Will China Afrika helfen oder abhängig machen?

Über aktuelle Nachrichten und Artikel über China diskutieren.
robbe
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 871
Registriert: 25.10.2008, 19:47

Re: Will China Afrika helfen oder abhängig machen?

Beitrag von robbe »

Nochmal für die Dummen:

"Ein Projekt/Programm ist nachhaltig, wenn es in der Lage ist, für eine ausgedehnte Zeitperiode ein angemessenes Niveau von Nutzen sicherzustellen, nachdem die finanzielle, organisatorische und technische Hilfe eines externen Gebers beendet ist." (BMZ, 1988)

Oder auch:

"Ein EZ-Vorhaben ist nachhaltig, wenn es Verhaltensänderungen bei der Zielgruppe in Gang setzt, die diese Gruppe in die Lage versetzen, ihre Lebensbedingungen selbständig und dauerhaft zu verbessern; hierzu zählt insbesondere die Fähigkeit, auf veränderte Rahmen- und Umweltbedingungen flexibel zu reagieren." (Prof. Dr. H. Sangmeister)

Definitionen von Profis.
Saiber hat geschrieben:Habe ich ein fix renoviertes und neues Stadion, kommen auch wieder mehr Fans und mehr Geld in meine klamme Kasse...(Das ist Nachhaltigkeit).
Definition von einem Amateur. Vielleicht erkennst du selbst, dass dies nur ein Teilschritt von Nachhaltigkeit sein kann, aber das Problem nicht abschließt.
laogai hat geschrieben:Na klar, wenn der eine Vorwurf sich als unhaltbar herausstellt zaubert man einfach den nächsten aus dem Hut. Was kommt als nächstes?
Das sollte nur heißen, dass man vorsichtig sein sollte, wenn man seine eigene Meinung/Ansicht auf unvollständigen Informationen aufbaut.
Benutzeravatar
Saiber
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 863
Registriert: 05.09.2008, 11:31
Wohnort: Hong Kong
Hat sich bedankt: 1 Mal
Danksagung erhalten: 31 Mal

Re: Will China Afrika helfen oder abhängig machen?

Beitrag von Saiber »

Mit deiner Intepretation und dem Defintions Verstaendnis happerts etwas.... :lol: :lol: :lol:
Das aendert aber auch nichts weil du nicht mal das was du hervorbringst selber verstehst. Das steht da, Schwarz auf Weiss... :lol: :lol: :lol: :lol:
Echtes Wissen ist, wenn Du das, was Du weisst, als Wissen erkennst, und das, was Du nicht weisst, als Nichtwissen akzeptierst.
robbe
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 871
Registriert: 25.10.2008, 19:47

Re: Will China Afrika helfen oder abhängig machen?

Beitrag von robbe »

genau :P
Benutzeravatar
Laogai
Titan
Titan
Beiträge: 17644
Registriert: 05.08.2007, 22:36
Wohnort: N52 29.217 E13 25.482 附近
Danksagung erhalten: 160 Mal

Re: Will China Afrika helfen oder abhängig machen?

Beitrag von Laogai »

robbe hat geschrieben:Nochmal für die Dummen:

"Ein Projekt/Programm ist nachhaltig, wenn es in der Lage ist, für eine ausgedehnte Zeitperiode ein angemessenes Niveau von Nutzen sicherzustellen, nachdem die finanzielle, organisatorische und technische Hilfe eines externen Gebers beendet ist." (BMZ, 1988)

Oder auch:

"Ein EZ-Vorhaben ist nachhaltig, wenn es Verhaltensänderungen bei der Zielgruppe in Gang setzt, die diese Gruppe in die Lage versetzen, ihre Lebensbedingungen selbständig und dauerhaft zu verbessern; hierzu zählt insbesondere die Fähigkeit, auf veränderte Rahmen- und Umweltbedingungen flexibel zu reagieren." (Prof. Dr. H. Sangmeister)

Definitionen von Profis.
Na bitte, der Bau einer Straße wird doch laut diesen beiden Definitionen als nachhaltig anerkannt. Schließlich werden die Straßen nicht wieder aufgerollt und eingesackt, wenn die Chinesen das Land verlassen.
Laogai <=> 老盖, Ex-Blogwart
Konfuzius sagt: "Just smile and wave, boys. Smile and wave."
天不怕地不怕就怕洋鬼子开口说中国话!
robbe
Old China Hand
Old China Hand
Beiträge: 871
Registriert: 25.10.2008, 19:47

Re: Will China Afrika helfen oder abhängig machen?

Beitrag von robbe »

laogai hat geschrieben:Na bitte, der Bau einer Straße wird doch laut diesen beiden Definitionen als nachhaltig anerkannt. Schließlich werden die Straßen nicht wieder aufgerollt und eingesackt, wenn die Chinesen das Land verlassen.
Nein. Nachhaltig wäre es, wenn die Leute vor Ort nach der Hilfe die Straße selbst bauen können. (ok, nach der 1. Definition hast du Recht, nach der 2. aber nicht)
Was ist der Unterschied zwischen der Bereitstellung einer Einheit Nahrung (z.B. ein Sack Reis) und einer Straße? Die Straße hat eine längere Haltbarkeit, aber unendlich lange wird die auch nicht nutzbar sein.
Benutzeravatar
Laogai
Titan
Titan
Beiträge: 17644
Registriert: 05.08.2007, 22:36
Wohnort: N52 29.217 E13 25.482 附近
Danksagung erhalten: 160 Mal

Re: Will China Afrika helfen oder abhängig machen?

Beitrag von Laogai »

robbe hat geschrieben:
laogai hat geschrieben:Na bitte, der Bau einer Straße wird doch laut diesen beiden Definitionen als nachhaltig anerkannt. Schließlich werden die Straßen nicht wieder aufgerollt und eingesackt, wenn die Chinesen das Land verlassen.
Nein. Nachhaltig wäre es, wenn die Leute vor Ort nach der Hilfe die Straße selbst bauen können. (ok, nach der 1. Definition hast du Recht, nach der 2. aber nicht)
Dann zitiere ich mich nochmal selbst:
laogai hat geschrieben:Dann dürfte man auch nicht das oft zitierte Netz ("Fisch geben = ein Tag satt; Netz geben = immer satt") stiften, sondern allenfalls eine Bastelanleitung dafür. Und statt Schulen und Krankenhäuser nur die Baupläne :shock:
Beim Bau der Straßen werden übrigens Einheimische beschäftigt. Das habe ich Laos erlebt und auch hier ist es in Wort und Bild dokumentiert. Die Arbeiter werden so praktisch durch learning by doing qualifiziert. Das ist sicherlich nicht der karitative Hintergedanke der Chinesen (siehe unten) dabei, aber so ist es.

Wie sollen denn die Einheimischen eine Straße selbst bauen, wenn es an fast allem fehlt was zum Bau dafür notwendig ist? Das Know-how kann man natürlich vermitteln, aber das nützt gar nichts, wenn die entsprechenden Ressourcen (zum Beispiel Straßenbaumaschinen) nicht vorhanden sind. Also muss man eine Ebene nach unten gehen und das Know-how für den Bau von Straßenbaumaschinen vermitteln. Auch das funktioniert nicht, denn es fehlt die dafür notwendige Schwerindustrie. Und so weiter, und so fort...
Wo fängt man also an, wo hört man auf?

China ist nicht als Entwicklungshelfer in Afrika. Aber die Chinesen machen das, was sie schon seit Tausenden von Jahren mit angrenzenden Völkern gemacht haben: Eine wirtschaftliche Beziehung entwickeln, bei der sie einen möglichst großen Profit erzielen können, ohne die Völker dabei auszubluten.

Soll ich mal ausführen wie die Länder Europas (und deren Ableger USA) mit Afrika umgegangen sind? Besser nicht, das würde zu weit führen und hier wurde ja schon darum gebeten keine Vergleiche anzustellen :wink:
Laogai <=> 老盖, Ex-Blogwart
Konfuzius sagt: "Just smile and wave, boys. Smile and wave."
天不怕地不怕就怕洋鬼子开口说中国话!
Benutzeravatar
lueken
Teilnehmer
Teilnehmer
Beiträge: 42
Registriert: 19.11.2011, 00:13

Re: Will China Afrika helfen oder abhängig machen?

Beitrag von lueken »

"Ein EZ-Vorhaben ist nachhaltig, wenn es Verhaltensänderungen bei der Zielgruppe in Gang setzt, die diese Gruppe in die Lage versetzen, ihre Lebensbedingungen selbständig und dauerhaft zu verbessern; hierzu zählt insbesondere die Fähigkeit, auf veränderte Rahmen- und Umweltbedingungen flexibel zu reagieren." (Prof. Dr. H. Sangmeister)

Eine Straße ermöglicht den deutlich verbesserten Transport von Rohstoffen, Produkten und letztlich auch Personal.
Dadurch wird den Einheimischen die Möglichkeit gegeben, Arbeit zu finden und wichtiger: Wirtschaften aufzubauen, die aufgrund der benötigten Infrastruktur sonst nicht gebildet werden könnten. Denn wenn man

a) die Rohstoffe nicht zur Produktion

oder gar

b) das Produkt nicht zum Käufer

bringt, wird jeder Wirtschaft, gleich ob Afrikanisch, Chinesisch oder Deutsch, die Existenzgrundlage entzogen.
Um zu deiner Definition zurückzukommen:
Durch den Bau einer Straße wird die Schaffung von Arbeit durch Wirtschaften, bessere Anbindung an Bildung, Gesundheitssystem und Kommunikation im Allgemeinen (in Afrika noch nicht selbstverständlich) in Gang gesetzt.
So denn die Bevölkerung sich dieser Möglichkeiten gewahr wird und sie auch produktiv nutzt, steht der Möglichkeit, die eigenen Lebensbedingungen "dauerhaft und selbstständig" zu verbessern nichts mehr im Weg - zumindest nicht der Chinese oder der genauso böse "Westen" :roll:
Man kann also klar davon sprechen, die Bevölkerung sei in die Lage versetzt obiges zu exerzieren, um bei deinem vordefinierten Wortlaut zu bleiben.

Und damit du mir nicht damit kommst: Eine Straße ermöglicht den Menschen auch, auf veränderte Umweltbedingungen zu reagieren.
Im Pragmatischsten Sinne indem man sich bei Veränderung zu eigenen Ungunsten von Ort und Stelle bewegt. ;) Dass das nicht die "ernsthafte", differenzierte Begründung ist, sei mir nachgesehen, ich hoffe aber, dass jeder der hier involvierten und trotz fortgeschrittener Threadlänge noch partizipierenden Mitglieder sich ein Szenario ausmalen kann, welches die letzte These sinnstiftend untermauert. :mrgreen:

Viele Grüße ;)


P.S: Nach etlichen Jahren (Jahrzehnten) sind auch die einheimischen Afrikaner in der Lage eine Straße zu bauen (sind sie heute auch schon, zumindest in den Ballungszentren). Die Frage ist vielmehr, ob sie die vorhandenen infrastrukturellen Möglichkeiten gut genug genutzt haben, um eine Erneuerung oder einen Neubau einer Straße auch finanzieren und logistisch umsetzen zu können.
Und das, so meine Meinung, wird einzig durch die Bevölkerung höchstselbst entschieden.
Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste