Man kann so ein Arbeitslager nicht mit Auschwitz vergleichen, das mag schon sein.
Man darf ein Laogai eben nicht mit Ausschwitz vergleichen. Das primäre Ziel eines KZ war die Auslöschung ihrer Insassen. Das primäre Ziel eines Laogai war die Resozialisierung. Die Grundideologie war schon eine ganz andere.
Nur so nebenbei, welches Ziel hat eigentlich das Lager Guanatanmo? Hier liegt übrigens eines (sic!) der Grundprobleme des Lagers und zeigte wie extrem kurzfristig die Regierung Bush dachte. Sperren wir mal alle ein und dann schauen wir mal weiter...
Das es in den Lagern zu schweren Menschenrechtsverletzungen gekommen ist, steht außer Frage. Auch das ein großer Teil der Häftlinge politisch verfolgte waren. Es waren aber keine Todeslager - außer vielleicht zu den Zeiten des großen Sprunges in dem eine Lebensmittelknappheit herrschte. Das waren aber auch keine gezielte Tötungen - am Ende des Films wird das Lager sogar aufgelassen, was auch der Geschichte entspricht.
Ein Laogai, ist ein Laogai. Ein KZ ist ein KZ - Wer hier keinen Unterschied erkennt, hat nicht begriffen warum es bei der Ideologie des Nationalsozialismus eigentlich ging und welchen Zweck die Lager hatten. Und hier rutschen wir sehr schnell in den Geschichtsrevisionismus hinein, dann fallen früher oder später Vergleiche ala Guantanamo ist ein KZ und Jahre später heißt es, dann unsere KZs waren nur einige von vielen (was natürlich auch stimmt) in der Weltgeschichte.
Ich weiß ja nicht, wie es in Österreich war, aber in Deutschland gab es nach dem Krieg einen sehr scharfen Bruch. Von einem "Kontinuum" kann man im Bezug auf die Parteienlandschaft kaum reden.
Ich weiß jetzt auch nicht wie es in Deutschland gehandhabt wurde, aber in Österreich kamen sehr viele Nazis bei den Parteien unter. Aber sehen wir davon einmal ab, was mich in Deutschland stört ist die Art und Weise wie die deutsche Geschichte aufgearbeitet wurde. In Deutschland wurde anscheinend bis heute nicht richtig verstanden wurde, welche Mechanismen damals im Spiel waren. Die Nazizeit wird als böse Dunkle Zeit begriffen, mit der Deutschland nichts mehr zu tun hat. Hitler ist quasi eine Karikatur des Bösen - und Deutschland wurde von diesem bösen Onkel vergewaltigt.
Hätte man damals schon gelebt, hätte man natürlich nicht mitgemacht - und gerade hier, liegen viele Deutsche falsch.
Diese extreme Tendenz die Welt in s/w aufzuteilen, diese extreme Regelorientierung (wenn es ein Gesetz dazu gibt, ist es schon in Ordnung), das komplette Fehlen von Empathie und Einfühlungsvermögen, sind nach wie vor grunddeutsche Eigenschaften, die wenig bis gar nicht reflektiert werden und die damals maßgeblich eine Rolle spielten. Helmut Schmidt sind die Deutschen nicht ohne Grund bis heute nicht geheuer.
Deutschland hatte also nur öffentlich einen Bruch zur Nazizeit und redet sich dies auch ständig selbst ein. Was aber fehlt ist das Verständnis, dass die Nazizeit ein Teil der deutschen Geschichte steht und nicht einfach wie eine schwarze Wolke über das Land gekommen ist. Es also gar nicht einen Bruch geben kann, höchstens ein Lernen daraus. Und das mit dem "lernen" naja, das setzt zumindest Verständnis voraus. Stattdessen wird einfach stur auswendig gelernt: Autobahn - Böse, Hitler - ganz Böse, Demokratie - gut, freie Marktwirtschaft - gut usw.
Sieht man jetzt auch wieder bei Sarazzin - der übrigens eine sehr deutsche Eigenschaft aufweißt, die starke Orientierung nach Statistiken und Zahlen (scheinbarer Objektivismus) und völliges fehlen von Empathie - bei Sarazzin wird krampfhaft versucht, diesen in die vorgegeben Kategorien Gut-Böse einzuteilen. Für die einen ist er der große Rebell (Gut), für die breiten Medien ein Rassist (Böse). Das Sarazzin aber weder Rebell noch Rassist ist (beide Begriffe sind absolut unpassend), scheint der breiten Mehrheit nicht zu dämmern.
Dennoch haben beide gemeinsam, dass sie machtbesessene Despoten waren.
Machtbesessene Despoten sind gefühlte 70% der Spitzenpolitiker oder zeigen zumindest eine Tendenz dazu auf. Eine Frage ist eher das Umfeld, welches ihnen ermöglicht so zu werden und so zu wirken. In China wie auch in Deutschland, war das Umfeld (Kultur, wirtschaftlicher und militärisches Umfeld, politisches Umfeld etc.) ganz unterschiedlich. Ergo waren auch die Despoten und auch ihre Verbrechen unterschiedlich. China hat eben nicht einen dritten Weltkrieg losgetreten oder versucht eine Ethnie auszulöschen. Nein, China verfiel in den sektenhaften Taumel der nur zu oft ein Kennzeichen von neuen Dynastien war und musste sich mit den Auswirkungen 100 Jahre Zerstörung und Zerfalls beschäftigen. Hinzu kam noch die völlige Inkompetenz bezüglich wirtschaftlicher Fragen, welche unter anderem auch ideologisch (Mao war immer Revolutionär aber niemals ein Herrscher) bedingt war.
Was die Brisanz des Filmes und die Gefahren des Autors betrifft - in China gibt es eine eigene Gattung von Büchern die diese Zeit und vor allem die Kulturrevolution aufarbeitet: Narbenliteratur (
http://de.wikipedia.org/wiki/Narbenliteratur" target="_blank), drastische Filme gibt es darüber auch genug. Einige wurden am Anfang verboten, dann wieder zugelassen usw. Ich erinnere da nur an Zhang Yimou - welcher natürlich inzwischen als chinesischer Leni Riefenstahl (wiedereinmal so ein toller Nazi Vergleich) bei uns gekannt ist. Die Gefahr die der Autor ausgesetzt ist, ist, dass sein Film nicht durch die Zensur kommt. Natürlich, wenn der Film mit europäischen Geldern finanziert wird, stellt sich der KP natürlich die Frage ob es sich hier nicht eher um einen westlich geförderten Dissidenten handelt und nicht um einen kritischen Filmemacher. Mir stellt sich die Frage, ob dieser Film überhaupt für Chinesen gemacht worden ist.
Ich habe den Verdacht, dass ist wiedereinmal ein Film der von Anfang an nur für Westler gedreht wurde und zeigen soll, wie böse die Kommunisten doch sind. "Aufarbeitung" dürfte also nicht einmal das Ziel des Filmes gewesen sein.