für doof - und heute erst für genial. Schönheit liegt eben immer im Auge des Betrachters - und das ist auch bei Filmen so.
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Re: Sci-Fi in China

Beitrag von RoyalTramp » 25.09.2010, 07:33

Für ihn sind comedy, fantasy und science-fiction Filme gerade die Filme, die sehr viel auch über unsere heutige Gesellschaft aussagen und versuchen, mögliche Entwicklungen zu implizieren und das Wesen der Menschen zu zeigen.
Eben! Auch da würde man doch erwarten, dass Sci-Fi hier in China eigentlich relevanter sein sollte, denn es lassen sich mit Sci-Fi sehr gut auch die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen z.B. kritisieren, ohne sich zugleich irgendwie politisch zu überwerfen. Ähnlich hat es ja auch schon der zitierte Lao She mit "Stadt der Katzen" gemacht. Es ging ihm nicht darum, wirklich ein Stück Sci-Fi zu schaffen, sondern die Umstände seiner Zeiten in die Zukunft und auf andere Wesen zu projezieren, um so bestehende Zustände zu kritisieren. Aber dieser Faden ist dann einfach wieder komplett abgerissen. Und mich interessiert die Frage: Warum? Wieso fehlt es den Chinesen (ganz verallgemeinernd gesagt, aber ohne Anspruch auf Faktizität) so an imaginäre Vorstellungskraft?

Was mich betrifft finde ich das auch aus einer anderen Sicht sehr sehr schade, denn die Abstinzenz vermittelt mir eigentlich, dass aus China nie irgendwie etwas Weltbewegendes zu erwarten sein wird, in technischer oder sonstiger Hinsicht, denn um so was zu erschaffen braucht es nunmal Visionen, die ich hier in China aber nirgendwo sehe.

Anderes Beispiel auch die EXPO. Mit Interesse bin ich in die Ausstellung "Städte der Zukunft" gegangen und bin zu Tode betrübt wieder hinausgekommen: Das verstehen Chinesen unter "Städte der ZUKUNFT"??? Das Highlight: eine mehrere Meter hohe große Halle mit ebenso hoher Videoleinwand, auf der ein Cartoon lief, wie die Menschen in der Zukunft wohl leben würden, aber soooooo wahnsinnig schlecht gemacht...als gäbe es im jetzigen Zeitalter keine Computeranimationen, um Welten - egal ob unter Wasser oder im Universum - vor dem Auge des Betrachters auch plastisch entstehen zu lassen. Aber nix! Statt "Zukunft" hatte ich den Eindruck mich in einer "70er-Jahre-Flower-Power-Ausstellung" verirrt zu haben und das auch nur, weil alles so schön quietschig bunt war. Grottig...einfach nur grottig! :(

Da war selbst im Düsseldorf-Pavillon mehr Zukunft drin! :lol:
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Re: Sci-Fi in China

Beitrag von bane » 25.09.2010, 22:48

RoyalTramp hat geschrieben: Gerade als China sich jetzt angeschickt hat, ebenfalls den Weltraum zu erobern, dachte ich eigentlich, dass dies hier ebenfalls einen solchen Hype auslösen würde
Das was du als "Weltraum erobern" bezeichnest, hat keinen faszinierenden Pioniers- Charakter auf die Gesellschaft.
Da dürfte der Knackpunkt liegen.

Große Scifi Autoren gab es in Europa und Amerika schon vor der ersten Mondlandung, wodurch eine große Community entstand und diese sich immer weiter ausgebaut hat.
Zu dieser Zeit hatte China andere Probleme zu bewältigen als sich mit Scifi zu beschäftigen. So kam der Hype, den es in früherer Zeit in Europa und Amerika in den Anfängen der Scifi Schriftstücke gab, nie nach China.

Die westliche Scifi Community ist mit dem Fortschritt in der realen Technik gewachsen.
Das Menschen auf dem Mond spazieren gehen und in ferne Galaxien eintauchen, war früher noch Visionär und der Grundstein großer Scifi Autoren. Gerade dieser Punkt war wichtig für die Entstehung der westlichen Scifi Community.

Jetzt, wo vieles bereits geschrieben und auch entwickelt wurde, gibt es keinen Einstieg mehr in die Thematik welche eine große Masse dazu bewegen könnte, sich leidenschaftlich damit auseinander zu setzen.

Man kann also durchaus sagen, das die Chinesische Gesellschaft den Punkt "Fastzination Weltraum", bedingt durch die geschichtlichen Ereignisse, verpasst hat.

@ punisher2008

Das deine Freundin, deren Verwandte oder sonst Jemand in China nicht so auf Herr der Ringe oder anderen Fantasy steht, ist nicht verwunderlich.
In solchen Fantasy Streifen ist viel westliche Mythologie und Kulturgut verborgen, so das wir für derartige Filme ganz anders empfänglich sind als Chinesen. Wir verbinden, unbewusst, ganz andere Dinge mit diesen Filmen und lassen uns deshalb auch auf eine andere Weise dafür begeistern.
In China gibt es dafür fliegende Kung Fu Kämpfer, was durchaus kultureller Fantasy ist, nur eben nicht unserer.

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Re: Sci-Fi in China

Beitrag von RoyalTramp » 26.09.2010, 04:09

bane hat geschrieben:
RoyalTramp hat geschrieben: Gerade als China sich jetzt angeschickt hat, ebenfalls den Weltraum zu erobern, dachte ich eigentlich, dass dies hier ebenfalls einen solchen Hype auslösen würde
Das was du als "Weltraum erobern" bezeichnest, hat keinen faszinierenden Pioniers- Charakter auf die Gesellschaft.
Da dürfte der Knackpunkt liegen.

Große Scifi Autoren gab es in Europa und Amerika schon vor der ersten Mondlandung, wodurch eine große Community entstand und diese sich immer weiter ausgebaut hat.
Zu dieser Zeit hatte China andere Probleme zu bewältigen als sich mit Scifi zu beschäftigen. So kam der Hype, den es in früherer Zeit in Europa und Amerika in den Anfängen der Scifi Schriftstücke gab, nie nach China.

Die westliche Scifi Community ist mit dem Fortschritt in der realen Technik gewachsen.
Das Menschen auf dem Mond spazieren gehen und in ferne Galaxien eintauchen, war früher noch Visionär und der Grundstein großer Scifi Autoren. Gerade dieser Punkt war wichtig für die Entstehung der westlichen Scifi Community.

Jetzt, wo vieles bereits geschrieben und auch entwickelt wurde, gibt es keinen Einstieg mehr in die Thematik welche eine große Masse dazu bewegen könnte, sich leidenschaftlich damit auseinander zu setzen.

Man kann also durchaus sagen, das die Chinesische Gesellschaft den Punkt "Fastzination Weltraum", bedingt durch die geschichtlichen Ereignisse, verpasst hat.
Dass sich historisch bedingt hier kein Sci-Fi frühzeitig etablieren konnte ist im Hinblick auf die Geschichte der Republikzeit und dann auch der Bürgerkriegszeit sehr verständlich. Mir geht es auch nicht darum, zu bemängeln, dass sich in der Vergangenheit da nichts herausgebildet hat, sondern dass sich selbst jetzt zu diesem Zeitpunkt nichts herauszubilden scheint. Wirklich existenzbedrohende Probleme gibt es derzeit in China nicht, man hätte also die Muße und Zeit. Aber da passiert einfach nix. In meinen Augen ganz klarer Fall von Fehlen jeglicher imaginärer Vorstellungskraft. Wäre ich jetzt Linguist, würde ich wahrscheinlich das Fehlen eines ausdrücklichen Konjunktivs in der Sprache dafür ursächlich sehen, dass Chinesen weniger Vorstellungskraft haben, wie es scheint.

Was deine Argumente zu HRdR betrifft völlige Zustimmung. Gerade bei Fantasy-Filmen wie auch zuletzt Clash of the Titans (den ich jedoch nicht gesehen haben) kann man da nicht verwundert sein, dass seitens der chinesischen Zuschauer keine nennenswerte Reaktionen mit Ausnahme auf die tollen Landschaften kommen, denn in der chinesischen Welt sind Hobbits, Zwerge und Elben völlig unbekannte Geschöpfe, mit denen sie nix anfangen können, und spätestens wo böse Drachen bekämpft werden, da verlassen dann einge kopfschüttelnd den Kinosaal (übertrieben beschrieben). Es gibt in der chinesischen fantastischen Vorstellung nur unsere Welt und eine Geisterwelt. Dazwischen gibt es noch Jianghu und das war es. Das spezielle: Alle diese Welten sind menschliche Welten, bzw. immer ein Abbild der menschlichen Gesellschaft, was eben bei uns nicht der Fall sein muss. Nimmt man z.B. die Orks oder Trolle...die haben mit der menschlichen Gesellschaft kaum etwas gemein bzw. lassen sich gewisse Analogien zwar ziehen, aber diese Analogien sind nicht ursächlich beabsichtigt. Anders aber die Analogien zur menschlichen Gesellschaft der chinesischen Geisterwelt und Jianghu. So mein subjektiver Eindruck...
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Re: Sci-Fi in China

Beitrag von q455923354 » 26.09.2010, 04:27

Eben! Auch da würde man doch erwarten, dass Sci-Fi hier in China eigentlich relevanter sein sollte, denn es lassen sich mit Sci-Fi sehr gut auch die aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen z.B. kritisieren, ohne sichpandora jewelry zugleich irgendwie politisch zu überwerfen. Ähnlich hat es ja auch schon der zitierte Lao She mit "Stadt der Katzen" gemacht. Es ging ihm nicht darum, wirklich ein Stück Sci-Fi zu schaffen, sondern die Umstände seiner Zeiten in die Zukunft und auf andere Wesen zu projezieren, um so bestehende Zustände zu kritisieren.pandoraAber dieser Faden ist dann einfach wieder komplett abgerissen. Und mich interessiert die Frage: Warum? Wieso fehlt es den Chinesen (ganz verallgemeinernd gesagt, aber ohne Anspruch auf Faktizität) so an imaginäre Vorstellungskraft?

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Re: Sci-Fi in China

Beitrag von RoyalTramp » 26.09.2010, 04:50

Avatar ist aber nunmal auch keine chinesische Produktion. Frage: Warum ist Avatar eigentlich keine chinesische Produktion? Klar...technisch hinkt die chinesische Filmindustrie derjenigen in Hollywood noch um Jahrzehnte hinterher, aber alleine was die Storyline betrifft, sollte es doch möglich sein? Warum gibt es in China anscheinend keine Autoren, die in der Lage wären, eine solche Welt, wie z.B. Avatar zu erschaffen? Das ist es halt, was mich so interessiert...

Habe mal meine DVD-Sammlung durchsortiert und alle chinesischen Filme, die irgendwie mit Sci-Fi zusammenhängen könnten, mal zusammengestellt. Das Ergebnis ist ernüchternd...
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Re: Sci-Fi in China

Beitrag von punisher2008 » 26.09.2010, 06:02

bane hat geschrieben: @ punisher2008

Das deine Freundin, deren Verwandte oder sonst Jemand in China nicht so auf Herr der Ringe oder anderen Fantasy steht, ist nicht verwunderlich.
In solchen Fantasy Streifen ist viel westliche Mythologie und Kulturgut verborgen, so das wir für derartige Filme ganz anders empfänglich sind als Chinesen. Wir verbinden, unbewusst, ganz andere Dinge mit diesen Filmen und lassen uns deshalb auch auf eine andere Weise dafür begeistern.
In China gibt es dafür fliegende Kung Fu Kämpfer, was durchaus kultureller Fantasy ist, nur eben nicht unserer.
Ja, damit hast du schon recht. LotR ist auch nicht unbedingt der beste Einstieg für Chinesen ins SF/Fantasy Genre. Obwohl viele meiner Bekannten damals im Kino ziemlich begeistert waren.
Avatar ist aber nunmal auch keine chinesische Produktion. Frage: Warum ist Avatar eigentlich keine chinesische Produktion? Klar...technisch hinkt die chinesische Filmindustrie derjenigen in Hollywood noch um Jahrzehnte hinterher, aber alleine was die Storyline betrifft, sollte es doch möglich sein?
Wobei Avatar von der Story her ja eigentlich nichts besonderes ist. Der Film lebt von der Optik, vor allem in 3D.
Ich konnte meiner Frau am Anfang der Ehe erfolgreich SF-Filme näher bringen. Ich glaube, zu den ersten Filmen damals gehörten die Star Wars Saga, Alien Filme, dann E.T. usw. Sie mochte diese eigentlich von Anfang an, und sieht sich auch heute regelmäßig neue Filme im Kino an. Avatar gehört auch zu ihren Lieblingsfilmen. Es gibt also doch noch Hoffnung....
Vielleicht muss man erst mal sein (chinesisches) Umfeld verlassen, bevor man den nötigen erweiterten Horizont für SF bekommt?

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Re: Sci-Fi in China

Beitrag von RoyalTramp » 26.09.2010, 07:34

Ja, ne...habe ich falschen Eindruck gemacht. Mir ging es um:
Warum gibt es in China anscheinend keine Autoren, die in der Lage wären, eine solche Welt, wie z.B. Avatar zu erschaffen?
Was die Stories betrifft, sind es natürlich immer die gleichen Stories: Kampf gut gegen Böse, von denen es auch im chinesischen Kontext mehr als zuhauf gibt. Ich meinte es im Hinblick auf das Kreieren fantastischer Welten, mit einer völlig eigenen Dynamik, was im chinesischen Kontext so völlig fehlt!
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Re: Sci-Fi in China

Beitrag von Hendrik » 26.09.2010, 10:54

Avatar war ja auch nicht ein Liebling der chinesischen Regierung, als der Bezug zu aktuellen Problemen in China erkennbar wurde. Um so begeisteter waren dann auch die Chinesen. Auf jeden Fall denke ich, dass Bezüge zu aktuellen Problemen einen Film bereichern, egal ob Sci-Fi oder sonstiges Genre. Und da ist doch das Problem in China. Die Zensur. Und nicht jeder Investor kann es sich leisten, dass mit seinem Budget ein Film gedreht wird, der am Ende nicht in die Kinos kommt. Also wird in vorrauseilendem Gehorsam zensiert, schon beim Schreiben des Drehbuchs. Was dabei herauskommt sehen wir ja in Kino und TV.
Bücher haben ein nicht so großes Budget und die besten Bücher Chinas werden ja auch oft zensiert.
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Re: Sci-Fi in China

Beitrag von Laogai » 26.09.2010, 11:51

Eine kurze Einführung zu Science Fiction in China bietet Wikipedia und der darin verlinkte Artikel Science Fiction, Globalization, and the People's Republic of China. Der Mangel an Sci-Fi Literatur und Filmen ist also eher wirtschaftlich-politisch begründet als mit einer fehlenden Vorstellungskraft der Chinesen.
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Re: Sci-Fi in China

Beitrag von kowloon88 » 26.09.2010, 12:22

laogai hat geschrieben:Eine kurze Einführung zu Science Fiction in China bietet Wikipedia und der darin verlinkte Artikel Science Fiction, Globalization, and the People's Republic of China. Der Mangel an Sci-Fi Literatur und Filmen ist also eher wirtschaftlich-politisch begründet als mit einer fehlenden Vorstellungskraft der Chinesen.
Vor allem, wenn man sieht, was die Chinesen zu Zeit alles an Bauwerken tatsächlich realisieren. Davon können wir doch nur träumen, bzw. da haben wir doch eher einen Mangel an Vorstellungskraft! :shock:
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Re: Sci-Fi in China

Beitrag von Hendrik » 26.09.2010, 12:47

kowloon88 hat geschrieben: Vor allem, wenn man sieht, was die Chinesen zu Zeit alles an Bauwerken tatsächlich realisieren. Davon können wir doch nur träumen, bzw. da haben wir doch eher einen Mangel an Vorstellungskraft! :shock:
Das Ideal der Deutschen ist doch ein kleines Häuschen mit Garten. Wohntürme sind doch nur für arme Leute. Die Chinesen träumen dagegen von der Dorfidylle in der es dann sogar noch den einen oder anderen High-Tech Arbeitsplatz gibt.
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Re: Sci-Fi in China

Beitrag von RoyalTramp » 26.09.2010, 16:18

Hendrik hat geschrieben:Avatar war ja auch nicht ein Liebling der chinesischen Regierung, als der Bezug zu aktuellen Problemen in China erkennbar wurde. Um so begeisteter waren dann auch die Chinesen. Auf jeden Fall denke ich, dass Bezüge zu aktuellen Problemen einen Film bereichern, egal ob Sci-Fi oder sonstiges Genre. Und da ist doch das Problem in China. Die Zensur. Und nicht jeder Investor kann es sich leisten, dass mit seinem Budget ein Film gedreht wird, der am Ende nicht in die Kinos kommt. Also wird in vorrauseilendem Gehorsam zensiert, schon beim Schreiben des Drehbuchs. Was dabei herauskommt sehen wir ja in Kino und TV.
Bücher haben ein nicht so großes Budget und die besten Bücher Chinas werden ja auch oft zensiert.
Dann lass es einfach ein Sci-Fi-Film sein, wo eine von China errichtete galaktische Allianz für Frieden im Weltall sorgen soll unter glorreicher Führung der KP. Was auch immer...es gäbe genug Raum für pure Sci-Fi in China, ohne politischen Bezug. Aber trotzdem ist da nüschts.
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