Wen Jiabao fordert politische Reformen, wird zensiert

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OlafSt
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Re: Wen Jiabao fordert politische Reformen, wird zensiert

Beitrag von OlafSt »

Genauso ist es. Das BIP ist erstmal nur ein Zahlenwert, nachdem heute z.B. Deutschland zu den reichsten Nationen überhaupt gehört. Dafür haben wir hier aber auch Lebenhaltungskosten, die zu den höchsten weltweit gehören. Aber auch das gilt nicht für alle Bereiche (Mieten sind in Japan höher, dafür in den USA niedriger usw.). Der Mix machts.
Aremonus
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Re: Wen Jiabao fordert politische Reformen, wird zensiert

Beitrag von Aremonus »

Mieten sind in Japan höher, dafür in den USA niedriger usw.
Wobei ich hier anmerken muss, dass in den USA auch eine andere Qualität bei Gebäuden üblich ist als in DE. In Häusern mit deutschem Baustandard bezahlt man schon ähnliche Mieten wie hier...

Ich persönlich bin überhaupt kein Fan von Kaufkraftparitäten in einer offenen Volkswirtschaft, da diese die Qualität der Produkte völlig ausser acht lassen. Natürlich ist vieles z.B. billiger in China als in Europa, aber eben auch von minderwertigerer Qualität. Wenn ich einen IBM Lenovo X200 Laptop kaufe, kostet der überall in der Welt etwa gleichviel, unter Berücksichtigung der Umsatzsteuer versteht sich.
Die Preise sollten daher meiner Meinung nach nur bezüglich staatlicher Interventionen wie Steuern und Zölle bereinigt werden, wenn man die Kaufkraft international vergleicht, nicht aber indem man Äpfel mit Birnen (oder Mieten in China mit Mieten in Europa) vergleicht. Aber gerade in den USA sehen dies viele Ökonomen anders... hier kann ich mich also noch oft trefflich streiten :D
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robbe
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Re: Wen Jiabao fordert politische Reformen, wird zensiert

Beitrag von robbe »

Aremonus hat geschrieben:
Mieten sind in Japan höher, dafür in den USA niedriger usw.
Wobei ich hier anmerken muss, dass in den USA auch eine andere Qualität bei Gebäuden üblich ist als in DE. In Häusern mit deutschem Baustandard bezahlt man schon ähnliche Mieten wie hier...

Ich persönlich bin überhaupt kein Fan von Kaufkraftparitäten in einer offenen Volkswirtschaft, da diese die Qualität der Produkte völlig ausser acht lassen. Natürlich ist vieles z.B. billiger in China als in Europa, aber eben auch von minderwertigerer Qualität. Wenn ich einen IBM Lenovo X200 Laptop kaufe, kostet der überall in der Welt etwa gleichviel, unter Berücksichtigung der Umsatzsteuer versteht sich.
Die Preise sollten daher meiner Meinung nach nur bezüglich staatlicher Interventionen wie Steuern und Zölle bereinigt werden, wenn man die Kaufkraft international vergleicht, nicht aber indem man Äpfel mit Birnen (oder Mieten in China mit Mieten in Europa) vergleicht. Aber gerade in den USA sehen dies viele Ökonomen anders... hier kann ich mich also noch oft trefflich streiten :D

Ähm bei PPP wird schon darauf geachtet, dass der verglichene Warenkorb überall gleichwertig ist. Vielleicht sagt dir auch der BigMac-Index was, ein anschauliches Beispiel.
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NHR
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Re: Wen Jiabao fordert politische Reformen, wird zensiert

Beitrag von NHR »

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Mieten in irgendeiner Form in die PPP einfliessen, da sie von viel zu vielen Faktoren (Standort, Nachfrage, technischer Standard, etc) abhängen.

Das ganze Prinzip der PPP ist doch, dass Güter gleicher Qualität international auf ihren Preis verglichen werden. Daher ist Aremonus Einwand nicht wirklich zulässig. Man vergleicht keine Billigprodukte aus Vietnam mit teuren Markenprodukten aus Amerika, sondern man vergleicht einheitliche Produkte eines Warenkorbes.

Es soll also jener Wechselkurs benannt werden, bei dem die Kaufkraft einer bestimmten Summe in verschiedenen Ländern (Bemessungsgrundlage sind hier meist die USA) gleich ist.
Aremonus
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Re: Wen Jiabao fordert politische Reformen, wird zensiert

Beitrag von Aremonus »

Vielleicht sagt dir auch der BigMac-Index was, ein anschauliches Beispiel.
Ich halte dies auch für ein anschauliches Beispiel - für genau die Tatsache, dass die Qualität unterschiedlich ist.
Hier 'mal ein Vergleich zwischen einem Big Mac in China und in der Schweiz (weil ich da die Gesetzeslage einigermassen kenne und noch nie anderswo in einem Mac war - bin kein Fan von dem Laden):
Zunächst einmal ist offensichtlich, dass ein McDonalds in der Schweiz (und in den meisten europäischen Ländern) schon einmal besser gebaut und eingerichtet ist als in China. Nicht nur die Qualität des Baus und das Raumklima inklusive Belüftungs- und Beleuchtungskonzept sind auf einem andern Niveau, sondern auch die Abstände zwischen den Tischen sind grösser, die Sanitärinfrastruktur besser und die Isolation stärker, weswegen die Luft weniger Trocken ist.

Gerade beim Fleisch sind qualitative Unterschiede klar ersichtlich - einerseits bezüglich des Fettgehalts und des Geschmacks, andererseits auch bezüglich der Tierhaltung und des Tierschutzes. Aber auch bei anderen Zutaten gibt es unterschiede, da die Gesundheitskontrollen in China weniger strikt sind: so hat CNN aufgedeckt, dass McDonalds in den USA und in China starke, gesundheitsschädliche Chemikalien verwendet - manche davon Krebserregend, andere führen einfach nur zu Magenproblemen.

Auf die Unterschiede bei der Behandlung des Personals werde ich wohl auch nicht weiters eingehen müssen...

Ein weiterer, wichtiger Faktor ist natürlich, dass gerade in Westeuropa eher auf qualitativ hochwertigere Nahrung geachtet wird und es nicht gerade prestige-trächtig ist, in ein McDonalds-Restaurant zu gehen - daher sieht sich McDonalds hier auch nicht einem solchen Konkurrenzdruck gegenüber wie beispielsweise in den USA. Dafür ist luxuriöses Essen in Europa massiv günstiger als in China.

Daher halte ich gerade den BigMac-Index nicht gerade für aussagekräftig. Wennschon dann würde ich einen Laptop-Index oder einen Auto-Index oder einen Gold-Index in Betracht ziehen, der jeweils die exakt gleichen Produkte vergleicht.

Man darf aber nie vergessen, fürwas man eine Aussage sucht! Genau das passiert aber vielen alt-ökonomen heute noch. Inzwischen gibt es immer mehr behavioristische Theorien, die das Verhalten der Individuen untersuchen und aggregieren - denn dies interessiert am Ende auch. Wir suchen hier ja eine Aussage dazu, wieviel ein Chinese verdienen müsste, um denselben Nutzen eines Deutschen zu haben.
Hier stehen wir aber vor einem Problem: wir wissen nicht, wie hoch der durch die unterschiedlichen Produkte entgangene Nutzen eines Deutschen in China und umgekehrt ist, denn Nutzen lässt sich nicht so einfach quantifizieren. Und da wären wir wieder bei der Frage, was man braucht, um glücklich zu sein...

In der Wirtschaftswelt interessiert ja ohnehin nur die Tendenz einer Währung, ob sie steigen oder fallen wird - und das lässt sich nicht so ohne weiteres anhand eines Vergleichs von Kaufkraftparitäten beurteilen, denn:
1.kommt es auf die Zahlungsbilanz eines Landes an, wie sich seine Wàhrung entwickelt und
2. ist der Wahrenhandel derzeit für nur 3 Prozent des Devisenhandels verantwortlich, während an den Finanzmärkten der Rest gehandelt wird. Ich würde jetzt auf jedefall nicht die schwedische Krone gegenüber dem Schweizerfranken shorten, nur weil dort der BigMac noch teurer ist...

Aus all diesen Gründen sehe ich die Legitimation der Kaufkraftparitäten im 21. Jahrhundert nicht mehr - allenfalls für Vergleiche innerhalb der EU, aber sicher nicht für Vergleiche zwischen fernen Entwicklungsländern und Industrieländern.

Nur für eine Sache werden die PPP heute noch oft verwendet, und da ist es auch sinnvoll: bei der Beurteilung, ob jemand absolut arm ist (also sich nicht mehr ernähren kann). Denn die Menge an Geld, die man zum Überleben braucht, festzustellen, ist durchaus objektiv möglich und (leider auch heute noch) sinnvoll. Bei internationalen Vergleichen zu politischen Zwecken müsste man international gehandelte Güter untersuchen.
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NHR
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Re: Wen Jiabao fordert politische Reformen, wird zensiert

Beitrag von NHR »

Ich muss meinen Beitrag revidieren. Sehr gut formulierte Kritik, der ich nur ( anhand meines ziemlich oberflächlichen Wissens über das Thema) zustimmen kann.


Könntest Du erklären, inwiefern die PPP dazu taugt, festzustellen, ob jemand absolut arm ist?
Bisher ging ich davon aus, dass die Armutsgrenze eine fast schon willkürliche, normative Aussage sei.
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Re: Wen Jiabao fordert politische Reformen, wird zensiert

Beitrag von robbe »

NHR hat geschrieben: Könntest Du erklären, inwiefern die PPP dazu taugt, festzustellen, ob jemand absolut arm ist?
Bisher ging ich davon aus, dass die Armutsgrenze eine fast schon willkürliche, normative Aussage sei.
Für die Armutsgrenze wird angenommen, dass ein Mensch bestimmte Dinge braucht um angemessen zu leben bzw. überleben. Es geht zumindest nicht darum, was ich brauche um glücklich sein, da das subjektiv ist (das was Aremonus schon gesagt hat). Für diese Dinge kannst du dann das PPP anwenden. Man guckt einfach wieviel Geld jemand braucht, um sich die lebensnotwendigen Dinge bzw. die Dinge, die man braucht um ein menschenwürdig leben zu können, zu leisten (was das für Dinge sind, hat die UN wohl mal beschlossen).
Trotzdem spricht die UN (glaub ich) von irgendeiner 1 oder 2$ Grenze. Was dann nicht kaufkraftsbereingt wäre. Weiß ich aber nicht so genau.
Kaufkraftbereinigt sind es dann nationale Armutsgrenzen. Man kann ja nicht sagen, dass jemand in Deutschlang mit 2$/Tag nicht arm sei.
Aremonus
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Re: Wen Jiabao fordert politische Reformen, wird zensiert

Beitrag von Aremonus »

Könntest Du erklären, inwiefern die PPP dazu taugt, festzustellen, ob jemand absolut arm ist?
Bisher ging ich davon aus, dass die Armutsgrenze eine fast schon willkürliche, normative Aussage sei.
Die aktuelle UNO-Definition kenne ich auch nicht (die Uno geht so von zwei Dollar am Tag als Grenze für absolute Armut aus, wenn ich mich recht entsinne), aber früher war es so, dass man einfach eine bestimmte Menge Kalorien am Tag zählte und davon ausging, dass das Individuum seine Kalorien maximiert, d.h. vor allem Brot oder Reis oder was auch immer am günstigsten ist kauft. Das gab einem dann die Armutsschwelle. Von einem Dach über dem Kopf oder gar Bildung für die Kinder sprach keiner.

Wikipedia dazu: "Die Weltbank sieht Menschen, die weniger als 1,25 PPP-US-Dollar pro Tag zur Verfügung haben, als „arm“ an"

Natürlich ist im Westen "Armut" eine wie du schreibst "fast schon willkürliche, normative Aussage" - hier geht es auch nicht um absolute Armut (also nicht um zu wenig zum Überleben zu haben) sondern um relative Armut (also darum, dass jemand zu wenig hat, um sich entfalten und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können). Bei relativer Armut nützt eine Kaufkraftbereinigung natürlich nichts, da sich der Effekt sofort wegkürzt. In Anbetracht der Definition von relativer Armut (weniger als die Hälfte des Durchschnitteinkommens) ist also viel eher Einkommensgleichheit anzustreben. Relative Armut beschäftigt sich mit der Zufriedenheit eines Volkes - aber das ist eine Frage für Soziologen, mit dieser Materie kenn' ich mich zu wenig aus.
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