Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

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aquadraht
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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von aquadraht »

Mathias hat geschrieben:
jadelixx hat geschrieben: ... Scheiß auf die Nationalisten, Grenzbetoner und Kulturfetischisten, lets mix! ...
Das sehe ich zu mindesten 100 % auch so :wink: leider gilt für Anhänger einiger Glaubensrichtungen "Mischen impossible" :(
Mathias, jadelixx: Es wäre schön, wenn es so einfach wäre. Ich denke, dass es für die Chinesen an der Zeit ist, ihre recht rührige und fähige Akademie für Sozialwissenschaften intensiv an das Problem zu setzen, dass bei diesen Unruhen offenbar geworden ist, statt alle Schuld auf die Kasper vom IUC, die GfbV, Al Qaida oder andere völkische oder religiöse Spinner abzuwälzen. Solche Hetzer, Schwach- und Flachhirne gab es schon immer, und zu Zeiten des Kalten Krieges hatten sie umfangreichere Etats als heute.

Ich denke, dass Ursachen zu suchen sind im Tempo der Umbrüche und Veränderungen, in ihrer häufigen sozialen und mitunter ethnischen Unausgewogenheit und in den daraus resultierenden individuellen und kollektiven Gefühlen und Reaktionen. Die Vorfälle in Guangdong, die den äusseren Anlass geliefert haben, haben ja gleichzeitig die Stärke fremdenfeindlicher Gefühle gegenüber bestimmten Minderheiten offenbart, und die Verbrecher von Urumqi sind nicht aus Internetleitungen "feindlicher" Websites gekrabbelt.

Positiv ist, dass die Chinesen gelernt haben. Es wird nicht mehr abgesperrt und Deckel drauf wie noch vor eineinviertel Jahr (und mehr noch 1990) in Tibet. Und ich denke, dass das der richtige Weg ist, sich auf Lösungen zuzubewegen. Einfache Antworten wird es eh nicht geben: wer ein unabhängiges Turkestan fordert, ist nicht richtig im Kopf, abgesehen davon, dass das eher mehr als weniger Gewalt verspräche.
Mathias
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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von Mathias »

aquadraht hat geschrieben: ... Ich denke, dass Ursachen zu suchen sind im Tempo der Umbrüche und Veränderungen, in ihrer häufigen sozialen und mitunter ethnischen Unausgewogenheit und in den daraus resultierenden individuellen und kollektiven Gefühlen und Reaktionen ...
Stimmt, in China sollte man diese Ereignisse als Vorbeben möglicher, heftigerer Ausbrüche sozialen Unmutes verstehen. Daß hier eine ethnische und religiöse Komponente im Spiel ist, darf nicht von den großen Problemen (Altersstruktur, Altersabsicherung, Gesundheitsversorgung, Arbeitslosigkeit usw.) ablenken. Bleibt zu hoffen, daß "die" das in den Griff bekommen, nicht nur für China.
Bernhard
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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von Bernhard »

aquadraht hat geschrieben: Ich denke, dass es für die Chinesen an der Zeit ist, ihre recht rührige und fähige Akademie für Sozialwissenschaften intensiv an das Problem zu setzen, dass bei diesen Unruhen offenbar geworden ist, statt alle Schuld auf die Kasper vom IUC, die GfbV, Al Qaida oder andere völkische oder religiöse Spinner abzuwälzen.
Volle Zustimmung!
aquadraht hat geschrieben: wer ein unabhängiges Turkestan fordert, ist nicht richtig im Kopf,
Na ja, ganz so würde ich es nicht sagen. Ich bin nicht notwendigerweise für ein unabhängiges Turkestan (tatsächlich bin ich "neutral" in dieser Frage), aber ich würde nicht jeden als schwachsinnig bezeichnen, der Unabhängigkeit für seine Ethnie wünscht. Nicht die Basken, nicht die Bretonen, nicht die Katalanen, nicht einmal die Sorben (obwohl solche Rufe nie zu hören sind).
Bei Xinjiang ist natürlich noch die Schwierigkeit, dass es ethnisch nie homogen war und heutzutage der Anteil an Han schon bei 40% liegt (in vielen Gebieten sind die Han deutlich in der Mehrheit, dank Zuwanderung).
Mathias
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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von Mathias »

Bernhard hat geschrieben:
aquadraht hat geschrieben:wer ein unabhängiges Turkestan fordert, ist nicht richtig im Kopf,
Na ja, ganz so würde ich es nicht sagen.
Interessant sind jetzt z.B. auch die Äußerungen eines Herrn Erdogan, der seine Sympathien für die "Verwandten" in Ostturkestan wiederentdeckt hat. Er spricht sogar von Völkermord (Wie heißt das eigentlich auf Kurdisch?), das heisst, das Ganze bekommt jetzt wohl auch eine internationale Komponente.
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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von Topas »

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 10,00.html" target="_blank


auch wenn jetzt von dem "chinafeindlichen" Medium Spiegel, sit dieser Bericht doch erlesenswert.
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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von aquadraht »

Topas hat geschrieben:http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 10,00.html
auch wenn jetzt von dem "chinafeindlichen" Medium Spiegel, sit dieser Bericht doch erlesenswert.
Naja, ist halt Spiegel. Unfähig, einen sauber recherchierten Artikel zu bringen und sich der nachprüfbaren Unwahrheiten zu enthalten (so über die bingtuan, die nie so viel Land dauerhaft unter Bewirtschaftung hatte, als sie zuvor urbar gemacht hatte. Dass der Anteil der bingtuan am GDP seit Beginn der Reformära ständig rückläufig ist, muss ein Spiegeljournalist natürlich auch nicht erwähnen, es würde ja den gruseligen Effekt der "Han-Militärs" stören).

Man könnte in der Tat bekannte Probleme der Minderheitenpolitik, etwa der Minderheitenschulen (minzu xuexiao) diskutieren, nur würden dann die Sensationen schwinden und man müsste Probleme einräumen, die auch in Nordschleswig oder der Lausitz nicht hinreichend gelöst sind und für die ich auch keinen perfekten Rat weiss. Soll nun ein Schüler seine Minderheitensprache neben der verdammt nicht einfach zu erlernenden chinesischen Sprache lernen und damit nur die Chance haben, Englisch oder eine andere europäische Sprache als Drittsprache zu lernen? Das ist keine einfache Entscheidung und ein Einfallstor für Ethnofundamentalisten, über "Sinisierung" zu hetzen.

Natürlich könnte man die Uighuren Bergchinesen nennen und jeden einsperren, der eine uighurische Musikkassette hört. So machen das NATO-Partner.
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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von Bernhard »

aquadraht hat geschrieben: Natürlich könnte man die Uighuren Bergchinesen nennen und jeden einsperren, der eine uighurische Musikkassette hört. So machen das NATO-Partner.
Ich bin natürlich gegen so ein Vorgehen. Aber so machen es nicht "NATO-Partner", sondern EIN NATO-Partner. Und die NATO ist ihrem Wesen nach ein Militärbündnis, keine Wertegemeinschaft.
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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von aquadraht »

Bernhard hat geschrieben:
aquadraht hat geschrieben: Natürlich könnte man die Uighuren Bergchinesen nennen und jeden einsperren, der eine uighurische Musikkassette hört. So machen das NATO-Partner.
Ich bin natürlich gegen so ein Vorgehen. Aber so machen es nicht "NATO-Partner", sondern EIN NATO-Partner. Und die NATO ist ihrem Wesen nach ein Militärbündnis, keine Wertegemeinschaft.
Naja, andere NATO-Partner machen nicht genau das, aber sie haben immerhin sowas wie den jugoslawischen Bürgerkrieg angezettelt, die Vertreibung der Serben aus der Krajina und der Roma aus dem Kosovo militärisch abgesichert und ermöglicht, und ihre Minderheitenpolitik etwa im Baskenland, in Nordirland und anderswo ist auch nicht so völlig ohne Fehl und Tadel. Nicht, dass ich behaupte, ich hätte für all dies die tolle Patentlösung, mit der alle Probleme weggezaubert oder nie aufgetreten wären, gewiss nicht. Die Zeigefingerheber, Schulmeister und Oberlehrer, die genau wissen, dass Beijings Minderheitenpolitik gescheitert ist, und alle Probleme Chinas mit so freien Medien wie, sagen wir, denen Murdochs und Berlusconis, gelöst wären, hätten aber jeden Grund, sich erstmal an die eigene Nase zu fassen. China hat an Jugoslawien und der UdSSR studieren können, was einem Land widerfährt, das sich der westlichen Wertegemeinschaft auf Gnade oder Ungnade ergibt. Und die Zensursulas, Schäubles und Berlusconis sind wirklich nicht die Lichtgestalten, die glaubhaft Demokratie predigen können.
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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von ingo_001 »

Mathias hat geschrieben:
Bernhard hat geschrieben:
aquadraht hat geschrieben:wer ein unabhängiges Turkestan fordert, ist nicht richtig im Kopf,
Na ja, ganz so würde ich es nicht sagen.
Interessant sind jetzt z.B. auch die Äußerungen eines Herrn Erdogan, der seine Sympathien für die "Verwandten" in Ostturkestan wiederentdeckt hat. Er spricht sogar von Völkermord (Wie heißt das eigentlich auf Kurdisch?), das heisst, das Ganze bekommt jetzt wohl auch eine internationale Komponente.
Da wir durch Providerschlamperei eine Woche offline waren, kann ich erst jetzt wieder einsteigen - hab die Beiträge erstmal nur überflogen - und gehe mal auf obigen Post ein:
Erdogan durfte wohl die Zustimmung der türkischen Befölkerung mit seinen Äusserungen finden, die sich ihren "Brüdern und Schwestern" verbunden fühlen.

Ähnliche Gefühle hegen ja die Russen für ihre gleichfalls slavischen Brüder in Serbien.
Bin mal gespannt ob irgendwann auch mal hiesige Politiker ihr Herz für die in Kasachstan lebenden Deutschen entdeckt und auch so "argumentiert" wie Erdogan bei den Uiguren oder damals Putin bei den Serben.
* Ironie+Zynismus-Smiley.

Da wird also wieder mal die Verbundenheit mit den weit entfernten Brüdern - aus welchen Gründen auch immer - betont.
Wobei das im vorliegenden Fall (Uiguren) sicher eine Premiere ist.
Ich will auch nicht mutmassen, ob besagter türkischer Politiker da nicht von eigenen (türkischen) Sünden in der Vergangenheit ablenken will ...
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von Topas »

B4
aquadraht hat geschrieben:Naja, andere NATO-Partner machen nicht genau das, aber sie haben immerhin sowas wie den jugoslawischen Bürgerkrieg angezettelt,
Wo hast du dass denn her ? Bitte belegen ! Sonst ist es eine Unterstellung.

Jugoslawien wahr ein zusammengematschter Vielvölkerstaat, der aus den Wiiren des ersten Weltkriegs zuerst als Serbokroatisches Königreich entstand. Solange Tito da wahr, hielt sich dass in Grenzen, gabs kaum brodelei. Aber er lebte ja nur bis in die achtziger Jahre.
aquadraht hat geschrieben:China hat an Jugoslawien und der UdSSR studieren können, was einem Land widerfährt, das sich der westlichen Wertegemeinschaft auf Gnade oder Ungnade ergibt.
Gnade ? Ergeben ? .....hört sich nach Kalter-Krieg-Polemik an. In Grenzen denken. Böse und Gut. Feindliche Ideologie.... :roll:

Dei Rubelkrise Ende der Neunziger ist stark mit der 97ger Finanzkrise gekoppelt, in der osteuopa im allgemeinen in Zahlungsschwierigkeiten geriet. Ein Weitere Faktor ist zudem die Systemumstellung ( Planwirtschaft hinzu Marktwirtschaft ) und falsche politik.
aquadraht hat geschrieben:Zensursulas
Sachlich wirkst du nicht gerade ....
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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von ingo_001 »

aquadraht hat geschrieben:Naja, andere NATO-Partner machen nicht genau das, aber sie haben immerhin sowas wie den jugoslawischen Bürgerkrieg angezettelt, die Vertreibung der Serben aus der Krajina und der Roma aus dem Kosovo militärisch abgesichert und ermöglicht, und ihre Minderheitenpolitik etwa im Baskenland, in Nordirland und anderswo ist auch nicht so völlig ohne Fehl und Tadel. Nicht, dass ich behaupte, ich hätte für all dies die tolle Patentlösung, mit der alle Probleme weggezaubert oder nie aufgetreten wären, gewiss nicht. Die Zeigefingerheber, Schulmeister und Oberlehrer, die genau wissen, dass Beijings Minderheitenpolitik gescheitert ist, und alle Probleme Chinas mit so freien Medien wie, sagen wir, denen Murdochs und Berlusconis, gelöst wären, hätten aber jeden Grund, sich erstmal an die eigene Nase zu fassen. China hat an Jugoslawien und der UdSSR studieren können, was einem Land widerfährt, das sich der westlichen Wertegemeinschaft auf Gnade oder Ungnade ergibt. Und die Zensursulas, Schäubles und Berlusconis sind wirklich nicht die Lichtgestalten, die glaubhaft Demokratie predigen können.
In weiten Teilen stimme ich Deiner Sichtweise voll zu.
Nur, dass damals die NATO die Ursache des Jugoslavien-Krieges war, stimmt nicht.
Sicher hatte die NATO kein UN-Mandat. Was aber wäre die Alternative gewesen?
Aus formal-juristischen Gründen weiter zusehen?
Immerhin waren ja etliche Versuche (über mehrere Jahre hinweg) durch die vorsätzliche Ignoranz Seitens der serbischen Regierung auf diplomatischer Ebene gemacht worden.
Was damals in den UN-Schutzzonen passierte dürfte ja wohl bekannt sein ... Massaker, die offen zeigten, dass man die UNO als das wahrnahm, was sie de facto war: MACHTLOS.
Jugoslavien war seit jeher ein künstlich geschaffener Staat, für dessen friedlichen Zusammenhalt Tito noch postum den Friedens-Nobelpreis erhalten sollte.
Wer Geist hat, hat sicher auch das rechte Wort, aber wer Worte hat, hat darum noch nicht notwendig Geist.

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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von aquadraht »

Topas hat geschrieben:B4
aquadraht hat geschrieben:Naja, andere NATO-Partner machen nicht genau das, aber sie haben immerhin sowas wie den jugoslawischen Bürgerkrieg angezettelt,
Wo hast du dass denn her ? Bitte belegen ! Sonst ist es eine Unterstellung.
Es ist eigentlich unter den meisten Zeitgeschichtlern unumstritten, dass die von Mock, Kohl und Genscher erzwungene Anerkennung der Sezession Kroatiens und Sloweniens der Startschuss zum Bürgerkrieg war, was viele Beobachter auch genau so vorausgesagt haben. Die Zerschlagung Jugoslawiens war seit 1918 auf der Agenda deutscher und österreichischer Konservativer und Nationalisten.

Jugoslawien wahr ein zusammengematschter Vielvölkerstaat, der aus den Wiiren des ersten Weltkriegs zuerst als Serbokroatisches Königreich entstand. Solange Tito da wahr, hielt sich dass in Grenzen, gabs kaum brodelei. Aber er lebte ja nur bis in die achtziger Jahre.
Die "Völker" Jugoslawiens waren im wesentlichen die durch Industrialisierung und Strukturwandel zur reichsten Volksgruppe gewordenen Slowenen, die aus reinem Wohlstandschauvinismus (nicht mehr für die Hungerleider in Mazedonien, Bosnien und Kosovo zahlen wollen) aus der Republik wollte. Deshalb gab es dort auch keinen grossen Widerspruch der heute noch dort lebenden Kroaten, Serben und anderen Jugoslaven. Dann waren es drei "Völker" Serben, Kroaten und (islamische) Bosnier, die sich überhaupt nicht ethnisch, und auch nicht durch die Sprache, sehr wohl aber durch ihre Religion Katholizismus, Orthodoxie und Islam unterschieden. Dazu kamen dann die albanische Ethnie der Kosovaren und die mehr oder minder griechischen Mazedonier, zwischendrin dann die Roma, die in Kosovo sesshaft waren, bis die NATO ihre Vertreibung ermöglicht hat. Das war im wesentlichen nicht "gemanschter" als alle anderen Länder der Region. 20% der Bevölkerung waren Jugoslaven, die sich keiner Volksgruppe, sondern der Republik zugehörig fühlten. Ohne die Sezessionszündelei hätte dieser Staat nicht in einem blutigen Bürgerkrieg zerfallen müssen.

aquadraht hat geschrieben:China hat an Jugoslawien und der UdSSR studieren können, was einem Land widerfährt, das sich der westlichen Wertegemeinschaft auf Gnade oder Ungnade ergibt.
Gnade ? Ergeben ? .....hört sich nach Kalter-Krieg-Polemik an. In Grenzen denken. Böse und Gut. Feindliche Ideologie.... :roll:
Du hast Brzesinskis "Grand Chessboard Game" nicht gelesen und offenbar auch nicht mitbekommen, was nach den "Reformen" Jelzin-Gaidars in der Ex-UdSSR geschehen ist. Die Wirtschaftsleistung ist auf die Werte des Jahres 1960 gefallen, während schätzungsweise 2 Billionen Dollar (das ist grob das BIP der Russischen Föderation von 2007) als Privatisierungsbeute von den Oligarchen und ihren westlichen Kompagnons aus dem Land geschafft wurden. Die Lebenserwartung sank in dieser Zeit von ca. 70 Jahren 1990 auf zeitweilig unter 55 Jahre. Die hieraus (nach den Kriterien, nach denen man die Opfer der Versorgungskrise nach dem "Grossen Sprung" in China berechnet hat) zu ermittelnden "abnormen Todesfälle" liegen im zweistelligen Millionenbereich, davon wird aber nicht so gern geredet. Brzesinski hat übrigens bedauert, dass man nicht die russische Föderation hat weiter filettieren und in Kleinstaaten zerschlagen können. Wie soll jemand als Russe solche Leute nennen, Freunde? Wohlgemerkt, den Kommunismus hatten die Russen ja aufgegeben, aber der "siegreiche Westen" hat sie nach Plänen behandelt, die ursprünglich Hitler für eine besiegte UdSSR ersonnen hatte.
Dei Rubelkrise Ende der Neunziger ist stark mit der 97ger Finanzkrise gekoppelt, in der osteuopa im allgemeinen in Zahlungsschwierigkeiten geriet. Ein Weitere Faktor ist zudem die Systemumstellung ( Planwirtschaft hinzu Marktwirtschaft ) und falsche politik.
Was dort 1991-99 geschehen ist, ist die grösste ökonomische Katastrophe der bekannten Wirtschaftsgeschichte, mit humanen Kosten, die grösser sind als die russischen Verluste im Ersten Weltkrieg. Diese Tragödie endete erst 1998/99, als die völlig abgewirtschaftete Oligarchie einen als blass, loyal und etwas naiv (weil er keine Bestechungsgelder nahm) geltenden Geheimdienstoffizier zum Verlegenheitsstaatschef machte. Hegel würde da von einer List der Vernunft geredet haben.
aquadraht hat geschrieben:Zensursulas
Sachlich wirkst du nicht gerade ....
Warum soll ich gegenüber Leuten, die unsere Freiheiten zerstören wollen, "sachlich" argumentieren? Ich mag auch die chinesische Internetzensur nicht und halte sie auch für Blödsinn.
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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von aquadraht »

ingo_001 hat geschrieben: In weiten Teilen stimme ich Deiner Sichtweise voll zu.
Nur, dass damals die NATO die Ursache des Jugoslavien-Krieges war, stimmt nicht.
Das ist natürlich so eine Sache. Ohne den in Jugoslavien vorhandenen Nationalismus und regionalen Egoismus wäre das alles nicht möglich gewesen. Aber die das geschürt haben und damit in den KSZE und vor der UN eingegangene Verpflichtungen über die Unantastbarkeit der territorialen Integrität der Staaten Europas mit Füssen getreten haben (wie viele andere Wortbrüche, so auch das Versprechen an Gorbatschow, die Nato nicht nach Osten auszudehnen), das sind Mordbrandstifter gewesen. Jeder wusste, dass Jugoslavien ein Pulverfass war.
Sicher hatte die NATO kein UN-Mandat. Was aber wäre die Alternative gewesen?
Aus formal-juristischen Gründen weiter zusehen?
Du scheinst jetzt den Überfall auf Serbien/Jugoslavien wegen Kosovo zu meinen. Denn der Waffenstillstand in Bosnien 1995 war ja mit Unterstützung Serbien-Jugoslaviens zustande gekommen. Da hätte man zum Beispiel nicht einseitig die kriminelle UCK unterstützen, sondern auf einen Kompromiss zusteuern können. Wir hätten dann heute etwas weniger Rauschgift-, Waffen- und Frauenhandel, denn einen kriminelleren Staat als das NATO-Protektorat Kosovo findet man vielleicht noch im Kaukasus, falls überhaupt.

Der Überfall von 1999 war ein Verbrechen gegen das Völkerrecht, in dessen Folge die NATO in Belgrad jugoslavische Journalisten ermordet hat, und ihr Hetzer Jamie Shea behauptete noch, das Umbringen "feindlicher" Journalisten sei eine legitime Kriegshandlung, ebenso wie das (schlimmst umweltzerstörende) Bombardement gegen Chemiefabriken, weil sie angeblich der Familie Milosevic gehörten. Ein paar Völkerrechtler haben da privat den Kopf geschüttelt, aber ansonsten zeigte sich, dass alle unsere demokratischen und zivilisatorischen Werte nicht das Papier wert waren, auf dem sie gedruckt sind.
Immerhin waren ja etliche Versuche (über mehrere Jahre hinweg) durch die vorsätzliche Ignoranz Seitens der serbischen Regierung auf diplomatischer Ebene gemacht worden.
Ach? Hatte man nicht mit einem Abkommen den Krieg in Bosnien beendet?
Was damals in den UN-Schutzzonen passierte dürfte ja wohl bekannt sein ... Massaker, die offen zeigten, dass man die UNO als das wahrnahm, was sie de facto war: MACHTLOS.
Jugoslavien war seit jeher ein künstlich geschaffener Staat, für dessen friedlichen Zusammenhalt Tito noch postum den Friedens-Nobelpreis erhalten sollte.
Der Bürgerkrieg in Jugoslavien war kein Schicksal, er war gemacht und gewollt. Und das Finale, der Überfall auf Kosovo, zeigte die Arroganz einer sich als Sieger der Geschichte fühlenden NATO, die alle Prinzipien von Völkerrecht, Kriegsrecht,, Demokratie und Humanität mit Füssen trat. Übrigens glaube ich auch nicht so recht, dass der Angriff auf die chinesische Botschaft ein Versehen war ..
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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von Topas »

B5
aquadraht hat geschrieben:Es ist eigentlich unter den meisten Zeitgeschichtlern unumstritten, dass die von Mock, Kohl und Genscher erzwungene Anerkennung der Sezession Kroatiens und Sloweniens der Startschuss zum Bürgerkrieg war, was viele Beobachter auch genau so vorausgesagt haben. Die Zerschlagung Jugoslawiens war seit 1918 auf der Agenda deutscher und österreichischer Konservativer und Nationalisten.
Achso. Ok. Schon mal was von Kausalität gehört. Muss nicht mit Finalität identisch sein.
Ich habe bei aller Achtung deine individuellen meinung dass Gefühl, dass du gerne die Europäische Blockordnung des Kalten-Kriegs-Europas haben würdest. Laut dem was ich bisher von dir verstanden habe, ist der Westen mit seiner Demokratie die Ursache dafür, das die halbe Welt in Schutt und Asche liegt mit millionen von Toten und soweiter. Du stellst Ideologismus ( in diesem Falle Kommunismus ) über die Freiheit der Menschen, selbst zu entscheiden. Es ist doch nicht dein Ernst, dass du einem Staat, der gerade mal als solcher 60 Jahre existierte und aus ebenjenen von dir angeprangerten konservativen kreisen erschaffen wurde ( vergesse nicht, das es einst ein Königreich Jugoslawien war ) die Legitimation gibst, mit aller Macht ( polizei , Militär etc ) die bevölkerung kusche zu halten. Du würdest also alleine aus dem integritätsgedanken heraus Diktaturen unterstützen ? Weil diese Antiwestlich sind ?
Eine weitere Sache : Warum vergleichst du Weltansichten aus Kolonialzeiten mit den heutigen ?
Sorry, aber irgendwie kann ich nicht verstehen, und gibt es auch keine rechtfertigung für staatliche Gewalt. Auch nicht für Wegschauen. So nach dem Motto, "Ach lass die in Somalia doch ihre Sache machen, der Westen soll sich nicht einmischen, da er eh nur ein Interesse hat das Horn zu destabiliseren "

Achso, nenn mir doch mal ein paar deiner "meisten Zeitzeugen" ? Ukrainer ? Kasachen ? Georgier ?
aquadraht hat geschrieben:Die "Völker" Jugoslawiens waren im wesentlichen die durch Industrialisierung und Strukturwandel zur reichsten Volksgruppe gewordenen Slowenen, die aus reinem Wohlstandschauvinismus (nicht mehr für die Hungerleider in Mazedonien, Bosnien und Kosovo zahlen wollen) aus der Republik wollte. Deshalb gab es dort auch keinen grossen Widerspruch der heute noch dort lebenden Kroaten, Serben und anderen Jugoslaven. Dann waren es drei "Völker" Serben, Kroaten und (islamische) Bosnier, die sich überhaupt nicht ethnisch, und auch nicht durch die Sprache, sehr wohl aber durch ihre Religion Katholizismus, Orthodoxie und Islam unterschieden. Dazu kamen dann die albanische Ethnie der Kosovaren und die mehr oder minder griechischen Mazedonier, zwischendrin dann die Roma, die in Kosovo sesshaft waren, bis die NATO ihre Vertreibung ermöglicht hat. Das war im wesentlichen nicht "gemanschter" als alle anderen Länder der Region. 20% der Bevölkerung waren Jugoslaven, die sich keiner Volksgruppe, sondern der Republik zugehörig fühlten. Ohne die Sezessionszündelei hätte dieser Staat nicht in einem blutigen Bürgerkrieg zerfallen müssen.
Du hast Vojvodina vergessen. Es gibt noch eine Menge mehr vermeintlicher unterscheidungskriterein, als nur die paar die du aufgezählt hast. So gibt es zB kulturelle Unterschiede.....sonst gäbs ja wohl keine eigenen namen für die Volksgruppen. Und die Schuld den "reichen" Slovenen zu geben, halte ich für sehr weit her geholt. Die Deifferenzen zwischen den einzelenen Völkern gabs beretis vor Tito. gerade Bosnien Herzegowina - da solltest du dir mal Siedlungskarten anschauen ist gemischter als zu Deutschlands besten Zeiten. Wo kommt die Zahl 20% her ? Dies bedeutet, dass 80% der Bevölkerung sich nicht als Jugoslaven fühlten. Die 20% dürften deshalb deiner Auffassung nach die anderen 80% integrieren ?
Der Krieg wäre so oder so gekommen....oder gewaltsam unterdrückt worden. Ein paar warme Wörtchen von Kohl und co tun da nichts zur Sache.
Eine weitere Sache : Vermeintliche Fehler der Nato oder sonst wer rechtfertigt noch lange nicht, das anderswo gleiche oder schlimmere Fehler begangen werden.
aquadraht hat geschrieben:u hast Brzesinskis "Grand Chessboard Game" nicht gelesen und offenbar auch nicht mitbekommen, was nach den "Reformen" Jelzin-Gaidars in der Ex-UdSSR geschehen ist. Die Wirtschaftsleistung ist auf die Werte des Jahres 1960 gefallen, während schätzungsweise 2 Billionen Dollar (das ist grob das BIP der Russischen Föderation von 2007) als Privatisierungsbeute von den Oligarchen und ihren westlichen Kompagnons aus dem Land geschafft wurden. Die Lebenserwartung sank in dieser Zeit von ca. 70 Jahren 1990 auf zeitweilig unter 55 Jahre. Die hieraus (nach den Kriterien, nach denen man die Opfer der Versorgungskrise nach dem "Grossen Sprung" in China berechnet hat) zu ermittelnden "abnormen Todesfälle" liegen im zweistelligen Millionenbereich, davon wird aber nicht so gern geredet. Brzesinski hat übrigens bedauert, dass man nicht die russische Föderation hat weiter filettieren und in Kleinstaaten zerschlagen können. Wie soll jemand als Russe solche Leute nennen, Freunde? Wohlgemerkt, den Kommunismus hatten die Russen ja aufgegeben, aber der "siegreiche Westen" hat sie nach Plänen behandelt, die ursprünglich Hitler für eine besiegte UdSSR ersonnen hatte.
Muss ich Brzensinski gelesen haben ? Wahrscheinlich einer von vielenden meinenden, die ihre Meinung niedergeschrieben haben. Ich bilde mir meine eigene - dafür hab ich mir in den Jahren das Wissen angeeignet. Zum Thema Jelzin : ich hatte oben bereits von Misspolitik geschrieben. Auch hier hört es sich so an, als ob du die Sovjetunion liebend gerne zurückhättest. Ausserdem deine Begrifflichkeiten : Du sprichtst abwertend indem du "Reformen" schreibst ( ohne das ich die jetzt gutheisse ), andererseits sprichst du verharmlosend von Versorgungskrise.

" filletieren und in Kleinstaaten zerschlagen" : siehe Sovjetunion.
Du sprichts 15 Staaten ( und nationen - darunter sogar wirtschaftlich erfolgreichere wie Estland ) indirekt ihr Existenzrecht ab, bzw als Folge westlicher Zerschlagungspolitik ( nach Hitler - auwei )
Wie die Russen es finden sollten ? gegenfrage : Wie sollen es die moldavier, die Ukrainer, Die Georgier, Die Armenier, die Usbeken, Die Turkmenen, die Kasachen, Die tadschiken, die belarussen, die Esten, die Letten, Die litauer, die aserbaidschaner und die kirgisen es denn finden ? Nachedem sie von den alten zaren 150 Jahre zuvor Kolonisiert wurden ?

Apropo : Sovjetrussland hätte 2 Wochen nach hitlers Angriff Europa überrollen wollen. Wie der lauf der geschichte doch so läuft.
aquadraht hat geschrieben: Was dort 1991-99 geschehen ist, ist die grösste ökonomische Katastrophe der bekannten Wirtschaftsgeschichte, mit humanen Kosten, die grösser sind als die russischen Verluste im Ersten Weltkrieg. Diese Tragödie endete erst 1998/99, als die völlig abgewirtschaftete Oligarchie einen als blass, loyal und etwas naiv (weil er keine Bestechungsgelder nahm) geltenden Geheimdienstoffizier zum Verlegenheitsstaatschef machte. Hegel würde da von einer List der Vernunft geredet haben.
Nein ! Es gab grössere. Vor allem Weltweite. Und Putin ist heilig, gel ?
aquadraht hat geschrieben:Warum soll ich gegenüber Leuten, die unsere Freiheiten zerstören wollen, "sachlich" argumentieren? Ich mag auch die chinesische Internetzensur nicht und halte sie auch für Blödsinn.
na ganz einfach : Weil unsachlichkeit bedeutet , sich von seinen persönlichen gefühlen bzw seiner subjektivität leiten zu lassen. Selbst Putin konnte zumindest offiziell sachlich sein. ich finds auch nicht für richtig, was Ursula von der Leyen macht, aber trotzdem fange ich deshalb nicht an, diese person zu verunglimpfen. Auch wenns bekannte Medien machen. Oder muss ich jetzt damit rechnen, das du meinen Nick auch durch den Kakao ziehst, weil ich ne andere Auffassung hab als du. Zu einem sachlich fundierten Meinungsaustausch gehört Achtung gegenüber anderen positionen, genau so, wie mensch dies für sich selbst erwartet.
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Re: Schwere Unruhen in der Provinz Xinjiang

Beitrag von devurandom »

Topas hat geschrieben:http://www.spiegel.de/politik/ausland/0 ... 10,00.html


auch wenn jetzt von dem "chinafeindlichen" Medium Spiegel, sit dieser Bericht doch erlesenswert.
schon gelesen. Ich war richtig geschockt. Verglichen mit den sonst uebliche Geschreibseln von A. Lorenz war der Artikel ja quasi ganz und gar neutral und entspricht damit fuer sein Verhaeltnis praktisch schon dem journatlistischen Ideal... :| Nun ist offenbar doch ne Statistik ueber die Toten veroeffentlicht worden. Uups, war ja nicht so viele Uiguren untern den Toten. Kein Wort mehr ueber die "Gewalt gegen die Demonstranten", einfach Schwam drueber... Spiegel halt. wat lese ich das aber auch.
Topas hat geschrieben:
aquadraht hat geschrieben:Zensursulas
Sachlich wirkst du nicht gerade ....
Wieso? Heisst die Frau etwa anders? :wink:

Gruss
/dev/urandom
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