aquadraht hat geschrieben:
jadelixx hat geschrieben:
Theorie fuer den Auftakt in die nächste Phase der weltweiten Finanzkrise:
Soweit die Angstlusthoffnung auf den grossen Crash in China. Wo da "Theorie" nach welcher wissenschaftlichen Definition drin war, erschliesst sich nicht. Es war ein nicht besonders gut recherchierter Zeitungsartikel.
In der FTD wurde Muenchau's Artikel als Kolumne markiert und es sind jede Menge Annahmen drin, die nicht so ohne Weiteres nachgewiesen werden koennen. Es ist ganz einfach nur eine Theorie. Was ist daran jetzt so schwer zu verstehen?
Btw es ist oeffentlich und es kann gegengesteuert werden. Die Zahlen dazu haben Diejenigen, die es betrifft(das sollten sie jedenfalls).
Zitat:
Welche "Kreditverbände" ausser informellen, meist familiären Privatdarlehen sind denn "nicht gleich illegal"? Selbst in Deutschland kannst Du nicht ohne weiteres einen privaten Spar- und Leihverein aufmachen und Zinsen verlangen. Da kommt nicht bloss die Finanz- und Gewerbeaufsicht, für das Kreditwesen gibt es weit darüber hinausgehende Regeln. Und illegales Kreditgeschäft kann in China (das muss man nicht gut finden) sogar als Kapitalverbrechen gelten.
Schwarz/Grau/Blasen/Giralgeld ist in jeder Volkswirtschaft ein Problem. Aber auch nur dann, wenn die zustaendigen zentralen Instanzen es bei der Bewirtschaftung der Geldmengen nicht beruecksichtigen oder die Menge falsch einschaetzen.
In China braucht es keine grossen illegalen Vereine. Kapital ist flexibler als Menschen und es reicht, wenn von vielen kleine Geldmengen erzeugt werden. Was in Europa und USA schon ein Problem ist, ist in China ein Groesseres. Ebenso in Indien, nur hat Indien zumindestens fuer die deutsche Volkswirtschaft keine so grosse Relevanz. Das gilt fuer alle Waehrungsraeume mit vielen Entscheidern ueber Kapital.
Zitat:
Sowas nennt man Strohmänner aufbauen. Eine Korrektur wird vermutlich heftig sein, vor allem in den Brennpunkten der Spekulation. Menschen werden Geld verlieren. Das war an den chinesischen Börsen auch schon mehrfach so, da sind Indizes um 60% eingebrochen, einzelne Papiere um 90% oder mehr. Auch da hat Herr Professor Pettis (und Andy Xie) den Zusammenbruch der chinesischen Wirtschaft prophezeiht.
Ich glaube nicht, das jemand, der seine Theorien ueber einen Zusammenbruch der chinesischen Wirtschaft publiziert, einen Crash herbeisehnt. Vielmehr duerfte das Betreben im Mittelpunkt stehen, seinen Bekanntheitsgrad zu erhoehen.
Zitat:
... Das einem Privatverleiher gegebene Geld bringt höhere Zinsen als auf einer Bank, Sparkasse oder der Post (die gerade bei Älteren als Sparinstitut beliebt ist). Diese höheren Zinsen können in den Konsum fliessen, aber nicht mehr. Die wiederum finanziert der Privatausleiher aus höheren Kreditzinsen, die den Konsum der Schuldner begrenzen. Ein Nullsummenspiel, keine Blase.
Nein, es ist leider kein Nullsummenspiel. Die Geldschoepfung durch die Zinsmehreinnahmen, die am offiziellen Kreditmarkt erzielt werden, koennen gemonitort werden und sind bei Gegenmassnahmen Rechnungsgrundlage. Das Geld, was zusaetzlich ohne realen Wertzuwachs am Graumarkt erzeugt wird, kann nur geschaetzt werden.
Zitat:
... Die Preisentwicklung der letzten Jahre ist nicht nachhaltig. Das ist trivial. Wie Hu Jintao in Toronto treffend sagte: Märkte regulieren sich nie von selbst, und der chinesische Immobilienmarkt muss in den Griff bekommen werden, gleich aus einer Reihe von Gründen. Da geschieht ja auch schon einiges. Und das ist keine einfache Aufgabe, da es eine Reihe von Zielkonflikten gibt.
Ansich normale Probleme stehen in China immer grosse Zahlen gegenueber. Zur Zeit hat nicht China ein grosses Problem, sondern die meisten westlichen Volkswirtschaften. Wie gesagt, wir sind mittendrin in einer Krise und sie wird noch laenger andauern. Wenn da einer den Zeigefinger hebt und auf eine moegliche Disproportion hinweist muss es keine groesse Bedeutung fuer China haben.
Es geht schon eher um Deine Rente.
Zitat:
Da wird doch kein "Geld erzeugt" (mal abgesehen davon, dass ich die Art und Weise missbillige, wie die marktradikalen Ökonomen vor allem der Friedmanschule Geld und Kredit in einen Topf schmeissen). Der Gläubiger, der 3% mehr Zinsen zahlen muss, weil er an den billigeren offiziellen Kredit nicht kommt, kann kein Geld drucken, er muss wirkliches Geld bezahlen. Damit wird nicht aufgeblasen, sondern umverteilt: der informelle Sparer bekommt etwas davon und der Kreditgeber auch.
Es muessen 3% mehr Geld beschafft werden, denen keine 3% Wertzuwachs gegenueberstehen. Das Geld wird per Giralgeld weiter dokumentiert und es entstehen immer mehr Schulden, die nicht real gewachsenen Werten gegenueberstehen. Man kann mit dem Buchwert des Geldes das Gleiche machen, wie mit Hartgeld, solange die Werte nicht auf ein reales Niveau zurueckfallen.
Solange das nicht geschieht, ist es schlicht "neues Geld".
Auch jemand, der sich nur hobbymaessig damit befasst, der mit wissenschaftlichen Anspruechen nur so um sich schmeisst und selber jede Form von Quellennachweis schuldig bleibt, kann sich mal darauf einlassen.
Einfach mal Inhalte diskutieren. Es geht hier um eine nachvollziehbare denkbare Theorie ohne wissenschaftlichen Anspruch.
Zitat:
Probleme entstehen eher durch die erhöhte Nachfrage nach Wohnraum und die steigenden Preise. Mancher mag darauf rechnen, die erworbene Wohnung aus dem Preisanstieg zu finanzieren. Das geht aber nur, wenn er sie tatsächlich verkauft und loswird, und es gibt die Spekulationsfristen von derzeit 2 und bald wohl 5 Jahren. Das Problem des Häusermarktes ist eben, dass die Nachfrage schon aus dem reinen Wohnraumbedarf sehr hoch ist und sich die Spekulation auf dieser Grundlage entwickelt. Das ist exakt das Gegenteil von Blasenbildung, wo die reale Nachfrage von einem bestimmten Punkt an keine Rolle mehr spielt.
Nein fuer eine Blasenbildung muss es keine Vorlage geben. Die Nachfrage, die die Preise kurzfristig nach oben treibt, muss ebensowenig in der Zukunft weiter existieren. Es mag in Zukunft sinnvoller erscheinen, nicht in Grossstaedten zu wohnen. Es gibt bisher auch keine Beispiele, das Megametropolen mit 50 bis 100 Millionen Menschen Sinn machen oder Lebensqualitaet vermitteln.
Im Moment ist es in China noch anderesherum, aber warum sollte in Zukunft mehr Geld dafuer ausgegeben werden, weniger Lebensqualitaet zu erreichen?
Zitat:
... Wie gesagt, ein privater Geldverleiher kann seine ausstehenden Kredite nicht verbriefen, er kann sie nicht einmal versichern. Die Immobilienblasen in USA, UK, Irland und Spanien und im Baltikum entstanden dadurch, dass Banken Kredite zu bis zu 100% des bereits spekulativ verzerrten Objektpreises ausreichten, dann diese Schuldtitel als ABS verbrieften und auf dieser Grundlage gleich neue Kredite ausreichten. Das war in der Tat "Geld-(eigentlich Kredit-)schöpfung", die ein Ponzi-Schema erlaubte.
Die chinesischen Banken können ihre dinglich besicherten Schuldtitel in gewissen Grenzen refinanzieren, aber die chinesische Zentralbank ist da viel rigider als "deregulierte" westliche Finanzmärkte, und hat die Zügel gerade letztlich stark angezogen. Private Geldverleiher können das praktisch fast gar nicht. Sicher mögen hier und da Gelder aus Glücksspiel und Prostitution in den illegalen Geldmärkte fliessen, aber auch da ist für Blasenbildung (ausser an den Händen der Zocker oder wenn einer ein Präser aufpustet) kein Raum.
Es geht hier nicht um eine Gleichsetzung der Finanzblase 2008 im Westen mit der in China. Es geht auch nicht um eine Schuldzuweisung. Liest sich eben doch sehr dogmatisch deine Argumentation.
Zitat:
... Auch bei den diversen Börsenkrächen in China haben nicht "neoliberale ausbeuterische Spekulanten" ihr Geld verloren, sondern chinesische Bürger aus allen möglichen Schichten. Allerdings ist es dann eher unüblich, die Regierung dafür anzujammern.
Welchen Vorteil haette es in China, die Regierung anzujammern?
Zitat:
Sehr viele Chinesen sehen allerdings derzeit die Regierung in der Pflicht, die Wohnbauspekulation zum Stehen zu bringen. Und es sieht danach aus, als wenn das auch endlich Wirkung zeigt.
Gut so.
Zitat:
Mit einer "Blase aus Peking" hat das aber nichts zu tun, ausser dem üblichen Vorurteil.
Das hatten wir schon, so sind sie eben die Schlagzeilen. Nimm einen anderen Begriff, wenn Dir Blase nicht gefaellt.
Man koennte es auch zusaetzliche Gefahr fuer Renten im Westen durch ueberschiessende Zukuftserwartungen in China nennen und es waere immernoch sehr verkuerzt.
Zitat:
Das ist aber nun wirklich kein chinesisches Problem.
Willkommen in der globalisierten Welt. Das Gute darin ist, das die politischen Entscheider heutzutage gezwungen sind, gemeinsam Kompromisse zu finden. Da die Volkswirtschaften miteinander verknuepft und voneinander abhaengig sind.
Wenn einer mal warnend den Finger hebt, muss es nicht immer gleich eine Schuldzuweisung oder ein Vorteil sein, was ihn treibt. Und selbst wenn, ist es auch nicht mehr wichtig. Egal, ob sein Argument wissenschaftlich formuliert wird oder nicht, wenns eine Grundlage hat, wird es von der Wissenschaft schon noch bemerkt werden.
Auch die Informationsverzerrungen, die durch wirtschaftlich abhaengige Verlage stattgefunden haben, verlieren an Bedeutung. Was die Einen als Quatsch bezeichnen, wird von anderen dankbar aufgenommen und dient dazu, die eigene Argumentation zu festigen. Gut so!
Meines Erachtens, besteht das eigentliche Potential der chinesischen Gesellschaft darin, das ueberwiegend eine weltliche Anschauung die Denkweise bestimmt. Und jetzt spekuliere ich mal ganz gewagt in die Zukunft:
Es wird fuer alle ein Gewinn, wenn sich das Potential erst einmal voll entfaltet.