Buch: Die Chinafalle

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RoyalTramp
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Re: Buch: Die Chinafalle

Beitrag von RoyalTramp »

no1gizmo hat geschrieben:Wenn wir von der Vorstellung ausgehen, dass wir die Korruption (oder besser: das dafür nötige menschliche Fehlverhalten) einfach mit einem Schnipp wegzaubern könnten, würde ich dir zustimmen.

Aber in der Praxis würden wir schon unsere 20-50 Jahre dafür benötigen, durch Umerziehung, Aufklärung, Vermittelung von Disziplinen. Wenn sich jetzt die jungen Chinesen nicht an einem fairen System mit klaren Regeln verlassen und an einer festen Organisation orientieren können, wird China auch in der kommenden Zeit keinen westlichen Standard erreichen.
Ich sehe da eher schwarz, denn die chinesische Jugend nährt sich mittlerweile auch ganz gut an diesem System, aus meiner Sicht. Auch die jungen Auslandsstudenten, die nach China kommen...sind vom Westen eher desillusioniert...Deutschland...tolles Land...alles so schön sauber...Demokratie? Scheint ja nix zu sein, wenn so viele Deutsche sich für demokratische Entscheidungsfindungsprozesse nicht interessieren. Pressefreiheit? Was habe ich persönlich davon? Ich will kein Journalist werden...usw. Mir ist jedenfalls kein Student bisher begegnet, der vom "Feuer für mehr Menschenrechte und Demokratie" so entfacht wäre. Und die, die es sind, die bleiben dann lieber gleich in Deutschland, anstatt nach China zurückzukehren und hier Impulse zu setzen. Sollen lieber die anderen machen! (so gesehen, durch und durch "germanisiert") ;)

Aber das ist jetzt alles nur aus meiner persönlichen Erfahrung im Umgang mit diesen Studenten...
Und die Erreichung eines westlichen Standards meint keine "Verwestlichung", es ist nur unbestritten so, dass der Westen die reichsten (nicht nur wirtschaftlich, sondern auch hinsichtlich des Wohlbefindens) Bewohner hat, da will China ja auch hin. Zumindest gehe ich davon aus.
China als Land? Chinesen als Volk? Ja, gerne...die Menschen hier wollen schon reich werden, aber wenn möglich auch gerne GEGEN den anderen und nicht MIT dem anderen zusammen! Und auf politischer Ebene ist es meiner Meinung nach nicht beabsichtigt, dass das Land reich wird. Denn die hiesige "Armut" lässt sich einfach zu gut wirtschaftlich und politisch ausnutzen. Denn würden sich hier westliche Standards einschleichen, würde das ja auch gleich bedeuten, dass man z.B. fast alle Standortvorteile in der industriellen Produktion verlieren würde, mit katastrophalen Folgen wie Massenarbeitslosigkeit und dementsprechend einem erheblichen Destabilsierungsfaktor. Also: Die Menschen latent arm halten...dann rollt der RMB...auch hier: Das spiegelt nur meinen subjektiven Eindruck wieder...
Ich persönlich bin davon überzeugt, dass Disziplin vermittelt werden kann, denn Diszipliniertheit liegt nicht in den Genen, sondern ist Resultat eine Erziehung nicht nur durch die Eltern, sondern durch die Gesellschaft.

Ohne Disziplin leider kein Weg aus der Korruption und ohne Weg aus der Korruption wird dies auch nicht die Selbstdisziplin in der Gesellschaft motivieren. Ich sagte es bereits: Korruption führt dazu, dass sich 1/5 der Bevölkerung quasi fast alles erlauben darf ("ich brauch das ja nicht unbedingt beachten, also scheiß drauf") und sich bei 4/5 der Bevölkerung ein Ohnmachtsgefühl einschleicht ("ich kann ja eh nichts erreichen, als scheiß drauf").

Und wenn China da nicht an der Gesellschaft arbeitet und Chinesen Disziplin nicht für erstrebenswert erachten, dann brauchen sich Chinesen nicht wundern, wenn sie seitens des Westens und auch Japans als minderwertig angesehen werden.
Wer sagt, dass sie sich wundern? ;)
Ja, ich fordere da mehr Aufklärung in China, warum Korruption das eigene geliebte Land schädigt.

Was darf ich fordern? Nichts, ich bin Ausländer. Fordern dürfen das nur Chinesen. Deswegen sollten wir aber auch mit Chinesen darüber reden und nicht einfach im Vorfeld aufgeben und sagen "es sind halt Chinesen". Das ist keine Lösung, sondern verstärkt nur die Abgrenzung. In den Dialog treten rate ich dazu.
Unbedingt! Das ist der einzige richtige Weg: Der Dialog. Und da helfen solche professionell recherchierten Bücher *Ironie*, wie das hier Besprochene, nicht. Solche Bücher und andere Zurschaustellungen des "erhabenen Zeigefingers" sind ganz im Gegenteil eher dazu angetan, dass sich China noch mehr einigelt, nach dem Beleidigte-Leberwurst-Motto: "Jetzt spielen wir erst Recht nicht mehr mit Euch!"
Also ich weiß nicht, ob das so richtig ist. Ich denke schon, dass es in China sehr klare Hierarchien gibt. Wo sollte es denn welche geben, wo deiner Meinung nach keine sind? Der Chef in China gilt als große/wichtigste Person, darüber steht der Politiker usw. An der Uni ist der Professor die obere Hierarchiebene... also ich will jetzt keinen Roman schreiben, aber kurz gefasst sehe ich es sogar so, dass in China die Hierachie strenger respektiert wird, als in Deutschland (wo man mit dem Chef gerne mal die Probleme offenlegt, tratscht und mit ihm am selben Tisch sitzt).

In Japan sind die Geschenke (z. B. Student an Professor) auch sehr beliebt, Stellen werden über Beziehungen vergeben, es handelt sich auch bei Japan um eine krasse Arschkriechergesellschaft.

Aber bei wichtigen Dingen, werden Regeln beachtet. Wo es erlaubt ist, werden Beziehungen ausgenutzt, aber zu weit gehen ist verboten, Skandale in den Medien werden ausgeschlachtet... und kein Japaner will sein Gesicht vor dem ganzen Land verlieren, weil er Regeln gebrochen hat.
Ich kenne mich in Japan nicht aus, aber die "Hierarchien" in Japan funktionieren aus meiner naiven Sicht betrachtet in erster Linie aus einem absoluten Loyalitätsempfinden heraus. Und just dieser Loyalitätsgedanke ist einem Chinesen "von Natur aus" fern. Aber nicht falsch verstehen...ist jetzt nicht wirklich auf seine Gene bezogen, sondern er bekommt es quasi von zuhause aus bereits mit der Muttermilch aufgesogen: "Loyalität nur solange, wie sie dir auch wirklich nützt oder du keine andere Wahl hast. Sobald sie aber deinem Vorteil im Wege steht: Schmeiß sie über Bord! Wenn, dann gilt deine Loyalität ausschließlich und nur deiner Familie!" Wir müssen ja wohl nicht groß spekulieren, was da in der chinesischen Geschichte nicht alles für großartige und furchtbar intelligente Intrigen gespinnt worden sind und leider ist mein Eindruck, dass die Chinesen selber da irgendwo noch keinen Bruch mit der Vergangenheit erreicht haben.

Anekdote: Das finde ich übrigens immer schön, dass sowas auch in den hiesigen Soap-Operas immer wieder mal thematisiert wird, zwischen dem ganzen Herz-Schmerz-Kram, der da hauptsächlich läuft. Verbotene Liebe und Co. sind dagegen rosarote Wonnebollen, wenn man die Komplexität der Intrigen mal vergleicht. Und wenn ich dann meine Freundin frage: "Hey! Die Tussi ist doch total scheiße! Wie kann die nur?" Dann sagt sie: "Stimmt! Das ist scheiße! Aber sie hat eben ein Ziel..." und ich sitze dann da und sage: "Joa...so kann man datt auch sehen..." ;)

Nachtrag: Was ich hier angemerkt habe, sind natürlich schon sehr vereinfachende Verallgemeinerungen, aber sie spiegeln tatsächlich meinen subjektiven Eindruck von den "Chinesen" als solche wieder.
Thank you for your contribution to China's flourishing and prosperity! 感谢你为祖国繁荣昌盛作出的贡献!
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