beowulf hat geschrieben:
Film über das Hungern in einem chinesischen Gefangenenlager zu Zeiten des großen Sprunges:
http://www.zeit.de/kultur/2010-09/vened ... ival-china"Vor allem aber ist der europäisch finanzierte „The Ditch" das Zeugnis eines ungeheuren Muts – als erster Film eines Chinesen, der das große Tabu der chinesischen Geschichte zum Thema macht. Man muss sich das etwa so vorstellen, als hätte ein Deutscher nach fünfzig Jahren den ersten Film über Auschwitz gedreht – und die ideologischen Nachfahren Hitlers wären noch immer am Ruder."
Die heutige KP mit den ideologischen Nachfahren Hitlers zu vergleichen*, die durch die ideologisch bedingte katastrophale Wirtschaftspolitik ausgelösste Hungersnot und deren Auswirkungen, mit der gezielten und systematischen Auslöschung einer Ethnie gleichzusetzen... Man merkt wieder, viele Deutsche kennen ihre eigene Geschichte nicht. Wirklich Angst machend. Vielleicht sollte China ein paar europäische Filme finanzieren...
*ist sogar doppelt falsch, erstens war Mao kein Hitler und zweitens ist die heutige KP von der maoistischen Ideologie weiter entfernt, als die CDU von der NSDAP. Sowohl die CDU als auch die NSDAP befinden sich auf der rechten Seite des Kontinuums, natürlich meilenweit auseinander. Bei der KP gab es hingegen einen Wechsel von extrem außen Links nach Mitte Rechts. Was dazu führt, dass in China als "linke" diejenigen verstanden werden, welche eine kapitalistisch, nationalistisch, gesellschaftsmoralisch konservative ausgerichtete Politik verfolgen.
Da muss ich zum Teil doch widersprechen.
Erstens geht es in diesem Film nicht um irgend einen Ort, sondern um ein Gefangenenlager. Man kann so ein Arbeitslager nicht mit Auschwitz vergleichen, das mag schon sein. Dennoch ist es so, dass die Bedingungen in solchen Lagern oft unmenschlich waren und viele Gefangene politische Gefangene und keine Verbrecher waren. Viele wurden ja später auch rehabilitiert, zumindest solche, die während der Kulturrevolution eingesperrt waren. Womit der chinesische Staat ja selbst zugegeben hat, dass ihre Verhaftung und Gefangenschaft nicht rechtens war.
Die
Praxis der heutigen KP ist von der maotischen Ideologie sicherlich weit entfernt. Der Vergleich mit NDSAP und CDU hinkt so stark, dass er kein Vergleich ist. Klar festzuhalten ist jedoch:
Die gegenwärtige KP bekennt sich (theoretisch) immer noch zum "Sozialismus chinesischer Prägung". Mao wird zumindest protokollarisch immer noch in Ehren gehalten. Schüler müssen meines Wissens im Politikunterricht immer noch Marxismus, Leninismus, Mao Zedong-Ideen und Deng Xiaoping-Ideen lernen (wenn ich falsch liege, möge man mich korrigieren). Es kam nach dem Tod Maos zu einem Umschwung, aber keineswegs zu einem Bruch. Jeder kennt diese 70%/30%-Theorie von Deng Xiaoping.
Ich weiß ja nicht, wie es in Österreich war, aber in Deutschland gab es nach dem Krieg einen sehr scharfen Bruch. Von einem "Kontinuum" kann man im Bezug auf die Parteienlandschaft kaum reden.
Man kann Mao natürlich nicht 1:1 mit Hitler gleichsetzen. Dennoch haben beide gemeinsam, dass sie machtbesessene Despoten waren. Nazi-Deutschland kann auch nicht mit dem China der Mao-Zeit verglichen werden. Aber das war wohl gar nicht die Absicht des Autors. Die Absicht war wohl vielmehr die, die Brisanz so eines Filmes darzulegen und die Lage, in die der Regisseur sich damit gebracht hat.
Auch wenn der Vergleich sehr theoretisch und vielleicht unglücklich gewählt ist, kann man dem Autor des Artikels wohl nicht vorwerfen, die Nazi-Herrschaft verharmlosen zu wollen.